zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

Moderator: Moderatoren

Benutzeravatar
Pok
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1672
Registriert: Montag 19. August 2013, 01:03
Kontaktdaten:

Beitrag von Pok »

Mein Begriff "Diktatur" war kein Maßstab, sondern ein Szenario. Etwas, was folgen würde, wenn man das Recht auf Leben über alles stellt.

Ich will gelegentlich über andere Dinge sprechen. Aktuell sind es die Verschwörungstheorien und diese speziellen Demos. Die wirken schließlich auch medial und üben Druck aus. Ich nehme daran nicht teil, weil ich mich unwohl fühle, mit Faschos gemeinsam zu protestieren. Aber ich kann jeden verstehen, der dazu keine Alternative sieht.

Ich will auch gar nicht über deren inhaltliche Standpunkte reden ("Weltverschwörung", "Bill Gates", usw.), sondern über die Tatsache, dass sich Protest regt und dass die Rechten offenbar ziemlich erfolgreich dabei sind, eine "Querfront" aufzubauen. Das sollte man nicht ignorieren. Davon gehen die Demos auch nicht weg. Sie haben Ursachen. Und auch wenns dir nicht ins Konzept passt, aber ich halte das überhebliche Gerede über diese "Idioten" für eine, wenn nicht die Ursache dafür. So ein Gerede würgt nämlich Diskussionen ab, was m.E. ein Hauptgrund dafür ist, dass sich Leute ungehört und ignoriert fühlen. Es gibt Gründe, warum Verschwörungstheorien entstehen. Wenn man keinen Bock auf solche Leute hat, muss man nicht deren Geschichten glauben oder danach handeln. Man muss aber herausfinden, woran das liegt! Und die Antwort kann auch ziemlich unbequem sein, wenn sie lautet: "Ja, auch ich habe versagt!"

Schon am 3. April hatte ich davor gewarnt, dass dieser überhebliche Kurs zu Gegenwehr führen würde: "Wer aber mit aller Gewalt eine "ignorante" Minderheit zu Vernunft bringen will, der wird scheitern." und "Es gibt solche bescheuerten Idioten und ich werde mich ihnen anschließen. Das kann niemand verhindern."

Folge hier:
Bild

Naja, nun habe ich mich den Idioten nicht angeschlossen. Aber mit dem Rest lag ich doch gar nicht so falsch.

Edit: "Mundschutz statt Aluhut" - Entweder man ist pro Mundschutz oder man ist ein durchgeknallter Freak. Sehr differenziert. Trägt bestimmt zur Beruhigung der Gemüter bei. :roll:
Zuletzt geändert von Pok am Donnerstag 14. Mai 2020, 19:24, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Pok
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1672
Registriert: Montag 19. August 2013, 01:03
Kontaktdaten:

Beitrag von Pok »

Die Maskenpflicht hat noch ein weiteres Problem, an das viele vermutlich gar nicht denken. Diese Pflicht wird auch damit begründet, dass sich alle bewusst sein sollen, dass "das Virus immer noch da" ist. Weil wir ja alle zu blöd sind und das nur kapieren, wenn wir mit Maske rumlaufen.

Das führt zusammen mit den Distanzregeln (Schlangen vor den Geschäften) dazu, dass überwiegend nur noch notwendige Einkäufe getätigt werden. Dadurch gibt es teilweise massive Umsatzeinbrüche. In Baden-Württemberg befürchten 50 % der Einzelhändler, dass sie das dauerhaft nicht durchhalten können und befürchten den existenziellen Ruin. Was aus ökologischer Sicht erstmal ziemlich traumhaft klingt (keinen überflüssigen Shit kaufen), wird dann blöd, wenn dieses Verhalten durch Zwang und Angst entsteht und massenhaft Leute in existenzielle Nöte bringt.

Hoffentlich wird dieser Zusammenhang demnächst von mehr Leuten erkannt. Dann ist es nämlich bald aus mit dieser schwachsinnigen Maskenpflicht.

Glaskocher
Illumina-Mitglied
Beiträge: 898
Registriert: Dienstag 27. Oktober 2015, 22:17
Wohnort: Leverkusen

Beitrag von Glaskocher »

Durch was würdest Du denn die Maskenpflicht ersetzen, um die Anzahl der Neuinfektionen gering zu halten?

