Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

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fhihu
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Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von fhihu »

Hallo miteinander,

ich habe bei einem Glasbläser im Internet ein paar Glasgeräte bestellt. Leider weisen die viel Teile Lufteinschlüsse (Luftblasen) auf. Was ich weiss springt dort das Glas am häufigsten?
Ich habe aber auch bei eine großindustriellen Firma damals Glasgeräte bestellt (waren nur Erlenmeyerkolben und Bechergläser) und die halten bis heute.
Kann mir bitte jemand erklären auf was ich achten muss?

Vielen Dank

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Phil
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von Phil »

Du kannst die Gläser mit den Einschlüssen ja zurücksenden, ich habe noch nie Luftblasen in den Gläsern gesehen. Sind sie Spannungsfrei?

Glaskocher
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von Glaskocher »

Diese Frage ist nahezu unmöglich, ohne exakte Bilder*, aus der Ferne zu beantworten. Es kommt bei den Blasen nicht nur auf die Zahl und Größe an, sondern auch auf die Form und Lage. Mir sind schon blasenfreie Geräte im Schrank gerissen und Geräte mit Blasen tun seit vielen Jahren zuverlässig ihren Dienst.
* = Klarglas gut fotografieren ist eine hohe Kunst!

Phil hat da eine wichtige Frage gestellt. Zur Überprüfung auf Spannung braucht man einen LCD-Monitor (sendet polarisiertes Licht) und eine zusätzliche Polfilter-Folie. Wenn das Gerät zwischen LCD und Filter betrachtet dunkle Wolken zeigt (Hellfeld) oder helle Zonen aufweist (Dunkelfeld), dann ist deutlich Spannung drin.

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PSE
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von PSE »

@ Glaskocher
Lässt sich ein Spannungsprüfer eigentlich auch aus einer 3-D Brille, wie man sie aus dem Kino kennt, bauen?


Um die Bläschen zu Fotografieren würde ich einfach mit einer starken Lichtquelle auf das Profil / den Rand des Geräts leuchten
und hoffen dass genug Licht bei den Bläschen ankommt.
Mit Hilfe der Streuung ließe sich dann vllt. eine gute Aufnahme erzielen lassen.

Die Bläschen entstehen i.d.R durch das sehr heiße Ansetzen der Normschliffe, Oliven etc. an den Hohlkörper.
Dabei werden im Glas Temperaturen erreicht die das enthaltene Natriumoxid zum Sieden bringen, was zum Aufschäumen
des Materials führt. ( Flammentemperatur 2800°C und Siedepunkt von NaO 1950°C )
Dabei gilt die Regel dass, je wärmer angesetzt wird desto weniger Zeit muss danach für das gleichmäßige Verteilen der Glasmasse (verblasen) aufgewendet werden.
Mich hat diese, von der betriebswirtschaft vorgeschriebene, Handhabe während der Produktion immer auf die Palme gebracht.^^

Viel wichtiger ist aber die Wandstärke der Apparate.
Diese lässt sich als Laie leider nur sehr schwer erkennen und bedürfte einer Säge...
"Bei seinen Experimenten mit der gefährlichen Verbindung kam es zu einer Explosion, bei der Dulong drei Finger verlor, was ihn dazu anregte, den Stoff weiter zu untersuchen."

Glaskocher
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von Glaskocher »

Die 3D-Brille funktioniert wunderbar. Man benutzt einfach nur eines der Brillengläser.

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NI2
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von NI2 »

Für das Fotografieren von Klarglas empfehle ich eine starke indirekte Beleuchtung (ideal mit Diffusor oder indirekter Blitz: Raum mit weißen hohen Decken und Blitz senkrecht nach oben oder sogar nach hinten richten). Außerdem sollte man einen Polfilter verwenden wenn man statisches Licht benutzt. Je nachdem was man Darstellen will eignet sich ein texturierter Hintergrund (damit werden durch die Verzerrungen unterschiedliche Glasdicken und ungleichmäßige Rundungen gut sichtbar). Für Makroaufnahmen von Blasen und Sternchen kann seitliches Licht von Vorteil sein, wie PSE schon angemerkt hat.

