Chemigrams and Co.

Hier können Erfahrungsberichte zu Experimenten auch formlos geschrieben werden.

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BJ68
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Chemigrams and Co.

Beitrag von BJ68 »

Einleitung: Chemigrams werden mit Entwickler/Fixierer auf Photopapier gemacht vgl.
a) https://fstop138.berrange.com/2015/05/a ... m-process/
b) https://www.lomography.com/magazine/178 ... chemigrams

Bei den nachfolgenden Versuchen habe ich "Caffenol" als Entwickler verwendet, wie es in diesem Beitrag beschrieben ist:
c) https://fstop138.berrange.com/2016/03/c ... gredients/

Caffenol als Entwickler hat auch eine eigene Webpräsenz: http://www.caffenol-cookbook.com/ und ist als Alternative zu Entwicklern nicht zu verachten, wenn man was mit Kindern macht, da er zwar alkalisch ist, aber bei Auftragen auf die Haut (danach schnell abwaschen) nicht schaden dürfte.


Hier mal die ersten Spielereien:

1. Fotopapier mit Natriumcarbonat/Ascorbinsäure/Instant Kaffee bestreut und mit Wasser-Spray behandelt:
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2. Fotopapier kurz belichtet. Pflanzenteil in Fixierer getaucht, abgeklatscht und Blatt dann mit Caffenol entwickelt:
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3. Wie 1. nur dass versucht wurde die Chemie in eine Richtung laufen zu lassen:
Bild

4. Wie 2. nur mit etwas mehr Druck beim "Abklatschen":
Bild

5. War der erste Versuch: Hand in Caffenol und auf das Papier abgedrückt:
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6. Mit etwas mehr Vorsicht bekommt man auch mehr Details wie z.B. die Rillen übertragen:
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Bj68

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Sehr schön, bin auf mehr gespannt!
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There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]
The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]

BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Möchte beim Caffenol den Instant Kaffee durch Kaffeesäure ersetzen, in der Hoffnung keine Kaffeefärbung oder besser -tönung zu bekommen...diese werde ich allerdings nicht über die Uni bestellen, sondern über meine Chemiefirma in A. Schau mal die Struktur an....

Bj68

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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Sehr schön, macht Lust auf mehr.... :wink: Das letzte Bild mit der Hand könnte glatt als "negative" Röntgenaufnahme durchgehen....
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Wenn man es nur versucht, so geht´s; das heißt mitunter, doch nicht stets." (Wilhelm Busch 1832 -1908)

BJ68
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Beitrag von BJ68 »

2. Batch andere Methode genannt Chromoskedasic Painting" vgl.
a) http://phototechmag.com/chromoskedasic- ... revisited/
b) Übersicht unter http://dominiclam.net/vision2005/LV05_chapter2.pdf
c) http://www.dominiclam.net/book/the_art_of_dlam.pdf wo ab der Seite 102 der Artikel "Painting in Color without Pigments" abgebildet ist, der die Chemie und Vorgehensweise beschreibt.

Kurz gefasst so farbig wie es bei dem Menschen funktioniert hat, wurden meine ersten Versuche nicht.....aber hier mal die Chemie, wobei ich eher Wert lege, die Rezepte selber zu formulieren, als auf fertige Produkte zuzugreifen, so gibt es keine Probleme mit Rezepturänderungen oder gar Produktionseinstellungen.

xte Try:

Activator:

7.5 g KOH
in 50 ml H2O
+ 5 g Na2SO3
@ 100 ml mit H2O

Entspricht bis auf KBr dem Kodak SII Activator und wurde unverdünnt angewendet.
Achtung: Löst mit der Zeit Naturhaarpinsel auf......zumindest meiner macht gerade die Grätsche.


Stabilizer:

20 g NH4SCN
in 50 ml H2O
+ 8.4 ml (equal zu 8 Gew%) AcOH (100%)
@ 100 ml mit H2O

Entspricht dem Kodak Ektamatic S 30 Stabilizer und wurde auch unverdünnt angewendet.