Eine möglichst geringe Anzahl an Neuinfektionen ist bekanntlich die Bedingung dafür, daß die Einschränkungen der "Hammermethode" gelockert werden können, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Alle weiteren Lockerungen hängen auch von der Disziplin der Bevölkerung ab, sich möglichst wenig anzustecken, bis ein Heilmittel für schwere Erkrankungen und ein Impfstoff zur Vorbeugung für die breite Masse verfügbar sind.

Xyrofl
Illumina-Mitglied
Beiträge: 889
Registriert: Samstag 25. September 2010, 00:49

Beitrag von Xyrofl »

Durch was würdest Du denn die Maskenpflicht ersetzen, um die Anzahl der Neuinfektionen gering zu halten?
Die Prämisse ist ja falsch. Die Anzahl der Neuinfektionen soll wieder steigen. Die Maskenpflicht wird nicht mit einer anderen Schutzmaßnahme ersetzt sondern mit der Versicherung, dass sowas nicht nötig ist, weil es nur eine etwas unbekanntere Art von "Erkältungsgrippe" ist. Die Krise ist ja im Prinzip nur eine Massenhysterie und das Schlimme an Covid19 ist hauptsächlich der Umstand, dass die Leute eine irrationale Angst vor dem Unbekannten haben. Das müssen wir mit starken Versprechen angehen. Statt einem Heilmittel gibt es die Versicherung, dass die Krankheit doch in der Regel sehr mild verläuft. Davon können die Kranken sich nichts kaufen, aber sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie schon vorher totkrank waren und deswegen keine Welle machen brauchen, nur weil sie etwas früher sterben. Sie haben ja kein Recht auf Leben, aber wir haben ein Recht auf unsere Freiheit.
Und statt der Impfung haben wir doch die natürliche Immunität nach der Infektion. Das klappt ganz sicher, was soll schon schief gehen? Im Gegensatz zu einem Impfstoff ist die Originalerkrankung nämlich bestens auf Massentauglichkeit geprüft worden. Dass man davon bleibende Schäden bekommen kann ist nur ein Gerücht und selbst wenn, bei einer Erkältung kann das auch passieren :thumbsup:

Man kann das schon so machen. Ich mag den Ansatz nicht leiden, aber er ist nicht komplett sinnlos. Es werden eine Menge Leute sterben, aber dafür bekommt man geringere Einschränkungen. Wichtig ist, dass die Leute möglichst die Beteuerungen glauben und nicht in die andere Richtung misstrauisch werden wenn die Bilder der Massengräber und überfüllten Lazarette durchs Netz wandern.

Die Frage wäre also weniger, wie man die Ansteckungen verhindert, als vielmehr wie man verhindert, dass sich direkt komplementäre Verschwörungstheorien über Bevölkerungskontrolle, usw. ausbreiten wenn man die Krankheit frei laufen lässt, obwohl andere Länder sie eindämmen konnten.

Benutzeravatar
lemmi
IllumiNobel-Gewinner 2012
Beiträge: 3580
Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 09:25

Beitrag von lemmi »

Pok hat geschrieben:Ok, was willst du mir damit sagen? :)

Vermutung 1: dein Zitat soll eine Antwort auf mein Zitat sein. Dann würdest du eine Diktatur akzeptieren, um Menschenleben zu retten?

Vermutung 2: du findest, dass mein Zitat überhaupt nicht auf dein Zitat antwortet.
Beides falsch.*
Aber gemein wie ich bin, decke ich meine hintergründige Intention nicht auf. Musst du schon selbst drauf kommen!

*oder vielmehr: alles drei
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Benutzeravatar
Pok
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1672
Registriert: Montag 19. August 2013, 01:03
Kontaktdaten:

Beitrag von Pok »

Hmm... dann weiß ich nicht weiter. :)
Ich erinnere mich aber an deinen Spruch, dass es ein Recht darauf gibt, unvernünftig zu sein. Gilt das nicht mehr?

