Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

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mgritsch
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Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Professor Callidus wurde seit Tagen nicht mehr gesehen. Als sein Assistent im Labor Nachschau hält, findet er es unordentlich vor und es gibt einige verdächtige Spuren - wurde der Professor vielleicht entführt oder gar ermordet? Ein Fall für CSI Illumina! 8)

Also Sonnenbrillen abnehmen und los - als erstes gilt es die Spuren zu sichern. Im Labor liegen ein paar Blatt Papier mit verdächtigen rotbraunen Schmierspuren herum, könnte es sich hierbei vielleicht um Blut handeln?


Geräte:

Kolben, Mischzylinder, Sprühflasche, Wattestäbchen, Heizrührer, UV-Lampe, Mikroskop, Papier, Blut


Chemikalien:

Phenolphthalein Warnhinweis: xn
Fluorescein Warnhinweis: attn
Kaliumhydroxid Warnhinweis: attnWarnhinweis: c
Natriumhydroxid Warnhinweis: attn Warnhinweis: c
Zink Warnhinweis: fWarnhinweis: n
Luminol
Natriumcarbonat Warnhinweis: attn
Wasserstoffperoxid Warnhinweis: oWarnhinweis: cWarnhinweis: attn
AcetonWarnhinweis: fWarnhinweis: attn
Salzsäure 10% Warnhinweis: cWarnhinweis: attn
Pyridin Warnhinweis: fWarnhinweis: attn
Glucose
Ethanol Warnhinweis: fWarnhinweis: attn
KupfersulfatWarnhinweis: nWarnhinweis: attn
Natriumhypochlorit Warnhinweis: cWarnhinweis: n


Durchführung:

Vorbereitung:

Auf einigen Blatt Papier wurden mit Blut Schmierspuren erzeugt und eintrocknen gelassen. Mit einem Wattestäbchen und einer einer verdünnten Kupfersulfat-Lösung wurde an einer Stelle "Cu" und mit der Natriumhypochlorit-Lösung an anderer Stelle "Cl" geschrieben und alles getrocknet.


Kastle-Meyer-Test:

Reagenz: In einem 30 ml Kolben werden 0,2 g (0,63 mmol) Phenolphthalein und 2 g (36 mmol) KOH in 10 ml Wasser aufgelöst und dann 2 g Zinkpulver zugegeben. Die Mischung wird unter Rühren am Magnetrührer gekocht bis sie völlig farblos ist - je nachdem wie fein das Zinkpulver ist, genügen schon wenige Minuten. Der Ansatz wird anschließend filtriert und mit 40 ml Ethanol verdünnt. Das Reagenz ist in der Form bei Ausschluss von Licht und Luft relativ gut haltbar, eine kleine Ausflockung von Zinkoxid stört nicht weiter. Für eine längere Lagerung sollte man es über etwas Zinkpulver aufbewahren.

Anwendung: ein Wattestäbchen wird mit etwas 50%igem Ethanol befeuchtet und ein wenig von der mutmaßlichen Blutspur damit abgewischt. Dann kommen 1-2 Tropfen des Reagenz drauf und man wartet einige Sekunden. Tritt jetzt schon eine Rosafärbung auf, dann liegt eine mögliche Störung vor. Nun tropft man 1-2 Tropfen 3%ige Wasserstoffperoxid-Lösung darauf : bereits nach kurzer Zeit tritt bei Anwesenheit von Blut eine intensive Rosafärbung auf. Die Spuren von Cu oder Hypochlorit sind nicht sichtbar und wurden nicht „gewischt“. Ein Vergleichstest mit etwas verdünnter Kupfersulfatlösung ergab ein schwach positives Ergebnis, mit Hypochlorit kein Ergebnis.


Luminol-Test:

Reagenz: in einem Mischzylinder werden 50 mg (0,28 mmol) Luminol und 2,5 g (24 mmol) Natriumcarbonat in 50 ml Wasser aufgelöst. Erst unmittelbar vor Gebrauch setzt man 0,5 ml 12% Wasserstoffperoxid zu.