Ansonsten mache ich die Glasqualität über die Haptik aus. Das alte Geräteglas liefert sehr dünnwandige Glasgeräte und sofern aus Rohren hergestellt mit rotem oder schwarzen Faden. Dickes Glas von "früher" fühlt sich auch anders an als normales oder dickes glas heute. Bei Rundkolben ist mir außerdem wichtig, dass diese keine "Falten" haben (ich weiß nicht genau wie man das beschreiben soll aber wenn das Glas ungleichmäßig in Bewegung ist während es verarbeitet wird). Ein anderer wichtiger Fakt ist das Aussehen des Randes und der Verarbeitung des Normschliffes, auch wenn das für Erlis nun eher weniger nützlich.

Eine 3D Brille sollte schon gehen, aber hat man einen Polfilter für die Kamera kann man gleich noch gutes Fotos machen :D Die Beurteilung der Spannungen im Glas wird aber durch die Krümmung der Gläser erschwert. Bei Glasplatten ist das recht einfach, aber bei allem mit komplexer Geometrie gehört wohl ein wenig Übung dazu um das richtig interpretieren zu können.

Die Bläschen die PSE mein sind die an Ansätzen, die beobachtet man bei älterem Glas öfter, vor allem wenn es Lehrlingsstücke sind. Ich vermute was eigentlich gemeint war, sind die Bläschen in Glasflächen. Ich habe einige Kolben und Erlis die solche haben (in der Regel alles älteres Glas), diese sind meist nicht rund sondern langgezogen und spitz zulaufend. Zumeist habe ich damit aber keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, benutze sie dennoch nicht wenn es heiß oder brennbar wird, für Vakuum ebenso nicht. Habe aber glaube auch eine Saugflasche mit einer deutlichen Blase, dennoch ist das eine die bisher die besten Dienste verrichtet, nur für Heißfitration würde ich sie nicht mehr gerne benutzen.

Alles in allem habe ich bei neuen Gläsern solche sichtbaren Fehler noch nie wirklich beobachtet. Eher sind mal Schliffe gesprungen, Fritten zerkracht oder Kolben einfach gerissen.
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lemmi
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von lemmi »

Glaskocher hat geschrieben:
Mittwoch 7. Oktober 2020, 16:43
Die 3D-Brille funktioniert wunderbar. Man benutzt einfach nur eines der Brillengläser.
Man muss nur darauf achten, es richtigrum zu halten! Von der einen Seite aus polarisiert die Brillen-Folie nämlich zirkular und von der anderen Seite linear. Man muss vorher ausprobieren, welche Seite man zum LCD Bildschirm drehen muss damit man den gewünschten Effekt bekommt ( Innenseite der Brillengläser).

Ich habe Luftblasen im Glas immer als Zeichen einer schlechten Qualität angesehen. Ich würde nie ein Laborgerät verwenden, das Blasen im Glas hat. Vor allem nicht bei kritischen Substanzen oder wenn man es heiß machen muss...
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Glaskocher
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von Glaskocher »

Da man das Brillenglas sowiso so lange drehen muß, bis man ein gutes Hell- oder Dunkelfeld bekommt, erkennt man rasch, welche Position optimal ist. Mir ist noch kein Unterschied zwischen "Vorwärts" und "Rückwärts" aufgefallen. Die Polarisationsebenen der Brille stehen meistens im 45°-Winkel zur Horizontalen.

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lemmi
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von lemmi »

Also, das ist jetzt ja eigentlich OT aber dennoch: die 3D-Brillengläser sind nicht symmetrisch gebaut. Die eine Seite hat eine zirkular polarisierte Schicht, die andere eine linear polarisierende . Wenn du zwei gegeneinander hältst wirst du sehen, dass nur bei einer bestimmten Anordnung tatsächlich die Verdunklung eintritt wenn man das eine gegenüber dem anderen um 90 Grad dreht. Muss auch so sein, denn das 3D-Kino beruht auf zirkular polarisiertem Licht.
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fhihu
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von fhihu »

Vielen Dank für die Antworten. Ich hab versucht ein paar Fotos zu mache. Allerdings habe ich keine 3D Brille.

Bild

Bild

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Besser Bilder habe ich leider keine herbekommen. Am meisten Angst macht mir das erste Bild. Da ist eine kleine Blase am Boden des Kolbens. Ich habe gestern probiert den Kolben von ca. 80 Grad auf ca. 20 Grad prompt herunterkühlen. Das hat er zumindest ohne Sprung überlebt.

