Bezugsquellen für frei verkäufliche Chemikalien (und nützliche Materialien)

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Vanadiumpentoxid
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Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Bezugsquellen für frei verkäufliche Chemikalien (und nützliche Materialien)

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Das Thema mag auf den ersten Blick trivial bis überflüssig erscheinen und ist für die Erfahrenen hier im Forum sicher auch nichts Interessantes/Neues.
Aber: viele Neumitglieder und MitleserInnen, die sich noch nicht so lange mit der Hobbychemie beschäftigen, mögen sich vll. wundern, was man alles wo und wie einfach bekommen kann, ohne lange online recherchieren zu müssen oder bei Kauf Datenspuren im Netz zu hinterlassen...

Bis vor etwa 15-20 Jahren war das alles ja noch recht einfach: mit der Einkaufsliste ab in die Apotheke und die Sache war erledigt.
Heute bekommt man selbst in Super- und Baumarkt mehr Chemikalien als in Apotheke oder Drogerie.

Hier mal eine kleine Liste von Hobbylabor-tauglichen Chemikalien/Materialien:

In jedem gut sortierten Baumarkt bekommt man z. B.:
- entmineralisiertes Wasser
- Ethanol (Brennspiritus)
- Isopropanol 70 % (als Händedesinfektionsmittel)
- Aceton
- Glycerin
- Ethandiol (Scheibenenteiser/Frostschutzmittel)
- Waschbenzin
- Universalverdünner (aus dem sich durch fraktionierte Destillation Toluol gewinnen ließe)
- Salzsäure, meist 24 oder 30-33 %ig, (darauf achten, dass diese nicht gelblich gefärbt ist, dann dann enthält sie für Laborzwecke störendes Eisen)
- Salmiakgeist, einfach (knapp 10 %ig)
- Natriumhydrogensulfat (pH-Minus)
- Natriumcarbonat (pH-Plus)
- Trichloroisocyanursäure bzw. Natriumdichloroisocyanurat (Poolchlor)
- Kupfer und Aluminium (in Draht- und Blechform)
- (Löt-)Zinn
- Stahlwolle
- Calciumchlorid (Nachfüllpacks für Luftentfeuchter)
- Calcium(hydr)oxid (Brannt-/Löschkalk, meistens aber nur in großen Säcken)
- Calciumsulfat (Modelliergips)
- Calciumcarbonat (Marmorkies)
- Quarzsand
- Aktivkohle (in der Aquarienabteilung, daneben dort auch viele für Kühlkreisläufe wichtige Materialen wie PVC-Schläuche, Schlauchverbinder, Aquarienpumpen, etc.)
- Gasbrenner und Kartuschen
- Schutzgas (Argon) und Kohlendioxid in Druckgasflaschen
- PE-Flaschen zur Aufbewahrung von Chemikalien
- Spritzflaschen
- HDPE-Kanister zum Sammeln von Problemstoffen
- Schutzhandschuhe, Schutzbrillen und Atemschutzmasken

Im Supermarkt:
- entmineralisiertes Wasser
- Ethanol (Brennspiritus)
- Ethandiol (Scheibenenteiser)
- Citronensäure (bei den Entkalkern)
- Stärke
- Glucose
- Natriumchlorid (Kochsalz)
- Natrium- und Ammoniumhydrogencarbonat, Kaliumcarbonat (Natron, Hirschhornsalz und Pottasche) bei den Backwaren, dort evtl. auch: Weinsäure, Indigotin (als Lebensmittelfarbe)
- Natriumcarbonat (Waschsoda) und Natriumhypochlorit (Danchlorix) bei den Reinigungsmitteln
- Essigessenz (25 %)
- Aluminiumfolie
- roter Phosphor (in Kleinstmengen auf den Reibeflächen von Streichholzschachteln)
- Kohlenstoff (Grillkohle)
- Rundfilterpapier, grobporig (bei den Kaffeefiltern)

Und schließlich tatsächlich noch in der Apotheke, manchmal sogar im SB-Bereich und daher meist ohne nervige Rückfragen der PTA an der Theke:
- Wasserstoffperoxid, 3 %ig
- Glycerin
- Ascorbinsäure (Vitamin C)
- Ethanol (unvergällt)
- Isopropanol 70 %
- Magnesiumsulfat (Bittersalz)
- Natriumsulfat (Glaubersalz)