Anwendung: Mutmaßliche Spuren werden bei abgedunkeltem Raum mit dem Reagenz besprüht. Bei Anwesenheit von Blut leuchten die Spuren hellblau auf. Sowohl Cu als auch Hypochlorit-Spuren leuchten ebenfalls hell auf!


Fluorescein-Test:

Reagenz: In einem 30 ml Kolben werden 0,1 g (0,30 mmol) Fluorescein und 1 g (25 mmol) NaOH in 10 ml Wasser aufgelöst und dann 1 g Zinkpulver zugegeben. Die Mischung wird unter Rühren am Magnetrührer gekocht, bis sie völlig farblos ist - je nachdem wie fein das Zinkpulver ist, genügen schon wenige Minuten. Der Ansatz wird anschließend filtriert und mit 20 ml Wasser verdünnt. Das Reagenz ist nicht stabil und muss vor Gebrauch frisch zubereitet werden. Bereits nach wenigen Stunden ist eine Eigenfluoreszenz vorhanden, die allfällige Spuren überdeckt.

Anwendung: Mutmaßliche Blutspuren werden erst mit dem Reagenz besprüht und anschließend mit 3% Wasserstoffperoxid. Bei Anwesenheit von Blutspuren fluoreszieren diese unter UV-Licht intensiv gelbgrün. Aufgrund der Eigenfluoreszenz des Papiers, das optische Aufheller enthält, ist der Kontrast nicht so intensiv wie z.B. mit Luminol. Sowohl Cu als auch Hypochlorit-Spuren sind sichtbar, leuchten aber nicht typisch gelbgrün fluoreszierend!


Wagenaar-Test:

Von dem Papier wird ein kleines Stückchen mit einer mutmaßlichen Blutspur (so starke Spur wie möglich) ausgeschnitten und auf einen Objektträger gelegt. Erst wird die Probe mit ein paar Tropfen Aceton gut durchtränkt und anschließend 1-2 Tropfen einer 10%igen Salzsäure drauf getropft. Das Papier enthält im Strich unter anderem Calciumcarbonat, daher kommt es zu einem leichten Aufschäumen. Wenndas meiste Aufschäumen beendet ist, wird die Probe mit dem Deckglas bedeckt und unter dem Mikroskop beobachtet. Je nach Menge an anwesendem Blut kann man bei 400-facher Vergrößerung binnen weniger Minuten oder auch erst nach 1/2 Stunde das Auftreten kleiner, nadelförmiger, dunkler Kristalle beobachten.


Takayama-Test:

Reagenz: 5 ml einer gesättigten Glucose-Lösung, 5 ml 10% Natronlauge und 5 ml Pyridin werden gut verrührt und 10 ml Wasser zugegeben, worauf man eine klare Lösung erhält.

Anwendung: Von dem Papier wird ein kleines Stückchen mit einer mutmaßlichen Blutspur (so starke Spur wie möglich) ausgeschnitten und auf einen Objektträger gelegt. Nun wird ein Tropfen des Reagenz zugegeben und mit einem Deckglas bedeckt. Anfangs färbt sich der Blutfleck durch die Lauge braun-grün, dann verändert sich die Farbe langsam zu klarem Rot. Unter dem Mikroskop kann man, je nach Menge an anwesendem Blut, bei 150 - 400-facher Vergrößerung binnen weniger Minuten oder auch erst nach 1/2 Stunde das Auftreten kleiner, federiger, roter Kristalle beobachten.


Entsorgung:

Abfälle kommen zu den halogenfreien organischen Abfällen.


Erklärung:

Beim Kastle-Meyer-Reagenz wird Phenolphthalein durch Zink in stark alkalischem Medium zum farblosen Leukofarbstoff Phenolphtalin reduziert, analog im Fluorescein-Test Fluorescein zu seiner reduzierten Form Fluorescin. Unter dem katalytischen Einfluss des im Blut vorhandenen Häm werden diese Farbstoffe durch Wasserstoffperoxid wieder in die ursprüngliche farbige Form zurück oxidiert. Dadurch werden kleinste Spuren Blut sichtbar.
Reaktion_leuko.png
Die Ausführung als Wischtest ist sehr einfach, das Ergebnis auf dem weißen Hintergund eindeutig interpretierbar und die vorhandenen Spuren werden kaum beeinflusst und stehen so für weitere Untersuchungen unverändert zur Verfügung. Im "Originalrezept“ wird das Wattestäbchen mit reinem Alkohol befeuchtet, von gut eingetrockneten Blutspuren nimmt der aber relativ wenig auf - bessere Ergebnisse habe ich mit 50%igem Alkohol erzielt.

