Synthese und Test von Glyoxal-bis-2-hydroxyanil (Calciumrot)

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aliquis
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Re: Synthese und Test von Glyoxal-bis-2-hydroxyanil (Calciumrot)

Beitrag von aliquis »

lemmi hat geschrieben:
Freitag 7. Januar 2022, 18:46
EDIT: auch in der aktuellen Ph.Eur. wird die Reaktion als Identitätsreaktion auf Calcium angeführt. Als Alternative wird die Niederschlagsbildung mit Hexacyanoferrat(II) und Ammoniumchlorid als (NH4)2Ca[Fe(CN)6]angeführt (hallo aliquis! :mrgreen: ). Die "klassische" Nachweisreaktion, nämlich mit Ammoniumoxalat (bis zum DAB 8 gängig), wird gar nicht mehr erwähnt.
Es gibt für alle Erdalkalimetalle spezifische Nachweis- bzw. Ausschlussmethoden:

- Mg: das einzige, das auch mit konz. Sulfatlösung keinen Niederschlag gibt. Mit Ammonium/Ammoniak-gepufferter Phoshorsalzlösung gibt es einen weißen Niederschlag, der sich leicht in Essigsäure löst, manchmal muss man durch Kratzen am Reaktionsglas für Kristallisationskeime sorgen. Die Kristalle sind unterm Mikroskop charakteristisch (neben eisblumenartigen, vor allem die sargdeckelförmigen Kristalle).
Barium gibt ebenfalls einen weißen essigsäurelöslichen Phosphatniederschlag - im Unterschied zu Mg ist keine alkalische Pufferung notwendig.

- Ba: hebt sich durch die charakteristische grüne Flammenfärbung ab.
Im Unterschied zu Calcium bildet es kein unlösliches Hexacyanoferrat. Lösliche Bariumsalze geben selbst mit 1:10 verdünntem Gipswasser noch einen Niederschlag bzw. feine Trübung von Bariumsulfat. Ähnlich verhält es sich mit gelbem Bariumchromat, dass auch noch mit stark verdünnten Chromat-Lösungen gefällt werden kann.

- Ca: sein Citrat zeigt eine temperaturinverse Löslichkeit. Viele Fällungsreaktionen (Carbonat, Phosphat, Sulfat, Oxalat) hat es mit Barium und Strontium gemeinsam, mit Strontium auch eine ähnliche Flammenfärbung, die bei Calcium aber mehr ins Orangerote geht. Die praktische Unlöslichkeit des Oxalats hat es mit Barium gemeinsam, auch Mg- oder Sr-oxalat sind nur wenig wasserlöslich.

- Sr: im Ausschlussverfahren der spezifischen Reaktionen der anderen Erdalkali-Metalle.

- Be: soll mit Chinalizarin oder Morin spezifische Farbreaktionen geben (wegen des Gefahrenpotentials keine eigenen Erfahrungswerte)

- Ra: durch Strahlenmessung (keine Erfahrungswerte)

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mgritsch
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Re: Synthese und Test von Glyoxal-bis-2-hydroxyanil (Calciumrot)

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben:
Freitag 7. Januar 2022, 21:30
Andere Metallionen, die ähnlich gefärbte Komplexe bilden lassen sich nicht ausschütteln.

Ist das so?
Vielleicht geht auch abtrennen ... In deinen dunkelgelben lösungen mit z.B. Strontium geht ein bisschen Calciun doch unter. Wie sieht es mit Mischungen aus die neben viel Mg oder Sr wenig Ca enthalten? Möglicherweise kann man das durch Áusschütteln besser sichtbar machen.
Das wäre ein Punkt. Das im alkalischen als Ion vorliegende Reagenz geht nicht über, der neutrale Komplex schon… zumindest visuell kann das im Grenzfall helfen wenn kein Photometer zur Verfügung steht. Angesichts der Empfindlichkeit des Tests ist aber die Frage ob das relevant ist. Ca im Leitungswasser bei Härte 10 reicht jedenfalls dicke!

Nota bene habe ich eine konzentriertere Reagenzlösung eingesetzt als in der Literatur, dementsprechend ist das Gelb sehr dunkel, auch das Rot ist schon jenseits von dunkel. Mit weniger dürfte immer noch genug Kontrast rauskommen, Blindproben zum direkten Farbvergleich haben noch nie geschadet.
finde ich mißverständlich. In welchem Artikel wird welche Nachweisgrenze erreicht?
https://doi.org/10.1021/ac60319a019
“ The determination of calcium in solution from 0.1 to 15 μg per milliliter is easy, accurate, and reproducible“ (keine Extraktion)

https://doi.org/10.1021/ac60170a026
„Only 2 ml. of sample are required and the range is from 0.5 to 10.0 μg per ml.“ (Extraktion in Chloroform)

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lemmi
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Re: Synthese und Test von Glyoxal-bis-2-hydroxyanil (Calciumrot)

Beitrag von lemmi »

mgritsch hat geschrieben:
Samstag 8. Januar 2022, 02:01
lemmi hat geschrieben:
Freitag 7. Januar 2022, 21:30
Andere Metallionen, die ähnlich gefärbte Komplexe bilden lassen sich nicht ausschütteln.
Ist das so?
Ja - jedenfalls nach dem Kommentar zum DAB 9:

Calciumnachweis mit Glyoxalbishydroxyanil, DAB 9 -1.jpg
Calciumnachweis mit Glyoxalbishydroxyanil, DAB 9 -1.jpg (125.12 KiB) 80 mal betrachtet
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mgritsch
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Re: Synthese und Test von Glyoxal-bis-2-hydroxyanil (Calciumrot)

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben:
Samstag 8. Januar 2022, 08:32
Ja - jedenfalls nach dem Kommentar zum DAB 9:
na ich werde das beizeiten mal überprüfen ;)

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