Manches Schnäppchen fürs Heimlabor kann man in Restpostenläden machen. In meinem dörflichen Shop habe ich z. B. schon entdeckt:
- konz. Salzsäure
- Aceton
- Brennspiritus
- Waschbenzin
- Modelliergips
- schmale Spülbürsten für Reagenzgläser und Kolben
- einfache Aufbewahrungsgläser und -dosen für nicht-aggressive, nicht-hygroskopische Chemikalien
- Lamellenstopfenröhrchen
- Trichter
- Schneidebretter aus Glas oder Melamin, z. B. zum Schneiden von Natrium
- kleine Tontöpfe als semipermeable Membranen für Elektrolysen
- Kochtöpfe für Sand- oder Ölbäder
- Reagenzgläser aus Natronkalkglas (nicht hitzebeständig)
- Glasrohre (Mehrwegtrinkhalme)
- langstielige Löffel (als Spatelersatz)
- Pinzetten
- Korkstopfen
- Korkuntersetzer (für noch heiße Flachbodenkolben und Bechergläser)
- Einzelkochplatten
- Wunderkerzen als Thermitstarter oder zur Extraktion von Bariumsalzen im kleinen Maßstab
- Holzspiesse für die Glimmspanprobe
- Knopfzellen zur Lithiumgewinnung im Mikromassstab
- Kunststoffwannen für den Abwasch oder als pneumatische Wanne
u. v. a. m.

Meine Tipps für den Baumarkt: nicht alles auf einmal kaufen, bestimmte Kombinationen meiden (z. B. Poolchlor und Salzsäure), Plausibilitätsartikel dazukaufen (z. B. Lack und Pinsel zum Aceton), kleinere Gebinde und Stückzahlen wählen, in bar zahlen!

Darüber hinaus wird man jedoch nicht ohne Online-Bestellungen auskommen, denn Chemikalien- und Laborfachhändler mit offener Ladentheke für Privatkunden gibt es leider kaum.

Einen Online-Shop, den ich in diesem Zusammenhang empfehlen kann, ist chemdiscount.de .
Alle dort erhältlichen Chemikalien lassen sich unter dem Begriff Haushaltschemikalien zusammenfassen, weil es dort für sie übliche und legitime Einsatzbereiche gibt. Keine der angebotenen Chemikalien unterliegt irgendwelchen gesetzlichen Restriktionen. Der Kauf ist grundsätzlich ohne Endverbleibserklärung möglich. Das Sortiment so beschaffen, dass Pyro-Bastler und Drogenköche hier nichts Interessantes finden dürften. Somit ist die Gefahr, dass dieser Händler und damit auch seine Kunden irgendwann einmal behördlichen Repressalien ausgesetzt sein könnten, als äußerst gering einzuschätzen.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut, die Reinheit der Chemikalien ist hoch. Allerdings sind es immer nur mindestens 1 kg- bzw. 1 L-Mengen, die man hier bestellen kann. Wer also viel Lagerfläche hat und sich für lange Zeit ausreichende Vorräte zu günstigen Preisen anlegen möchte, ist hier genau richtig.

Ein vergleichbar harmloses, aber weniger umfangreiches Sortiment, bei dem jedoch auch kleinere Bestellmengen möglich sind, hat der ebay-Shop von inachem: zivile Preise, gute Qualität, verlässliche, schnelle Lieferung.

Auch unter toepferspass.de findet man viele Rohsoffe in verschiedenen Quantitäten, aber eher technischer Qualität zu günstigen Preisen innerhalb einer Sortimentsauswahl, die kaum behördliches Eingreifen provozieren dürfte.

Bei allen anderen deutschen Online-Händlern wäre ich vorsichtig: einige haben ihr einschlägiges Sortiment auf Feuerwerksbastler ausgerichtet. Andere wiederum, darunter selbst namhafte Händler, verkaufen Substanzen, deren Abgabe gemäß ChemVerbotsV oder nach den aktuellen Grund- und Ausgangsstoffgesetzen an privat eigentlich nicht mehr erlaubt wäre. Man sollte sich daher sehr gut überlegen, ob man dort überhaupt noch irgendetwas kauft, wenn man dauerhaft unbehelligt bleiben und nicht irgendwann "mitgehangen, mitgefangen" sein möchte...

Stoffe, die in Deutschland gemäß ChemVerbotsV im Versandhandel an Verbraucher gar nicht mehr abgegeben werden dürfen, kann man aber durchaus noch vollkommen legal in anderen EU-Staaten bestellen, wo zumindest dieses Gesetz nicht gilt. Damit ist auch die Aussicht, dass man hinterher seine Ruhe damit hat, umso größer. 8)
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

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