Seite 166 von 166

Re: [FOTOS] Kristalle, Reaktionen, Elemente etc.

Verfasst: Dienstag 8. September 2020, 18:55
von NI2
lemmi hat geschrieben:
Dienstag 8. September 2020, 17:20
Ich erinnere mich, dass NI2 darüber mal auf einen Forentreffen was erzählt hat. Hat es nicht bei der Isolierung von C-Toxiferin oder Tubocurarin eine Rolle gespielt?
Korrekt. Bei der Aufklärung der Calebassenalkaloide wurde die Gesamtalkaloidfraktion als Reineckat gefällt und aufgearbeitet. Diese Art der Aufarbeitung hatte ich letztens in einem anderen Zusammenhang erneut gelesen und es scheint es üblicher "Trick" zu sein. Die Alkaloide fallen zwar als Reineckat, sind aber acetonlöslich und können - im Falle der Calebassenalkaloide an Cellulose - chromatografisch gereinigt/getrennt werden. Im Gegensatz zu den Au, Pt, Bi und Hg-Komplexsalzen der Alkaloide welche entweder zu teuer sind oder meistens so schlecht löslich dass man die Alkaloide nie wieder herausbekommt eignet sich das Reneckat für präparative und nicht nur analytisches Arbeiten. Leider ist in Anbetracht des Chrom(VI) und des hohen Thiocyanatverbrauchs eine kommerzielle Nutzung dieser Aufarbetungsmethode unwirtschaftlich und durch eine geegnete Ionentauscherharz-Prozedur leicht zu ersetzen.

Den Grund für die geringe Löslichkeit liegt in den schwachkoordinierenden Anionen. Man kennt diesen Effekt auch bei PF6-, diese fallen meist und werden wasserunlöslich aber organolöslich (die Qualität der Löslichkeit ist natürlich stets vom Einzelfall abhängig), wenn ich mich recht entsinne war das auch die Synthesetrategie beim Olympiadan, wobei die Synthese größtenteils vermutlich in DMF gemacht wird, dennoch kann man damit die Wasserlöslichkeit reduzieren und die Organolöslichkeit erhöhen. Das Reineckat scheint eine geeignete Größe und "Weichheit" als Komplexanion zu haben, wohingegen die Dragendorff-Reagenz ([BiI4]-) oder auch die Komplexe mit H2[PtCl6] eher gar nicht mehr löslich sind, aber das kann Xyrofl sicherlich besser erklären... Als wir/er diese Vermutung aufgestellt haben/hat war die Hypothese dass auch Kalignost ([Ph4B]-) mit Alkaloiden unlösliche Komplexe bilden muss, welche sich durch eine Literaturrecherche bestätigt hat.

Re: [FOTOS] Kristalle, Reaktionen, Elemente etc.

Verfasst: Dienstag 8. September 2020, 20:09
von Visko
lemmi hat geschrieben:
Dienstag 8. September 2020, 17:20
Kann nan das als Reagenz für irgendwas verwenden?
Zusätzlich zu der meiner Meinung nach interessanteren Verwendung für die Alkaloidfällung, die NI2 schon erwähnt hat, wird es in der Analytik als Nachweis von Cu(I) verwendet, es fällt ein gelber Niederschlag von Kupfer(I)-reineckat aus:
IMG_6198.JPG
lemmi hat geschrieben:
Dienstag 8. September 2020, 17:20
Ach ja, und was ist Mohrland'sches Salz?
Das Mohrlandsche Salz ist das Guanidinium-Salz der Reinecke-Säure, also Guanidiniumreineckat. Es hat eine geringere Löslichkeit. Während Reinecke-Salz irgendwie sehr wie Erdbeeren aussieht, sieht Mohrlandsches Salz irgendwie aus wie Zahnpasta... Es ist pastellfarben und nicht kristallin. Das Guanidin bildet sich durch die thermische Zersetzung des Ammoniumthiocyanat.

Im Bild hier ist es ganz links zu sehen:
IMG_6189.JPG

Re: [FOTOS] Kristalle, Reaktionen, Elemente etc.

Verfasst: Dienstag 8. September 2020, 21:27
von lemmi
Okay! Und das in der Mitte ist das Reineckat ... und ganz rechts, das was aussieht wie Kirschen (um im Bild zu bleiben :mrgreen: ), was ist das?

Re: [FOTOS] Kristalle, Reaktionen, Elemente etc.

Verfasst: Mittwoch 9. September 2020, 18:25
von Visko
Das ist beides Reinecke-Salz, Mitte und Rechts ^^ Aber das rechte ist kristalliner und sieht schöner aus.