Herstellung von Styrol aus Jogurtbechern

Hier können Erfahrungsberichte zu Experimenten auch formlos geschrieben werden.

Moderatoren: Moderatoren, Assistenten

Antworten
Doktor Klawonn
Illumina-Mitglied
Beiträge: 14
Registriert: Donnerstag 15. Januar 2015, 19:53
Kontaktdaten:

Herstellung von Styrol aus Jogurtbechern

Beitrag von Doktor Klawonn »

Herstellung von Styrol aus Jogurtbechern


Geräte:

Schere, Mikrobrenner, Reagenzgläser, Halbmikrostativ, Gummistopfen, Spritzenkanülen, elektronischer Temperaturfühler, Topfschwamm aus Stahlwolle


Chemikalien:

Jogurtbecher aus Polystrol (nachfolgend auch PS genannt), 3 g


Hinweis:

Styrol ist wassergefährdend, brennbar und gesundheitsschädlich. Außerdem riecht es charakteristisch durchdringend.


Durchführung:

Ein Jogurtbecher aus PS (s. Zeichen auf dem Boden) wird zerschnitten, damit er in ein 16/160er Reagenzglas passt. Wenn's nicht gleich passt, mit dem Brenner zusammenschmelzen und nachstopfen. In einen Gummistopfen werden 4 lange Spritzenkanülen vorsichtig eingeführt und umgebogen. Sie dienen als Kühlrohre. Der präpariere Stopfen wird auf das Reagenzglas gesteckt und ein weiteres Reagenzglas als Vorlage eingespannt. Nun wird das PS im ersten Rg. wird kräftig erhitzt. Die entstehenden Dämpfe kondensieren im zweiten Reagenzglas zu einer dunklen Flüssigkeit.

Der Stopfen wird hernach auf das zweite Reagenzglas gesteckt und das erste mit dem verkohlten Rest entfernt. Die Kanülen werden in ein frisches Reagenzglas geführt, zusammen mit einem Temperaturfühler. Auf diese Weise wird das rohe Styrol durch Destillation gereinigt. Die Kondensationstemperatur wird gleichzeitig ermittelt.

Das Produkt wurde gewogen und mit einem Krümel Hydrochinon in ein Mikroreagenzglas eingeschmolzen. Nach der Reinigung der Geräte kann es dann keine Gruchsbelästigung mehr geben.

Die Ausbeute betrug 1,1 g (37 % der Theorie).


Entsorgung:

Styrol kann zur Entsorgung in den Behälter für halogenfreie organische Lösungsmittel gegeben werden.


Erklärung:

Polystyrol depolymerisiert in der Hitze. Dabei entstehen Oligomere, monomeres Styrol und Nebenprodukte. Die Destillation des rohen Styrols dient der Abtrennung von Oligomeren und Nebenprodukten.


Bilder:

Bild
Plasikbecher aus PS, zerschnitten.

Bild
Zusammenschmelzen des PS, damit es in das Reagenzglas passt.

Bild
Der gesamte Versuchsaufbau.

Bild
Das rohe Styrol als Destillat im Reagenzglas rechts.

Bild
Destillation des rohen Styrols. In der Vorlage ist der Temperaturfühler sichtbar.

Bild
Auf dem Bild davor vergessen: Topfkratzer wirkt als Mini-Füllkörperkollonne bei der Destillation.

Bild
Das destillierte Styrol eingeschmolzen. Ausbeute war 1,1 g.

Benutzeravatar
NI2
Illumina-Moderator
Beiträge: 5825
Registriert: Dienstag 19. August 2008, 09:33

Beitrag von NI2 »

Sehr schön, da geht's ja gleich los :)

Ein paar Tipps noch:

Formatierung:
- Vor Jeder fettgedruckten Zeile (Teilüberschrift) zwei und danach eine leere Zeile.
- Bildunterschrift ohne Leerzeile unter Bild und dann eine leere Zeile dann nächstes Bild
- Umgangssprache wenn möglich vermeiden ("stinkt", "wenn's",...) um den Artikel möglichst sachlich zu halten.
- Bei der Erklärung kann man noch 'ne Strukturformel zeigen.
- Abkürzungen wie "PS" mindestens einmal klären
- Ausbeute könnte man wie bei der Synthesen-Vorlage mit Leerzeile einfügen.
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]
The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]

Benutzeravatar
Lithiumoxalat
Illumina-Mitglied
Beiträge: 489
Registriert: Donnerstag 8. Januar 2015, 00:00
Wohnort: Schweiz

Beitrag von Lithiumoxalat »

Hallo,

sieht schön aus,

Wenn du das Styrol längere zeit aufbewahren willst ohne dass es wieder Polymerisiert, solltest du es mit Hydrochinon stabilisieren.

mfG
Lithiumoxalat.

