wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Alles zum Thema Mikrobiologie.

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mgritsch
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von mgritsch »

immi07 hat geschrieben:
Mittwoch 26. Mai 2021, 09:38
du hattest recht, der Zusammenhang ist organisch und wir hatten ihn schon mal bei der Diffusion im Meßzylinder.
Der Übertäter ist der Rotkohlsaft. In beide Kupfersulfatlösungen sind 7...8 Tropfen reingekommen. ("Ich guck mal nach der Säure...")
und natürlich im Spülwasser
Alles klar, jetzt ist die Welt wieder in Ordnung für mich ;)
Rotkohlsaft dürfte neben der Farbe auch genug Kohlehydrate, Proteine etc. mitbringen um für sehr hartnäckiges Leben in dieser Umgebung eine Grundlage zu bilden. Ganz ohne C geht es garantiert nicht, und CO2 aus der Luft können nur Pflanzen, keine Pilze verarbeiten.

Keine einzige meiner Chemikalien-Lösungen im Labor hat bisher Schimmel angesetzt, lediglich verdünnte Phosphat-Lösung (Puffer pH 7) ist nicht zu haltbar (bildet flockige Strukturen nach Wochen - Monaten; ist halt auch sehr lebensfreundlich) und dass Stärkelösung nicht halten würde ist auch klar.

Fun fact: Propionsäure bzw. Propionate scheinen trotz C-Angebot die Achillesferse von Schimmelpilzen zu sein weswegen man sie gerne in Brot&Gebäck als Konservierungsmittel einsetzt.

Sieh es als faszinierendes Experiment mit wie wenig und unter wie miesen Bedingungen Leben funktioniert. Zeig den kleinen Schimmel zB den zickigen Zierpflanzen wenn die mal nicht so recht wollen, sie sollen sich ein Beispiel dran nehmen ;) :angel:

BJ68
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von BJ68 »

@immi07

war cubensis und zweimal cyanescens, einmal Holz und der andere Dung....und Pferdedungextrakt-Agar* in der Küche zu machen hat auch was....die Äpfel gab es von einer TA mit Pferd, ganz frisch...

*= https://www.dsmz.de/microorganisms/medi ... ium781.pdf (allerdings etwas abgewandelt, wenn ich mich dunkel erinnere...Rezept steht in dem Buch, was aber nach dem Scan eingefügt wurde).

bj68
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mgritsch
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von mgritsch »

BJ68 hat geschrieben:
Mittwoch 26. Mai 2021, 08:04
Wenn Ihr selber Platten machen wollt: 45 min im Dampfdruckkochtopf reichen auch zur Sterilisation aus.....wenn das Teil so 105 bis 110 °C erreicht....Glas mit dem Nährboden da hineinstellen, nach der Zeit auf so ca. 40 bis 50 °C abkühlen lassen, derweil die Petrischalen vorbereiten d.h. hinstellen, aber nicht öffnen. Dann Deckel abheben, Nährboden eingießen und Deckel drauf zum festwerden.
Spricht eigentlich etwas dagegen sowohl Nährmedium als auch Petrischale im gleichen Druckkochtopf in einem Rutsch zu sterilisieren?
Idealerweise hätte ich mir das so vorgestellt: einen Einsatz in den Topf damit sie nicht im Wasser stehen, Petrischalen mit der vorbereiteten Nährlösung füllen und schon zudecken, Sterilisation 45 min, nach dem Auskühlen gebrauchsfertig entnehmen.

Keine Gießübungen an der Luft, sollte Kontamiation ziemlich minimieren, oder?

Vanadiumpentoxid
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

immi07 hat geschrieben:
Mittwoch 26. Mai 2021, 09:38
Der Übertäter ist der Rotkohlsaft. (...) und natürlich im Spülwasser
Vanadiumpentoxid hat geschrieben:
Dienstag 6. April 2021, 23:33
Für die Selbstherstellung ist Rotkohlpapier die richtige Wahl - das gibt's auch nirgendwo zu kaufen, weil die Haltbarkeit nicht die längste ist.
Vanadiumpentoxid hat geschrieben:
Dienstag 25. Mai 2021, 19:55
Spülwasservorrat in Universaldauerverwendung reicht schon).
Nach über 7 Wochen darf der Rotkohlsaft das auch...
Aber zumindest die Eier sind weiterhin bedenkenlos verzehrbar.
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

BJ68
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von BJ68 »

mgritsch hat geschrieben:
Mittwoch 26. Mai 2021, 11:17
Spricht eigentlich etwas dagegen sowohl Nährmedium als auch Petrischale im gleichen Druckkochtopf in einem Rutsch zu sterilisieren?
Idealerweise hätte ich mir das so vorgestellt: einen Einsatz in den Topf damit sie nicht im Wasser stehen, Petrischalen mit der vorbereiteten Nährlösung füllen und schon zudecken, Sterilisation 45 min, nach dem Auskühlen gebrauchsfertig entnehmen.

Keine Gießübungen an der Luft, sollte Kontamiation ziemlich minimieren, oder?
Nein...sofern die Schalen aus Glas sind....bei den Teilen aus Plastik ist es PS und das macht bei 80 °C die Grätsche....PP geht, darf aber nicht eingeklemmt werden ansonsten verformt es sich...und da immi07 was von sterilen Petrischalen geschrieben hat, dürfte die aus PS sein.

