Bestimmung von Laborgeräten

Alles über (eure) Laborgeräte.

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Labormaus
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Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Labormaus »

Hallo liebe Chemiefreunde,

wie ich eingangs schon im Vorstellungsboard geschrieben habe, benötigen wir Hilfe bei der Bestimmung von einigen Laborgeräten, die wir aus einem Nachlass haben und die wir selbst nicht bestimmen konnten. Das Bestimmen und Katalogisieren der meisten Geräte hat ganz gut funktioniert, da mein Mann früher begeisterter Hobbychemiker war und daher über ein gewisses Grundwissen verfügt. Bei einigen Glasgeräten handelt es sich allerdings um so spezielle Sachen, dass sein Schulwissen dafür nicht ausreicht und wir nun die Hilfe von Leuten brauchen, deren Kenntnisse über das Schulwissen hinausgehen 😉 Wir würden uns freuen, wenn Sie uns da weiterhelfen könnten. Ich habe zu den sieben Geräten, die wir entweder gar nicht bestimmen konnten oder bei denen uns der genaue Fachbegriff unbekannt ist, Fotos gemacht und hoffe, dass sie zur Bestimmung der Geräte aussagekräftig genug sind.

Schönen Gruß Diana
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Glaskocher
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Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Glaskocher »

Zuerst mal eine kleine Bitte: Könnt Ihr die Geräte mal durchnummerieren? Einfach den "Bleistift" oben im Beitrag anklicken und dann unter das letzte Bild zu jedem Einzelteil eine Nummer schreiben.

Ich fange schon mal mit dieser Nummerierung an:

1) vermutlich ein sehr altes Modell Gastrockenturm. Er braucht einen "Tisch" als Einsatz, um das gehörnte Trocken- oder Adsorptionsmittel oberhalb des Zugangs-Tubus zu halten. Oben wird einem durchbohrten Gummistopfen (und auf ein kurzes Rohr gestecktem Schlauch) der Gasstrom weiter geführt.
2) (drei Bilder) Salzbrücke für elektrochemische Versuche z.B. zur Spannungsreihe. Das Teil wird mit einer z.B. Kaliumnitrat-Lösung gleicher Konzentration gefüllt, wie die beiden Halbzellen, und bildet die ionenleitfähige Verbindung, während das Voltmeter die beiden in die zugehörigen Salzlösungen tauchenden Metallteile verbindet. Die Bechergläser mit den Lösungen und Metallteilen stehen nebeneinender und diese Salzbrücke taucht mit je einem "Bein" in die Gläser. Vermutlich wurde/wird das Teil zu Lehrzwecken benutzt und kommt von PHYWE.
3) vermutlich Rohre für Chromatographiesäulen. Das untere Ende muß mit einem Schlauch versehen werden, der mit einer Schlauchklemme verschlossen und dosiert geöffnet werden kann. Unter die Säulenpackung kommt etwas Glaswolle, um die SPackung daran zu hindern, mit dem ablaufenden Lösemittel nach unten ausgewaschen zu werden.
4) (unsicher) ein Flüssigkeitsdosiergerät. Das Röhrchen mit dem Schlauch scheint im schwarzen Gummi verschiebbar zu sein und der Schlauch soll die Flüssigkeit von dem Tauchrohr in das Messgefäß befördern und den Überschuß absaugen, wenn in der Flasche, in der das gewinkelte Rohr steckt erst über- und dann Unterdruck erzeugt wird.
5) Unterteil einer automatischen Bürette. An der Schlaucholuve mit "Seitenausgang" wird ein Pumpball angeschlossen, der bei mit dem Finger verschlossenem "Seitenausgang" den Luftdruck in der Vorratsflasche erhöht und so die Maßlösung über das Tauchrohr (und nicht vorhandenen Schlauch) in die Bürette befördert. Die zugehörige Bürette müßte oben ebenfalls eine Schlaucholive haben, die in einem ähnlichen Röhrchen endet, wie bei Nummer 4) im schwarzen Gummi steckt. Dieses Röhrchen ist allerdings fest in die Bürette eingebaut und der Nullpunkt der Skala ist darauf abgestimmt. Die Bürette läßt sich rasch und exakt füllen und ist sofort nach Ablassen des Überdruckes (Daumen wegnehmen) einsatzbereit.
6) (zwei Bilder) keine Ahnung, sieht aber interessant aus.
7) Tropftrichter. Das Teil ist schon sehr alt, da diese Art der Kükensicherung (das Rote war ein steifer Gummiring) schon sehr lange außer Mode ist. Er besteht aus G20-Glas (erkennbar am schwarzen Längsstreifen), das der Vorgänger vom heute verwendeten Borosilikatglas 3.3 ist.


