Kleines Bilderrätsel – aus dem Nachlass von Emil Fischer

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Ich würde annehmen, dass das durch die Handschrift kommt und der zweite Kringel unsauber geschrieben wird aber hier im Bild zu sehen ist (blauer Kreis).
Bild
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Ich habe mich ungenau ausgedrückt. Ich hatte mit dem großen "B" keinerlei Probleme, das hätte ich nie für ein "L" gehalten.

Probleme hatte ich mit den mittleren Silben. Und natürlich weiß ich, daß man nach "a" unten und nach "o" oben weiter schreibt - aber in der Handschrift sind die Unterschiede nicht so eindeutig, vor allem, wenn als nächstes ein "c" folgt. Dass ich "mono" statt "mona" gelesen habe, lag eben daran, dass mir eine Silbe "mona" keinen Sinn zu machen schien. Wenn jemand in einer gemeinschaftlichen Diskussion das vorgeschlagen hätte, hätte ich es abgelehnt. Selbst die hier vorliegende Verbindung hätte ich eigentlich als "...mono-aceton..." bezeichnet sehen wollen.

Was ich für ein kleines "L" hielt, ist ein kleines "T" und das kleine "E" habe ich als "H" interpretiert (wobei mir ein Wasserfleck den Irrtum begünstigt hat: da musste doch was fehlen!). So wurde aus "ceto" ein "chlo". Dann noch den letzten Buchstaben. Sah aus wie ein "N", aber da es "chlon" nicht gibt habe ich "chlor"gelesen. So kam es zu meiner Fehlinterpretation.

Hermeneutik ist schon eine spannende Sache! :wink:

Von mir aus dürfen gerne mehr Rätsel dieser Art gestellt werden! :D
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NI2
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Beitrag von NI2 »

Ein wenig OT aber da es um Etiketten in (vermeintlichem) Sütterlin geht passt das ganze hier her. Kann jemand folgenden Text transkribieren? Jemand auf twitter hatte gefragt und da fiel mir der Thread in und ich würde gerne helfen :)

Danke

Bild
(Via twitter @FossilLocator)
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

"Kupferlasur
kleine tafelförmige lasurblaue
Krystalle mit kleintraubigem erdigem
u[nd] faserigem Malachit in ...
u[nd] Brauneisenstein"

bei dem zweiten "und" bin ich mir nicht sicher, weil der sonst immer vorhandene Strich über dem "u" fehlt, es könnte auch ein hingeschludertes "m" (m[it]) sein.
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NI2
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Beitrag von NI2 »

Vielen Dank!
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Jetzt hab' ich kapiert wie die letzten 4 Worte zu lesen sind, es muss heißen:

"in Hohlräumen v[on] Brauneisenstein"

was ich für ein "u" hielt ist ein "v", daher fehlt der Strich!
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NI2
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Beitrag von NI2 »

So ergibt es auch mehr Sinn. Ich habe als "Vergütung" mal um Bilder des Minerals gebeten. Mal sehen ob morgen was kommt. Vielen Dank auf jeden Fall :)

EDIT: So sieht der Hübsche aus. Nach bisherigen Informationen 1775 in Frankreich gefunden.

Bild
(Bild mit freundlicher Genehmigung über Twitter eingebunden, @FossilLocator )
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Ja, da erkennt man die blauen Kristalle. Woher wohl der Ausdruck "lasurblau" kommt? Ich hatte immer gedacht, dass Kupferlasur der Ursprung dieser Bezeichnung ist - aber Kupferlasur als "lasurblau" zu bezeichnen, wäre eine Tautologie.
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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Nach mehrmaligem Lesen des Textes kann ich lemmi´s "Dechiffrierung" voll und ganz bestätigen. :wink: Ich hatte das "H" in Hohlräumen erst mit einem "N" verwechselt - hab dann mein altes Schulheft gesucht und gefunden - hab es noch lernen müssen..... Was damals auch zum Training der Feinmotorik beitrug....
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Wenn man es nur versucht, so geht´s; das heißt mitunter, doch nicht stets." (Wilhelm Busch 1832 -1908)

