Was tun mit Zinnober?

Die Diskussionen zu den Chemikalien.

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Vanadiumpentoxid
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

immi07 hat geschrieben:
Mittwoch 7. April 2021, 17:05

Edit:

Hallo Vanadiumpentoxid,

dann verstehe ich die ganze Diskussion nicht.

Gruß Thomas
Hallo immi07,
ich habe lediglich auf Nails Hinweis reagiert, um klarzustellen, dass es selbst im Umgang mit Quecksilberverbindungen - abgesehen von nicht eigens erwähnter vorsätzlicher oder grobfahrlässiger Vergiftung Dritter - eigentlich nur wenige Möglichkeiten gibt, sich illegal zu verhalten, und das meiste der eigenen Vernunftentscheidung überlassen bleibt.
Daraufhin haben sich Rückfragen und Reaktionen verschiedener Diskussionsteilnehmer ergeben, die deutlich machen, wie gross doch die Unsicherheiten/Unwägbarkeiten sind, die der Gesetzgeber mit den geltenden Regelungen im Bereich des Chemikalienrechts geschaffen hat. Davon nehme ich mich selbst ausdrücklich nicht aus.
Mehr war's eigentlich gar nicht.

Vanadiumpentoxid
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Kleine Anekdote am Rande: Ende der Achtziger Jahre habe ich im zarten Alter von 15 Jahren von meinem damaligen Chemielehrer 2 g Quecksilberchlorid zum häuslichen Experimentieren ausgehändigt bekommen, zwar unter Vorlage einer schriftlicher Genehmigung meiner Eltern und der strengen Auflage, Reste und Abfälle zu sammeln und in der Schule zwecks Entsorgung vollständig wieder abzuliefern, aber heutzutage dennoch - beiderseits - völlig undenkbar. Da stellt sich die Frage, was sich verändert hat: die Jugend, das Vertrauen in sie oder beides?

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immi07
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von immi07 »

Hallo Vanadiumpentoxid ,

weder noch - es geht um die Einschränkung der persönlichen Freiheiten, und weil die Chemikalienbestimmungen alle nerven explodiert die Diskussion regelmäßig in einer Supernova nach irgendeinem unbedarften "ob das wohl erlaubt ist" und drei Seiten später kann man nur noch an der Überschrift erkennen, worum es eigentlich ging.

Und ich hoffe, du nimmst mir die nächste Bitte nicht übel. Machst du bitte keine Vollzitate, wenn man mit etwas gesundem Menschenverstand den Zusammenhang/Bezug deiner Antwort selbst erkennen kann.

Gruß Thomas
der hofft, dir nicht auf den Fuß getreten zu sein
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und Holz zu schlagen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Dann bauen sie das Schiff von alleine. Antoine de Saint-Exupéry

Du hast eine Handvoll Brombeeren und wirfst sie zur Erde. Sie verbinden sich mit der Erde zu Erdbeeren. Und Brom wird frei.

Vanadiumpentoxid
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

immi07 hat geschrieben:
Mittwoch 7. April 2021, 20:32
Hallo Vanadiumpentoxid ,

(...) und drei Seiten später kann man nur noch an der Überschrift erkennen, worum es eigentlich ging.

Und ich hoffe, du nimmst mir die nächste Bitte nicht übel. Machst du bitte keine Vollzitate (...)

Gruß Thomas
der hofft, dir nicht auf den Fuß getreten zu sein
Deine Beobachtung trifft die Sache auf den Punkt.
Bei potentiell gefährlichen Stoffen bzw. deren Folgeprodukten finde ich die Nebendiskussion um das, was erlaubt ist, aber keineswegs deplatziert. Da kann man ums Zinnober auch ruhig mal Zinnober machen... :wink:
Wer weiß: vll. erspart die heute erfolgte Rückfrage zur rechtlichen Handhabe von HNO3 in Zukunft ja mal jemandem den Gang vor den Khadi - dann wäre die ganze Diskussion hier zwar kostenlos, aber doch nicht ganz umsonst gewesen...

Deine Bitte ist berechtigt. Deshalb habe ich oben gleich mal versucht sie umzusetzen. Besser so?
Leider kann ich auf dem Mäuseklavier des Smartphones nicht abschnittsweise zitieren, weil es dort kein Paste and copy fürs "quote" gibt.

