Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

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lemmi
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von lemmi »

Ich meinte, weil du oben doch konkrete Verbesserungsvorschläge hattest (weniger Wasser, Weinstein im Überschuss...) du hättest eine verbesserte Syntheseanleitung ermittelt.

Vorversuch? :P Zu was denn?
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)

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mgritsch
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von mgritsch »

"Vorversuch" nur für einen größeren Maßstab, sonst keine großen Pläne.
Ich werde ggfs die Ausbeute im größeren Maßstab ermitteln und wenn das einen Unterschied macht berichte ich. Aber als eigenen Beitrag ist das kaum der Erwähnung wert.

Eigentlich habe ich für das Produkt nur eine echte Anwendung - in der photometrischen Phosphatbestimmung mit Molybdat ist es Co-Reagenz bzw Katalysator, da braucht man auch nur sehr wenig. Kennst du noch andere Anwendungen?

Und es wundert mich warum das kommerzielle Produkt so einen leichten gelb-bräunlichen Stich hat (siehe zB auch das Bild beim Wikipedia-Eintrag). Ich habe glasklare Kriställchen erhalten die sich zu einem rein weißen Puder zermahlen lassen. Naja, da hilft wohl nichts- muss auch umkristallisiert werden :)

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lemmi
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von lemmi »

Wer auch immer das Bild eingestellt hat (sieht nach Eigensynthese aus - gerade mal 500 mg!) man sollte es ersetzen! Brechweinstein ist rein weiß. Der Löslichkeitsunterschied heiß-kalt ist so groß, dass er eigentlich schon bei der ersten Kristallisation rein anfällt. Es ist mir schwer, nachzuvollziehen, wieso er einen Gelb/Braunstich haben sollte.

Nein, Anwendungen außer als Arzneimittel sind mir nicht bekannt. Das Natriumsalz ist als chirales Reagenz verwendet worden (zur Trennung von Kobaltkomplexen :P ). Das Kaliumsalz geht da schlecht, weil es zu wenig wasserlöslich ist.

W. Sneader, schreibt übrigens, dass Kaliumantimonyltartrat im englischen Commonwealth um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ausgedehnt zur Bekämpfung tropischer Parasitenkrankheiten verwendet wurde (Kala-Azar und Schistosomiasis), namentlich im Sudan und in Ägypten. Er schreibt "... it saved the life of millions of children. Few other drugs have ever had such an impact." So toxisch wie die substanz ist, hört sich das unglaublich an. Aber wenn man nur die Wahl zwischen KalaAzar und Brechweinstein hat, entschediet man sich wohl doch besser, für den letzteren...
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mgritsch
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben:
Sonntag 2. Mai 2021, 20:31
zur Bekämpfung tropischer Parasitenkrankheiten verwendet wurde (Kala-Azar und Schistosomiasis), namentlich im Sudan und in Ägypten.
Hm, während bei Schistosomiasis der Verdauungstrakt betroffen ist, ist Leishmaniasis in Haut oder inneren Organen. Wie kann das Sb bzw das Erbrechen da helfen?

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lemmi
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von lemmi »

Ganz einfach: es wurde (wird heute noch) gespritzt! :wink:
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mgritsch
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben:
Sonntag 2. Mai 2021, 23:32
gespritzt! :wink:
:eek: :eek: :eek: :eek: :eek:
unglaublich. naja, wenn's hilft...

ist eigentlich so wie beim As eine Gewöhnung durch regelmäßige Konsumation geringer Dosen bekannt?

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lemmi
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von lemmi »

Nein, ist mir nicht bekannt.
Beim Arsen funktioniert das auch nur, wenn man es einnimmt. Nicht der Stoffwechsel gewöhnt sich an das As, sondern die Resorption im Drarm wird herunterreguliert.
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mgritsch
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Re: Triumph-Wagen Antimonii – vom Spießglanz zum Brechweinstein

Beitrag von mgritsch »

Optimierte Synthese: 93,5%
Weiters habe ich auch Na Antimonyltartrat und K Antimonyl Oxalat gemacht, vielleicht mache ich das Citrat auch noch :)

Wie so oft - wenn man sich damit beschäftigt kommt noch einiges dazu, lohnt evtl doch einen eigenen Beitrag.

P.S. Das Chloramin T hat übrigens doch um die 100% Gehalt, ich hatte vergessen es als Trihydrat zu rechnen :D Ich finde es ist eine super Substanz für Redox-Titrationen...

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