@Xyrofl: naja, ein bisschen überspitzt formuliert, aber im Kern hast du es erfasst. :wink:

Ich würde es drauf anlegen, dass sich Protest gegen als zu stark empfundene Lockerungen regt. Warum auch nicht? Wenn Lockerungsbefürworter und -gegner in gleichem Maße protestieren, hätte man vermutlich einen guten Mittelweg gefunden. Davon sind wir aber meilenweit entfernt. Einzig die privilegierten Stubenhocker bei Twitter protestieren gegen die Lockerungen. Natürlich bequem digital. Viel Überzeugung oder Dringlichkeit beweist man damit nicht.

Benutzeravatar
lemmi
IllumiNobel-Gewinner 2012
Beiträge: 3580
Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 09:25

Beitrag von lemmi »

Pok hat geschrieben:Ich erinnere mich aber an deinen Spruch, dass es ein Recht darauf gibt, unvernünftig zu sein. Gilt das nicht mehr?
Woran du dich noch alles erinnerst! wann habe ich das denn geschrieben? Wahrscheinlich war es aber von mir (klingt jedenfalls nicht fremd). Unvernünftig und verbohrt ist aber nicht dasselbe. Deine Argumentation und deine Sprache kommen mir schon sehr radikal vor. 8)

Ich finde die Demos gegen die Massnahmen verständlich, sehe sie aber mit Sorge. Es wird doch schon überall gelockert. Es werden jede Menge Hilfsprogramme aufgelegt um die wirtschaftlichen Folgen afür alle möglcihen Betroffenen abzumildern. Klar hat jeder das Recht seine Interessen zu bekunden und dafür zu demonstrieren. Aber man muss doch nicht die Gefahr leugnen um seine Interessen zu vertreten. Es gibt ja nicht nur ein "entweder-oder" (entweder die Massnahmen sind nötig - oder ich habe das Recht meine Interessen zu vertreten) sondern auch ein "und" (Die Massnahmen sind nötig und ich habe das Recht, darauf hinzuweisen, dass ich dadurch Beeinträchtigungen erleide). Ich kann keine Gefahr für die Demokratie darin sehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung milde, zeitlich begrenzte Einschränkungen der Freiheitsrechte hinnimmt, um eine sanitäre Katastrophe zu verhindern. Dass die Bereitschaft, sowas weiter mitzutragen mit gefühlter Abnahme der Gefahr und der Zunahme der Belastungen (die sind ja vor allem wirtschaftlicher Art) wächst, kann ich gut nachvollziehen und habe es auch erwartet. Meine Sorge ist, dass die Proteste von den Rechten gekapert werden und die sich dann als Verteidiger bürgerlicher Freiheiten aufspielen. Kommt mir vor, wie den Bock zum Gärtner machen.
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Benutzeravatar
Pok
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1672
Registriert: Montag 19. August 2013, 01:03
Kontaktdaten:

Beitrag von Pok »

Auf Seite 2 hast du das geschrieben.
Sich nicht impfen zu lassen ist unvernünftig und veratwortungslos - aber Menschen haben ein recht unvernünftig und (in zu diskutierenden Grenzen) verantwortungslos zu handeln.

Ja, die Proteste werden von Rechten gekapert. Jetzt schon. Die Entwicklung droht ähnlich zu werden wie bei "Pegida". Aber das ist kein Argument gegen meine Behauptung, dass es der Konformismus und ein "Diktat" der Maßnahmen war, was diesen Protest unter den "normalen" Leuten maßgeblich mitverursacht hat.

"Gefahr leugnen" klingt allerdings dogmatisch. Es ist eben teilweise nicht wahr, was über die Gefahr behauptet wird. Das habe ich am Beispiel des Sterberisikos für unter 30-Jährige klargemacht. Abgesehen davon ist eine Gefahr nichts Objektives. Ich finde, man kann eine Gefahr gar nicht "leugnen". Es hängt vom persönlichen Risikoverhalten ab, ob etwas als Gefahr betrachtet wird. Die Gefahr ist nicht der Tod, sondern das Risiko, zu sterben. Der Tod ist absolut. Das Risiko aber nicht!
Es gibt ja nicht nur ein "entweder-oder" (entweder die Massnahmen sind nötig - oder ich habe das Recht meine Interessen zu vertreten)

Kannst du den Leuten das verdenken? Es gab ein Entweder-Oder. Nämlich zu Beginn der Maßnahmen. Es gab totale Demonstrationsverbote. Es gibt bis heute in vielen Bereichen totale Beruftsverbote. Denn
Es wird doch schon überall gelockert.

ist schlichtweg falsch.