Nein, alles gut, keineswegs bist Du mir auf den Fuss getreten. Und selbst wenn es so wäre: in der Tanzschule hab ich früher mal gelernt: wer unten steht, hat in dem Fall eh selbst Schuld. Wir sind hier, um uns auszutauschen und voneinander zu lernen - auch wenn es dabei mal nur um das korrekte Zitieren geht. In diesem Sinne: danke für Deinen Hinweis, auf ein weiterhin gutes Miteinander! :)

Redaktionelle Änderung (Who the f... is Edit?..), ausdrücklich nicht auf die Beiträge von immi07 bezogen:
Vorheriges P.S. gelöscht, da enthaltene Meinungsäußerung offensichtlich unerwünscht war, und daher durch folgende Anmerkung ersetzt wird: Ich hielt Diskussionen um Freiheitsrechte bislang immer für urdemokratisch und nicht für rechtspolitisch/-polemisch. Für jemanden wie mich, der sich politisch eher in einem ganz anderen Lager verortet, ist dieser Vorwurf wirklich starker Tobak, der erstmal verdaut werden muss... :shock: :cry:

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immi07
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von immi07 »

Hallo Vanadiumpentoxid,

ich traue mir zu, diesmal den Zusammenhang sogar ganz ohne Zitat erkennen zu können. :dita:

Gruß Thomas
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und Holz zu schlagen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Dann bauen sie das Schiff von alleine. Antoine de Saint-Exupéry

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Vanadiumpentoxid
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

immi07 hat geschrieben:
Mittwoch 7. April 2021, 21:29
ich traue mir zu, diesmal den Zusammenhang sogar ganz ohne Zitat erkennen zu können. :dita:
War nur für mich zum Üben und Zeigen, dass ich es auch besser kann... :mrgreen:

Nail
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Nail »

Sind Hg und Hg-Verbindungen wirklich so gefährlich, dass sogar hier Menschen nicht damit freiwillig arbeiten wollen, hingegen aber mit DCM u.ä. arbeiten? Wenn man nicht sauber gearbeitet hat merkt man nach wenigen Stunden ob man noch lebt oder nicht, aber Krebs ist ja nochmal was ganz anderes. Was viel schlimmeres. Denn man kann im Prinzip von einem DCM Molekül bereits Krebs bekommen, hingegen sind giftige Substanzen erst ab einer bestimmten Menge tödlich.
Q.E.D.

Vanadiumpentoxid
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Nail hat geschrieben:
Donnerstag 8. April 2021, 01:53
Sind Hg und Hg-Verbindungen wirklich so gefährlich, dass sogar hier Menschen nicht damit freiwillig arbeiten wollen, hingegen aber mit DCM u.ä. arbeiten?
Das gilt zumindest nicht in meinem Fall: aufgrund der Gefahren arbeite ich mit beidem nicht.

Bei Hg kann ich den Aufwand, den man für sicheres Arbeiten inkl. Recycling betreiben müsste, innerhalb meines Wohnbereichs einfach nicht gewährleisten.
Und Karzinogene, insbesondere die niederen Halogenkohlenwasserstoffe, meide ich - bis auf ganz wenige Ausnahmen aus altem Herkommen - nahezu gänzlich.
Einzige Ausnahme unter den flüchtigen Canc. ist bei mir das Acetaldehyd, wenn es als Reaktionsprodukt in Kleinstmengen anfällt, allerdings nur im Freien, keine Bevorratung.
Unter den Feststoffen sind das Cobaltsalze, Kaliumdichromat, Phenolphthalein, Titandioxid, Fuchsin. Hier vermeide ich Staubbildung, unterbinde die Aerosolverbreitung und trage Atemmaske und Chemikalienschutzhandschuhe im Umgang damit.
Es gibt so viele interessante Stoffe, da muss man sich nicht unbedingt die tückischten zuerst aussuchen...
Und je weniger Gelegenheit zur Kontamination, desto geringer sind die Risiken.

