Festsitzender Schliff

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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AlexTheReducingAgent
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Festsitzender Schliff

Beitrag von AlexTheReducingAgent »

Hola mi companeros :)
Habe vor einer Woche "rohes Benzol" destilliert und nun stehe ich vor dem Problem das sich der Schliff nichtmehr von dem Schliff des Krümmerstücks trennen will ^^
(eine Verbiindung fürs Leben lol) aber damit nicht genug, mir ist beim Versuch die zu trennen das Schliffstück eingebrochen als es an eine harte Kante knallte.

Hier ein Bild von der Misere:/
Bild

wie würde ihr vorgehen ? ich mein ich hab einfach Angst davor das der Kolben kaputtgeht weil dies mein letzter von 2 500er zweihälsern ist

ich hab mir jetzt einen brenner mit 1300 grad zugelegt ? sollt ichs mal mit dem probieren ? wenn ja, wie ?

Bin sehr dankbar und danke schonmal im Vorraus - tschööö :)

*Edit* weil ich dachte das eventuell noch vorhandene Benzoesäure dafür verantwortlich ist hab ichs schon mit aceton versucht bisher ohne Erfolg*

Und keine Angst die Mischung aus der das Rohbenzol hervorging hatte ich in einer schnöden Mettalbüchse erhitzt und keinen edelen Glaskolben dafür missbraucht *grins*
Eine Muuuh eine Määäh eine Tätarätätäätäää !
:D

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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Über Nacht in Seifenwasser einlegen und dann wieder versuchen

vorsichtig die fesitzende Schliffstelle ringsum mit einer kleinen Bunsenbremmerflamme erwärmen und immer wieder den Schliff seitlich an eine Tischkante (Holz) klopfen und an dem Krümmerstück ruckeln bis es sich löst.
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

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Phil
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Beitrag von Phil »

Ich habe gute erfolge mit einer Bunsenflamme die leuchtet gemacht, wichtig, Du must gleichmässig drehen, und nimm Handschuhe und ziehe etwas an dem stück, es kann ja nicht mehr Kaput gehen.
Das Glas ist ja Feuerfest, es wird die Hitze ertragen, sollte der Schliff kaputtgehen, bring in zum Glasbläser das ist nicht so teuer wie ein neuer Kolben.

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AlexTheReducingAgent
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hey danke

Beitrag von AlexTheReducingAgent »

vielen Dank Freunde :)
einlegen in Seife probier ich mal,
normale Seife hat ich immer bisher gemieden auch zum Saubermachen da sie angeblich Sulfate bilden kann in der nächsten Reaktion
im selben gefäß hab ich mal gehört wenn sie nicht restlos entfernt wurde (bisher Aqua Dest, Aceton, und wenns ein Härtefall war konz.NaOH)

aber hab ja Zeit zum Glück :)

Ich schreib euch dann noch wies ausgegangen ist wenn ich dran denk (bin im umzugstress xD)
okay tschöööö
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eule
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Beitrag von eule »

so diverse "Kriechöle" à la "Caramba" haben sich für sowas ebenfalls bewährt,
auch habe ich schon einige Schliffe in Wasser oder Seifenlauge eingelegt mit Ultraschall getrennt bekommen, die mir schon unrettbar schienen.
Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.

allphysist
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Beitrag von allphysist »

Wie @lemmi schon sagt: vorsichtig rundum die Schliffhülse außen erwärmen, dabei nicht zu lange erhitzen!! Das ist Physik, das Glas außen wird heiß und dehnt sich aus, das Glas innen ist erst einmal kalt. Dadurch löst sich fast jeder Schliff, sofern nicht böse verklebt, spielend. Wenn man dann nochmals zart klopft (hölzerner Kochlöffel), ist meisten alles easy. Klappt bei mir fast immer.
Nichts wird besser. Alles wird profitabler.

