Gehaltsbestimmung von luminol

Organische Chemie.

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lemmi
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Gehaltsbestimmung von luminol

Beitrag von lemmi »

Vor etwa 40 Jahren habe ich Luminol gekauft - dass heißt, damals noch gekauft bekommen - und davon ist heute noch ein Rest übrig, der inzwischen allerdings bläulich-grünlich verfärbt ist. Ich würde gerne wissen, ob es sich zu einem nennenswerten Anteil zersetzt hat.

Kennt jemand eine Methode zur Gehaltsbestimmung von Luminol?
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eule
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Beitrag von eule »

[edit]

Ich vermute, hier sind die passenden Angaben zur Absorption drin (UV-vis)
https://www.applichem.com/de/shop/produ ... tspecpdf=1

ansonsten wäre sicher eine Schmelzpunktbestimmung aufschlußreich (319°C)?
[/edit]
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Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Luminol = 3-Aminophthalsäurehydrazid

Bei der Gehaltsbestimmumg müßte man doch den Gehalt der unterschiedlichen funktionellen Gruppen nasschemisch bestimmen können. Es bietet sich zuerst die Aminogruppe an, um sie acidimetrisch und/oder durch Diazotierung zu bestimmen, bin mir aber nicht sicher, wie das Hydrazid in beiden Fällen reagiert.

Eventuell läßt sich das Hydrazid auch irgendwie bestimmen...

Ansonsten blieben noch Elementaranalyse, N-Kjeldahl und Photometrie. DC könnte auch interessant sein, falls die Zersetzungsprodukte sich trennen lassen und reine(re)s Vergleichsmaterial verfügbar ist.


Zuletzt wäre auch ein "Use-Test" unter standardisierten Bedingungen (Messung der zeitabhängigen spezifischen Lichtemission) denkbar.

Physiko-Chemiker
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Beitrag von Physiko-Chemiker »

Eine Möglichkeit, die eventuell einfach zu realisieren ist und für eine stark verunreinigte Probe geeignet wäre, ist die Folgende:

Wenn Luminol (was ich gerade nicht sicher weiß, dessen ich mir aber sicher bin) in einem Lösungsmittel bei hoher Temperatur besser löslich als im kalten Zustand ist, kannst du eine eingewogene Menge zunächst sorgfältig umkristallisieren. Die Kristalle dann trocknen und mittels Schmelzpunkt und charakteristischer Reaktion (Lumineszenz) auf Identität prüfen (aus der Schmelzpunkterniedrigung geht der Gehalt hervor.) Das Volumen des benutzen Lösungsmittels bestimmen, dabei über die theoretische Löslichkeit im LöMi und Temperatur die Menge an maximal gelöstem Luminol errechnen, eindampfen und auswiegen; danach ggf. nochmal die obigen Tests zur Charakterisierung durchführen. Das könnte so, zumindest zum Abschätzen, funktionieren.
Es ist allerdings recht schwer, die einfache Regel zu befolgen, zuerst Fehler bei sich selbst zu suchen [...], doch mit der Zeit bringt man es doch einigermaßen dahin, wenn man es bei jeder Gelegenheit einschärft und die Rechthaberei als ein Kapitalverbrechen verpönt! - Werner von Siemens

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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Hallo lemmi,

mit einer Methode zur Gehaltsbestimmung kann ich leider nicht helfen...

Mein Luminol dürfte etwa auch so alt sein :wink: :

Bild

Es ist noch im guten Zustand....
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eule
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Beitrag von eule »

wozu zerfällt das Luminol denn überhaupt?
Wenn da wieder Amine usw. herauskommen sind die "einfachen" Methoden sinnlos.

Vllt. kann man ja die Unlöslichkeit in reinem Wasser ausnutzen, um zumindest einen Teil der Produkte rauszubekommen. Da sich Luminol nur in Basen löst kann man sicher auch erstmal in NaOH (0.1M) lösen und mit Schwefelsäure neu fällen, und so reinigen, um nach dem Trocknen erneut zu wiegen. Das dürfte zumindest einen Teil der Verunreinigungen entfernen und gleichzeitig das Ausmaß des Zerfalls einschätzbar machen.

für die spektroskopischen Methoden wäre natürlich etas "frische Ware" nötig.
Hmm, und dann wäre da natürlich noch die allseits beliebte DC, um herauszubekommen, ob da nun viel verschiedenes Zeug drin ist.
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Danke für die Antworten. Ich hatte eigentlich gehofft es gäbe sowas wie eine maßanalytische Bestimmung der Hydrazingruppe - aber das ist veilleicht do zu speziell.

Ich werde meinen Rest mal versuchen, "umzufällen" und so zu reinigen.

@Uranylacetat: genau so sah mein Originalgebinde auch aus. Es waren, meine ich zu erinnern, 5 Gramm und die waren damals schweineteuer. Später habe ich es in ein Gläschen mit Korkstopfen umgefüllt (ich mochte diese originalverpackungen nicht) und das war halt nicht ganz luftdicht. Welche Farbe hat deine Substanz denn?
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Uranylacetat
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Beitrag von Uranylacetat »

Hallo lemmi,

ich hatte vorhin einen Link von AppliChem, wonach diese das Luminol unter Argon ins Originalgebinde abfüllen und so auch die Lagerung bei Raumtemperatur empfehlen .... Scheinbar ist Luminol doch über'n langen Zeitraum hinweg oxidationsempfindlich. Die Lagerung in einem verkorkten Fläschchen wurde die Zersetzung Deines 5-Amino-2,3-dihydrophthalazin-1,4-dion erklären....

Mein Luminol ist ein blaßgelbes kristallines Pulver, das etwas an der Oberfläche durch den Kontakt mit Sauerstoff nachgedunkelt ist.

Ich war auch ein Fan von verkorkten Fläschchen und Gläschen. :wink:
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Pok
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Beitrag von Pok »

Bei einigen Anbietern wird der Gehalt auf Basis von HPLC angebeben und es gibt auch ne Angabe zur "Perchlorsäure-Titration", hier zum Beispiel. Also vielleicht lässt sich das mit Perchlorsäure titrieren. Ne Anleitung hab ich aber auch nicht gefunden.
Mantra, Mantra ist eine deutsche Actionkomödie aus dem Jahr 1991.

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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Pok hat geschrieben:Bei einigen Anbietern wird der Gehalt auf Basis von HPLC angebeben und es gibt auch ne Angabe zur "Perchlorsäure-Titration", hier zum Beispiel. Also vielleicht lässt sich das mit Perchlorsäure titrieren. Ne Anleitung hab ich aber auch nicht gefunden.
Das hört sich interessant an. Die Frage ist, in welchem Medium da titriert wird. Perchlorsäure wird meist zur Bestimmung schwacher Basen in nichtwässrigen Lösungsmitteln angewandt (Essigsäure). Und was für eine Endpunktsanzeige man verwendet. Hat jemand eine Info zur Basizität der aromatischen Aminogruppe bzw der Hydrazid-Gruppe (falls die eine basizität besitzt).

Übrigens: Luminol ist doch im Alkalischen löslich, im Sauren unlöslich. Was wird da eigentlich deprotoniert?
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eule
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Beitrag von eule »

Das Hydrazin wird deprotoniert.
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