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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von BJ68 »

Nail hat geschrieben:
Donnerstag 8. April 2021, 01:53
Sind Hg und Hg-Verbindungen wirklich so gefährlich, dass sogar hier Menschen nicht damit freiwillig arbeiten wollen, hingegen aber mit DCM u.ä. arbeiten?
Jein....ist meine reale Erfahrung...allerdings sehr subjektiv.....weil ich mir Dank Quecksilberfulminat mit 14/15 eine beginnende chronische Hg Vergiftung eingehandelt habe...kommt davon wenn man ein Buch "Der erste Weltkrieg im Bild" beim Onkel findet (mit Frakturschrift) wo die Synthese grob beschrieben ist, das dann im Kinderzimmer ausprobiert und sich dann auf längere Zeit ein allgemeines Krankheitsgefühl (Kopfschmerz, leichte Übelkeit, Abgeschlagenheit usw.) einstellt und dann mal auf den Gedanken kommt, dass Hg-Dämpfe u.U. doch nicht das Wahre sind.....nach Einstellung der Versuche ging das ganze dann auch wieder ohne Behandlung weg....
Ansonsten viewtopic.php?f=62&t=4101&p=61814
Bin inzwischen auf andere Methoden (auch mit Hg) gestoßen wie sich die Mengen noch weiter verringern lassen...plus dass ich mir extra für diese Idee Jodkohle bestellt habe, um eine chemische Falle zu bauen. Würde allerdings nach meinen obigen Erfahrungen sowas nicht mehr in meinem "Kinderzimmer" oder besser "Zimmer wo man schläft" machen.....

Zu DCM und Co.: Da kommt es für mich aufs Alter an....plus als Pfadfinder und Liebhaber von richtig stark Gegrilltem habe ich da wenig Probleme...möchte nicht wissen, was an CMR-Stoffen da in einer Jurte vorhanden ist, wenn dort ein Feuer qualmt und in 1.20 m Höhe die Rauchwand beginnt....und grillen dürfte eh klar sein...

bj68
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mgritsch
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von mgritsch »

Nail hat geschrieben:
Donnerstag 8. April 2021, 01:53
Sind Hg und Hg-Verbindungen wirklich so gefährlich, dass sogar hier Menschen nicht damit freiwillig arbeiten wollen, hingegen aber mit DCM u.ä. arbeiten?
also erstens mal kommt es sehr auf die Verbindung an.
Jemand der sagt "aus Prinzip fasse ich nichts an wo Hg drin ist" hat vermutlich auch Angst vor Natriumchlorid weil da Chlor drin ist...?
  • Zinnober ist da eher auf der Stufe von NaCl einzuordnen, und Amalgamplomben sind auch nach wie vor State of the Art.
  • Ein halbes Stüfchen drüber sind gewisse ausgewählte Quecksilberorganische Verbindungen die heute noch erfolgreich als Desinfektionsmittel benutzt werden (Thiomersal, Merbromin etc.)
  • Eine ganze Stufe weiter sind die wasserlöslichen, anorganischen Hg-Verbindungen, da spielt die akute Toxizität schon eine nennenswerte Rolle. Praktisch ist das aber für einen erwachsenen Menschen der nicht mehr Daumen lutscht, keine 2 linken Hände und Füße hat und laborübliche Sicherheitsvorkehrungen beim Arbeiten trifft unproblematisch. Die berühmten "mad hatter" haben sowohl in Menge als auch Umgang sicher keinem "laborüblichen Standard" entsprochen.
  • nochmal ein halbes Stüfchen drüber würde ich metallisches Hg sehen. Das ist zwar akut ungiftig und es sind Fälle bekannt wo Leute das (aus welchen Gründen auch immer) in nennenswerter Menge getrunken und völlig unbeschadet überstanden haben. Teuflisch ist jedoch wenn es sich zwanglos im Raum verteilt, langsam verdampft und damit für eine ständige Exposition und chronische Anreicherung sorgt.
  • eine sehr große Stufe drüber sind dann andere Hg-organische Verbindungen, allen voran wohl das berüchtigte Dimethyl-Hg. Das ist de Facto schon auf einer Stufe mit chemischen Kampfstoffen a la Nowitschok, geringste Mengen können tödliche, unheilbare Nervenvergiftung zur Folge haben
Können wir daher bitte, einem eher wissenschaftlichen als populären Anspruch gehorchend, in einschlägigen Diskussionen eher spezifisch bleiben und nicht alles (alle Hg Verbindungen) in einen Topf werfen?
Wenn man nicht sauber gearbeitet hat merkt man nach wenigen Stunden ob man noch lebt oder nicht, aber Krebs ist ja nochmal was ganz anderes. Was viel schlimmeres. Denn man kann im Prinzip von einem DCM Molekül bereits Krebs bekommen, hingegen sind giftige Substanzen erst ab einer bestimmten Menge tödlich.
auch das ist ein sehr vereinfachtes und verzerrtes Bild.
  • Ja, es gibt Verbindungen die eine unmittelbare Toxizität im Bereich von Minuten bis Stunden haben.
  • Viele Verbindungen haben aber eine akkumulative Wirkung weil sie nicht (ausreichend) ausgeschieden werden. Darunter zB Cd, Hg und in Grenzen auch Pb. Ständige Aufnahme geringer, für sich harmloser Mengen führt dazu dass die toxische Schwelle langsam überschritten wird, mit schwerwiegenden Auswirkungen (Minamata, Itai-Itai, Nervenschäden durch Pb-Exposition wie "Fallhand" etc.) Mit Krebs odgl. hat das nichts zu tun und ist ggfs bei frühzeitiger Erkennung der Expositionslevels und Ausleitung bevor die chronischen Schäden auftreten durchaus heilbar.
  • Deine Meinung zur Krebsgefahr von Chemikalien hast du in der Form ja schon öfter geäußert. auch hier - einerseits: Vergleichen würde ich es mit Haupttreffer im Lotto machen. Wenn du mehrfach wöchentlich über viele Jahre spielst hast du tatsächlich eine nennenswerte Chance. Der Hobbyspieler der alle Jubelzeiten mal einen Tipp abgibt muss wenig Angst haben plötzlich reich zu werden. Wenn du die Gefahr so unmittelbar siehst, empfehle ich dir den Job aufzugeben und zukünftig nur noch Lotto zu spielen. Und andererseits gilt auch hier das oben zu Hg ausgeführte - alles in einen Topf ist Bildzeitungs-Niveau. DCM ist eines, und zB HMPTA ("liquid cancer") ist etwas anderes.
Ich wiederhole daher auch in dem Zusammenhang meine Bitte, eher einem wissenschaftlichen als populären Anspruch gerecht zu werden.

