Schwefelsäure Herstellung

Die Diskussionen zu den Chemikalien.

Moderator: Moderatoren

Franz98
Illumina-Mitglied
Beiträge: 15
Registriert: Samstag 23. Januar 2021, 19:59

Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Franz98 »

Da es ja immer schwieriger für uns wird an Schwefelsäure zu kommen, diese aber ein relativ wichtiger Stoff im Labor ist, wollte ich mal eine Diskussion zur Herstellung dieser entfachen.
Ich habe mich schon etwas belesen und informiert und schmeiße mal ein paar Anregungen und auch Fragen in den Raum.

Zum einen habe ich eine Möglichkeit gefunden Schwefelsäure mit Schwefliger Säure und Wasserstoffperoxid herzustellen.
Beide Sachen kann man „relativ“ gut kaufen, man könnte sich die Schweflige Säure aber auch selbst herstellen, durch Verbrennung von Schwefel und Einleitung der Dämpfe in Wasser. Dies hat bei mir nur bisher noch nicht so wirklich zum Erfolg geführt, da einfach zu viel Schwefeldioxid wegmacht, aber eine geschlossene „Apparatur“ hat auch nicht wirklich funktioniert, da zu wenig Sauerstoff zur Verbrennung da war.
Kennt jemand eigentlich zufällig die Siedetemperatur von Schwefliger Säure, also könnte man theoretisch selbst hergestellte durch „Abkochen“ aufkonzentrieren, wie es bei Schwefelsäure möglich ist?

Ich glaube das ist schon einmal viel Gesprächs- und Diskussionsstoff.
Gerne kann ich dann auch meine Experimentellen Ergebnisse, falls wir hier einen guten Ansatz finden, hier im Forum präsentieren.

Benutzeravatar
mgritsch
Illumina-Admin
Beiträge: 2618
Registriert: Montag 8. Mai 2017, 10:26
Wohnort: Wien

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von mgritsch »

einerseits ein alter Hut, keiner der vorgeschlagenen Wege klappt bzw scheitert es letztendlich auch daran wie konzentriertes H2O2 du bekommen darfst. Und selbst wenn du einen Weg finden würdest, würden wir das hier als Anleitung zur Umgehung von Gesetzen nicht stehen haben wollen :)

Viel Spass noch beim Experimentieren...

Vanadiumpentoxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Schweflige Säure wird für Nicht-Winzer eigentlich nur selten angeboten und hält sich auch nicht besonders gut.
SO2 kann man problemlos in einem einfachen Gasentwicklungsapparat aus Disulfit und zutropfender halbkonzentrierter Salzsäure herstellen (draussen oder unter dem Abzug!). Bei Einleitung in handelsübliche 12 %ige H2O2-Lösung (Kühlung!) dürfte dann je nach Einleitungsdauer eine mehr oder minder verdünnte Schwefelsäure entstehen, aus der durch anschliessendes Erhitzen überschüssiges SO2/H2O2 aber auch Wasser ausgetrieben wird (evtl. im Rückfluss kochen), so dass man ab 02.02.2022 aufpassen muss, dass man dabei nicht versehentlich über eine Konzentration von 15 % kommt, denn ab dann ist auch der Besitz höherer Konzentrationen strafbar, nicht nur deren Erwerb verboten! Wer sich aber an die Grenzen hält, bleibt auch bei Eigensynthese auf dem Boden der Legalität.

Sinn macht das aber nur für denjenigen, der Spass am Selbstherstellen hat. Wirtschaftlich lohnt es sich nicht, denn 14,9 %ige H2SO4 gibt es weiterhin überall legal und auch recht günstig zu kaufen. Beim Laboratoriumdiscounter in NL muss dafür eine EVE ausgefüllt werden, in DE kann man die Säure ganz legal sogar ohne EVE (verkehrte Welt!) als flüssiges pH-Minus bestellen - allerdings hilft es in beiden Fällen für evtl. behördliche Kontrollbesuche, tatsächlich einen Pool im Garten vorweisen zu können. Das befriedigt die Neugier der Beamten dann vll. schon...

