Mangan ist bekannt für seine vielfarbigen Oxidationsstufen. Farbenfrohe Mangan(IV)-Salze sind allerdings weitestgehend unbekannt. Die bekannteste, der Braunstein MnO2, ist schwarz gefärbt. Im Folgenden soll eine ungewöhliche, rote Mangan(IV)-Verbindung dargestellt werden.
Geräte:
Bechergläser, Erlenmeyerkolben, Trichter, Filterpapier, Abdampfschale, Heizplatte mit Magnetrührer, Büchnertrichter, Saugflasche und Vakumpumpe
Chemikalien:
Mangan(IV)-oxid


Mangan(II)-chlorid




Mangan(II)-sulfat-Monohydrat



Kaliumperiodat


Natriumorthoperiodat




Schwefelsäure

Salzsäure

Kalium-Mangan(IV)-periodat-Hemihydrat




Natrium-Mangan(IV)-periodat-Hemihydrat




Hinweis:
Braunstein und Kohle färben Oberflächen hartnäckig schwarz. Beim Auflösen von Braunstein in Salzsäure entsteht giftiges Chlor!
Durchführung:
Mangan(II)-chlorid aus Batterie-Braunstein:
Der für den Versuch benötigte Braunstein kann aus Zink-Kohle-Batterien gewonnen werden. Falls jedoch reines MnO2 oder gar MnCl2 oder MnSO4 zur Verfügung steht, kann der Versuch stark abgekürzt werden, da die Batteriepaste stark verunreinigt ist.
Für die Extraktion empfehlen sich D-Batterien. Es muss sichergestellt werden, dass es sich tatsächlich um Zink-Kohle-Batterien handelt und nicht etwa um Alkali-Mangan-Batterien! Dann kann mit einer Zange das Blechgehäuse vorsichtig eingerissen werden, wodurch das Zink der Batterie freigelegt wird. Der Kohlestab wird entfernt und die pastöse schwarze Masse wird entnommen. Sie enthält den Braunstein, aber auch Kohlestaub, Eisensalze und Ammoniumchlorid sowie Zinksalze als Elektrolyte. Die Paste wird in warmen Wasser aufgeschlämmt und filtriert, der Filterrückstand wird erneut aufgeschlemmt und wieder filtriert, danach gut ausgewaschen. Somit werden die löslichen Verunreinigungen entfernt. Die schwarze Paste haftet stark an Oberflächen.[9]. Sie kann getrocknet werden, muss sie aber nicht. In meinem Fall lag dieser Versuchsteil schon lange zurück, und daher bin ich mit dem getrockneten Gemisch fortgefahren.
20 g des Pulvers werden in einem Kolben mit 120 mL Salzsäure 30 % übergossen. Achtung, hierbei entsteht Chlor, es muss draußen gearbeitet werden, besser noch mit NaOH-Gaswaschflasche oder Trichterfalle (wird im folgenden erklärt)! Das noch feuchte Mangan(IV)-oxid ist möglicherweise aktiver als mein getrocknetes Pulver und könnte schneller Chlor freisetzen. Das Gemisch neigt auch zum Schäumen. Der Kolben wurde über Nacht stehen gelassen.
Die Trichterfalle wird wie folgt aufgebaut: Ein Trichter mit kleinerem Durchmesser als ein Becherglas wird mit einem Schlauch verbunden. In das Becherglas wird nun ein Volumen an Natriumcarbonatlösung gegeben, das den Trichter nicht mehr als zur Hälte füllt. Diese Konstruktion dient dazu, den durch Lösen von HCl oder Chlor erzeugten Unterdruck bedingtes Ansaugen der Waschlösung in das Reaktionsgefäß zu verhinden. Strömt Gas vorwärts, verdrängt es die Flüssigkeit und passiert die Waschlösung. Entsteht ein Unterdruck, wird die Waschlösung angesaugt, aber da sie in begrenztem Volumen zur Verfügung steht kann sie nicht bis ans Trichterende gelangen. Luft wird nachgesaugt, was verhindet, dass die Carbonatlösung im Kolben landet. Eine Sicherheitswaschflasche erfüllt genau diesen Zweck, ist aber nicht immer verfügbar.
