Eisenoxalat-Actinometer (Hatchard-Parker Actinometer)

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lemmi
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Re: Eisenoxalat-Actinometer (Hatchard-Parker Actinometer)

Beitrag von lemmi »

lemmi, Du hast doch Hydrazin(sulfat) da, oder?
Magst Du mal ausprobieren, ob man damit Berliner Blau zu Berliner Weiß reduzieren kann?
Habe ich heute q.a.d. ausprobiert und eine Überraschung erlebt!

Ich habe die Kaliumhexacyanoferrat(II)-Lösung mit etwas Hydrazinsulfat versetzt und erhitzt (das Wasser war nicht abgekocht. Sie färbte sich zu meiner Überraschung dunkelgelb! Als ich sie zu der - ebenfalls mit Hydrazinsulfat erhitzen und ganz farblosen - Lösung von Eisen(II)-Ammoniumsulfat gab entstand sofort das dunkelste Berlinerblau, das man sich denken kann!

Es sieht so aus, als habe das Hydrazinsulfat des gebe Blutlaugensalz oxydiert! Ich kann mir das, ehrlich gesagt, nicht erklären... :conf:
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Glaskocher
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Re: Eisenoxalat-Actinometer (Hatchard-Parker Actinometer)

Beitrag von Glaskocher »

Kann es auch zu einem Ligandentausch gekommen sein? Hydrazin an sich wirkt auch komplexierend und es gibt neben Hexacyanoferrat auch andere ähnliche Komplexe, die sich nur um einen einzigen Austausch unterscheiden.

Um oxidierend zu wirken müßte, papierchemisch betrachtet, die N-N-Bindung gespalten werden und unter Verbrauch von 2 Wasser 2 NH3 gebildet werden. Dann bleiben zwei Hydroxyl-Radikale übrig... rekombiniert = Wasserstoffperoxid. Ob das real abläuft weiß ich nicht. Papier isr geduldig.

Insgesamt eine interessante Erkenntnis, daß Hydrazin in diesem System nicht wie erwartet (reduzierend) wirkt.

aliquis
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Re: Eisenoxalat-Actinometer (Hatchard-Parker Actinometer)

Beitrag von aliquis »

Ähnliche Beobachtungen habe ich auch gemacht, als ich

a) gemäß lemmis Vorschlag Natriumsulfit mit (zu) wenig Schwefelsäure zu Mohr's Salzlösung gab: tiefdunkle Gelbfärbung ohne Niederschlag (kolloides Eisen-III-hydroxid?), die bei weiterer Zugabe von Schwefelsäure im Überschuss und auch etwas mehr Sulfit wieder verschwand.

b) eine Lösung von gelbem Blutlaugensalz zunächst mit Wasserstoffperoxid versetzte (tiefgelbe Färbung durch Bildung von rotem Blutlaugensalz), dann ein wenig Schwefelsäure hinzufügte (um die gebildete Kalilauge zu neutralisieren) und erhitzte (um überschüssiges Peroxid zu verkochen):
beim Erhitzen zunächst Bildung von Berliner Blau (= Single-Source-Herstellung), dann aber plötzliche Braunfärbung und Ausfällung von Eisen-III-hydroxid... :? Ich hoffte nur, dass dabei kein HCN freigesetzt würde... (Ich kann es geruchlich nämlich nicht wahrnehmen...).
Übrigens: in stark alkalischer Lösung reduziert Wasserstoffperoxid umgekehrt rotes Blutlaugensalz zu gelbem...

Aufklärende Hinweise, was bei den beobachteten Reaktionen vor sich ging, nehme ich gern entgegen...

Edit: spannend hätte ich gefunden, was das Reduktionsmittel Hydrazin mit Berliner Blau als bereits komplexierte Eisenverbindung macht (statt vorheriger Zugabe zu den Einzelkompenten). Schweflige Säure reduziert in einfachen Salzen ja auch dreiwertiges Eisen zu zweiwertigem, Berliner Blau zu Weiß jedoch nicht...

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