Herstellung von Dauerpräparaten am Beispiel der Zwiebel

Interessante Versuche aus der Biologie, Biochemie und Biotechnologie.

Moderator: Moderatoren

Antworten
Bariumchlorid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1570
Registriert: Samstag 6. Juni 2009, 21:37

Herstellung von Dauerpräparaten am Beispiel der Zwiebel

Beitrag von Bariumchlorid »

Herstellung von Dauerpräparaten am Beispiel der Zwiebel

Geräte:

Mikroskop, Bechergläser, Magnetrührer mit Rührfisch, Objektträger, Deckgläser, Glasstab, Skalpell

Chemikalien:

Wasser
Glycerol
Gelatine
Phenol
Ethanol

Hinweis: Die hergestellte Glyceringelatine ist giftig, da Phenol enthalten ist! Es kann aber auch durch Benzoesäure ersetzt werden.

Durchführung:

1. Herstellung der Glyceringelatine:
Man gibt in ein 50ml Becherglas einen Rührfisch, stelle es bei 100°C Plattentemperatur auf den Magnetrührer und gebe 12 ml 85% Glycerol und 10ml Wasser hinzu. Dann beginnt man mit 300U/min zu rühren. Währendessen lässt man ein Blatt Gelatine (ca. 1,7g) in Wasser quellen und löst es anschließend in der Glycerin Lösung. In einem zweiten Becherglas mit Rührfisch bereitet man folgendes Gemisch: 17ml 85%iges Glycerin und 5g Gelatine.
Durch erhitzen klärt sich die zweite Lösung bald und wird in die Erste gegeben. Und zwar nur so viel, dass man eine leicht viskose Flüssigkeit bekommt.
In diese fertige Glyceringelatine gibt man nun 0,5g Phenol zur Konservierung.
Vorzugsweise gießt man etwas der flüssigen Gelatine in ein Reagenzglas und lässt aushärten. Durch erhitzen im Wasserbad und herausnehmen mit einem Glasrohr kann der Objektträger so eingedeckt werden.

2. Herstellung eines Zwiebel Dauerpräparates:
Man nehme eine Küchenzwiebel und schneide von deren Außenschale ein kleines Quadrat ab. Dieses gibt man 30 Sekunden in kaltes Wasser, beträufelt auf einem Küchenpapier mit zwei Tropfen Ethanol und lässt kurz trocknen. Indessen bestreicht man einen Objektträger im Mittelbereich mit Glyceringelatine erwärmt kurz über der Spiritusflamme (nur ca. 5 Sekunden!) und bettet die Zwiebelschale dort ein. Über die Zwiebelschale kommt direkt eine dünne Schicht Glyceringelatine und ein Deckgläschen, welches angedrückt wird. Nach 10 Minuten ist die Glyceringelatine ausgehärtet, man schneidet die überstehenden Ränder ab und umrandet mit farblosem Nagellack und lässt wiederum 3 Minuten trocken. Nach anschließender Beschriftung wird das Präparat betrachtet.

Entsorgung:

Die Glyceringelatine sollte wegen des enthaltenen Phenols zu den organischen Abfällen gegeben werden. Zwiebelreste können über den Hausmüll entsorgt werden.

Bilder:

Man sollte dann folgendes sehen:
Bild
Bild
In jeder Zelle findet sich ein rhombischer Kristall, bestehend aus Calciumoxalat.
Calciumoxalat entsteht als Abfallprodukt beim Abbau des Zellinhaltes in den Zellorganellen (Mitochondrien).
(Bild 2 ist dankend von Frankie übernommen worden.)

Bild
Zur leichteren Identifikation hier eine Aufnahme von Oxalsäure-Dihydrat, ebenfalls rhombische Kristalle.

Caesiumhydroxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1546
Registriert: Freitag 5. Juni 2009, 19:05

Beitrag von Caesiumhydroxid »

Cool, ich glaube das mache ich, da ich die Sachen da habe, auch gleich mal :thumbsup:

Benutzeravatar
frankie
Illum.-Ass.
Beiträge: 1927
Registriert: Dienstag 10. April 2007, 17:00
Wohnort: Res Publica Austria

Beitrag von frankie »

Mhhh, ... gar nicht einmal so schlecht ;-) Das kann man sich bei ner Zwiebel aber schenken. Und zum Herstellen von Quer- oder Laengsschnitten, bzw. anderen Praeparaten empfehle ich eine frische Rasierklinge statt des Skalpells. Bei feinen Schnitten ist ein Handmikrotom sowieso vor zuziehen.

mfg
It is always better to have no ideas than false ones; to believe nothing, than to believe what is wrong.
(Thomas Jefferson)

Bariumchlorid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1570
Registriert: Samstag 6. Juni 2009, 21:37

Beitrag von Bariumchlorid »

Irgendwelche negativen Aspekte muss man ja finden ^^

ChemDoc
Illumina-Mitglied
Beiträge: 475
Registriert: Dienstag 11. August 2009, 21:39

Beitrag von ChemDoc »

In Fall der Zwiebel ist ein Schnitt, egal ob mit Skalpell, Rasierklinge, Mikrotom oder Laser :angel: nicht angebracht.
Zwiebel sind schalenförmig aufgebaut wobei die einzelnen Schalen durch ein Häutchen getrennt sind.
Dies besteht aus einer einlagigen Zellschicht und ist bestens als Präparat geeignet.

Bariumchlorid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1570
Registriert: Samstag 6. Juni 2009, 21:37

Beitrag von Bariumchlorid »

Ja chemdoc, aber die präperation dieser Epidermis wurde schon von Frankie beschrieben..

Benutzeravatar
frankie
Illum.-Ass.
Beiträge: 1927
Registriert: Dienstag 10. April 2007, 17:00
Wohnort: Res Publica Austria

Beitrag von frankie »

Hier noch von mir eine Calciumoxalat-Aufnahme:
Bild

Die Erwähnung von Rasierklinge und Mikrotom war nicht explizit auf die Zwiebel bezogen, sondern allgemein.

mfg

Bariumchlorid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1570
Registriert: Samstag 6. Juni 2009, 21:37

Beitrag von Bariumchlorid »

Meine Aufnahme reicht doch oder ?

ChemDoc
Illumina-Mitglied
Beiträge: 475
Registriert: Dienstag 11. August 2009, 21:39

Beitrag von ChemDoc »

Wenn man nur "Erstausgaben" posten würde, dann wären alle Foren und Bücher leer.
Oder stehst du Nico auf dem Standpunkt, dass man ein gelungenes Experiment niemals wiederholen sollte?
Warum soll ich ein Rad eckig machen nur weil ein anderer es rund macht.
Mein Respekt verdient vor allem die Plazierung der Ochsalatkristalle in die Zellen.

Bariumchlorid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 1570
Registriert: Samstag 6. Juni 2009, 21:37

Beitrag von Bariumchlorid »

Da hast du recht Karl Heinz...
Erstaunlich finde ich auch die Form, denn sie ähnelt sehr der von Oxalsäure Dihydrat (Rhombische Kristalle).
Hier mal eine Aufnahme von Oxalsäure, ein Vergleich macht die Identifikation einfacher :
Bild

LG

Antworten