Wer auf diese Weise nur deshalb selbst herstellen will, um erst gar keine Verdachtsmomente in Richtung Ausgangstoffe aufkommen zu lassen, ist allerdings auf dem Holzweg: auch bei Kauf von 11,9 % H2O2 müssen Händler verdächtige Transaktionen ebenso melden wie bei 14,9 %iger H2SO4. Beide Chemikalien gibt es innerdeutsch z. B. bei Höfer Chemie, einem wirklich seriösen Laden, der sich durchaus penibel an Geltungsfristen, Richtlinien und Konzentrationen hält, plausible Bestellungen überschaubarer Mengen aber auch nicht gleich als Verdachtsfall denunziert. Von daher besteht also schon mal wenig Potential für evtl. Behördenärger über diesen Anbieter. Nur die Bestellkombination von H202, Schwefelsäure und Aceton (bei Höfer theoretisch möglich) sollte man grundsätzlich besser vermeiden...
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Benutzeravatar
eule
Illumina-Mitglied
Beiträge: 614
Registriert: Mittwoch 8. Januar 2014, 00:37
Wohnort: europa

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von eule »

hmm, die Darstellung von Schwefelsäure aus Schwefel wurde bereits in einem der alten Chemiebaukästen (C1, C2?) gelehrt. Daß das in der Größenordnung nicht sehr sinnvoll für die Eigenproduktion im Sinne einer Selbstversorgung für sonstige Experimente sein könnte dürfte wohl selbsterklärend sein. Vllt. willst du aber auch Vitriol erhitzen und das freigesetzte bischen Schwefeltrioxid mit Wasser umsetzen. Naja, Potential zu großer Schweinigelei und kaputten Geräten ist bei solchen Späßen immer groß. Naja auch das ist eine Frage der benötigten Mengen.
Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.

Vanadiumpentoxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Ich besitze beide Anleitungsbücher, habe aber keinen solchen Versuch in meiner Auflage entdeckt. Hast Du mal die Nummer des Versuchs und die Auflage des Anleitungsbuchs für mich?

Was drin ist, ist die Herstellung von Schwefliger Säure aus Thiosulfat, aber nicht die Weiterverarbeitung zu Schwefelsäure (die Entfärbung von KMnO4-Lösung zähle ich mal nicht dazu).

Das Vitriolbrennen ist hingegen bei Waselowsky, 225 x Chemie, beschrieben. Die Reaktion des entstehenden SO3 mit Wasser ist aber generell ein eher ineffizienter Weg zur Herstellung von H2SO4 in nennenswerten Konzentrationen/Mengen, weil sich wegen der stark exothermen Reaktion mit Wasser kaum SO3 löst/umsetzt (normalerweise erfolgt die Einleitung in konz. H2SO4 unter Bildung von Oleum und anschließender Rückverdünnung).

Nurdrage zeigt auf YouTube beide Methoden zur Herstellung von SO2 (aus Disulfid und aus verbrennendem Schwefel) mit anschließender Einleitung in H2O2 (30%ig - die gibt's in der EU so auch nicht mehr für privat) bzw. CuCl2-Lösung.
Verbrennender Schwefel unter Absaugung von SO2 mit Trichter und Vakuumpumpe ist dabei aber nicht besonders komfortabel, eher eine ziemliche Sauerei.

Man könnte alternativ noch über die Elektrolyse von Kupfersulfatlösung zur Herstellung von Schwefelsäure nachdenken, falls das experimentell jemanden reizt. Effektiv und wirtschaftlich ist aber auch das nicht.
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Franz98
Illumina-Mitglied
Beiträge: 15
Registriert: Samstag 23. Januar 2021, 19:59

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Franz98 »

Von der Elektrolyse einer Kupfersulfat-Lösung habe ich auch schon etwas gefunden. Hier stellt sich für mich nur die Frage der richtigen Anode und Kathode, welche man eventuell auch schon im Labor/Zuhause hat?

Vanadiumpentoxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Als Kathode reicht eine Elektrode aus Kupfer, die Anode muss deutlich beständiger sein, z. B. Platin oder MMO, evtl. noch Blei (wenn man geringfügige Verunreinigungen der Säure in Kauf nimmt).

Bei vollständiger Elektrolyse einer gesättigten CuSO4-Lösung entsteht eine etwa 12 % ige Schwefelsäure. Gute Kühlung ist wichtig, ansonsten ist unter Berücksichtigung von Verdunstung infolge der elektrolytischen Hitzeentwicklung auch hier eine versehentliche Aufkonzentrierung bis auf knapp über 15 % nicht völlig auszuschließen.
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Benutzeravatar
eule
Illumina-Mitglied
Beiträge: 614
Registriert: Mittwoch 8. Januar 2014, 00:37
Wohnort: europa

