Synthese von 1-Nitroso-2-naphthol

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mgritsch
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Synthese von 1-Nitroso-2-naphthol

Beitrag von mgritsch »

Synthese von 1-Nitroso-2-naphthol
([131-91-9] Nitroso-beta-naphthol)

1-Nitroso-2-naphthol kann als Fällungsreagenz für Metalle[1] verwendet werden, seine wichtigste Bedeutung ist jedoch als Zwischenprodukt für höher substituierte Naphthole die in der Farbenchemie als Kupplungskomponenten bei Azofarbstoffen verwendet werden wie z.B. 1-Amino-2-naphthol oder 4-Amino-3-Hydroxy-1-Naphthalenesulfonsäure. Die Synthese hier folgt der Arbeitsvorschrift aus Organic Syntheses [2].


Geräte:

Becherglas, Magnetrührer, Eisbad, Filternutsche


Chemikalien:

2-Naphthol Warnhinweis: nWarnhinweis: attn
Natriumhydroxid
Natriumnitrit
Schwefelsäure 40% Warnhinweis: c
1-Nitroso-2-naphthol Warnhinweis: nWarnhinweis: xn


Durchführung:

In einem 1000 ml Becherglas werden 11,5 g (0,288 mol) NaOH in 500 ml Wasser aufgelöst, anschließend werden darin unter gutem Rühren 40 g (0,277 mol) 2-Naphthol aufgelöst. Es entsteht eine graubraune Lösung. Die Lösung wird im Gefrierfach auf ca 0° vorgekühlt und anschließend werden darin 21 g (0,304 mol) Natriumnitrit aufgelöst. Das Bechergas wird in einer Eis-Kochsalz-Mischung gut gekühlt und es werden langsam und in kleinen Portionen insgesamt 70 ml einer 40%igen Schwefelsäure zugetropft. Dabei ist darauf zu achten, dass die Temperatur immer zwischen 0 und 5° liegt, zur Unterstützung wurden immer wieder Eiswürfel auch in die Reaktionsmischung hinzugegeben.

Die Reaktionsmischung verfärbt sich bei der Zugabe immer mehr von graubraun zu beige und schließlich zu einem kräftigen ockergelb, sie wird immer dicker bis schließlich eine pastöse Masse entsteht, die kaum noch gerührt werden kann (zur Temperaturkontrolle und um zumindest noch eine gewisse Durchmischung zu gewährleisten, musste zuletzt mit dem Thmermometer umgerührt werden). Nachdem die Zugabe der Schwefelsäure beendet ist, wird die Reaktionsmischung noch eine Stunde lang gut isoliert stehen gelassen um die Reaktion zu vervollständigen. Anschließend wird der Niederschlag abgenutscht und ein wenig mit Wasser nachgewaschen. Der Niederschlag ist sehr fein und voluminös und ist nur schwer filtrierbar.

Auf eine weitere Reinigung bzw Trocknung wurde verzichtet, da das Produkt nur einen Zwischenschritt zur weiteren Umsetzung darstellt. Die Ausbeute kann daher auch nicht sinnvoll angegeben werden, man kann jedoch von einer nahezu quantitativen Umsetzung ausgehen.

Schmelzpunkt (lit.): 106-108 °C (dec.)


Entsorgung:

Abfälle kommen zu den organischen halogenfreien Abfällen.


Erklärung:

Aus Natriumnitrit und Schwefelsäure bildet sich in situ Salpetrige Säure die mit dem Naphthol zur Nitroso-Verbindung reagiert:
Bild


Bilder:

Bild
Auflösen von Naphthol

Bild
Langsame, portionsweise Zugabe der Schwefelsäure

Bild
Pastöse ockergelbe Masse, Reaktion ist schon fast abgeschlossen

Bild
Das fertige, in drei Portionen abgenutschte Produkt, noch feucht - bereit zur Weiterverarbeitung


Literatur:

[1] R. Fresenius, G. Jander: Elemente der Ƶweiten Hauptgruppe
[2] Org. Synth. 1922, 2, 61

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Schön, das hatte ich vor einer Weile auch mal gemacht und das ging gar nicht gut - wobei ich auch nicht die Orgsyn Vorschrift hatte.
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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

geht gleich weiter, das ist ja nur der Anfang :)
wiedermal ein bisschen richtig Chemie hier rein bringen ;)

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Na dann bin ich gespannt,.. ich hab damit einen photochromen Farbstoff gemacht :)
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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

und ich einen Komplexometrie-Indikator :)

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Das wurde mir dann aus den anderen Posts schon klar :D Bin gespannt. Hast du auch gleich den Artikel wie man ihn anwendet? :D
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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

Natürlich :) einmal komplett von naphthol bis wasserhärte ;)

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Perfekt!
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Gute Anleitung!
mgritsch hat geschrieben: ...in 500 ml Wasser aufgelöst ... wird immer dicker bis schließlich eine Pastöse Masse entsteht die kaum noch gerührt werden kann ... Der Niederschlag ist sehr fein und voluminös und ist nur schwer filtrierbar.
klingt allerdings etwas nervig ... 8) Wie lange hat das Abnutschen denn gedauert?
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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

ach frag nicht...:roll: ich bin solchen Kummer ja schon gewöhnt :angel: ist aber zu schaffen.

wirklich schlimm war das Produkt der Azokupplung mit Resorcin. Das lässt sich im Gegensatz zu dem mit Naphthol leider nicht durch NaCl als Na Salz ausfällen, ist einfach viel zu gut löslich. Also hab ich es in konz. HCl gekippt um es als freie Säure zu fällen. DAS war wirklich unfiltrierbar dann, mit Müh und Not hab ich einen Brei daraus ziehen können... naja, ist auch ein netter Farbstoff aber nicht so relevant wie das Erio B, also ab damit iin die "lessons learned" Liste und schluss...

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lemmi
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Beitrag von lemmi »

[EDIT by lemmi: korrekturgelesen und verschoben]
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