Beim Luminol-Test kommt es unter dem katalytischen Einfluss des Häm zur typischen blauen Lumineszenzerscheinung:
reaktion luminol.png
Sprühtests mit Luminol oder Fluorescein sind zwar sehr praktisch, da sie eine großflächige Dokumentation eines Spurenmusters erlauben. Aufgrund des sehr kurzen Zeitfensters in dem ein Nachweis sichtbar ist, sind sie in der Anwendung aber herausfordernd. Man muss auch aufpassen, dass man nicht "übersprüht" - sonst verwäscht man die Spuren und macht sie möglicherweise unbrauchbar. Vor allem auf vertikalen glatten Flächen ist das durchaus ein Problem. Zu beachten ist ebenfalls, dass größere Mengen Wasserstoffperoxid eine nachfolgende DNA-Analyse verunmöglichen können.

Im vorliegenden Beispiel sieht man z.B. gut, dass die Stellen mit der größten Blutmenge gar nicht leuchten: Beim Luminol ist die Leuchterscheinung aufgrund der großen Menge Katalysator dort binnen kürzester Zeit "verglüht", beim Fluorescein kommt es zu einem Quenchen der Fluoreszenz.

Sowohl der Kastle-Meyer als auch der Fluorescein- und Luminol-Test sind sogenannte "presumptive Tests". Das bedeutet, dass sie nur die Möglichkeit anzeigen, dass es sich um Blutspuren handeln könnte. Zahlreiche andere Stoffe - Schwermetallsalze, Oxidationsmittel aber auch Peroxidase - wie sie in Lebensmitteln vorkommt - können aber die Reaktion ebenfalls katalyisieren und so Blutspuren vortäuschen. Dementsprechend wurden in den Tests teils auch die Schriftzüge von Kupfer und Hypochlorit sichtbar.

Häm:
Häm.png
Häm.png (39.32 KiB) 1206 mal betrachtet

der katalytische Prozess:
häm-katalyse.png
häm-katalyse.png (9.92 KiB) 1101 mal betrachtet
Das Häm wird dabei durch Luftsauerstoff zum Methäm oxidiert, wenn die Blutprobe eintrocknet. Bei Zugabe von Wasserstoffperoxid wechselt die Oxidationsstufe des zentralen Eisens zwischen III (Ferri-Stufe) und IV (Ferryl-Stufe) und durchläuft einen dreistufigen Zyklus, den sogenannten Peroxidationszyklus, wenn ein Wasserstoffdonator (AH2) und ein Peroxid (H2O2) vorliegen[7].

Zur finalen Bestätigung, dass es sich tatsächlich um Blut handelt, ist daher noch ein weiterer Test erforderlich. Heute gibt es natürlich ausgefeilte molekularbiologische Methoden, und man würde zur weiteren Identifizierung eher auf eine DNA-Analyse zurückgreifen, die noch deutlich mehr Informationen liefert, vor allem die Bestätigung dass es tatsächlich menschliches Blut ist. Tests wie Wagenaar und Takayama sind von daher eher von historischem Interesse.

Im Hämoglobin liegt ein Häm-Molekül vor, das an der 5. und 6. Koordinationsstelle (die Spitzen des Oktaeders) ein Molekül O2 und ein Globin-Protein enthält. Im Häm sind beide Liganden H2O. Beide mikroskopische Tests beruhen darauf, dass das Hämoglobin bzw. Häm einen Ligandenaustausch erfahren und sich dabei schwerlösliche, charakteristisch kristallisierende Addukte bilden - im Fall des Wagenaar-Tests mit Chlorid und Aceton, im Fall des Takayama Tests mit zwei Pyridin-Molekülen (sog. Hämochromogen). Der Takayama-Test wurde hier bei uns bereits einmal beschrieben. Ein Erhitzen der Probe ist jedoch nicht unbedingt notwendig.

