Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Anorganische Chemie.

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Seaborg
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Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Seaborg »

Bitte um Eure Einschätzung des folgendes "Sachverhaltes".
Versuch einer Abscheidung von Co aus seinen Salzlösungen mittels Magnesium.
Probe: etwa 1n-CoSO4-Lösung; Mg-Stückchen (etwa 1mm) vorher kurz in 2n HCl getaucht und sofort mit H2O "gestoppt".
Dieses dann in die CoSO4-Lösung.
Schon früh sieht man die Abscheidung schwarzer Krümel, die ich für Co halten würde. Nach einiger Zeit sieht man aber auch
zunehmend tiefgrüne Auflagerungen am blasenwerfenden Mg.
In einer zweiten Probe wurde zur CoSO4-Lösung etwas 2n HNO3 gegeben. Hiermit entstehen die Grünen Strukturen schneller und voluminöser.
Unter dem Mikroskop: mm-großer Mg-Schnipsel mit unklaren grünen Auflagerungen
Unter dem Mikroskop: mm-großer Mg-Schnipsel mit unklaren grünen Auflagerungen
.
Die einzige grüne Co-Verbindung, die mir bekannt ist, ist: Co(NO3)2* 6Co(OH)2 (Szabó: Anorg. Chemie)
aber ist die in saurer Lösung vorstellbar?
Wer hat eine Idee ?
.
.
weitere Minuten später: das Mg ist vollständig grün überzogen
weitere Minuten später: das Mg ist vollständig grün überzogen
Gruß
Seaborg

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mgritsch
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von mgritsch »

Kann es sein dass sich da Co(I) Verbindungen bilden? Keine Ahnung welche Farbe die hätten...

Kann es sein dass sich da eventuell Verunreinigungen des Co Salzes bevorzugt abscheiden/anreichern?

In unmittelbarer Nähe zum Mg kann sich durchaus ein basischer pH einstellen, allzu viel Säure hast du nicht drin so wie ich deine Angaben lese.

Vanadiumpentoxid
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Grüne Cobaltverbindungen kenne nur als Cobaltoxid, Rinmanns Grün, Titanate oder Tartrato-superoxo-Komplexe.
Die dürften unter diesen Bedingungen aber kaum entstehen.
Kommen also eher Verunreinigungen des Cobaldsalzes oder Magnesiums in Frage. Chrom-III-sulfat? Wurde das Cobaltsalz direkt aus einem Metallstück (Legierung?) hergestellt?
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
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Calciumcitrat
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Calciumcitrat »

Cobalt(III) ls kann grün sein. Cobalt(I)komplexe habe ich mal gekocht, ich kann mal in meine Aufzeichnungen gucken, aber das lief alles unter Schlenkbedingungen ab. Tippe eher auf Schund aus den Edukten.

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Seaborg
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Seaborg »

Die anteilige Menge der grünen Substanz läßt m.E. eher an eine Umwandlung des Co selbst denken.
Im oxidativen Medium gäbe es natürlich noch die Carbonato-Komplexe des Cobalt (III), aber hier liegt ja eher ein reduzierendes Medium vor.
Die Cobaltlösung habe ich durch Auflösen eines (typisch gefärbten) Salzes (CoSO4) erhalten.
Was könnte sich denn überhaupt unter H2-Reduktion ausbilden, das so intensiv grün ist. Selbst die häufigste Verunreinigung des Cobalt, das Nickel würde sich doch nicht so darstellen können und dann in dieser Menge.
Sehr schleierhaft.

Vanadiumpentoxid
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Seaborg hat geschrieben:
Samstag 7. August 2021, 18:19
eines (typisch gefärbten) Salzes (CoSO4)
Und woher hattest Du dieses?

Ich tippe auf eine Verunreinigung, die farblos oder orange, unter reduktiven Bedingungen aber grün ist.
Nochmal: Chrom?
Oder Etikettenverwechslung Dichromat/Cobaltsulfat (sehen zumindest ähnlich aus)?
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Glaskocher
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Glaskocher »

Wer die beiden Salze farblich verwechselt, der kann orange nicht von dunklem rosarot unterscheiden. Mit "Ähnlich" hat das nichts zu tun. Auch die blassrosane Hintergrundfarbe im Bild spricht gegen Chrom.

Eine alkalisch-oxidierende Schmelze müßte im Fall von Chrom gelb werden, Kobalt würde Tiefblau bis schwarz.

Nur mal zum Verständnis: Sind die Bilder aus rein schwefelsaurem Medium oder ist da auch Nitrat im Spiel? Wenn Nitrat mit dabei ist, dann darf man Ammonium nicht aus den Augen lassen. Gerade Cobaltkomplexe sind farblich ein Chamäleon, das geht (fast) einmal rund um den Regenbogen.

Ist die blaugrüne Farbe im unteren Bild eigentlich gelöst oder eher ein suspendierter Feststoff? Das hilft vermutlich beim Eingrenzen der Verdächtigen.

