Säuren aufbewahren

Die Diskussionen zu den Chemikalien.

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fhihu
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Säuren aufbewahren

Beitrag von fhihu »

Habe leider mit der Suchfunktion keine Antwort auf meine Frage gefunden und würde mich gerne erkundigten, wie man am besten Säuren lagert (in welchem Behälter).

Ich habe Salpetersäure geliefert bekommen (65%) in einer Kunststoffflasche und würde mich gerne erkundigen, ob diese Flasche dicht bleibt auch nach längerer Lagerung. Ich habe zB auch mal reine Schwefelsäure gekauft (98%) und die hat mit der Zeit die Flasche angegriffen und noch alles drum herum, weshalb ich dieses Problem in Zukunft vermeiden will. Salzsäure hat die Kunststoffflasche zwar nicht angegriffen, allerdings hatte ich den Eindruck, dass die Dämpfe durch die Flasche diffundieren können.

Früher in unserem Labor in der Uni waren die Säuren immer in Glasflaschen und mit eine Teflondeckel gedichtet. Wie lagere ich die Säuren am Besten über einen längeren Zeitraum? Vielen Dank

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mgritsch
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von mgritsch »

fhihu hat geschrieben:
Montag 12. Oktober 2020, 16:51
Früher in unserem Labor in der Uni waren die Säuren immer in Glasflaschen und mit eine Teflondeckel gedichtet. Wie lagere ich die Säuren am Besten über einen längeren Zeitraum?
Ich gehe mal davon aus dass du für deine Firma oder dein Institut fragst ;)

Ich denke das ist die vernünftigste und praktikabelste Art.
Glasschliff-Stopfen die früher sehr beleibt waren mögen besser Gasdicht sein, aber sie fressen irgendwann fest und am Stopfen einer Flasche voll Säure möchte ich lieber nicht herumhämmern um den wieder los zu bekommen :)
Kunststoff-Behälter wie sie von vielen Herstellern benutzt werden sind auf einen Zeitraum von 1-2 Jahren okay, für längerfristig aber keinesfalls zu empfehlen - sowohl von den Diffusionseigenschaften als auch von der Stabilität her.

Nail
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von Nail »

Ich würde einfach die Säuren in Glasflaschen lagern, so wie man es von Aldrich auch kennt. Achte auf einen Teflondeckel bzw. einen Deckel mt Tefloneinlage und notfalls kann man noch Parafilm verwenden, aber wenn man die Flasche sowieso oft benutzt ist Parafilm sowieso überflüssig.
Q.E.D.

Glaskocher
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von Glaskocher »

Bitte nicht mit Pseudofilm herumbasteln. Der dient als besserer Staubschutz über wässrigen Lösungen und geht schneller kaputt als man dran denkt. Ein ordentlicher Deckel mit Tefloneinlage reicht, wenn er gut und nicht mit Gewalt zu gedreht ist.

Auf den Kunststoff-Flaschen steht inzwischen das Mindesthaltbarkeitsdatum drauf, ab welchem der Hersteller das Umfüllen in ein anderes Gebinde empfiehlt. Dieses Umfüllen sollte man spätestens zum angegebenen Zeitpunkt durchführen, um nicht irgendwann eine Pfütze unter der verschlossenen Flasche zu finden. Eine derartige Pfütze habe ich schon weg putzen müssen, Salpetersäure macht dabei keinen Spaß.

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NI2
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von NI2 »

Ich finde Parafilm gar nicht so schlecht. Bei Säuren weniger als großartiger Schutz zum Lagern, aber als "Siffschutz". Bei den etwas unangenehmeren Sachen empfiehlt sich notfalls das Gewinde mit Teflonband zu umwickeln. Das Gewinde des Deckels "frisst" sich dann in das Teflonband und "schmiert" es zu einer passablen Dichtung. Dann außen noch etwas Parafilm als Deko und die Flasche ist so dichter als "ohne alles".
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Glaskocher
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von Glaskocher »

Nahezu alle Flaschen dichten mit der Oberkante der Öffnung. Das Teflonband verbessert das Gleiten des Deckels auf dem Flaschenhals. Bei sparsamer Anwendung ist es etwas hilfreich, wegen der Schmierwirkung. Bei exzessiver Anwendung (viel hilft viel) kann es den eigentlichen Dichtprozess sogar behindern. Dabei behindert es das vollständige Zudrehen und somit den Kontakt der originalen Dichtflächen zueinander.

