Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Die Diskussionen zu den Chemikalien.

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iTim
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Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von iTim »

Moin an alle. Kurze und knackige Frage:
Wie kann ich Peressigsäure herstellen? Wie ist diese stabil lagerbar? Bitte ohne Hintergedanken und große Diskussion. Mir reicht eine Konzentration die für die Desinfektion ausreichend ist. Jedoch soll die Lösung auch lagerfähig sein. Da weiß ich jetzt leider nicht ob die etwas höher Prozentig sein muss oder ob die auch stark verdünnt lagerfähig ist. Schonmal besten Dank. Mfg Tim
Mit freundlichen Grüssen,
iTim

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Pok
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von Pok »

Aus 30%igem (oder höher konzentriertem) Wasserstoffperoxid, Eisessig und ein bisschen Schwefelsäuere. Angeblich soll man das 4 Tage bei RT reagieren lassen. Ich machs immer, ist aber evtl. überflüssig. Endkonzentration soll ca. 8 % sein. Ich verdünne immer auf 0,1 %. Lagerung der konz., 8%igen Säure am besten in der Tiefkühltruhe. Verdünnte ist m.W. nur mit Stabilisatoren lagerfähig. Dann auch bei RT. Irgendwo hab ich mal ein Produkt gesehen. Selbermachen ist aber billiger.

10 g Eisessig
0,4 g konz. Schwefelsäure
30 g Wasserstoffperoxid (30 %)

Quelle müsste ich mal suchen.
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NI2
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von NI2 »

10 g Eisessig
0,4 g konz. Schwefelsäure
30 g Wasserstoffperoxid (30 %)
ad 1L?
I OC

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Pok
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von Pok »

Ne, direkt zusammenschütten. Hier das richtige Rezept:

10 g Eisessig
0,4 g konz. Schwefelsäure
28,8 g 30%iges Wasserstoffperoxid

Nach 80-90 Stunden soll eine Konz. von 8,6 % Peressigsäure erreicht werden.

Unmittelbar vor der Anwendung kann man verdünnen auf 0,1 %. Tötet wunderbar viele widerstandsfähige Sporen ab.

Quelle: The convenient preparation of per-acids

Ein kommerzielles Produkt ist "Wofasteril" mit noch deutlich höherer Konzentration. Das ist stabilisiert. Weiß aber nicht, ob man da als Privatperson rankommt...

Man kann Peressigsäure übrigens leicht von einer gewöhnlichen H2O2/Eisessig-Mischung unterscheiden. Selbst die auf 0,1 % verdünnte Peressigsäure riecht noch sehr stark und charakteristisch (unangenehm) und von H2O2 bzw. Essig klar zu unterscheiden.
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mgritsch
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von mgritsch »

Pok hat geschrieben:
Dienstag 21. Juli 2020, 23:54
10 g Eisessig
0,4 g konz. Schwefelsäure
28,8 g 30%iges Wasserstoffperoxid

Nach 80-90 Stunden soll eine Konz. von 8,6 % Peressigsäure erreicht werden.
mh, interessantes Rezept... aber da kommt schon eine recht bunte "Mischung" raus. Bei quantitativer Umsetzung der Essigsäure (theoretisch möglich, immerhin 50% Überschuss H2O2) sollte eine 32,3%ige resultieren. 8,6% bedeutet somit dass im Gleichgewicht nur 27% "Ausbeute" erzielt wird. In Summe liegt also eine "bunte" Mischung aus allen Komponenten vor. Sofern keine anderweitige Zersetzung erfolgt, beinhaltet die Mischung mit ca 18% immer noch mehr als das Doppelte an H2O2...

Was desinfiziert man damit üblicherweise? Inwiefern ist das besser geeignet als einfach nur H2O2?

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Pok
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von Pok »

Bunt ist die Mischung eigentlich nicht, nur eben eine normale Gleichgewichtsmischung.

Essigsäure + Wasserstoffperoxid ⇌ Peressigsäure + Wasser

Dieses kommerzielle Produkt Wofasteril wird scheinbar auch nur zusammengemischt, ohne extra "Peressigsäure-Stabilisatoren".

1.png

Bei einem anderen Produkt hatte ich sowas aber mal gesehen. Das war tatsächlich eine ziemlich reine, wässrige Peressigsäure, wozu ganz spezielle (mir unbekannte) Stabilisatoren zugesetzt waren und m.W. die Essigsäure und das Wasserstoffperoxid abgetrennt wurden. Sowas braucht man aber eigentlich nicht, da Wasserstoffperoxid und Essigsäure i.d.R. nicht stören.

Peressigsäure wird z.B. in der Medizin oder in Ställen zum Desinfizieren genutzt. Ich nehme es, um muffige Kleidung zu desinfizieren. Dieser Muff-Geruch lässt sich nicht auswaschen. Wasserstoffperoxid tötet scheinbar zwar die verursachenden Bakterien ab, aber nicht die Sporen. Das schafft nur Peressigsäure. Wegen ihres lipophilen Teils kann das Molekül Sporenwände durchdringen und zerstört dann in der Spore durch Freisetzung von Wasserstoffperoxid die Zelle.
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Glaskocher
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von Glaskocher »

Für die Darstellung von höher konzentrierter Peressigsäure wird Wasserstoffperoxidlösung langsam mit Acetanhydrid versetzt. Man darf NIE umgekehrt vorgehen, da sich sonst das explosive Diacetylperoxid bildet. Diacetylperoxid ist sehr reib- und stoßempfindlich in kristalliner Form.

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mgritsch
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von mgritsch »

Pok hat geschrieben:
Mittwoch 22. Juli 2020, 12:57
Bunt ist die Mischung eigentlich nicht, nur eben eine normale Gleichgewichtsmischung.

Essigsäure + Wasserstoffperoxid ⇌ Peressigsäure + Wasser
+ noch die H2SO4...
Ich nehme es, um muffige Kleidung zu desinfizieren. Dieser Muff-Geruch lässt sich nicht auswaschen.
spätestens mit dem H2SO4-Anteil ist das sicher sehr nachhaltig, die Kleidung zerfällt irgendwann und der Muff ist mit dahin ;)
Also für Stahl, Glas,... kann ich mir das ja noch gut vorstellen aber bei bio-Material evtl doch ein bisschen zu aggresiv?

Xyrofl
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von Xyrofl »

Ist verdünnte Schwefelsäure denn ein Problem wenn man die Kleidung danach relativ schnell in die Waschmaschine steckt? Das Waschpulver sollte doch locker ausreichen um die Reste zu neutralisieren.

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Pok
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Re: Bezugsquelle oder Herstellung Peressigsäure

Beitrag von Pok »

Richtig, das Carbonat aus dem Waschmittel neutralisiert die Säurespuren locker. Wie gesagt verdünnt man den ganzen Kram noch mit 80 Teilen Wasser. Schwefelsäure zersetzt Fasern bei so geringer Konzentration (Endkonz: ca. 0,01 % Schwefelsäure im Desinfektionsbad) nicht im Geringsten.
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