Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

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Glaskocher
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von Glaskocher »

In Sachen Hexamethylentetramin (Esbit) kann ich zwar nicht mit einer Reinheit kommen, aber es gibt zwei Wege sie zu bestimmen.
- Totalhydrolyse einer gewogenen Probe und Rücktitration des Ammoniaks (Acidimetrie), respektive des Formaldehydes (Manganometrie?).
- Usetest in einer bekannt mit Reinware funktionierenden Bestimmung.

Man kann Hexamethylentetramin vermutlich sublimieren, um es von Unverdampfbarem zu reinigen. Man sollte allerdings im Vakuum arbeiten, um unterhalb der Zersetzungstemperatur zu bleiben.

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mgritsch
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von mgritsch »

„Versuch macht kluch“. Mehr kann ich da nicht sagen. Ich benutze keinen esbit, die Dinger sind auch ziemlich hart gepresst/gesintert..

Vanadiumpentoxid
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Tja, dann probiere ich das wohl mal aus (muss ich aber erst noch bestellen). Ausser der Bundeswehr und ein paar Preppern benutzt das heutzutage, glaube ich, kaum noch jemand...

Es gibt nichts, was ich in einem verschlossenen Gefrierbeutel mit 'nem Hammer auf einem großen Granitstein als Unterlage (Schutzbrille!) bislang noch nicht klein gekriegt hätte... :wink: (zuletzt einen steinharten 20 g TCCA-Pool-Tab)
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Vanadiumpentoxid
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Glaskocher hat geschrieben:
Freitag 9. Juli 2021, 20:43
- Totalhydrolyse einer gewogenen Probe und Rücktitration des Ammoniaks (Acidimetrie), respektive des Formaldehydes (Manganometrie?). (...)

Man kann Hexamethylentetramin vermutlich sublimieren, um es von Unverdampfbarem zu reinigen. Man sollte allerdings im Vakuum arbeiten, um unterhalb der Zersetzungstemperatur zu bleiben.
Arbeit unter Vakuum entfällt für mich mangels entsprechender Ausstattung (Anschaffung aus Kosten- und Platzgründen auch nicht geplant).

Die Freisetzung von Methanaldämpfen infolge einer temperaturgestützten Hydrolyse wollte ich eigentlich vermeiden, aber mit kleinen Mengen im Freien und unter Atemschutz sollte das noch vertretbar sein.
Wie macht man es anschließend unschädlich? Mit Permanganat in saurem Milieu zu Methansäure umsetzen (wie bei der manganometrischen Bestimmung)?

Zur Hydrolyse an sich: die erfolgt bei Hexamin doch durch einfaches Kochen (wie lange?) der wässrigen Lösung, oder?
Verflüchtigen sich dabei aber nicht auch teilweise das Ammoniak und das Methanal (s. o.), so dass eine exakte Bestimmung anschließend gar nicht möglich wäre?
Oder müssen die Dämpfe in Wasser eingeleitet und diese Lösung der hydrolysierten Ausgangslösung wieder hinzugefügt werden? Bei Ammoniakeinleitung besteht ja immer auch hohe Rückschlagsgefahr - lässt die sich mittels Einleitung via umgedrehtem Trichter komplett bannen?

Edit: Ich habe gerade die Hexamin-Hydrolyse in meinem alten Kosmos C4000-Anleitungsbuch gefunden. Dort wird sie in schwefelsaurer Lösung unter Hitzezufuhr durchgeführt. Dadurch wird das Ammoniak gebunden und das Gleichgewicht in Richtung Methanalbildung verschoben.
Das gasförmige Methanal wird in Wasser geleitet.
Ich bezweifle jedoch, dass Austreibung und Resorption vollständig ablaufen. Somit stellt sich in der Tat die Frage, ob hier eine quantitative Bestimmung verlässlich möglich ist. Aufgrund der Bindung des Ammoniak entfällt dessen acidimetrische Bestimmung (es sei denn, man treibt auch diesen mit Hydroxid wieder aus - mit gleichen Problemen hinsichtlich der Vollständigkeit wie beim Methanal...).
Apropos Acidimetrie: lemmi hat doch ja eine entsprechende Analyse von Aldehyden ins Forum eingestellt. Das wäre eine Alternative zur manganometrischen Bestimmung.
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Vanadiumpentoxid
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Gibt es es andere Amine mit vergleichbaren Puffereigenschaften wie Hexamin, bei deren Hydrolyse weniger schädliche Stoffe anfallen?