Der Test gilt offiziell nur als positiv, wenn binnen weniger als 30 Minuten die typischen, federartigen rosa Kristalle zu beobachten sind. Aufgrund der Löslichkeit des Hämochromogens sollte eher eine möglichst geringe Menge Reagenz zugesetzt werden, um eine Ausfällung zu erhalten. Kristalle bilden sich bevorzugt in Regionen hoher Konzentration, bei Ansammlungen von Blut oder im Randbereich, wo es zu Verdunstung kommt.


Bilder:


01 KM ansatz.JPG
Zubereitung des Kastle-Meyer Reagenz


02 KM.JPG
Alles bereit zum Kastle-Meyer-Test


03 KM ergebnis.JPG
Das positive Ergebnis! Daneben die Blindprobe.


04 Fluorescein.JPG
Der Fluorescein-Test


05a Luminol bereit.jpg
Alles bereit zum Luminol-Test


05 Luminoltest.JPG
Der Luminol-Test - er ist unter diesen Umständen am empfindlichsten aber auch am störanfälligsten.


06 wagenaar.JPG
Der Wagenaar-Test - bei 400x Vergrößerung sind die kleinen Kristalle erkennbar.


07 Takayama.JPG
Takayama-Test: charakteristische rosa Kristalle bei 400x Vergrößerung


07b Takayama.JPG
Takayama-Test: makroskopisch ist eine Rosafärbung zu beobachten


Literatur:

[1] Luminescence 2006, 21, 214–220 https://doi.org/10.1002/bio.908
[2] https://static.training.nij.gov/lab-man ... o_2.15.pdf
[3] Proceedings Volume 0743, Fluorescence Detection; (1987) https://doi.org/10.1117/12.966946
[4] Journal of Forensic Identification 1995, 45(6), 631-646 https://www.bevelgardner.com/s/Flluores ... o-1995.pdf
[5] Fresenius Zeitschrift f. anal. Chemie 1935, 103, 417–418 https://doi.org/10.1007/BF013830218
[6] British medical journal, 1932, 1(3724), 932–933. https://doi.org/10.1136/bmj.1.3724.932
[7] ACS Omega 2019, 4, 2, 3268–3279 https://doi.org/10.1021/acsomega.8b03564

Calciumcitrat
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von Calciumcitrat »

Sehr schön, Bioanorganik gibt es hier ja noch nicht so viel!
Allein das kommentarlose Postulieren von Fe(III) im Hb-O2 sollte vielleicht genauer erklärt werden, hier wurde ja sehr lange gestritten (Fe(II) vs Fe(III)), ionischer Anteil, Dia/Paramagnetismus... Und auch ohne Wasserstoffperoxid hängt doch ein Superoxidorest daran, oder?

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mgritsch
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

Ich stütze mich da auf die Literatur, [3] Proceedings Volume 0743, Fluorescence Detection; (1987) https://doi.org/10.1117/12.966946

Sollte ich an der Stelle eventuell noch konkret anführen. In den Streit der Experten über solche Details mische ich mich lieber nicht ein :) solltest du eine neuere Quelle haben die das widerlegt - baue ich gerne ein!

aliquis
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von aliquis »

Gefällt mir gut. Jetzt weiß ich, wie ich den nächsten Schnitt bei der Rasur produktiv nutzen kann.... :lol:

Gut finde ich auch, dass dies mal wieder ein Versuch mit auf erste Recherche erhältlichen Chemikalien ist.

Folgende Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:
- Blut ist m. W. keine Gerätschaft... :wink:
- Die Chemikalien sind nicht Wiki-verlinkt und tragen teilweise keine GHS-Symbole (scheint wohl gerade noch in Arbeit zu sein).
Edit: mittlerweile fehlen nur noch die GHS-Symbole fürs Zinkpulver...
- Infolge copy-and-paste wurde der Fluorescein-Test mit Phenolphthalein durchgeführt...
Edit: inzwischen korrigiert.