Zigtausende sind z.B. vom Tourismus abhängig. Zigtausende auch von Prostitution. Die ist gerade total (!) verboten. Wer weiß das schon? Es gibt viele solcher Bereiche. Diesen Leuten helfen geöffnete Friseure und Zoos auch nicht weiter. Da sind ein paar tausend Demonstranten auf den Straßen aktuell eigentlich noch wenig.

Wenn die Politik diesen Leuten nicht zuhört, dann wenden sie sich der einzig verbliebenen Alternative zu. Und dann landen sie in den Fängen von Rechtsextremisten.

Benutzeravatar
Pok
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1672
Registriert: Montag 19. August 2013, 01:03
Kontaktdaten:

Beitrag von Pok »

Holger Pfahls [url=https://illumina-chemie.de/hexakis-antipyrin-terbiumtriiodid-t5406.html#77391]hier[/url] hat geschrieben:Wie geht´s denn deinem Opa? Hat er inzwischen gelernt, seine Maske richtig zu tragen? Gott behüte ihn und richte ihm beste Wünsche und Dank aus, weil er uns solch einen talentierten Enkel besorgt hat.
Keine Ahnung. Ich hab keinen Kontakt zu ihm. An Gott glaubt er aber nicht, das weiß ich. Und dass er sterben wird, weiß ich auch. Sein Beitrag zu meiner Existenz war allerdings nicht wirklich groß. :lol:

Glaskocher
Illumina-Mitglied
Beiträge: 898
Registriert: Dienstag 27. Oktober 2015, 22:17
Wohnort: Leverkusen

Beitrag von Glaskocher »

Hier ist ein interessanter Bericht zu Biomarkern in Urinproben, die vor schweren Verläufen warnen können. Sobald der Patient als infiziert erkannt wurde können diese Marker während des Anfangs recht milden Verlaufes vor erwartbaren Komplikationen warnen und man kann mit angepasster Therapie vorbeugend beginnen.

Benutzeravatar
lemmi
IllumiNobel-Gewinner 2012
Beiträge: 3580
Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 09:25

Beitrag von lemmi »

Das scheint mir sehr wenig sensationell zu sein. Albumin im Urin ist ein Zeichen einer beginnenden Nierenschädigung und es kann natürlich sein dass sowas bei schweren Infektionen mit SARS CoV 2 sichtbar wird kurz bevor andere Organschäden klinische auffallen, aber etwas Besonderes ist das sicher nicht . Die Frage die ich dann sofort habe ist, ob die regelmäßige Urinuntersuchung da irgendeinen Behandlungs Vorteil bringt? Ist nachgewiesen dass Patienten, bei denen man regelmäßig Urin untersucht, aufgrund der dann festgestellten Albuminausscheidung anders behandelt werden und dann weniger Komplikationen haben oder seltener sterben?
Der Artikel enthält enthält außerdem einen Fehler: dort steht, dass es kritisch wird, wenn Albumin unter 2 mg/dl absinkt. Die normale Konzentration von Albumin im Serum ist 4 Gramm pro Deziliter! 2 Milligramm pro Deziliter sind wahrscheinlich ein Schreibfehler und sollen vermutlich 2g/dl heißen. Eine Verminderung des Albuminspiegels um 50% zeigt schon eine sehr schwere Allgemeinerkrankung an. Das findet man z.b. bei fortgeschrittenen Leberzirrhosen.

Auch das mit dem Antithrombin III - was übrigens kein im Urin, sondern ein im Blut bestimmter Wert ist! - finde ich sehr wenig spektakulär. Das ist ein bekannter Marker für disseminierte intravasale Gerinnung (BIC), eine häufige Komplikation verschiedenster Infektionen. Statt ihn zu bestimmen ist es wahrscheinlich sinnvoller, hospitalisierte Patienten von vorne herein mit einem blutgerinnungshemmende Mittel zu behandeln, z.b. Heparin. Das wird - wie ich heute in Coronavirus Update des NDR gehört habe - auch schon untersucht.