Ich hoffe, daß ich die meisten Fragen beantworten konnte.

Labormaus
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Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Labormaus »

Vielen Dank für die super schnelle Antwort :thumbsup: Bei einigen Sachen hatten wir schon Vermutungen in der Richtung, bei anderen Teilen wären wir nicht drauf gekommen. Bei dem Teil was Sie auch nicht bestimmen konnten, handelt es sich offenkundig auch um ein sehr altes Teil, dass tatsächlich eher in eine historische Sammlung gehört.

Ob man im Forum wohl Jemanden findet, der daran Interesse hat? Dürfte man denn sowas hier im Forum anbieten?

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lemmi
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Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von lemmi »

...das gehörnte Trocken- oder Adsorptionsmittel...
Wie die Sitten doch verkommen! Sowas hätte es früher nicht gegeben!!! :lol:
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Glaskocher
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Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Glaskocher »

Dä Dibbvela hads vaprocken...

Jetzt fehlt aber noch die Expertise zur Nummer sechs...

Kermit
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Registriert: Donnerstag 31. Dezember 2020, 18:37

Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Kermit »

Das Gerät unter Nr.6 könnte eine Vorrichtung zur Erzeugung von Druckluft für eine Gebläselampe sein.
Oben bzw. rechts im Bild ist die dazu notwendige Wasserstrahlpumpe. Diese zieht die Luft mit. Das Wasser fließt über ein entsprechendes Ventil oder U-Rohr dem gewünschten Luftdruck entsprechender Höhe aus dem Behälter ab. An der oberen dünnern Schlaucholive steht dann die Druckluft an.
Ist nur eine Vermutung!!

Glaskocher
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Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Glaskocher »

Damit könntest Du glatt Recht haben.

So ähnliche Geräte habe ich in Büchern von vor 100 Jahren zum Glasapparatebau gesehen. Der Wasserverbrauch war natürlich enorm und von energetischen Wirkungsgrad miserabel, wenn der Wasserdruck elektrisch gepumpt wurde. Allerdings haben die Täler im Thüringer Wald ausreichend Gefälle, daß man diese Luftpumpen dort mit dem aus natürlichem Gefälle erzeugten Wasserdruck betreiben konnte. Damit wurden dann die Thüringer Gebläsebrenner, die mit Leuchtgas betrieben wurden, versorgt. Durch die recht turbulente Flamme hatten diese Brenner einen enormen Geräuschpegel. Sie waren gut geeignet, um G20 und FIOLAX, sowie weichere Gläser zu bearbeiten.

Vanadiumpentoxid
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Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Labormaus hat geschrieben:
Montag 29. März 2021, 00:11
Ob man im Forum wohl Jemanden findet, der daran Interesse hat?
Da wird sich bestimmt jemand per PN melden, falls Interesse besteht.

Labormaus
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Beiträge: 8
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 22:03

Re: Bestimmung von Laborgeräten

Beitrag von Labormaus »

Ich bedanke mich bereits für Ihre Hilfe. Jetzt erschließen sich eben auch die letzten Geräte. Es ist also kein Wunder, dass ich diese Gerätschaften nicht mehr so einfach gefunden habe bei meiner Recherche.

Ich werde dann meine Liste aktualisieren und dann werde ich wahrscheinlich diese in einem separaten Thema einstellen. Vielleicht hat ja jemand Interesse an ein paar der Laborgeräte in größtenteils neuem bzw sehr guten Zustand (diverse Messgefäße, Erlenmeyerkolben, Röhrchen, Pipetten u.V.m.).

Das Forscherherz meines Mannes wird zwar etwas traurig sein, aber ein Anderer wird sich bestimmt nicht minder darüber freuen 😁

Schöne Grüße Diana

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