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Vorsicht hier auch bei Schliffen mit alklaischen Lösungen (NaOH, KOH,...) diese fressen sich gerne derart fest, dass beim Arbeiten mit Flammen oft nur die Flasche springt ehe sich der Schliff "spielend" löst.
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]
The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]

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eule
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Beitrag von eule »

...und dann gabs da noch die Sache mit dem Faden, den drum legt, dann heftig hin und her zieht und so Reibungswärme erzeugt, die einen ähnlichen, wenngleich deutlich milderen Effekt hat, wie die Flamme...
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Newclears
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Beitrag von Newclears »

WD-40 hilft auch manchmal.
"...wie ein Sprecher betont,hat für die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden."
"...mittlerweile rostet das Miststück..." E.v. Däniken

BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Da das eine Teil eh kaputt ist, kannst Du es ja auch zerstören um es herauszubekommen z.B.

a) mit einem Seitenschneider den Kern zersplittern oder
b) den Kern auf eine harte Unterlage legen und nur auf den Kern draufhauen, so dass er zersplittert.

Dann kann man die Reste aus der Hülse entfernen...


Bj68

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AlexTheReducingAgent
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Danke Jungs

Beitrag von AlexTheReducingAgent »

musste es nur mit dem Bunsenbrenner erhitzen und leicht gegen Holz klopfen und bei einer anschließenden leichten Drehbewegung war dann alles wieder im Lot und beide Teile getrennt :)

Danke nochmal
Eine Muuuh eine Määäh eine Tätarätätäätäää !
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Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Jetzt muß ich auch mal Etwas "dazusenfen"; Nomen est Ohmen...


Zunächat kommt es auf die Diagnose an.
* Welches Fett wurde verwendet?
* Welche Chemikalien sind beteiligt?
* Waren die Schliffe gut passend?
* War eventuell Sand im Spiel?

Jetzt muß man sich überlegen, wie sich die Haftung im Schliff senken läßt.

Dann die Therapie:
* Mit Heißluft oder weicher Flamme erhitzen und Schlifffläche beobachten; bei Blasenbildung oder anderer Veränderung Bewegung versuchen. Zu langsames Aufheizen hilft nicht, da Glas ein schlechter Wärmeleiter ist kann man die Hülse um entscheidende Millimeterbruchteile vergrößern, wenn der Kern noch deutlich kühler ist. Vor erneutem Versuch gänzlich abkühlen lassen. Zu starkes Erhitzen von Schliffhähnen kann sehr fest sitzende Küken zerreißen oder die Hülse sprengen.
* Gefäß in Reinigungsbäder einlegen. Nach einem alkalischen Bad muß zuerst abgespült und dann im sauren Bad behandelt werden vor erneutem Erhitzen.
* Beim Klopfen muß man versuchen, die Richtung zum Lösen zu benutzen. Bei Kolben kann eine Latte, die sich auf den Kolbenrand stützt, den Impuls übertragen. Alternativ bekommt, wenn möglich, das andere Teil die Latte "unters Kinn" gesetzt.
* Bei Sechskantstopfen hilft oft ein "Engländer" (=Rollgabelschlüssel), um den Stopfen fest zu greifen und ihn im Schliff zu drehen. Das wirkt oft Wunder!
* Wenn man einen Glasbläser, oder zumindest einen geeigneten Ofen zur Verfügung hat, dann kann man das Teil auch zunächst tempern (bei 550°C 20min halten, dann langsam abkühlen lassen). Das brennt viele Organika raus und oft lockert es die Verbindung. Risiko: Siliconfette können dann erst recht verbacken und Alkali-Ansammlungen das Glas angreifen. Bei Schliffküken kann es die Hülse sprengen, da die Küken oft einen höheren Ausdehnungskoeffizient haben als die Hahnhülse.
* Wenn man eine Flüssigkeit unter fest sitzendem Stopfen retten will und obige Methoden versagt haben, dann kann man den Stopfen auch zerstören. Dazu zerbricht man den Sechskantkopf (z.B. beim Versuch ihn "aufzuschrauben). Mit einem Schraubendreher stößt man dann ein Loch in die Unterseite und kann die Flüssigkeit mit einer Spritze bergen.
* Um einen Schliffhals gut reparierbar abzutrennen ritzt man in der Kerbe unter dem Schliff an (Glasmesser, Dreikantfeile oder Schleifkörper). Dann feuchtet man den Ritz an und erhitzt einen Glasstab, der auf ein Ende vom Ritz gedrückt wird. Dann sollte ein Riss um den Schliff herum laufen. Längs angeritzt und ähnlich erhitzt lassen sich Schliffhülsen auch vom Kern sprengen.