Eine interessante Spekulationen habe ich von einer Kollegin gehört, die Rheumatologin ist . Sie hat viele immunsuppressiv behandelte Patienten. Die gelten ja im allgemeinen als besonders gefährdet . Aber einige ihrer Patientin hatten sich mit dem Coronavirus infiziert und hhatten ausgesprochen milde Verläufe. Sie spekuliert, dass die Immunsuppression möglicherweise sogar ein milden Verlauf begünstigt, weil viele Komplikationen nicht durch das Virus selbst sondern durch eine überschießende Immunantwort ausgelöst werden ( das ist in der Tat so). Cortison ist schon untersucht worden und bessert den Verlauf und bei schweren Fällen offenbar nicht. Es könnte aber sein, dass andere Immunsuppressiva, die an anderen Stellen ansetzen (z.B. Interleukin 6) durchaus einen positiven Effekt haben. Wie gesagt: Spekulation!
Zuletzt geändert von lemmi am Sonntag 17. Mai 2020, 19:19, insgesamt 1-mal geändert.
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Glaskocher
Illumina-Mitglied
Beiträge: 898
Registriert: Dienstag 27. Oktober 2015, 22:17
Wohnort: Leverkusen

Beitrag von Glaskocher »

Kann gut sein, daß der Artikel vom "Bleistiftkauer" (was ist das in digital?) so eben mal zusammengeschustert worden ist. Von den angeblich drei Parametern suche ich den Letzten vergeblich.

Benutzeravatar
Pok
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1672
Registriert: Montag 19. August 2013, 01:03
Kontaktdaten:

Beitrag von Pok »

Wenn Medien über die Nachteile der Maßnahmen berichten:

"Das Coronavirus fordert nicht nur Menschenleben, sondern die weltweite Pandemie hat auch erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit." (Quelle)
"Die US-Wirtschaft wurde vom Coronavirus hart getroffen." (Quelle)

2 Beispiele von heute. Fällt jemandem etwas auf?

Xyrofl
Illumina-Mitglied
Beiträge: 889
Registriert: Samstag 25. September 2010, 00:49

Beitrag von Xyrofl »

Die Frage die ich dann sofort habe ist, ob die regelmäßige Urinuntersuchung da irgendeinen Behandlungs Vorteil bringt? Ist nachgewiesen dass Patienten, bei denen man regelmäßig Urin untersucht, aufgrund der dann festgestellten Albuminausscheidung anders behandelt werden und dann weniger Komplikationen haben oder seltener sterben?
Ist man überhaupt schon so weit? Soweit ich weiß, kann man bisher kaum bewerten ob irgendwelche Medikamente überhaupt helfen oder nicht. Ich habe bisher immer von den Virostatika gehört, dass sie eigentlich zu spät kommen, da man sie am besten möglichst früh verabreichen müsste, was man aber nicht will, da die Krankheit meistens mild verläuft und ein milder Verlauf keinen Einsatz experimenteller Wirkstoffe rechtfertigt. Bisher wählt man meist eher schwere Fälle aus um sie mit experimentellen Virostatika zu behandeln und deswegen wurde diese Problematik oft diskutiert. Bei einer Krankheit wie Ebola, die in aller Regel schwer verläuft, kann man intervenieren sobald die Krankheit nachgewiesen ist, aber hier muss man vorher wissen, wer schwer krank werden wird und wer nicht. In den Kontext kann ich verstehen, dass viele aufgeregt auf Frühdiagnistik warten, egal wie schwach der Strohhalm ist an den man sich da klammert.
Leider ist es sehr schwer sowas zu bewerten weil man ja nicht weiß ob die, die man behandelt hat ohne die Behandlung schwer erkrankt wären. Bis man sowas wirklich signifikant bewiesen hat, ist es vielleicht schon zu spät. Wir haben ja nichts davon wenn wir es in drei Jahren ganz genau wissen. Es ist eine komplizierte, ethische Frage, wie experimentell man hier vorgeht und wie strikt man erschöpfende Evidenz und saubere Zulassungen fordert. Das Gleiche haben wir ja beim Impfstoff auch. Das Blöde an der Situation ist, dass der Virus seinen eigenen Zeitplan hat, er gibt uns keine Zeit für ästhetisch schöne und moralisch einwandfreie Lösungen. Und mit einwandfrei meine ich wirklich einwandfrei und nicht den Umständen entsprechend optimal.