P.S.: Wie wäre es mit einer Abtrennung der Puffer-Thematik von diesem Thread?
Leider habe ich zu spät daran gedacht, gleich einen eigenen Thread dafür aufzumachen. Aber man weiß ja auch nie im Voraus, wie umfangreich sich ein Thema nach einer Rückfrage entwickelt...
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Glaskocher
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von Glaskocher »

Man muß nicht immer mit Kanonen auf Spatzen... Man sollte nach dem Möglichen suchen, ohne jetzt in Panik ALLES möglicherweise Schädliche permanent als Weltenbremse zu suchen.

Um die Hydrolyse durchzuführen kann man auch die Pufferwirkung rückwärts zu nutzen. Das heißt, man titriert etwas langsamer gegen einen Indikator, der bei ca. pH=3-4 umschlägt. Da wird weder erhitzt, noch so konzentriert gearbeitet, daß nennenswerte Mengen Methanal ausgetrieben werden (können).

Zur Manganometrie: Man arbeitet in stark Sauren und oxidiert das Methanal bis zum CO2. Das müßte sogar in der austitrierten Probe von oben klappen, wenn man eine Schwefelsäure-Maßlösung benutzt hatte. Indikator = Maßlösung (erster Überschuß färbt heftig). Im Zweifelsfall: Mit einem gezielten Überschuß am Permanganat versetzen und zurück titrieren, was aber den Wägefehler verdoppelt.

Vanadiumpentoxid
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Naja, Panik ist das nicht unbedingt.
Methanal, (Nitro-)Benzol/Anilin sowie diverse Halogenkohlenwasserstoffe (und natürlich Chromylchlorid) sind bei mir bereits diejenigen Substanzen, die ganz oben auf der "muss nicht unbedingt sein"-Liste stehen. Wenn ich diese Stoffe, insbesondere dort, wo relevante Mengen freigesetzt werden, irgendwie umgehen kann, dann mache ich das auch. Bei allem unterhalb dieses Levels bin ich dann schon entspannter...
Bei der reinen Titration ohne Erwärmung und nennenswerte Dampf-/Aerosolentwicklung würde mir auch schon die offene Tür zum Lüften reichen... (habe neulich erst eine winzige Menge Glycerin mit Periodat kalt zu Methanal umgesetzt und dieses mittels fuchsinschwefliger Säure nachgewiesen - dabei konnte man das Aldehyd noch nicht einmal riechen...). Eine Hydrolyse mit Dampfentwicklung, wie bei Kosmos beschrieben, würde ich hingegen bereits draußen und unter Atemschutz durchführen - wenn denn überhaupt...
Wie gesagt: da ich bereits mehrfach vorbelastet bin und das Schicksal nicht herausfordern möchte, bin ich bei Karzinogenen lieber doppelt vorsichtig - und das kann im Zweifelsfall dann halt auch mal auf einen Verzicht hinauslaufen...

Zur Hydrolyse/Titration: mir ist nicht ganz klar, wie die doppelte Titration hintereinander mit zwei farbintensiven Indikatoren funktionieren soll. Irgendwie kann ich mir noch kein richtiges Bild vom Prozedere machen... :?
Vll. magst Du meinem Verstehen ja nochmal auf die Sprünge helfen...
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mgritsch
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von mgritsch »

FYI: ich habe das jetzt auch gemacht, genau gleicher Ansatz. Unterschiede: ich habe die Kristallisation nicht mit kaltem Wasser gemacht sondern nur so bei RT kühlen gelassen und gerührt, auch kein Kühlschrank zum Schluss. Ich habe gut abgenutscht aber nicht mit Eiswasser nachgewaschen. Ausbeute beim ersten mal knapp 60 g. Mutterlauge noch mal ca auf die Hälfte eingeengt (30 ml), nicht bis Hautbildung. Gleicher Prozess - nur noch wenige Gramm, insgesamt 63,1 g (90%)

Doch ein Eck mehr Ausbeute ohne spezielles quälen - kann das daran liegen dass du mit dem waschen wieder so viel runter spülst?

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lemmi
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Re: Zinkammoniumsulfat für die (Maß)Analyse

Beitrag von lemmi »

Gut möglich. Wie gesagt habe ich in die Ausbeute keinen besonderen Ehrgeiz gelegt... :wink:
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

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