Mit dem Herausbröseln von Schliffkerntrümmern aus einer intekten Hülse habe ich recht oft Bruch erlebt. Da kommt es auf eie Technik an. Ein zum Haken geschliffener Metallstab (unten 1-2mm Vorsprung) kann hier gute Dienste leisten.


Schliffe mit mindestens 10mm heilem Rohr dran lassen sich noch zur Reparatur von anderen Teilen verwenden. Bei Schliffhähnen sollten noch 7mm Rohr heil sein. Bei Einhalskolben lohnt sich die Reparatur vom Arbeitslohn her nicht immer. Da ist Fragen und eventuell Neukauf gelegentlich günstiger. Bei komplexeren Apparaturen lohnt sich die Reparatur oft. Kleine Änderungen können im Rahmen einer Reparatur sinnvoll sein, wenn sie sich sonst nicht lohnen.

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AlexTheReducingAgent
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Beitrag von AlexTheReducingAgent »

Glaskocher hat geschrieben:Jetzt muß ich auch mal Etwas "dazusenfen"; Nomen est Ohmen...


Zunächat kommt es auf die Diagnose an.
* Welches Fett wurde verwendet?
* Welche Chemikalien sind beteiligt?
* Waren die Schliffe gut passend?
* War eventuell Sand im Spiel?
Erstmal ein Danke für die informative Antwort deinerseits :thumbsup:

Punkt 1: Ich hab garkein Schlifffett verwendet da meines Erachtens das Risiko einer Kontamination des Destillats zu hoch war was uns gleich zu Punkt 2 bringt.

Punkt 2: Wie in der Eröffnung erläutert habe ich "Rohbenzol" im Zweihalskolben aufgefangen diese orangefarbene Version die durch Erhitzung von NaOH und Benzoesäure in einer seperaten improvsierten metallernen Destilliervorrichtung entstanden ist.
(Lösemittel wie Benzol lieben es ja Fett zu lösen und so dachte ich starte ich lieber einfach mal ohne durch bevor ich den männlichen und weiblichen Schliff der beteiligten Gerätschaften vielleicht zu "großzügig" einschmier)
Anmerkung: Habe noch nie Schlifffett verwendet und wollte nicht das ein Anfängerfehler womöglich das ganze Projekt gefährdet.

Ich bin aber offen Tipps entgegenzunehmen zur Verwendung von dem Fett, oder falls ich mit meiner "Kontanimationstheorie" falschlag, auch für eine Korrektur derer.

Punkt 3: Ja waren optimal aufeinander abgestimmt NS 29/32 beiderseits.

Punkt 4: Sand kommt bei mir in meinem Arbeitsbereich zwar vor,
aber nur in Form eines Sandbads das für andere Zwecke genutzt wird und nicht involviert war in dieser Destillation.

Beste Grüße
Eine Muuuh eine Määäh eine Tätarätätäätäää !
:D

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Phil
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Beitrag von Phil »

Wenn schlifffett stört verwende ich Teflon Manschetten, die sind auch Vakuumdicht und man kann sie öfter verwenden.

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eule
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Beitrag von eule »

... und wem diese Manschetten noch zu teuer sind, der begnügt sich ggf. mit etwas Teflonband ...
Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

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