Kühlschrank im Labor

Fragen zur allgemeinen Chemie; alles, was in keine andere Kategorie passt.

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Cumarinderivat
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Kühlschrank im Labor

Beitrag von Cumarinderivat »

Hallo,

ich jetzt eine Weile gesucht, aber weder hier noch bei Lambda etwas gescheites zu dem Thema gefunden.

Zum einen, welche "gebräuchlichen" Chemikalien sollte man im Kühlschrank aufbewahren?
Ich habe gelesen, dass manche Diethylether und H2O2 im Kühlschrank lagern. Ist das notwendig? Oder sinnvoll?

Und gerade bei Ether ... ist eine Flasche mit Tefloneinlage, die zusätzlich mit Parafilm verschlossen wurde dicht genug, dass auf Dauer keine explosionsfähige Atmosphäre entsteht?

Außerdem habe ich momentan eine kleine Menge an Referenzsubstanzen (hier wichtig v.a. Terpen-Standards, insgesamt vielleicht 10 Kleingebinde mit 1-5 mL) im Kühlschrank. Die Terpene riecht man jedoch auch aus den Sigma-Aldrich-Fläschchen mit Tefloneinlage im Deckel noch deutlich. Ist das ein potentielles Sicherheitsrisiko oder ist dazu die Menge in den Flaschen viel zu klein, bzw. tritt trotz des deutlich wahrnehmbaren Geruchs nicht genug aus?

LG,
Florian
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BJ68
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Re: Kühlschrank im Labor

Beitrag von BJ68 »

Cumarinderivat hat geschrieben: Und gerade bei Ether ... ist eine Flasche mit Tefloneinlage, die zusätzlich mit Parafilm verschlossen wurde dicht genug, dass auf Dauer keine explosionsfähige Atmosphäre entsteht?

Don´t do it....wenn das Teil ein normaler Kühlschrank ist, der nicht ex-geschützt ist....

Obtainium kann Dir hier eine nette Story erzählen.....war gar nicht lustig...


Bj68

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Vanadium
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Beitrag von Vanadium »

Ich bin momentan auch am Überlegen ob ich mir einen Kühlschrank zulegen sollte... Bis jetzt habe ich alles Verbindungen beim Raumtemperatur gelagert. Dazu muss man aber sagen, dass es im Keller bei mir im Winter 10°C kalt ist und im Sommer und Rest des Jahres eigentlich die Temperatur nicht über 15°C steigt. Nutzen würde ich den Kühlschrank nicht für Lösungsmittel, sondern eben für empfindliche Stoffe wie H2O2 oder z.B. verschiedene Aldehyde. Was habt ihr alles im Kühlschrank? Würde mich schon interessieren...

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Cumarinderivat
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Beitrag von Cumarinderivat »

Wasserstoffperoxid und die meisten meiner Naturstoff-Referenzsubstanzen. Also ähnlich wie du das planst ;).

Edit: Und natürlich temporär empfindliche Proben sowie auch meine reinen Duftstoffe (auch um den Geruch zu vermindern).
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Vanadium
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Beitrag von Vanadium »

Jap, deinen Kühlschrank habe ich ja Schonmal gesehen :D Ich besitze mittlerweile auch über 150 Aroma chemicals, deren "shelf-life" oft zwischen 12 und 36 Monaten angegeben wird. Allerdings kommt mir das teilweise schon ein wenig penibel vor. Klar können viele Aldehyde (und davon sind viele dabei) oxidieren, aber bei Lagerung in einer dichten Flasche mit Parafilm sollten diese Stoffe doch zunächst mal relativ unbegrenzt lagerbar sein? Natürlich sind auch einige instabile Dinge dabei wie zum Beispiel Farnesen oder Hedion high-cis. Für diese wäre eine kältere Lagerung schon angebracht.
Außerdem wäre ein Kühlschrank nicht schlecht, um Reaktionsansätze zu kühlen oder beim Umkristallisieren, um in der Kälte mehr Produkt auszufüllen. Bis jetzt hab ich hierfür Kältebäder benutzt, was aber recht nervig sein kann. Also ich sehe schon, ich muss mir einen Kühlschrank kaufen. Leider geht mir nur langsam auch der Platz im Lab aus...

Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Don´t do it....wenn das Teil ein normaler Kühlschrank ist, der nicht ex-geschützt ist....
Im Inneren des Kühlschrankes müssen die Beleuchtung entfernt und schaltende Kontakte abwesend sein. Bei "Selbstabtauenden" Modellen darf kein Kondensat nach Außen dringen. nach diesen Modifikationen sind "haushaltsübliche" Geräte im Labor nutzbar. Spezielle "Laborkühlschränke" sind unverhältnismäßig teuer und auch nicht anders als oben beschrieben ausgesatattet.

Was da genau passiert ist kann ich mir vorstellen, hoffe aber darauf, daß es keine Personenschäden gab.


Man stellt ungesättigte Verbindungen nicht nur wegen ihrer Neigung zur Polymerisation in den Kühlschrank. Sie können auch zu Per- oder Epoxiden oxidiert werden. Hier ein Link zum Thema (β-Carotin).

