Kleine Ursache, große Wirkung

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MarbsLab
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Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von MarbsLab »

Diese kleine Schottky-Diode hat letztens meinen Kühlschrank lahmgelegt, als sie sich entschlossen hat, vom Halbleiter zum Leiter zu werden:
IMG_3426.jpg
Da der komplette Kühlschrank tot war, war mir sofort klar, das es an einer der Spannungsversorgungen liegen musste. Bei der zweiten Platine bin ich dann fündig geworden. Zwei Spannungsregler sorgen für +12 V und +5V. Bei beiden Ausgängen keine Spannung abgreifbar. Auf der Platine selbst kein Hinweis (oft sieht man es, wenn bei einem Bautail der berühmte blaue Rauch aufgestiegen ist). Bevor ich mit der Fehlersuche anfing, habe ich erst mal im Internet recherchiert und Bingo. Das Schicksal hat schon einige vor mir ereilt und als Fehlerursache wurde eben diese Schottky-Diode identifiziert. Also ausgelötet und tatsächlich, vom Halbleiter zum Leiter konvertiert. Neue bestellt (Stückpreis 20 Cent), die defekte ausgelötet, die neue eingelötet und die Platine wieder installiert. Eingeschaltet und funzt. Der Kundendienst hätte bestimmt die komplette Platine ausgetauscht und ein paarhundert Euro verlangt. Wie so oft im Leben - kleine Ursache, große Wirkung.
s-l1600.jpg
Besagte Diode hat die Bauteilbezeichnung D52. Foto: Ebay.
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mgritsch
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Re: Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von mgritsch »

Ja das kommt vor :) wenn man das einfach finden kann natürlich auch einfach reparierbar. Und wenn es nicht zu integriert ist.

Frage: bei der Platine sind ein paar Stellen mit so weißer Masse vergossen. Ich denke das ist etwas was früher gerne auch mit so einem gelben Wachs gemacht wurde. Ich habe mich immer schon gefragt wozu eigentlich… zusätzliche Isolierung um Kriechstrom zu vermeiden?

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MarbsLab
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Re: Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von MarbsLab »

Es dient vor allem der Fixierung von Durchsteckmontage-Bauteilen, manchmal auch zur Isolation, um zum Beispiel versehentliches Berühren zu vermeiden. In den meisten Fällen ist es einfach Heißkleber.
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mgritsch
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Re: Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von mgritsch »

Hm, könnte sein.
Auf der Platine zb warum hat einer der beiden blauen (Keramik?)-Kondensatoren vorne sowas zwischen den Beinen, fixieren würde das wohl kaum. Und der andere nicht? Beim Leistungstransistor wurde offensichtlich nach fertiger Montage am Kühlkörper vergossen… fließt schon bis zum Trafo. Berühren könnte man die Kontakte des Transistors unter dem Gehäuse so oder so nicht (von oben, Unterseite der Platine ist vermutlich frei…) irgendwie noch rätselhaft was das hier bringt.

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MarbsLab
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Re: Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von MarbsLab »

Ich persönlich bin überhaupt kein Fan dieser Heißkleber-Blobs. Bei einer ordentlich designten Platine bräuchte man diese Blobs überhaupt nicht. Heißkleber gehört sowieso nicht in die Toolbox eines Ingenieurs. Es ist oft müßig, sich über den genauen Sinn zu fragen. Bei SMD-Aufbau fällt es eh weg. Das sind übrigens keine Leistungstransistoren sondern Spannungsregler.
Manchmal sieht man auch das hier:
Bobbel.jpg
Bobbel.jpg (68.77 KiB) 273 mal betrachtet
Foto: https://www.mikrocontroller.net
In dem Fall hat der Chip selbst kein Gehäuse und wird direkt nach dem Verlöten auf der Leiterplatte mit Kunstharz versiegelt. Manchmal dient es auch dazu, die Identität des Chips zu verbergen, um Industriespionage vorzubeugen.
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immi07
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Re: Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von immi07 »

Hallo,

der Heißkleber soll den Einfluß mechanischer Schwingungen dämpfen.

Gruß Thomas
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und Holz zu schlagen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Dann bauen sie das Schiff von alleine.

Du hast eine Handvoll Brombeeren und wirfst sie zur Erde. Sie verbinden sich mit der Erde zu Erdbeeren. Und Brom wird frei.

Können ist, wenn "Glück gehabt" zur Gewohnheit wird.

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MarbsLab
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Re: Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von MarbsLab »

Daran habe ich ehrlich gesagt ein bisschen Zweifel. Zumindestens müsste dann der andere Spannungsregler und Keramikkondensatoren auch mit dem Zeug versehen sein. Zur Schwingungsdämpfungsoptimierung gibt es beim Platinendesign eigentlich andere Methoden. Relativbewegungen, Platzierung von Massen, flächige Komponenten, Ankopplungen usw. Rein aus fachlicher Interesse: darf ich fragen, woher dieses Wissen kommt? Ich habe mal eine von mehreren Platinen für eine Höhenforschungsrakete entworfen, da musste ich mich eingehend mit der Vibrationsdämpfung auseinandersetzen. Zumindest bei der Raumfahrt ist Heißkleber out of question :) .
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immi07
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Re: Kleine Ursache, große Wirkung

Beitrag von immi07 »

Hallo MarbsLab,
woher dieses Wissen
Eleletronik-Ausbildung und die Beobachtung an vielen reparierten und geschlachteten Geräten.
Außerdem habe ich vor 20 Jahren mal mit einem Kumpel geschätzt 3 m³ Elektoklein - und Elektonikgeräte zerlegt. (viele gleiche Geräte - man konnte schön vergleichen)
Auf den China-billig-Platinen sind gerne große liegend verbaute Elkos, die für stehende Montage gedacht sind (beide Anschlüsse auf einer Seite) verklebt. Auch langbeinig verbaute Bauelemente und lange Kabelverbindungen sind gerne geklebt.
Zumindestens müsste dann der andere Spannungsregler
Lustiger weise war auf baugleichen Platinen nicht immer auf gleiche Art und Weise verklebt. Es fehlten mal Kleberklechse und mal war einer mehr.
Ich habe mal eine
Vernünftig gemachte Platinen brauchen so was auch nicht. 2 von den Autouhren, an deren Entwicklung ich in der Lehre in den Mittachzigern mit gemacht habe, fahren seit fast 40 Jahren in Trabbis hier in der Gegend rum - ohne Heißkleber zur Schwingungsdämpfungsoptimierung.

Gruß Thomas
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