Aber sonst alles super! :thumbsup:

Calciumcitrat
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von Calciumcitrat »

Hier: https://www.cup.lmu.de/ac/kluefers/homepage/L_bac.html, Kapitel 10.5, gibt es einen guten Überblick. Das Superoxid hängt auf jeden Fall dran. Die wegweisenden experimentellen Ergebnisse dazu wurden aber, so weit ich mich erinnere, in den Achtzigern publiziert (größtenteils röntgebasiert und IR), vielleicht nicht rechtzeitig für deine Quelle.

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mgritsch
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

Calciumcitrat hat geschrieben:
Sonntag 16. Januar 2022, 19:24
Hier: https://www.cup.lmu.de/ac/kluefers/homepage/L_bac.html, Kapitel 10.5, gibt es einen guten Überblick.
Hm, also ich bin damit ein wenig überfordert muss ich gestehen :? Ist dort überhaupt die Rede von dem Ergebnis der Reaktion mit H2O2? Soweit ich folgen konnte geht es nur um das O2-Addukt?

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mgritsch
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

aliquis hat geschrieben:
Sonntag 16. Januar 2022, 19:16
Edit: inzwischen korrigiert.
Gib dir nicht zu viel Mühe. Einen Artikel nennenswerter Länge gehe ich noch einige Male durch… sowas schreibt man selten in einem runter und fertig…

Heliumoxid
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von Heliumoxid »

Ein wirklich schöner Artikel. Ich finde ihn sehr interessant.

Zwei Fragen habe ich noch:
1) Beim Wagenaar-Test schreibst Du : Das Papier enthält im Strich Calciumcarbonat. Woher ? Habe ich etwas überlesen ?
2) Wie spezifisch ist Wagenaar- und Takayama-Test ? Zum Einen bzgl. anderen einfach Metallsalzen aber auch z.B. bzgl. Chlorophyl und Cyanocobalamin (Vit. B12)
Bei Heliumoxid, genauer Helium(II)- oxid, handelt es sich um eine Mischung aus Helium(I)- oxid und Helium(III)- oxid. Richtigerweise heisst es somit Helium(I,III)- oxid.

Calciumcitrat
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von Calciumcitrat »

Normales weißes Druckpapier ist meistens recht dick mit Calciumcarbonat beschichtet, massetechnisch oft mehr Carbonat als Zellstoff.


Zum Thema Hem: Im mit Sauerstoff "beladenem" Zustand hängt axial ein Superoxid am Fe(III). Inwiefern das dann mit Wasserstoffperoxid reagiert weiß ich nicht. So wie es gezeichnet ist (Oxoligand, der das Superoxid ersetzt?) wäre es Fe(IV). Das ist erstmal nicht ungewöhnlich als Intermediat in biologischen Eisenredoxprozessen, kommt mir als Endprodukt aber etwas spanisch vor. Ich denke es agiert nur als Kat. (sowohl Fe(II) wie auch Fe(III)), welches die Zersetzung des Wasserstoffperoxids beschleunigt (Periodat klappt ja auch, da wird das I(VII) ja auch nicht zu I(VIII)).

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mgritsch
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

Heliumoxid hat geschrieben:
Sonntag 16. Januar 2022, 23:00
1) Beim Wagenaar-Test schreibst Du : Das Papier enthält im Strich Calciumcarbonat. Woher ? Habe ich etwas überlesen ?
Wie calciumcitrat schrieb - bei der Herstellung von Papier und Karton das für Druck-Zwecke geeignet ist, wird die Oberfläche bei der Herstellung beschichtet, der sogenannte „Strich“. Zum Einsatz kommen vor allem Calciumcarbonat, Kaolin und ggfs. auch TiO2. Die Oberfläche wird dadurch glatt, einheitlich weiß und Druckfarben zerfließen nicht (sonst hättest du Löschpapier…)

Aschefrei ist das natürlich nicht ;)
2) Wie spezifisch ist Wagenaar- und Takayama-Test ? Zum Einen bzgl. anderen einfach Metallsalzen aber auch z.B. bzgl. Chlorophyl und Cyanocobalamin (Vit. B12)
Es sind (waren?) offiziell anerkannte Methoden zur Bestätigung, also ja, ist spezifisch. Natürlich können Menge und Verunreinigungen die Kristallisation beeinflussen, von daher braucht es wohl eine gewisse Erfahrung in der Beurteilung.