Ein bisschen enttäuschend fand ich bisher die Rolle von Big Tech. Ich hatte eigentlich ein wenig gehofft, dass wir durch moderne Datenanalyse, manchmal auch AI genannt, vielleicht schneller zu unkonventionellen Lösungen kommen, da diese Ansätze möglichst viele Daten, aber nicht notwendigerweise sauber strukturierte Daten benötigen - anders als klassische Studien. Und wir haben ja viele Daten. Es gibt Millionen von Fällen und die Information die wir benötigen ist ganz sicher schon irgendwo aufgenommen worden, sie ist nur verschüttet unter Bergen von Irrelevanz und Datenrauschen. Bisher kommt aus dieser Ecke wenig Überzeugendes, nicht einmal die businesstypischen Versprechungen wie "AI schlägt Harvard-Arzt bei Diagnostik".

Benutzeravatar
lemmi
IllumiNobel-Gewinner 2012
Beiträge: 3580
Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 09:25

Beitrag von lemmi »

Ich meinte mit meinem Kommentar, dass ganz allgemein die Feststellung "Messwert X sagt einen schweren Verlauf voraus" in der Behandlung noch kein Durchbruch ist. Damit das ganze klinisch bedeutsam ist muss man auch nachweisen, dass diese Erkenntnis einen Vorteil in der Behandlung bringt. Es nützt nichts, wenn man etwas vorhersagen kann, aber der outcome danach auch nicht besser ist. Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass eine frühe Behandlung besser ist als eine späte, aber ob er stimmt muss man in jedem Einzelfall erstmal nachweisen. Die Geschichte der Medizin ist voll von allgemein anerkannten logischen Schlussfolgerungen, die sich später in der empirischen Überprüfung als falsch heruasstellten.

Dass wir noch keinen wirklich gut gegen das Virus wirkenden Stoff in Händen haben ist dabei "nur" ein Nebenaspekt. Es könnte ja auch sein, dass man mit symptomatischen Massnahmen (Gerinnungshemmung, Kreislaufunterstützung, Blutdruckregulation oder was auch immer) den Verlauf günstig beeinflussen kann (wie Glaskocher schrieb "mit angepasster Therapie vorbeugend beginnen"). Es könnte z.B. sein, dass man, sobald man eine Albuminurie festetellt, mit einer Kreislauftherapie beginnt oder mit einer immunmodulatorischen Therapie. Aber was auch immer, man muss klinisch in einer Studie nachweisen, dass diese Therapie, deren Beginn durch den Urintest gesteuert wird, auch tatsächlich etwas bringt: Krankenhausliegedauer verkürzt, Prozentsatz der Beatmungspflichtigkeit senkt oder am besten die Sterblichkeit. Das braucht Zeit und gut geplante klinische Studien.

Ich bin sehr gespannt, ob man ein wirksames Virustatikum finden wird. Mir ist - wahrscheinlich weil ich mich zu wenig auskenne - unverständlich, wieso man so einen Rummel um (Hydroxy)Chloroquin und Azithromycin gemacht hat. Das beruhte nur auf ein paar in-vitro-Versuchen. Sowas hat in der Geschichte der Arzneimittelfindung noch nie zu einem Durchbruch geführt. Entscheidend ist immer der klinische Erfolg und keine dieser Substanzen war bislang bei iregendeinem Virus überzeugend wirksam. Da waren die Proteasehemmer schon bessere Kandidaten - leider hat die erste saubere größere Studie ergeben, dass sie wirkungslos sind. Die Daten zu Remdesivir kenne ich noch nicht näher, aber ersten Zusammenfassungen entnehme ich, das der klinische Erfolg allenfalls mäßig, eher aber nur marginal ist. Der Durchbruch ist auch diese Substanz offenbar nicht.

Wir wissen noch immer viel zu wenig über Covid-19. Wir wissen fast alles über das Virus - aber noch nicht viel über die Erkrankung, die es auslöst. Z.B. welche Rolle das Immunsystem dabei spielt. Bei einer Reihe von Infektionskrankheiten ist die Immunreaktion bei der Pathoegene viel ausschlaggebender als der Erreger selbst.
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Antworten