Kleine Dichtungskunde:
- PP-Deckel mit Dichtkonus: Die Dichtfläche besteht aus einem Kegelabschnitt, der im Innenrand der Öffnung anliegt. Das Prinziep wird gerne benutzt und dichtet sowohl bei Glas- als auch Kunststoffflaschen.
- Kunstatoffdeckel mit eingelegter Teflonfolie: Die Teflonfolie wird durch den Konus im Deckel tiefgezogen und schützt den Deckel vor dem (korrosiven) Inhalt.
- Kunstatoffdeckel mit teflonkaschierter Elastomerplatte: Dieses Dichtsystem ist in sich elastisch und kann flache Wellen im Flaschenhals ausgleichen. Bei stark diffundierenden Substanzen (Thionylchlorid, POCl3, Oleum, ...) wird auch eine Bleifolie zwischen Teflon und Elastomer geklebt, da Teflon immer noch minnimal diffusionsoffen ist.
- (Norm)schliffhals mit konischem Stopfen: Hier dichtet die gesamte Kegelfläche. Man kann den Stopfen, wenn nicht fest gefressen, rasch öffnen und wieder verschließen. Im Normalgebrauch reicht ein Stopfen aus Hartplastik, der mit einem leichten Dreh in den Hals gedrückt wird. Bei hoch korrosiven Substanzen (Säuren) werden Glasstopfen gerwendet, aber mit deutlich weniger Kraft zugedreht. Die Kunststoffstopfen können mit der Zeit in der Mitte des "Bodens" Risse bekommen und ihre Dichtwirkung verlieren. Bei Glas auf Glas kann man eine Teflonhülse verwenden, um das Festfressen zu verhindern und die Dichtwirkung zu verbessern. Ersatzweise wickelt man zwei Runden Teflonband um den Konus und dreht beim Schließen und Öffnen immer so, daß sich das Bandende "fest" wickeln kann.
- Young-Verschluß: Dieser spezielle Verschluß funktioniert wie ein Nadelventil. Er wird für besonders luft- und feuchteempfindliche Substanzen verwendet. Der "Auslass" des Nadelventils dient als Anschluß für Vakuum/Schutzgas, während die Ventilspindel zum Öffnen des Gefäßes komplett entnommen wird. Die Entnahme von Flüssigkeiten geschieht über Spritzen oder Transferkanülen, während Feststoffe nur in einer Glovebox genutzt werden können.

Generell gilt für alle Kunststoffstopfen, daß das Material altert. Licht und chemische Einflüsse wirken hier zusammen. Es wird spröder und bröselt oder bricht irgendwann. Ein übermäßig festes Zudrehen macht den Stopfen nur gefühlt "dichter als dicht", kann aber zu Spannungsrissen führen, die den Deckel vom Gewindeteil trennen. Das häufig verwendete Material Polypropylen (auch Hart-PE) kann unter Lösemitteleinfluß (Alkane, THF, ...) mit der Zeit verspröden. Im Spritzguss hergestellte Teile haben besonders am Anguß ("Bauchnabel" in der Mitte) eine Schwachstelle, da sie dort am längsten heiß geblieben sind und beim Erkalten eine innere Zugspannung bewahren. Im Prinziep kann man auch Längsrisse erzeugen, indem man den Deckel mit viel Kraft über eine üppige Lage Teflonband dreht und ihn permanent aufweitet. Das ist mir aber bisher noch nicht begegnet, mangels derart präparierter "Kandidaten".


Fazit: Man soll immer den zur Flasche passenden Deckel verwenden und ihn nur mit ausreichender Kraft zu drehen. Bei zusätzlichen Dichtmaßnahmen muß man darauf achten, ob sie das ursprüngliche Dichtprinziep unterstützen oder sabotieren können. Der beste "Siffschutz" ist meistens die Reinigung des Gewindes von Heruntergelaufenem.


Die Krönung des Dichband-Misbrauches war, daß Jemand Teflonband um gläserne Schlaucholiven gewickelt hatte, bevor er den Schlauch aufgeschoben hatte. Immerhin waren diese Konstrukte mit Schlauchschellen gesichert. Man darf sich in diesem Fall nicht wundern, daß das Vakuum nicht so toll war beziehungsweise das Argon immer "leicht sauer*" war. * = ...stoffhaltig

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NI2
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von NI2 »

Glaskocher hat geschrieben:
Dienstag 13. Oktober 2020, 11:28
Das Teflonband verbessert das Gleiten des Deckels auf dem Flaschenhals. Bei sparsamer Anwendung ist es etwas hilfreich, wegen der Schmierwirkung. Bei exzessiver Anwendung (viel hilft viel) kann es den eigentlichen Dichtprozess sogar behindern. Dabei behindert es das vollständige Zudrehen und somit den Kontakt der originalen Dichtflächen zueinander.
[...]
Der beste "Siffschutz" ist meistens die Reinigung des Gewindes von Heruntergelaufenem.
Dem Stimme ich zu. Die Flaschen einfach sauber zu machen falls was heruntergelaufen ist, ist schon der beste Anfang. Gerade bei selten genutzten Chemikalien die aber mehr oder weniger empfindlich oder korrosiv sind habe ich mit Teflonband und/oder Parafilm gute Erfahrungen gemacht falls der die perfekte Flasche oder der perfekte Deckel gerade nicht verfügbar sind :D

Ansonsten Danke für deine Ausführungen :)
I OC

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fhihu
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von fhihu »

Super vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Die jetzigen Flaschen scheinen sogar jetzt schon nicht ganz dicht zu sein. Ich werde mir wohl am besten Glasflaschen mit Silikon-Teflon Dichtung besorgen. Auf den gelieferten Kunststofflaschen steht ein Ablaufdatum und zwar bis im Jahre 2025 sollten sie verbraucht sein.

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Phil
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Re: Säuren aufbewahren

Beitrag von Phil »

Alle Kunststoffgebinde dürfen für den Gefahrguttransport nicht älter als 5 Jahre sein. Für die Lagerung spielt es keine Rolle, ausser das Gebinde wird spröd, daher auch Vorsicht walten lassen bei alten Kunststoffgebinden, falls sie gleich zerbröseln.

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