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von eule »

sorry, @V2O5, C1 und C2 waren es nicht, dann war es vmtl. in einem der Anleitungsbücher von Römpp, evtl. in diesem Buch aus dem Urania-Verlag "Chemie selbst erlebt". Ich erinnere, daß dafür ein Reaktionsrohr/Verbrennungsrohr mit etwas Platinasbest im Schiffchen und die Bunsenflamme darunter im Zentrum stand, Schwefel wurde verbrannt und das SO2 mit Luft, bin nicht sicher, ob durchgeblasen oder gesaugt, und das resultierende SO3 irgendwo aufgefangen, und genau dort versagt meine Erinnerung, aber ich meine mich zu erinnern, daß (war es lemmi, Pok, Bj68, NI2,...? das nochmal hier oder noch in vc? gezeigt hatte). Resultat: etwas Oleum/Schwefelsäure und mind. je 1 zerstörter Gummistopfen und Schlauch.
Was ich davon noch erinnere: daß ich genau diesen Versuch Jahre früher selbst einmal in der gezeigten sehr ähnlicher Weise einmal durchgeführt hatte, offenbar hatte ich zumindest in Teilen die gleichen Bücher genossen.Uneindeutigkeiten in meinen Angaben, das wiederzufinden bräuchte ich aber etwas Zeit, die ich zzt. nicht wirklich habe.
Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.

Vanadiumpentoxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Ich glaube, Du meinst den Modellverduch zur Schwefelsäuregewinnung im Kontaktverfahren.
Der Versuch findet sich bei Waselowsky.
Dabei wird allerdings nicht Schwefel verbrannt, sondern Eisensulfid geröstet. Als Alternative zu Platinasbest wird Eisen-III-oxid empfohlen. Beides wird innerhalb des Duran(!)glasrohrs in je einem Porzellenschiffchen von unten mit insgesamt zwei Brennern erhitzt und dazu die Verbrennungsgase per Handgebläse in einen Erlenmeyerkolben über (!) etwas Wasser geleitet, die übrigebliebenen schädlichen SO3-Nebel (und die meisten bleiben übrig, s. o.) werden von dort aus zur Neutralisation in Natronlauge geleitet.
Die entstehende Menge Schwefelsäure reicht aus, um abschließend als säureunlösliches Bariumsulfat nachgewiesen werden zu können. Zur Herstellung relevanter Mengen und Konzentrationen zwecks Nutzung im Hobbylabor ist dieser Modellversuch eher ungeeignet.
Ansonsten klappt er wie beschrieben aber recht gut.
Alle Teile sind bei mir heil geblieben, selbst die Gummistopfen. Ich habe allerdings auch nur solange erhitzt, bis weißer Nebel entstanden war. Statt zwei Schiffchen habe ich nur eines verwendet und die kleinen Mengen der beiden Substanzen getrennt an den gegenüberliegenden Seiten des Schiffchens eingefüllt. Dadurch bin ich auch mit nur einem Brenner ausgekommen.
Wie gesagt: klappt wunderbar, Synthese im größeren Maßstab ist darüber im Hobbylabor aber nicht möglich.
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Benutzeravatar
eule
Illumina-Mitglied
Beiträge: 614
Registriert: Mittwoch 8. Januar 2014, 00:37
Wohnort: europa

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von eule »

Die Art der SO2-Erzeugung ist dabei nicht wirklich bestimmend, wichtig ist nur, daß genügend davon erzeugt und mit dem Katalysator in Kontakt gebracht wird. Verwendet man rotes Eisenoxid als Katalysator, ist der zweite Schritt im grunde kaum etwas anderes als die von @Uranylacetat schön gezeigte Darstellung von Vitriolöl alchemistisch.
Aus meinen alten Skripten ersehe ich, daß die Darstellung von SO3 und dessen Einschluß in einer Ampulle das erste Präparat im anorganisch-chemischen Grundpraktikum im Studium war. :D
Die sehr einfache Version nach Waselowsky läßt sich aber auch für Hobbyisten recht leicht (kontinuierlichere SO2-Zufuhr, Schliffgeräte, bessere Ausfüllung des Reaktionsrohrs mit Katalysator + mehrstufiges Auswaschen des SO3,...) für die Selbstversorgung ein wenig hochskalieren. Mit Sicherheit Verboten!
Auch der Selbstbau einer Miniversion des Bleikammerverfahrens (Küchentischgröße) dürfte findigen Hobbyisten möglich sein. die damit erzeugte "englische Säure" fällt aber vermutlich ebenfalls unter das Verbot.
Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.

