Nital-Frage...

Anorganische Chemie.

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BJ68
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Nital-Frage...

Beitrag von BJ68 »

bin beim suchen über folgende Anmerkungen gestoßen:

a)
Nital is incompatible with glass (it is an etchant).
https://uwaterloo.ca/safety-office/site ... tainer.pdf

b)
Do not store Nital solutions in glass bottles.
http://mtrl.sites.olt.ubc.ca/files/2014 ... ration.pdf


Warum?

Unverträglich im Sinne von Ätzen, sollte es nicht sein....d.h. da bleiben noch zwei Möglichkeiten:


Entweder sorgt Glas dafür, dass sich die Mischung zersetzt, weil das Glas was abgibt oder es ist mehr eine Sicherheitsüberlegung, falls wer doch den Deckel der Glasflasche dicht schließt und das Teil dann wegen Überdruck hops geht....das wäre bei eine Plastikflasche glimpflicher als bei einer Glasflasche...


Bj68

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mgritsch
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Re: Nital-Frage...

Beitrag von mgritsch »

BJ68 hat geschrieben:oder es ist mehr eine Sicherheitsüberlegung, falls wer doch den Deckel der Glasflasche dicht schließt und das Teil dann wegen Überdruck hops geht....das wäre bei eine Plastikflasche glimpflicher als bei einer Glasflasche...
Halte ich für die wahrscheinlichste Begründung.

Xyrofl
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Beitrag von Xyrofl »

Oder dritte Möglichkeit (die man immer beachten muss), es ist einfach falsch.

Bild

Informationsquellen sind nicht zwangsläufig korrekt, man vergisst das oft.

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Pok
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Re: Nital-Frage...

Beitrag von Pok »

Dasselbe gilt aber auch für die Informationsquelle "Foto". :wink:
30%iges Wasserstoffperoxid wird/wurde von manchen Anbietern ebenfalls in fest verschlossenen Glasflaschen geliefert. Ist trotzdem nicht besonders vernünftig.

Die Antwort auf das "warum" steht doch schon ausführlich im ersten link.
Mantra, Mantra ist eine deutsche Actionkomödie aus dem Jahr 1991.

Xyrofl
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Beitrag von Xyrofl »

Das ist absolut richtig. Aber zumindest muss mindestens eines von beidem falsch sein. Ich habe nochmal nachgeschaut und mehrere Anbieter liefern es in Glasflaschen. Daraus wird noch nicht die totale Evidenz pro Glasflasche, aber es wird schon sehr plausibel, dass Glasflaschen ziemlich okay sind. Die Aussage, es würde Glas ätzen ist sowieso falsch. Salpetersäure in keiner Konzentration ätzt Glas in dem Maße, dass es ein Problem für die Flasche wäre. Wenn überhaupt, dann lösen sich Verunreinigungen, was aber außerhalb der Spurenanalytik eher selten Probleme macht. Salpetersäure haben ich oft in Braunglas gesehen, sowohl wasserfreie als auch wässrige. Wüsste nicht, dass die da nennenswert Eisen herausgelöst hätte in dem Maße, dass Synthesen fehlschlagen oder etwas durchgeht.

Der Link beschreibt, warum der Abfallbehälter kaputt gegangen ist, aber er sagt auch, dass das mit reinem Nital so nicht passiert wäre und sagt, Nitalreste nur mit weiterem Nital zusammen geben. Da der Behälter aus Plastik war, kann es nicht daran gelegen haben, dass man Nital nicht in Glas abfüllen soll.

Am Ende kann man lange rumrätseln wenn es nur eine bloße Vorsichtsmaßnahme ist, die eigentlich nicht nötig wäre. Denkbar wäre, dass die Info falsch ist, weil zum Ätzen von Metall auch gerne HF verwendet wird und die zerstört ja bekanntlich Glas. Wenn dann die Sicherheitsregeln in der Metallografie generell "Metallätzmittel" als inkompatibel zu Glas listen, weil sie HF enthalten können, dann wäre das die Fehlerquelle, die Nital angeblich inkompatibel macht - einfach falsche Deduktion:

Prämisse 1: Metallurgische Ätzmittel können HF enthalten.
Prämisse 2: HF zerstört Glas.
Prämisse 3: Nital ist ein metallurgisches Ätzmittel.