Area51
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Area51 »

Ist das Produkt vielleicht teilweise magnetisch ?
Dann wäre elementares Co vorhanden.

mfg
Area51

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Seaborg
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Seaborg »

Mit dem Cobaltsulfat habe ich ja schon etliche andere Arbeiten getätigt und es sicher auch irgendwann als Lösung jodometrisch bestimmt. (als o.g. Carbonatokomplex des 3-wertigen Co, nach Zugabe von KHCO3 und H2O2 (10-30%) und ansäuern mit H2SO4 (2n). Also eine Verwechslung des tief rotbraunen Salzes mit einem Dichromat sollte selbst einem 70-jährigen Rentner nicht passieren. :lol: :lol:
Ich werde mir einige Versuche ausdenken, mithilfe derer man evtl. weiterkommt.

Seaborg

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Seaborg
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Seaborg »

Glaskocher hat geschrieben:
Samstag 7. August 2021, 18:46
oder ist da auch Nitrat im Spiel? Wenn Nitrat mit dabei ist, dann darf man Ammonium nicht aus den Augen lassen. Gerade Cobaltkomplexe sind farblich ein Chamäleon, das geht (fast) einmal rund um den Regenbogen.

Ist die blaugrüne Farbe im unteren Bild eigentlich gelöst oder eher ein suspendierter Feststoff? Das hilft vermutlich beim Eingrenzen der Verdächtigen.
...In einer zweiten Probe wurde zur CoSO4-Lösung etwas 2n HNO3 gegeben. Hiermit entstehen die Grünen Strukturen schneller und voluminöser.....
NH4-Ionen sind nicht im Spiel

Gerade "geschossen": Die anscheinend festen Strukturen lassen sich leicht vom Mg (und möglicherweise aufgelagerten Co) ablösen.
CoMg3.jpg
Seaborg

Vanadiumpentoxid
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Seaborg hat geschrieben:
Samstag 7. August 2021, 18:49
Mit dem Cobaltsulfat habe ich ja schon etliche andere Arbeiten getätigt und es sicher auch irgendwann als Lösung jodometrisch bestimmt. (als o.g. Carbonatokomplex des 3-wertigen Co, nach Zugabe von KHCO3 und H2O2 (10-30%) und ansäuern mit H2SO4 (2n).
Also eine Verwechslung des tief rotbraunen Salzes mit einem Dichromat sollte selbst einem 70-jährigen Rentner nicht passieren. :lol: :lol:
Hast den Carbonatokomplex vor Bestimmung separiert und gewaschen? Ansonsten wäre überschüssiges Peroxid eine Fehlerquelle. Ist die Umsetzung quantitativ?

Entschuldige die Idee mit dem Dichromat. Ich denke immer, eine Vermutung ist besser als gar keine Idee... :roll:
Ich schiebe Chrom aber noch nicht ganz zur Seite (dafür ist mir das Grün einfach zu verdächtig):
Hast Du das Cobaltsulfat selbst synthetisiert oder als Reagenz p. a. erworben?
Bei Eigensynthese aus metallischem Cobalt bzw. aus Cobaltoxid/-carbonat unbekannter Reinheit empfehle ich zur Ausschlusstestung auf Chrom die Oxidationsschmelze mit anschließender Identifizierung als Chromperoxid.
Ein bekannter Metallhändler auf ebay hat mir schon Zink als Cobalt verkauft und die Reklamation trotzdem nicht anerkannt - da ist alles möglich...
Ich selbst kenne nur Cobaltchlorid/-nitrat und das Kaliumdichromat als Reinsubstanzen von der eigenen Anschauung her. Schau Dir mal über die Google Bildersuche Kaliumdichromat und Cobaltsulfat an, dann weißt Du, wie ich auf die Verwechslungsidee gekommen bin...
Spätestens in (nicht allzu verdünnter) wässriger Lösung erkennt man den Unterschied natürlich sofort - auch wenn man wie ich das feste Sulfat noch nie in natura gesehen hat.
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Glaskocher
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Glaskocher »

Das Ammonium kann entstehen, wenn das Nitrat stark reduzierenden Bedingungen (Magnesium...) ausgesetzt ist. Somit nicht ganz ausgeschlossen. Nitrit ist auf etwas milder reduzierendem Weg zugänglich und Cobalt hat so manche katalytischen Trichs "im Ärmel".

Jetzt heißt es wohl, alle chemischen Tricks heraus holen und es Cunningham gleichtun in der Mikrochemischen Analyse... ;--D

Vanadiumpentoxid
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Auch das Magnesium würde ich als Quelle möglicher Verunreinigungen nicht ausschließen. Woher stammt es?
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eule
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von eule »

Der Grünton in den Fotos sieht verdächtig nach Rinmanns Grün aus, ich würde auch auf Zn als Verunreinigung in einer deiner Ausgangssubstanzen tippen. Vllt kannst du ja in den "Rohstoffen" mal gezielt danach suchen.
Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.

Vanadiumpentoxid
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Re: Unklares Reaktionsprodukt bei Zementation von Co

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

eule hat geschrieben:
Sonntag 8. August 2021, 02:10
Der Grünton in den Fotos sieht verdächtig nach Rinmanns Grün aus
Das würde ich ausschließen, denn für die Bildung dieses Pigments muss trocken geglüht werden. In wässriger Lösung bei Zimmertemperatur passiert dahingehend rein gar nichts...

Ich bleibe daher mal bei Cr3+... oder tatsächlich Co+.
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