RicHard
Illumina-Mitglied
Beiträge: 14
Registriert: Donnerstag 2. November 2017, 14:15

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von RicHard »

Ich glaube das einzig wirklich sinnvolle ist Schwefelsäure durch Vakuumdestillation bis zum Azeotrop aufzukonzentrieren, am besten mit Kolonne, Rückflussteiler usw. Bis zum Februar ist das ja auch noch vollkommen legal. Dauert halt recht lange und man braucht entsprechendes Equipment.

Ein Miniplant Kontaktverfahren wäre die zweite noch in Frage kommende Möglichkeit: Ein Quarzglasrohr als Reaktionsrohr, beheizt durch Bunsen-/Teclubrenner, besser noch ein Rohrofen, den Vanadiumpentoxidkat auf Alumosilicat selbst hergestellt (gibt Patente, in denen beschrieben wird, wie das geht), eine mit Schwefelsäure gefüllte Füllkörperkolonne als eine Art "Rieselturm", bzw. Gaswäscher/Absorptionskolonne und eine Wasserstrahlpumpe (geschlossener Kreislauf) am Ende, bzw. eine Sauerstoffflasche am Anfang, um den Volumenstrom einzustellen. Bestensfalls noch eine getrennte Sauerstoffzufuhr, damit alles SO2 umgesetzt werden kann.

Vanadiumpentoxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

eule hat geschrieben:
Sonntag 13. Juni 2021, 10:57
Die Art der SO2-Erzeugung ist dabei nicht wirklich bestimmend, wichtig ist nur, daß genügend davon erzeugt und mit dem Katalysator in Kontakt gebracht wird. Verwendet man rotes Eisenoxid als Katalysator, ist der zweite Schritt im grunde kaum etwas anderes als die von @Uranylacetat schön gezeigte Darstellung von Vitriolöl alchemistisch.
Aus meinen alten Skripten ersehe ich, daß die Darstellung von SO3 und dessen Einschluß in einer Ampulle das erste Präparat im anorganisch-chemischen Grundpraktikum im Studium war. :D
Die sehr einfache Version nach Waselowsky läßt sich aber auch für Hobbyisten recht leicht (kontinuierlichere SO2-Zufuhr, Schliffgeräte, bessere Ausfüllung des Reaktionsrohrs mit Katalysator + mehrstufiges Auswaschen des SO3,...) für die Selbstversorgung ein wenig hochskalieren. Mit Sicherheit Verboten!
Auch der Selbstbau einer Miniversion des Bleikammerverfahrens (Küchentischgröße) dürfte findigen Hobbyisten möglich sein. die damit erzeugte "englische Säure" fällt aber vermutlich ebenfalls unter das Verbot.
Das Vitriolbrennen ist primär eine Thermolyse des bas. FeSO4, bei der H2SO4 und SO3 auch gleich direkt entstehen. Die katalytische Umwandlung von zusätzlich entstehendem SO2 am Eisenoxid spielt dabei demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle.
Uranylacetats Versuch basiert im Wesentlichen auch auf die Anleitung von Waselowsky - man sieht im Hintergrund ja sogar das Buch liegen...

Wer effektiv SO3 erzeugen will, kann am besten konz. H2SO4 mit P4O10 thermisch anhydrieren. Das wäre selbst für Hobbychemiker bis Februar nächsten Jahres noch ein erlaubter Versuch - die Glasschliffapparatur ist dafür natürlich unabdingbar. Jedoch ist dieser mit z. T. nicht ganz unerheblichen Gefahren verbunden, bei den man sehr genau überlegen sollte, was man wie tut, insbesondere, wenn etwas schiefgeht. Man schaue sich dazu die beiden passenden YouTube-Videos von Random Experiments an - wirklich gutes Material! Und am besten auch gleich das Video von der Royal Academy, wo die Chemiker von ihren gefährlichsten Erlebnissen erzählen: eine zerbrochene Ampulle mit SO3 gehörte dazu, wobei sich das SO3 durch mehrere Schichten (!) Handschuhe gebrannt hat und nur die letzte Schicht den guten Mann vor großflächigen Hautzerstörungen auf Händen und Armen bewahrt hat...

Das rechtliche Problem für Hobbychemiker ist beim Bleikammerverfahren noch nicht die entstehende Schwefelsäure, sondern schon jetzt die benötigte Salpetersäure...
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Vanadiumpentoxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

RicHard hat geschrieben:
Sonntag 13. Juni 2021, 11:23
Ich glaube das einzig wirklich sinnvolle ist Schwefelsäure durch Vakuumdestillation bis zum Azeotrop aufzukonzentrieren, am besten mit Kolonne, Rückflussteiler usw. Bis zum Februar ist das ja auch noch vollkommen legal. Dauert halt recht lange und man braucht entsprechendes Equipment.