Entwickler:

An einer Rezeptur bin ich dran....im aktuellen Fall wurde Rollei RPN Entwickler genommen vgl.
http://www.fotofachversand.at/pdf/Rolle ... nweise.pdf
wobei die Verdünnung ca. 1 : 16 war.....


Hier mal ein paar Bilder.....die heftigeren Fehlschüsse unterschlage ich mal... Fotopapier ist "KODABROME II RC Paper Semi-Matt":

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Bj68

BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Ist für die Alt-Photography-Liste, wo sich die Gummindrucker und Co. herumtreiben, daher auf Englisch:


Recycling of PICTORICO Premium OHP Transparency Film https://www.fomei.com/en/products-picto ... -174-37821



The used ink-jet negative, 96% denatured (Isopropanol) Ethanol, Kitchen paper roll:

Bild



Begin of Cleaning:

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Ink-Removing, best with gloves:

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After cleaning:

Bild


Begin of Drying: The special layer turns white opaque but....

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after complete drying it comes almost to the original state:

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The best material are "error prints" because there is no sign of wear.
Negatives which are older are not so good. Sometimes you get very light shadows from the black ink and there are scratches or other defects.


bj68

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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Das ist ja auch wieder sehr interessant! :wink:
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BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Chromoskedasic Painting Second Try:

Chemistry:

Stablizer-Stock:

20% (w/V) NH4SCN
5% (w/V) Na2S2O5
6.5% (w/V) AcOH


Activator-Stock:

10% (w/V) KOH
10% (w/V) Na2SO3


Developer-Stock:

25% (w/V) K2CO3
10% (w/V) Ascorbic acid
10% (w/V) Na2SO3
5% (w/V) Triethanolamine

all with H2O


Dilutions:

20% (V/V) Activator
20% (V/V) Stabilizer
50% (V/V) Developer


Paper: "KODABROME II RC Paper Semi-Matt" 24 x 30 cm


Technique:


a) Background images were made with a digital negative (OHP Pictorico ink jet foil) and the flash of a digital camera:
Bild

b) Developing of this picture was done either with a brush or in a tray.

c) Activator, Stabillizer and Devoloper where applied with a synthetic brush, because natural fibers where attacked from the solutions.

d) For the effects I played with the different solutions...


Results:


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Bj68

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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Coole Bilder :thumbsup:
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BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Schon lange her, mein erster Test-Schuss mit anodisiertem Titanblech.

Je nach angelegter Spannung bekommt man unterschiedliche Schichtdicken der Oxidschicht, die dann Interferenzfarben zeigen vgl. z.B. https://cdn.instructables.com/F4R/LUY9/ ... .LARGE.jpg
oder http://photobucket.com/gallery/user/tmo ... OQ==/?ref=

Hier also das Bild:
Bild

Als Anode habe ich da einen Q-Tip genommen in den von hinten der Draht vom Netzteil eingeführt worden ist und was mit Elektrolyt getränkt war, so das es wie eine Art Pinsel benutzt werden konnte.

Gute isolierende Handschuhe und eine Hand in der Hosentasche sind da eine sehr sehr gute Idee....da das Netzteil bis zu 7 A bei 150 V schafft....wenn nur Titanblech bzw. -folie nicht so teuer wäre, sofern die Stücke größer sind...


Bj68

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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Ein gelungenes Kunstwerk.... klasse! :thumbsup:
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BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Grund fürs Aufwärmen war der Beitrag hier: http://scienceblogs.de/astrodicticum-si ... ifenblase/
in den Kommentaren habe ich auch die Riesenseifenblasen erwähnt und später wurden da auch "Saalflugzeuge" angeschnitten, deren Flügel mit Mikrofilm bespannt ist, der auch diese Interferenzfarben zeigt. Mir fiel dann noch der Titanversuch ein....das Posting dort muss nur noch freigeschaltet werden:
Ihr Kommentar wird moderiert.