Benutzeravatar
NI2
Illumina-Moderator
Beiträge: 5825
Registriert: Dienstag 19. August 2008, 09:33

Beitrag von NI2 »

Das Produkt wurde gewogen und mit einem Krümel Hydrochinon in ein Mikroreagenzglas eingeschmolzen.
Hat er doch geschrieben. Für Styrene zeigt sich außerdem tBu-Catechol als Stabilisator gut geeignet, wobei die Mengen zwischen 50-500 ppm schwanken, je nach Styren.
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]
The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]

Benutzeravatar
Lithiumoxalat
Illumina-Mitglied
Beiträge: 489
Registriert: Donnerstag 8. Januar 2015, 00:00
Wohnort: Schweiz

Beitrag von Lithiumoxalat »

Stimmt, ich habs überlesen.

Benutzeravatar
Pok
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1789
Registriert: Montag 19. August 2013, 01:03
Kontaktdaten:

Beitrag von Pok »

Zur Formatierung: wer sich damit nicht anfreunden kann oder wem es zu umständlich ist, dann kann die Vorschrift auch in der Spielwiese veröffentlicht bzw. dahin verschoben werden. Dort ist so eine Anleitung genauso viel wert wie als Artikel. Die Formatierungsregeln sollten niemanden abschrecken, etwas zu veröffentlichen. :wink:

Benutzeravatar
NI2
Illumina-Moderator
Beiträge: 5825
Registriert: Dienstag 19. August 2008, 09:33

Beitrag von NI2 »

Ruhig lieber erstma hier posten. Wenn's es nur diese Kleinigkeiten wie Leerzeilen sind werden die vom Mod beim Verschieben gerne nochmal schnell gemacht. Aber du hast natürlich recht, an der Formatierung sollte es nicht scheitern. Aber wir hatten ja eh schonmal diskutiert diese vielleicht ein wenig anzupassen, aber das ist kein Grund sich abschrecken zulassen :)
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]
The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]

Doktor Klawonn
Illumina-Mitglied
Beiträge: 14
Registriert: Donnerstag 15. Januar 2015, 19:53
Kontaktdaten:

Beitrag von Doktor Klawonn »

Einige kleine Änderungen gemacht. Hab gerade kein Formelprogramm installiert (SSD war abgerauscht vor Wochen), kommt später noch.

Gruß
Dr. K.

Benutzeravatar
lemmi
IllumiNobel-Gewinner 2012
Beiträge: 3752
Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 09:25

Beitrag von lemmi »

Die idee mit den Kanülen als mikro-Kühlrohre finde ich genial. Aber machen die Ansatzkoni aus Kunststoff keine Probleme bzw. werden die vom Styrol nicht angegriffen (das Destillat auf dem 4. Bild sieht so verdächtig grün aus? :D ) Warum hast Du nicht einfach ein abgewinkeltes Glasrohr genommen?
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Doktor Klawonn
Illumina-Mitglied
Beiträge: 14
Registriert: Donnerstag 15. Januar 2015, 19:53
Kontaktdaten:

Beitrag von Doktor Klawonn »

lemmi hat geschrieben:Die idee mit den Kanülen als mikro-Kühlrohre finde ich genial. Aber machen die Ansatzkoni aus Kunststoff keine Probleme bzw. werden die vom Styrol nicht angegriffen (das Destillat auf dem 4. Bild sieht so verdächtig grün aus? :D ) Warum hast Du nicht einfach ein abgewinkeltes Glasrohr genommen?
Ja, eigentlich diente die Apparatur zur Alkoholdestillation bei einer Lehrerfortbildung und ich habe sie hierfür missbraucht. Das Problem sind nicht die Ansätze (aus PE oder PP), sondern die schmalen Kanülen, die schnell zupolymerisieren, wenn man sie nicht sofort reinigt. Ein Glasrohr geht selbstverständlich auch, gegebenenfalls ein längeres für ausreichende Kühlwirkung.

Benutzeravatar
Uranylacetat
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1134
Registriert: Sonntag 8. August 2010, 23:17
Wohnort: Berlin-Pankow

Beitrag von Uranylacetat »

Schöner Versuch - mal klasse im Probierglas-Maßstab dokumentiert! Spritzkanülen als ableitende Destillationsrohre - habe ich bisher auch noch nicht gesehen... :wink:

Mikromaßstab, um umweltfreundlich zu sein...? Nichts für mich Grobmotoriker..... <LACH> :wink:
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Wenn man es nur versucht, so geht´s; das heißt mitunter, doch nicht stets." (Wilhelm Busch 1832 -1908)

Benutzeravatar
lemmi
IllumiNobel-Gewinner 2012
Beiträge: 3752
Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 09:25

Beitrag von lemmi »

Bitte noch die Erklärung durch Formel ergänzen!
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Antworten