Vanadiumpentoxid
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Hallo mgritsch,

hinsichtlich der Einschätzung von Zinnober für sich genommen gebe ich Dir recht. Andererseits gibt es im Labor aber auch fast keinen Einsatzbereich von unverändertem Zinnober, im Gegenteil: HgS entsteht gewollt bei Recycling und/oder Entsorgung von Hg, weil es aus Lösungen gefällt werden kann. Was wird also der Hobbychemiker, der HgS im Keller stehen hat, irgendwann damit machen: es zu anderen löslich verfügbaren Hg-Verbindungen umsetzen. Und damit sind wir schon die von dir skizzierte Stufe weiter.
Es beginnt schon bei der Umsetzung, sagen wir einmal mit Salzsäure. Abgesehen davon, dass als Nebenprodukt das ebenfalls nicht ganz unproblematische H2S frei wird, was schon mal die Arbeit im Abzug oder Freien notwendig macht, reißen die Gase auch das entstehende Quecksilbersalz im Aerosol mit, welches als solches leichter einen Weg in den menschlichen Körper findet.
Hinzu kommt das Risiko der unbemerkten Verschleppung im Arbeitsbereich und darüber hinaus. Die meisten löslichen Quecksilbersalze sind farblos. Wer schon mal mit stark färbenden Substanzen wie Kaliumpermanganat, Vanadiumpentoxid :wink: oder Fluoreszein gearbeitet hat, wird bemerkt haben, wie oft und lange hinterher selbst winzigste Reste immer noch Schlieren beim Drüberwischen erzeugen, weil man selbst bei gründlichster Reinigung nicht in die letzte Mikroritze vordringen kann. Da gleiche passiert natürlich auch bei farblosen Verbindungen, mit dem Unterschied, dass das dann ggf. fatalerweise unsichtbar bleibt... Angesichts der Gefahr der kumulativen Wirkung von Hg und der Möglichkeit chronischer Gesundheitsfolgen oft schon durch kleinste aufgenommene Mengen ist das Risiko in diesem Zusammenhang ganz anders zu bewerten.