Chlorophyll mit seinem Mg kann nicht so leicht andere Liganden binden, bei Cobalamin ist eine Koordinationsstelle ohnehin schon intramolekular besetzt. Die Kristalle sind bei Einhaltung der Bedingungen in Form und Farbe genauso spezifisch wie Berlinerblau für Fe, Verwechslungen mit Mg oder Co wohl kaum möglich. Anorganische erst recht.

aliquis
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von aliquis »

mgritsch hat geschrieben:
Sonntag 16. Januar 2022, 21:54
Gib dir nicht zu viel Mühe. Einen Artikel nennenswerter Länge gehe ich noch einige Male durch… sowas schreibt man selten in einem runter und fertig…
Ich hatte meinen ersten Artikel zunächst immer wieder als Entwurf zwischengespeichert und erst nach Fertigstellung und Korrekturlesen gepostet...
Ich dachte, das macht man so... :oops:

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mgritsch
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

Calciumcitrat hat geschrieben:
Sonntag 16. Januar 2022, 23:58
kommt mir als Endprodukt aber etwas spanisch vor. Ich denke es agiert nur als Kat. (sowohl Fe(II) wie auch Fe(III)), welches die Zersetzung des Wasserstoffperoxids beschleunigt (Periodat klappt ja auch, da wird das I(VII) ja auch nicht zu I(VIII)).
Genau, nichts anderes war gemeint, es tritt nur als Kat auf um O von Peroxid auf die Leukofarben bzw. das Luminol zu übertragen.
Peroxid kann es auch zersetzen (kennt man… Elefantenzahnpasta geht auch mit Blut…), in dem Fall dürfte die Übertragung auf die anwesenden starken Reduktionsmittel überwiegen.

Hypothese (oder Wissensstand von 1987?) war dass Hämoglobin zunächst an der Luft zu Methämoglobin oxidiert und das „Methäm“ sei dann der Peroxid-Überträger.

P.s.: ist wohl genau so:
„ The oxidation state switching of the central iron is between III (ferric state) and IV (ferryl state) and traverses through a three stage cycle, the so-called peroxidative cycle, when a hydrogen donor (AH) and a peroxide (H2O2) are present“
https://doi.org/10.1021/acsomega.8b03564

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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

aliquis hat geschrieben:
Montag 17. Januar 2022, 00:26
Ich hatte meinen ersten Artikel zunächst immer wieder als Entwurf zwischengespeichert und erst nach Fertigstellung und Korrekturlesen gepostet...
Dem Entwurf traue ich nicht. Ob der nach Schließen des Browsers auch noch da ist… und er schafft es IIRC nicht Bilder mit einem Entwurf zu speichern, die wären dann weg.
Dafür haben wir ja eine Artikelschmiede, um in Ruhe alles ausarbeiten zu können, auch wenn noch Feinschliff fehlt.

aliquis
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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von aliquis »

Ja, stimmt. Die Bilder hatte ich ganz zum Schluss eingefügt (vom Handy aus). Gut möglich, dass mein bilderloser Text da schon in der Schmiede stand... Aber die Hyperverlinkung sowie die GHS-Symbole klappen auch im Entwurf.
Wenn ich es nicht in einem Zuge fertigstellen würde/könnte, würde ich den "Rohbau" vermutlich auch lieber schon mal posten - und einen entsprechenden Vermerk dazusetzen.
Längere Texte entwerfe ich für jegliche Anwendung lieber erst in Word und kopiere sie dann anschließend rüber - sicher ist sicher.

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Re: Forensische Chemie: Nachweis von Blutspuren

Beitrag von mgritsch »

Oft genug gibt es noch gute Inputs und Korrekturen (wie zB hier von calciumcitrat), das ist ja Sinn des Peer Review hier. Und da wahrscheinlich sowieso noch das eine oder andere verbessert wird und Rechtschreibung korrigiert… muss nicht auf Anhieb perfekt sein. Anfangs besser Fokus auf Inhalte, Form zuletzt.

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