@tomtoo

Sollte auch damit gehen wenn ich mir das MSDS davon ansehe: http://daten.oehme-lorito.de/sdb/Fairy%20Orginal.pdf

Saalflugzeuge: Steht bei mir auch noch auf der To Do Liste…hier mal ein Video wie der Mikrofilm für die Bespannung hergestellt wird:

Interferenzen: Was auch recht schön kommt und das habe ich schon mal ausgetestet, ist das “Anodisieren von Titanblech”. Je nach Spannung gibt es unterschiedlich dicke Oxidschichten und damit auch verschiedene Farben vgl. https://cdn.instructables.com/F4R/LUY9/ ... .LARGE.jpg
und
http://photobucket.com/gallery/user/tmo ... OQ==/?ref=

Hier mal der Link auf den Beitrag von mir, wo auch das Bild zu sehen ist:
https://illumina-chemie.de/chemigrams-a ... html#72724

Ist allerdings schon einige Jahre her, wo ich das angetestet habe…

Bj68
bj68

Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Das ist ja richtig schick! Irgendwann hatte ich mal die Gelegenheit, mit Niob-Blech Ähnliches zu tun. Das macht auch ganz tolle Farben.



Nebenbei gefragt: Ist es möglich, Titan oder Niob auf einfachem Wege galvanisch in glatten Schichten abzuscheiden?

EDIT meint:
Titan läßt sich nur "unter erheblichem Aufwand" galvanisch abscheiden. In einer Dissertation wurde untersucht, ob man organische Lösemittel für die Elektrolyten verwenden kann und welche Precursoren sich eignen könnten. Fazit: Der Aufwand war zwar nicht kostenlos, jedoch nahezu umsonst. http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/vol ... 5/6455.pdf

Bei Niob scheint eine Elektrolyse nur in der Salzschmelze zu funktionieren. Zum Beschichten von Substraten aus billigerem Material vermutlich ungeeignet.
Google-Buchzitat: Vanadin Niob · Tantal: Die Metallurgie der reinen Metalle und ihrer Legierungen

BJ68
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Cuprotype by Jim Patterson

Beitrag von BJ68 »

Auf der Alt-Photo-Mailliste hat Christina Anderson die Vorschrift von Jim Patterson bezüglich Cuprotype geteilt vgl. http://altphotolist.org/lists/alt-photo ... 06053.html

Es wurden folgende Lösungen bereitet:

a) Sensitzer:

12% Ammoniumeisen(III)citrat
12% Kupfer(II)sulfat Pentahydrat


b) Contrast Agent:

25% Ammoniumdichromat in Wasser


c) Developer:

1% Ammoniumthiocyanat
0.5% Zitronensäure

d) Toner:

2% Kaliumhexycyanoferrat(III)



Das Papier wurde mit Sensitizer (15 ml plus 15 Tropfen Ammoniumdichromat) beschichtet, wobei einige Tropfen Tween-20 zugesetzt waren, um eine gleichmäßige Schicht zu bekommen.
Trocknen im Dunkeln, mittels kaltem Luftstrom.
Belichten 15 min im Vakuumbelichter vgl. http://members.casema.nl/cordieuwke/Cuprotype.html als Anhaltspunkt.
Entwickeln im Developer 2 min.
Waschen 10 min Wasser
Toner min. 5 min
Waschen 20 min
Nachtonung mit Amidol (0.2 g in 250 ml Wasser mit 6 g Zitronensäure)



Die Chemie:
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Emulsion:
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Beschichtetes Papier:
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Nachdem Trocknen:
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Im Vakuumbelichter:
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Nachdem Belichten:
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Waschen im Developer:
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Kupfer(I)thiocyanat-Bild:
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Im Toner:
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Final Wash (Cuprotype):
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Amidol-Tonung:
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Amidol-getontes Bild:
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Vergleich:
Links: Cuprotype Rechts: Amidol-Tonung
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Bj68

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Die Ergebnisse werden immer besser! Das gefällt mir wirklich sehr gut. :)
I OC

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