Krebserregende Stoffe spielen in einer anderen Liga - obwohl man das Risiko schon realistisch einschätzen sollte.
Hauptrisikofaktoren für eine Krebserkrankungen sind immer noch
1. genetische Disposition
2. Rauchen
3. übermäßiger/regelmäßiger Alkoholkonsum
4. ungesunde Lebensweise im Allgemeinen, z. B. in Form von Übergewicht, falscher/unausgewogener Ernährung oder nächtlicher Schichtarbeit
5. Erst danach folgt die Exposition mit Gefahrstoffen, meistens aber eher im beruflichen Bereich, insbesondere wenn sie dort regelmäßig, massiv und über Jahre hinweg erfolgt.
Besonders problematisch sind Mehrfachvorbelastungen. Da meine Eltern beide recht früh an Krebs verstorben sind, muss ich das Schicksal durch Faktoren, die ich beeinflussen kann (Umgang mit Karzinogenen im Freizeitbereich), nicht noch zusätzlich heraufbeschwören, in dem ich mir mehr von diesen Substanzen ins Labor hole als unbedingt nötig...

P.S. zum Hg: Zahnfüllungen aus Amalgam habe ich schon seit Jahren nicht mehr im Mund, und es gibt immer mehr Zahnärzte, die sich dieser kassenärztlichen Lösung komplett verweigern. Ich sage mal: eine gute private Zahnersatzversicherung macht es möglich... 8)

Jeder muss selber wissen, was er sich zutraut oder nicht. Das setzt aber voraus, dass er darüber auch Bescheid weiß und abwägen kann. Information tut not. Und dafür sind Plattformen wie diese ja auch schließlich da.

Bei meinen Überlegungen kommt immer noch noch hinzu, dass in meinem Haus, wo ich experimentiere, neben mir auch noch meine Frau und unsere beiden Kinder wohnen. Da gilt es, unbemerkte Folgen meines Handelns als mögliche Gefahren im Voraus nicht nur für mich allein zu beurteilen, sondern doppelt gut abzuwägen.
Wer die Möglichkeit hat, ein professionell ausgestattetes, separates Labor weit abseits von Wohnen, Schlafen und Essen nutzen zu können, wird die genannten Entscheidungen ebenfalls anders treffen können. Man muss also schon differenzieren. Auch hier hast Du damit Recht.

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mgritsch
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von mgritsch »

Vanadiumpentoxid hat geschrieben:
Donnerstag 8. April 2021, 15:18
[Jeder muss selber wissen, was er sich zutraut oder nicht. Das setzt aber voraus, dass er darüber auch Bescheid weiß und abwägen kann. Information tut not. Und dafür sind Plattformen wie diese ja auch schließlich da.
Jein. Wir sind primär eine Plattform für experimentell orientierte Hobbychemiker die grundsätzlich einigermaßen wissen was sie tun und kein allgemeines Chemie/Gefahrenstoff-Forum für jeden Laien. Sachdienliche Hinweise sollte ein Kollege dahingehend konkrete Experimente/Fragen haben, warum nicht. Wenn aber jeder Thread mit Anmerkungen zu allen möglichen Stoffen voll gemacht wird was alles wie giftig oder illegal oder strafbewehrt ist, wird's unlustig und unlesbar. Plus kommen dann gerne noch da und dort Halbwahrheiten dazu die man auch nicht unkommentiert stehen lassen will und schon gibt eines das andere und Threads ziehen sich wie Teig...

Die eigentliche Frage "was tun mit Zinnober" war rasch beantwortet.
Und btw, a pro pos Halbwahrheiten: nein - mit HCl bildet das weder lösliche Hg-Salze noch H2S, Zinnober löst sich nur in Königswasser. Allenfalls kann man ihn zu Hg und SO2 rösten. Womit die Verwendung tatsächlich weitgehend auf "malen" begrenzt wäre.
Bei meinen Überlegungen kommt immer noch noch hinzu, dass in meinem Haus, wo ich experimentiere, neben mir auch noch meine Frau und unsere beiden Kinder wohnen. Da gilt es, unbemerkte Folgen meines Handelns als mögliche Gefahren im Voraus nicht nur für mich allein zu beurteilen, sondern doppelt gut abzuwägen.
deine Umsicht ehrt dich, deine persönlichen Lebens- und Arbeitsumstände sind aber vermutlich kein Maßstab für allgemeine Sicherheitshinweise...