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Phil
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von Phil »

So wie die Blasen im Schliff sind, habe ich schon etliche Kolben gehabt, das war nie ein Problem.
Du kannst den Kolben ja mit einem Öl am Besten Glyzerin füllen und auf 200°C heizen.
Glyzerin ist gut Wasserlöslich nicht brennbar usw.
Ich hätte keine Bedenken das der Kolben zu Bruch geht.

fhihu
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von fhihu »

Ok. Mit den Kolben von dem ich die Fotos gemacht habe, bin ich sowieso am meisten zufrieden. Schliff ist auch perfekt. Und der Aufbau ist auch perfekt. Sehr gute Rundung. Habe nur wegen der kleinen Luftblase am Boden Angst gehabt. Weil wenn man ihn stark erhitzt und dann die warmen Geräte unter Wasser abkühlt zum reinigen springen sie meist bei solchen Unregelmäßigkeiten.

Glaskocher
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von Glaskocher »

Die Luftblase sieht kugelrund aus und scheint mitten in der Glaswand zu sein. Da passiert nix, mit dem Kolben wütde ich alle Laboroperationen machen, wenn die Blase dei einzige sichtbare Mangel ist.

Die Mikroblasen im Rand vom Schliff sind die typischen "Sengblasen", wenn ein abgesprengter Rohrabschnitt sehr schnell aufgeheizt wird zur Umformung. Die sind, wie schon gesagt, harmlos.

Deutlich gefährlicher als runde Luftblasen sind tiefe Kratzer auf der Außenseite. Die wirken wie "Angeritzt" und können bei zu raschem Abkühlen größer werden. Allerdings hebe ich noch kein Glasgefäß erlebt, das bei gröbstem Abkühlen (flüssiger Stickstoff) gerissen ist. Ich müßte demnächst mal unter Kollegen gezielt fragen... Aber bei dünn geätzten Stellen schaue ich sehr genau hin, weil man die Wandstärke nur schwer abschätzen kann.

Auf dem oberen Bild* sehe ich, daß da (rechts unten und über der Blase) trübe Stellen auf dem Glas sind. Ich kann schlecht erkennen, ob das Schleifspuren (Rührer) oder Ätzränder sind. Im mittleren Bild erkenne ich rechts neben dem Emaille-Etikett ein mattes "V", das ein Kalkrand sein kann, oder Etwas Anderes. Beschreibe bitte mal die genannten Stellen etwas genauer, da das Bild hier an seine Grenzen stößt.


Wenn wir schon mal bei Schäden sind, dann muß auch das "Sternchen" besprochen werden, da es eine der häufigsten Reparaturen en Kolben ist, wenn kein Schliff gebrochen ist. Die Ursache ist meistens, daß dieser Kolben bei einer sublethalen Kollision etwas "klüger" war als sein Gegenüber. Er hat etwas nachgegeben (...) Ein Sternchen zeigt spiegelnde Ebenen in der Glaswand, die von einem Punkt ausgehen, Risse generell verraten sich durch dieses Spiegeln. Ein verheiltes Sternchen dagegen hat oft kugelige Mikrobläschen in den ehemaligen Rissen und zeigt leicht "Bewegung" in der Glasstärke, oft zur Mitte des erhitzten Punktes leicht verdickt oder leicht von der Originalform abweichend. Ein gut verheiltes Sternchen schwächt das Glas kaum bis fast nicht.


* = Lade die Bilder bitte hier im Forum hoch, dann gehen sie nicht so schnell verloren, wie bei einem externen Bilderdienst. Unter dem Antwortfenster gibt es die Option "Dateianhänge", die dabei hilft.

fhihu
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Re: Woran erkennt man ein gutes Glasgerät?

Beitrag von fhihu »

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Die trüben Stellen im Glas sind vermutlich Kalkablagerungen, die ich nicht gut sauber bekommen habe. Auf der Aussenseite befinden sich keine Kratzer oder sonstiges. Nur das Beschriftungsfeld ist leicht angekratzt und das habe ich von Werk aus auch so bekommen.

Im wesentlichen lässt sich somit festhalten, dass der Kolben in einem guten Zustand ist.

Vielen Dank

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