Ein Miniplant Kontaktverfahren wäre die zweite noch in Frage kommende Möglichkeit: Ein Quarzglasrohr als Reaktionsrohr, beheizt durch Bunsen-/Teclubrenner, besser noch ein Rohrofen, den Vanadiumpentoxidkat auf Alumosilicat selbst hergestellt (gibt Patente, in denen beschrieben wird, wie das geht), eine mit Schwefelsäure gefüllte Füllkörperkolonne als eine Art "Rieselturm", bzw. Gaswäscher/Absorptionskolonne und eine Wasserstrahlpumpe (geschlossener Kreislauf) am Ende, bzw. eine Sauerstoffflasche am Anfang, um den Volumenstrom einzustellen. Bestensfalls noch eine getrennte Sauerstoffzufuhr, damit alles SO2 umgesetzt werden kann.
Das alles klingt wirklich nach Ideen für sehr Fortgeschrittene mit einer Menge professionellen Equipments (inkl. eines gutziehenden Abzugs). Ich würde darauf wetten, dass höchstens eine Handvoll Hobbychemiker in Deutschland in der Lage dazu wäre, das zu Hause nachzukochen.

Eine Destillation von Schwefelsäure müsste in zwei Schritte unterteilt werden: das Aufkonzentrieren und die eigentliche Destillation.
Bereits gegen Ende des ersten Schritts bekommt man es dabei mit einem grundsätzlichen Problem zu tun: die notwendigen hohen Temperaturen und ihre Auswirkungen. Eigentlich ist dafür direktes Erhitzen über der Gasflamme erforderlich, gleichzeitig muss in der geschlossenen Apparatur aber auch gerührt werden. PTFE-ummantelte Rühreinlagen halten die hohe Temperatur nicht aus, ebenso wenig die Schliffklemmen aus Kunststoff (Edelstahl wird schnell korrodiert). Man bekommt es also mit einer stoßenden, rauchenden, extrem heißen und Verkohlungen auf der Haut hervorrufenden Flüssigkeit zu tun! Bis ca. 80 % kommt man noch mit einer guten Rührheizplatte und einem großen Becherglas klar, darüber wir es für Hobbychemiker tendenziell schwierig bis sehr gefährlich - das Problem hat sich dann ja aber ab Februar nächsten Jahres auch schon von selbst erledigt...
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Benutzeravatar
eule
Illumina-Mitglied
Beiträge: 614
Registriert: Mittwoch 8. Januar 2014, 00:37
Wohnort: europa

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von eule »

Zum Rühren gibts für genau solche Fälle auch Rührstäbchen im Quarzmantel, ggf braucht mal für hohe Temperaturen halt welche mit angepasster Curie-Temperatur.
@V2O5, was die Handschuhe angeht bin ich eh seit dem Studium der Ansicht, daß es mit ganz wenigen Ausnahmen sinnvoller ist, ohne Handschuhe zu arbeiten. Die Argumente dürften bekannt sein.
Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.

Vanadiumpentoxid
Illumina-Mitglied
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 28. März 2021, 15:47

Re: Schwefelsäure Herstellung

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

eule hat geschrieben:
Sonntag 13. Juni 2021, 19:26

@V2O5, was die Handschuhe angeht bin ich eh seit dem Studium der Ansicht, daß es mit ganz wenigen Ausnahmen sinnvoller ist, ohne Handschuhe zu arbeiten. Die Argumente dürften bekannt sein.
- bessere Taktlilität?
- weniger Bemühen um Umsicht bei Tragen von Handschuhen?
- Selbstentzündungsgefahr mit rauchender Salpetersäure?(bei Butylkautschuk passiert da nichts)
- Permeabilität für viele organische Lösungsmittel?
- Hautprobleme durch häufiges/langes Tragen?

Trotzdem: wenn man Deinem Kollegen aus London trauen darf, war er - so mein Eindruck - heilfroh, dass er gleich mehrere Paare trug (ich wäre auch froh gewesen).
Nun könnte man natürlich noch spekulieren, dass eingeschränkte Beweglichkeit und Erwartungshaltung (self fullfilling prophecy) vll. sogar die Auslöser für den Unfall waren... aber irgendwas - Du ahnst es schon - ist ja immer... :wink:
Gott gebe mir die Kraft, zu ändern, was ich verändern kann,
die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht verändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
_______________________________________________

Ist das noch o. k. oder auch schon wieder zu viel?...

Antworten