Vanadiumpentoxid
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Vanadiumpentoxid »

Hm, jetzt hab ichs auch auf wiki gelesen. Was mich wundert: wenn nicht umsetzbar mit Säure, wozu dann Warnhinweis EUH031?
Oder wird hier schwarzes und rotes HgS in einen Topf geworfen?
Umsetzung mit Aqua regia dürfte für die meisten Hobbychemiker entfallen, bliebe noch Alkalisulfid.
Rösten und heißes, dampfendes Hg erhalten, ist wieder ein Gefahrenschritt weiter. Aber egal.
Wenn jemand seine Balkonfassade (für mehr wird 1 kg wohl kaum reichen) damit orangerot streichen will, bitte.

Ich könnte mir vorstellen, dass gerade Hobbychemiker unter vergleichbaren Rahmenbedingungen arbeiten und auch auf ihr Umfeld Rücksicht nehmen möchten/müssen.

Ansonsten habe ich den Wink mit dem Zaunpfahl aber verstanden, dass meine Art von Beiträgen hier nicht erwünscht ist. Außerdem habe ich auch keine Lust, mich hier von irgendjemanden in die rechte Ecke stellen zu lassen. Von daher werde ich mich ab sofort wieder aufs Mitlesen zurückziehen und Fragen nur noch per PN beantworten. Von mir aus könnt ihr meinen Account aber auch ganz löschen. Ich bin raus, macht's gut!

Xyrofl
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von Xyrofl »

Außerdem habe ich auch keine Lust, mich hier von irgendjemanden in die rechte Ecke stellen zu lassen.
Ich habe den Thread nicht ganz 100% präzise gelesen (eher 99%), weil die Antworten recht umfangreich geworden sind, aber wo hast du auch nur ansatzweise etwas geschrieben, was "rechts" sein könnte und wo hat jemand etwas zu deiner politischen Ausrichtung gesagt?
Bei großer Vorsicht im Umgang mit Schadstoffen höre ich sonst immer den Vorwurf, jemand sei ein Grüner. Aber das ist doch wirklich lächerlich und hat nichts mit dieser Diskussion zu tun. Ich kann mir nur vorstellen, dass hier ein Missverständnis vorliegt.

Ich fand deine Ausführungen zu den chemischen Carcinogenen im Wesentlichen sehr erfrischend und hilfreich, da man mit so einer Abwägung viel mehr anfangen kann als mit dem Ein-Molekül-Dogma, das eigentlich im Widerspruch steht zu allen statistischen Daten die wir haben, die immer erst ab einer gewissen (oft hohen und langfristigen) Belastung ein signifikantes Risiko belegen können.

BJ68
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Re: Was tun mit Zinnober?

Beitrag von BJ68 »

Vanadiumpentoxid hat geschrieben:
Donnerstag 8. April 2021, 16:35
Hm, jetzt hab ichs auch auf wiki gelesen. Was mich wundert: wenn nicht umsetzbar mit Säure, wozu dann Warnhinweis EUH031?
Wo hast Du das auf Wikipedia gelesen? Bitte mit Zitat und Verlinkung....sowohl in der Deutschen als in der Englischen vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Quecksilbersulfid und https://en.wikipedia.org/wiki/Mercury_sulfide steht nichts von Löslichkeit in Säure bzw. Salzsäure....

Plus das der EUH031 allgemein gehalten ist.....der spezifiziert keine Säure...und da gibts z.B. auch die Piranha solution, wie ich sie hier viewtopic.php?p=81173#p81173 verwendet habe....

Okay....hab es indirekt gefunden.....es wird auf GESTIS verwiesen vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Quecksilb ... e-GESTIS-1 und dort im Eintrag https://gestis.dguv.de/data?name=004600 zu den H und P-Sätzen verweist GESTIS auf "Herstellerangabe Sigma-Aldrich".

Wobei die EUH-Sätze wieder was besonderes darstellen: https://de.wikipedia.org/wiki/H-_und_P- ... S%C3%A4tze
Das waren früher die R-Sätze und die EUH-Sätze sind die R-Sätze die es nicht ins GHS geschafft haben.....

Schätze kommt u.a. auch davon, dass Zinnober auch als Mineral vorkommt und das z.B. auch freies Hg enthält vgl. https://www.seilnacht.com/Lexikon/Zinno ... oxikologie
Kann mir auch vorstellen dass Zinnober als Mineral dann doch eine Reaktion mit Salzsäure zeigt...zwar nicht das Hg-Sulfid aber halt andere "Verunreinigungen".....plus wie oben gezeigt....ist das eine Herstellerangabe, die immer noch aktuell ist....

bj68
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