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NI2
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Beitrag von NI2 »

lemmi hat geschrieben:Ich hatte immer gedacht, dass Kupferlasur der Ursprung dieser Bezeichnung ist - aber Kupferlasur als "lasurblau" zu bezeichnen, wäre eine Tautologie.
Ist mir auch aufgefallen, ich könnte mir aber vorstellen, dass das "lasurblau" eine Art Idealfarbe ist. Schaut man nach Bildern von Azurit, so findet man ihn in ziemlich unterschiedlichen Blautönen (hier tritt er ja in einem sehr tiefen Blau auf), vielleicht ist die hier gemeinte die "charakteristische" oder "ideale" Farbe - so wie wenn man bei Rubinen von "taubenblutrot" spricht.
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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Mich wundert nur, daß nur von Malachit die Rede ist. Deutliche hellgrüne "Anflüge" von Malachit (basischem Kupferkarbonat) siehe ich unten links. Malachit in großer Konzentration kommt maximal "schwarzgrün" vor. Bei den tiefblauen Kristallen ist es eigentlich Azurit, auch ein basisches Kupferkarbonat; wie von NI2 schon angemerkt...

Oder das Etikett gehört zu einem anderen Fundstück...?
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Bortribromid
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Beitrag von Bortribromid »

Aber von Azurit ist doch auch die Rede - eben unter dem Namen Kupferlasur.

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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Ups BBr3, meine Eigentore.manchmal... :wink: Hast völlig recht!
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Wikipedia hilft weiter:
Wikipedia hat geschrieben:Lasur (entlehnt aus lateinisch lasurium, Blaustein, vgl. Lapislazuli) ...
...
Das Wort Lapis entstammt der lateinischen Sprache und bedeutet „Stein“. Lazuli, Genitiv des mittellateinischen Wortes lazulum für „blau“, leitet sich wie mittellateinisch lazurium und griechisch lazoúrion über arabisch lāzaward vom persischen لاژورد / lāžward /‚himmelblau‘ ab ...
Wenn man das Blau des Himmels als "ideales" Blau versteht, hat letztlich NI2 recht. Aber ich denke, dann hätte man auch "himmelblau" schreiben können. Himmelblau ist in meinem Farbkreis jedenfalls deutlich heller. Lasurblau ist vermutlich das "ideale Blau" des Lapislazuli, der ja auch als Malerfarbe für Himmelsblau verwendet wurde, womit sich der Kreis schließt.

@Uranyl: ich hatte das große "H" auch für ein "N" gehalten. Ich habe es aber nicht etwa als "H" erkannt - es ist auch wirklich keinerlei Sütterlin-H darin zu erkennen, das ist wohl irgendein "Handschrift-Hybrid" aus Sütterlin und Latein.
Zuerst habe ich nach einem Wort gesucht, das " ..hl.äume" enthielt (über die anderen Buchstaben war ich mir unsicher). Aber durch die Fehlinterpretation des "v" als "u" war ich völlig betriebsblind, weil ich nach einem anderen Mineralnamen ( ... und Brauneisenstein) suchte. Auf die richtige Lesart kam ich erst als ich das "v" erkannt hatte. Durch die Lesart " ... von Brauneisenstein" konnte ich mich von diesem Denkschema lösen und da ging es mir plötzlich auf.
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NI2
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Beitrag von NI2 »

Ergänzend (und teilweise wiederholend) schreibt Wiki unter "Azurblau"
Wiki hat geschrieben:Das Wort Azur (für Lasurstein, Kornblumenblau und Himmelsbläue) stammt von persisch lāğward‚ Lapislazuli, Lasurstein, lasurfarben, blau, mineralisches Blau‘ (vgl. neupersisch لاژورد / lāžward /‚himmelblau‘). Über das gleichbedeutende arabische lāzaward, lāzuward ‚Lasurstein, Lasurfarbe‘ und das griechische lazoúrion wurde es in die nachlateinischen romanischen Sprachen vermittelt (vgl. altoberitalienisch lazuro, mittellateinisch lazur(i)um, lazur), wo es das irrtümlich für einen Artikel gehaltene anlautende l- verlor und beispielsweise als azzurro (‚hellblau‘) ins Italienische und als azure ins Französische einging (vergleiche Côte d’Azur „azurblaue Küste“ für die französische Riviera). In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelangte es als Farbbezeichnung aus dem Französischen ins Deutsche.
Trotz dass es eigentlich offensichtlich ist (und ja auch direkt im ersten Satz bei Wiki steht) wurde mir durch dein zitiertes lazurium erst jetzt wirklich bewusst warum Azulen seinen Namen trägt. :oops:
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