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Vanadium
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Beitrag von Vanadium »

@Glaskocher: Da hast du Recht. Ich würde aus diesen Gründen einen "normalen Kühlschrank" kaufen und in diesen erstmal keine flüchtigen brennbaren Stoffe einlagern. Das mit dem Ausbauen der Lampe kann man sich dann immer noch überlegen. Laborkühlschränke kosten ca. 1000-3000 Euro, je nach Größe, Ausstattung und Modell...
Man stellt ungesättigte Verbindungen nicht nur wegen ihrer Neigung zur Polymerisation in den Kühlschrank. Sie können auch zu Per- oder Epoxiden oxidiert werden. Hier ein Link zum Thema (β-Carotin).
Okay, das ist schon sehr krass. Mit sowas hätte ich ehrlich gesagt auch nicht gerechnet.

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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Ich habe schon Lömis im Kühlschrank: Ether, CS2 und Dichlormethan. Weiter Substanzen die einfach temperaturempfindlich sind, zum Beispiel diverse Naphtyl- und Phenylphosphate und Diazoniumsalze für cytochemische Färbungen, die Acetaldehydlösung (den Formaldehyd nicht, der soll unter Kühlung schneller polymerisieren als bei Zimmertemperatur) und das H2O2. Meine empfindlichen Kobaltkomplexe bewahre ich bei -18 °C im Gefrierfach auf.

@Cumarinderivat: DC-Referenzsubstantzen muss man doch nicht im Kühlschrank lagern - oder sehe ich das falsch? Okay, kommt natürlich auf die Substanz an. Aber die üblichen Alkaaoide, Flavonoide und der Kram sind doch bei Zimmertemperatur komplett stabil.

Sonderbarerweise steht auf einem Gebinde Häminchlorid "bei +4 °C lagern" - was ich auch nicht verstehe, aber ich mach's halt.

Übrigens hätte ich gerade dazu eine Frage! Ich benutze das Hämin um meine photometrischen Hbg-Messungen zu kalibrieren, ich muss es also auf der Analysenwaage einwiegen. Besteht da nicht die Gefahr, wenn es aus dem Kühlscharnk kommt, dass sich daran Luftfeuchtigkeit kondensiert und das Ergebnis verfälscht? Oder bin ich paranoid und der Effekt ist so klein, daß er nicht "ins Gewicht" fällt... 8)
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

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Cumarinderivat
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Beitrag von Cumarinderivat »

@Lemmi: Ich lagere mehr oder weniger die Stoffe im Kühlschrank, wo es draufsteht oder die wir auf der Arbeit auch im Kühlschrank hatten. Außerdem ein paar, für die ich anderswo grade keinen Platz mehr hatte :D
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Vanadium
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Beitrag von Vanadium »

Übrigens hätte ich gerade dazu eine Frage! Ich benutze das Hämin um meine =https://illumina-chemie.de/haemoglobin ... -Messungen zu kalibrieren, ich muss es also auf der Analysenwaage einwiegen. Besteht da nicht die Gefahr, wenn es aus dem Kühlscharnk kommt, dass sich daran Luftfeuchtigkeit kondensiert und das Ergebnis verfälscht? Oder bin ich paranoid und der Effekt ist so klein, daß er nicht "ins Gewicht" fällt... Cool
Aus dem Kühlschrank geht es warscheinlich noch, aus dem Gefrierfach würde das ins Gewicht fallen. Aber deswegen sollte man Dinge, die man gekühlt hat auch vorher auf Raumtemperatur erwärmen und dann erst die Flasche öffnen. :D
Ich habe schon Lömis im Kühlschrank: Ether, CS2 und Dichlormethan. Weiter Substanzen die einfach temperaturempfindlich sind, zum Beispiel diverse Naphtyl- und Phenylphosphate und Diazoniumsalze für cytochemische Färbungen, die Acetaldehydlösung (den Formaldehyd nicht, der soll unter Kühlung schneller polymerisieren als bei Zimmertemperatur) und das H2O2. Meine empfindlichen Kobaltkomplexe bewahre ich bei -18 °C im Gefrierfach auf.
Und dann warscheinlich ein normaler Kühlschrank? Hmm, ich kann mir auch schwer vorstellen, dass bei dichtem Verschluss etwas passieren kann, aber es ist wohl so, von daher sollte man das glaube ich eher nicht machen :|

BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Glaskocher hat geschrieben: Was da genau passiert ist kann ich mir vorstellen, hoffe aber darauf, daß es keine Personenschäden gab.
Gab keinen Personenschaden, aber auch nur weil das Teil in einem Raum war, indem zu der Zeit keiner sich aufgehalten hat....kann bei ihm ja mal nachfragen ob er sich dazu äußern möchte....

Bj68

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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

Vanadium hat geschrieben:Und dann warscheinlich ein normaler Kühlschrank? Hmm, ich kann mir auch schwer vorstellen, dass bei dichtem Verschluss etwas passieren kann, aber es ist wohl so, von daher sollte man das glaube ich eher nicht machen :|
Es ist so wie immer. Für "Normalerweise" tut es ja auch ein normaler Kühlschrank. 1000x geht alles gut. Die Gebinde sind gut verschlossen, der Kühlschrank wird regelmäßig bei Benutzung geöffnet und gelüftet und es kommt nie zu einer ex-gefährlichen Atmosphäre. Und beim 1001sten mal war dann der Verschluss nicht ganz fest drauf oder ist ein bisschen gebrochen, es war ein bisschen Pause in der Benutzung, der Lichtschalter der normalerweise nie etwas tut verursachte auf einmal doch einen Funken und der nächste bekam dann seine Überrraschung. Fazit: kann man machen, aber "Restrisiko" ist halt so eine Sache...

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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Mein Külschrank ist klein, normal, hat kein Licht im Inneren und keinen Ablauf für Abtauwasser nach draußen. Ich habe andere Restrisiken, die höher sind. :wink:
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