Konklusion: Nital kann Glas zerstören.

Das wiederum ist pure Spekulation ohne große Evidenz.

BJ68
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Beitrag von BJ68 »

Zumal es im ersten Link auch die Plastikflasche zerlegt hat....eben weil diese fest verschlossen war und nicht wie bei Wasserstoffperoxid diesen besonderen Verschluss mit dem Druckausgleich (Gore-Tex-Membran) hatte....d.h. hieße Glasflaschen wären auch okay...solange die nicht fest verschraubt werden....und wie im ersten Posting schon geschrieben....ätzen von Glas fällt zu 100% aus (bei der Mischung) d.h. bleibt noch die mögliche Zersetzung wegen Ionen die vom Glas abgegeben werden oder wahrscheinlicher Sicherheitsdenken, dass im Fall des Falles, des platzens, eine Plastikflasche weniger Impact hat als eine Glasflasche.

Bj68

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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

BJ68 hat geschrieben:wie im ersten Posting schon geschrieben....ätzen von Glas fällt zu 100% aus (bei der Mischung) d.h. bleibt noch die mögliche Zersetzung wegen Ionen die vom Glas abgegeben werden
Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
- Glas ist idR speziell gegen Säuren gut beständig, wenn dann würden Alkalien etwas herauslösen
- Glas enthält vor allem Na und Ca und (je nach Farbe) nur geringe Mengen an Schwermetallen die für eine katalytische Wirkung in Frage kommen (es sei denn du setzt Bleikristall ein? :))
- Die Lösung enthält 95% Ethanol und das ist bekanntlich nicht das beste Solvens für Ionen...
- Speziell bei Ätzlösungen wird man sicher nicht die reinste p.a. HNO3 einsetzen sondern vermutlich eher etwas technisches, allfällige herausgelöste Mengen sind also wahrscheinlich kleiner als die bereits von Anfang an vorhandenen Verunreinigungen

Solltest du persönlich Bedenken haben kannst du ja eine Glasflasche vorkonditionieren indem du darin mal ein paar Wochen konz. HNO3 lagerst, dann sollte sich das Thema herauslösen erledigt haben.
PE oder PP sind sicher mechanisch wie auch chemisch die deutlich weniger stabile Lösung - einiziger Vorteil wäre das Wegfallen der Splitterwirkung wenn's denn hochgeht. Sonst würde ich sagen hält die Glasflasche noch bequem wo Plastik schon lange einen dicken Bauch macht (okay, das kann auch ein Argument sein - man sieht ihr einen Druck von außen an und wird ncih beim Öffnen von einer Fontäne heißer Gase/Aerosol begrüßt... )
Als letzte Alternative bleibt sonst nur PTFE...

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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

Xyrofl hat geschrieben:Aber zumindest muss mindestens eines von beidem falsch sein.
warum? es können ja auch beide Methoden gleich richtig/falsch sein, mit jeweiligen Vor- und Nachteilen...

Xyrofl
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Beitrag von Xyrofl »

Ja, es kann sein, dass beide Materialien ihre Vor und Nachteile haben, vermutlich ist es das sogar. Aber dann ist die Aussage "Nimm kein Glas!" eben nicht gerechtfertigt. Es geht ja nur darum, ob Glas eine gangbare Alternative zu Plastik (mit Vor- und Nachteilen) ist, oder ein fatales No-go. Und so wie es aussieht, würde ich Glas nicht unbedingt für die schlechteste Wahl halten, nur halt auch nicht für die Beste.

Wären die herausgelösten Ionen ein großes Problem, dann könnte man eine benutzt Nital-Lösung gar nirgends drin unterbringen, denn die war ja direkt mit einem Metall in Kontakt. Und die ist dann voller Schwermetall-Ionen.

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