Edit: meint noch...Du hast dann sehr oft viel Kondenswasser in den Teilen, was Dir wieder Kontaminationsbrücken schafft...

bj68
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mgritsch
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von mgritsch »

BJ68 hat geschrieben:
Mittwoch 26. Mai 2021, 11:40
Nein...sofern die Schalen aus Glas sind....
Stimmt, daran dachte ich nicht ;) bin da eher oldschool und mache fast alles in Glas, aber ja - Einweg-Plaste ist besonders im Biotech Bereich Standard.
Edit: meint noch...Du hast dann sehr oft viel Kondenswasser in den Teilen, was Dir wieder Kontaminationsbrücken schafft...
Ist das nicht immer ein Thema? Heiße Nährlösung in kalte Schale gegossen macht doch auch Kondensat, und verkehrt rum lagern geht erst nach dem Erstarren...

BJ68
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von BJ68 »

mgritsch hat geschrieben:
Mittwoch 26. Mai 2021, 11:56
Ist das nicht immer ein Thema? Heiße Nährlösung in kalte Schale gegossen macht doch auch Kondensat, und verkehrt rum lagern geht erst nach dem Erstarren...
Jein...bei den Plastik-Teilen kannst Du die Deckel "schräg" aufsetzen, dass der Dampf entweichen kann...Kontis hatte ich auch da ohne Lami nur sporadisch, später hab ich mir dann einen HEPA-Luftreiniger gekauft, wo ich am Auslass einen größeren Müllbeutel angeklebt habe, so dass ich eine sterile Luftströmung und damit Arbeitsfläche bekam...

bj68
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immi07
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von immi07 »

Hallo,

https://nicostanitzok.de/petrischalen-n ... er-machen/ nimmt gekörnte Brühe als Peptonersatz

Agar ist da und Traubenzucker auch. Also werden wir demnächst Petrischalen befüllen.

Gruß Thomas

mit 2mm bisheriger Kulturflüssigkeit und je 10 Tropfen altem Rotkohlsaft wächts das schon munter weiter.
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und Holz zu schlagen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Dann bauen sie das Schiff von alleine. Antoine de Saint-Exupéry

Du hast eine Handvoll Brombeeren und wirfst sie zur Erde. Sie verbinden sich mit der Erde zu Erdbeeren. Und Brom wird frei.

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mgritsch
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von mgritsch »

immi07 hat geschrieben:
Mittwoch 26. Mai 2021, 18:57
https://nicostanitzok.de/petrischalen-n ... er-machen/ nimmt gekörnte Brühe als Peptonersatz
cool, das habe ich mir schon oft gedacht - Liebig's Fleisch-Extrakt sollte ziemlich gut als Pepton taugen, bei üblichen Suppenpulvern hätte ich die Befürchtung dass das den Kollegen auf der Platte zu salzig wird und ich habe zu wenig Kontrolle über die Inhaltsstoffe.

Bin auf deine Tests sehr gespannt!

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immi07
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von immi07 »

Hallo mgritsch,

wer auf Kupfersulfatlösung siedelt, ob den Kochsalz stört :conf:
aber für "normalere" Pilze sicher richtig.

Gruß Thomas
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lemmi
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von lemmi »

Ich habe die Bilder meiner damaligen Beobachtungen wiedergefunden! (waren unter "Kristalle" abgespeichert :out: wegen der Alaunlösung, in der sie wuchsen :lol: )

Schimmel auf Alaun.jpg
Schimmel auf Alaun.jpg (34.13 KiB) 195 mal betrachtet
Schimmelkolonien auf Alaunlösung

Schimmel 2.jpg
Schimmel 2.jpg (66.39 KiB) 195 mal betrachtet
native Mikroskopie eine der Kolonien aus der Alaunlösung:
undifferenziertes Geflecht von Hyphen, keine nähere Bestimmung möglich

Schimmelkultur 3.jpg
Schimmelkultur 3.jpg (40.26 KiB) 195 mal betrachtet
Kultur auf Sabouraud-Agar bei RT bebrütet (angelegt am 1.12.2011).

Schimmelkultur 2.jpg
Schimmelkultur 2.jpg (38.58 KiB) 195 mal betrachtet
Die Petrischale muss übrigens "kopfüber" bebrütet werden, damit sich kein Kondenswasser bildet, das auf den Agar tropfen könnte!

Mikroskopie 2.jpg
Mikroskopie 2.jpg (50.81 KiB) 195 mal betrachtet
Tesafilm-Abrisspräparat der Kultur mit etwas Ethanol-Glycerin als Medium (kein Wasser, das benetzt den Schimmel nicht!):
Hyphen und Konidien von Penicillium ssp.
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

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immi07
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von immi07 »

Hallo lemmi,

das wird die Bewährungsprobe für unser Mikroskop

Gruß Thomas
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lemmi
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von lemmi »

Oooookayyyy ... :?
Als Traditionalist traue ich diesen Dingern nicht über den Weg - aber vielleicht überzeugst du mich ja eines Besseren! 8)
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immi07
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von immi07 »

Hallo lemmi,

Gekauft hatten wir es, um es auf unseren "Expeditionen" mit nehmen zu können und viele Dinge gleich vor Ort zu vergrößern.

Wir werdens ausprobieren :idea2:

Gruß Johanna und Thomas
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Re: wer (über)lebt im Schwermetallabfall

Beitrag von immi07 »

Hallo,

gestern waren die ersten Kristalle in der roten Schale entstanden. Die Pilze leben also auf gesättigter Kupfersulfatlösung. Sie wachsen munter weiter.

Gruß Thomas
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