Am nächsten Morgen wird der Kolben - falls nicht schon geschehen - mit einem Schlauch versehen, der in einem Becherglas mit Trichterfalle und Natriumcarbonatlösung endet. Das Gemisch wird mit dem Magnetrührer etwa eine Stunde erhitzt, bis die die Chlorentwicklung versiegt ist. Eine komplette Klärung der Lösung kann nur bei reinem Mangan(IV)-oxid erfolgen, da Batterien aber auch unlösliches Kohlepulver enthalten wird die Lösung bis zum Schluss eine schwarze Suspension bleiben. Die Lösung wird durch zwei Kaffeefilter filtriert und die nun braune Lösung eingedampft. Die Lösung ist durch Eisen verfärbt, was im Allgemeinen als schwer zu entfernen gilt. Man kann sich aber eines Tricks bedienen: die Lösung wird bis zur Trockne eingedampft (gegen Ende: Achtung! Spritzgefahr!) und der Feststoff anschließend auf circa 300 °C erhitzt. Hierbei entwässert das Mangan(II)-chlorid, die Eisenchloride jedoch zersetzen sich zu unlöslichen Oxiden. Die entstehenden Klumpen werden gemörsert und erneut auf 300 °C erhitzt. Anschließend wird die Lösung mit 50 mL warmen Wasser aufgeschlämmt und filtriert, wobei ein klares, leicht pinkfarbenes Filtrat erhalten wird. Das auf dem Filter verbleibende Eisenoxid kann entsorgt werden.
Diese Manganlösung kann nun erneut eingedampft werden. Dabei erhält man Mangan(II)-chlorid mit nur minimaler Eisenverunreinigung, die für den folgenden Versuch ohne Belang ist. Beim fortgesetzten Erhitzen an der Luft kann sich das Mangan(II)-chlorid allerdings ebenfalls zu Oxiden zersetzen, was durch eine Verfärbung ins Bräunliche erkennbar ist.[5]
Ausbeute: ca. 13 g Mangan(II)-chlorid
Kaliumsalz:
Für die Darstellung der Periodato-Verbindungen wird Mangan(II)-sulfat benötigt. Da die Reaktion aber im sauren Bereich durchgeführt wird, kann es vor der Reaktion in situ dargestellt werden. 0,60 g (4,76 mmol) Mangan(II)-chlorid werden in 6 g (59 mmol) 96%iger Schwefelsäure gelöst. Dabei entsteht gasförmiger Chlorwasserstoff, die Reaktion muss draußen oder im Abzug durchgeführt werden! Nicht alles Manganchlorid löst sich. Die Suspension wird unter Rühren auf 50 °C erwärmt, um restlichen Chlorwasserstoff zu vertreiben. Zu starkes Erhitzen ist zu vermeiden, da sonst eventuell ein Teil des Mangan(II) zu Mangan(III) oxidiert werden könnte. Dann wird die Lösung abkühlen gelassen, da sie im nächsten Schritt verdünnt wird, was stark exotherm ist. Die Lösung wird sehr langsam unter starkem Rühren in 60 mL kaltes destilliertes Wasser gegeben.[Anmerkung 1] Zu dieser gut gerührten Lösung, die sich beim Rühren klärt, werden 1,60 g (7 mmol) Kaliumperiodat (KIO4) gegeben, welches sich bald auflöst. Die Lösung wird auf etwa 100 mL verdünnt.
Die noch immer leicht rosafarbene Lösung wird mit einem Thermometer versehen und unter Rühren auf 40 °C erwärmt. Bereits nach einer Minute beginnt die Lösung sich über orange nach rot zu verfärben und die Bildung eines roten Niederschlages beginnt. Die Lösung wird bei 40 °C für 4 Stunden gerührt, wonach der rote Niederschlag abgenutscht und mit etwas kaltem Wasser gewaschen wird. Der granatapfelfarbene Festoff wird bei Raumtemperatur (idealerweise in einem Exikkator) getrocknet.
Ausbeute: 0,875 g (2,68 mmol = 77 %) Kalium-Mangan(IV)-periodat-Hemihydrat, KMnIO6 · 1/2 H2O
Natriumsalz:
Das Natriumsalz kann analog dargestellt werden: Es werden 0,50 g (2,96 mmol) Mangansulfat-Monohydrat in 25 mL Wasser mit 3 Tropfen 35,8%iger Schwefelsäure gelöst, zu welcher eine Lösung von 7,7 g (28 mmol) 35,8%iger Schwefelsäure, 1 g (3,67 mmol) Natriumperiodat (Na2H3IO6)[1] und 30 mL Wasser gegeben wird. Das Gemisch wird 4 Stunden bei 40 °C gerührt, der rote Niederschlag abgenutscht, gewaschen und dann im Exikkator über NaOH bis zur Gewichtskonstanz getrocknet (nach etwas weniger als einer Woche der Fall).
Dieser Teil der Synthese wurde von Cobalt durchgeführt, einem guten Freund, der mir auch erlaubt hat, seine Bilder zu verwenden. An dieser Stelle vielen Dank an ihn!
Ausbeute: 0,467 g (1,5 mmol, 82 %) Natrium-Mangan(IV)-periodat-Hemihydrat NaMnIO6 · 1/2 H2O
Anmerkung:
1 - Diese Lösung kann auch mit 0,80 g (4,73 mmol) Mangan(II)-sulfat-Monohydrat und der gleichen Menge Schwefelsäure und Wasser dargestellt werden.
Entsorgung:
Die Kohlestäbe und die Zinkhüllen der Batterien können aufgehoben werden. Die Filterrückstände mit dem Kohlepulver und dem Eisenoxid können im Hausmüll entsorgt werden. Die Restlösungen der Mangan(IV)-Salze werden in den Schwermetallabfall gegeben.
Erklärung:
Die Batteriepaste in einer Zink-Kohle-Batterie enthält Braunstein, Kohlepulver, Elektrolytsalze und Eisen als Verunreinigung. Durch das Auswaschen werden die löslichen Elektrolytsalze entfernt, wodurch ein unreines Braunstein-Kohle-Gemisch zurückbleibt. Salzsäure löst den Braunstein und das Eisen, wobei Chlor entsteht:[5]
MnO2 + 4 HCl → MnCl2 + 2 H2O + Cl2
Das Kohlepulver ist unlöslich und kann durch Filtration entfernt werden. Beim Abdampfen zersetzen sich die Eisenchloride zu Oxiden, während das Manganchlorid entwässert und weitestgehend unverändert bleibt:[5]
FeCl3 + 2 H2O → FeO(OH) + 3 HCl
2 FeO(OH) → Fe2O3 + H2O
Die Eisenoxide sind unlöslich und können daher ebenfalls leicht entfernt werden. Zurück bleibt eine Lösung von Mangan(II)-chlorid. Durch Abdampfen wird es in fester Form erhalten (leicht mit Manganoxiden verunreinigt).[5]
Die Reaktion des Mangan(II) mit dem Periodat ist sehr spannend und kann sogar zufällig in der qualitativen Analyse beobachtet werden. Beim Mangannachweis kann Mn(II) beispielsweise mit Periodat oxidiert werden, wobei die charakteristische violette Farbe von Permanganat entsteht:[2]
2 Mn2+ + 5 IO4- + 3 H2O → 2 MnO4- + 5 IO3- + 6 H+
Kein Lehrbuch scheint allerdings Notiz davon zu nehmen, dass bei dieser Reaktion auch die roten unlöslichen Mangan(IV)-Periodate ausfallen können. Tatsächlich scheinen diese Verbindungen, in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich mit Leichtigkeit bei einer üblichen Nachweisreaktion bilden können, überraschend wenig bekannt zu sein.[8] Der Grund mag darin liegen, dass überschüssiges Periodat löslicherere Periodatokomplexe bildet,[3][4] weshalb in der obigen Vorschrift ein zu großer Überschuss an Periodat zu vermeiden ist.[7] In einer tatsächlichen, qualitativen Nachweisreaktion auf Mangan ist ein Überschuss an Periodat fast sicher. Beim Durchführen einer Vergleichsprobe/Positivkontrolle (Zugabe von Mn(II)-Salz) kann der rote Niederschlag jedoch verhältnismäßig oft zufällig beobachtet werden.
Die Bildung der roten Niederschläge läuft wie folgt ab:[7]
MnSO4 + 2 Na2H3IO6 → NaMnIO6 + NaIO3 + Na2SO4 + 3 H2O
MnSO4 + 2 KIO4 + H2O → KMnIO6 + KIO3 + H2SO4
Dabei fallen jeweils die Hemihydrate an.
Bilder:
Der Braunstein reagiert mit der Salzsäure
Die eisenhaltige Manganlösung
Das mit Eisenoxiden verunreinigte Mangan(II)-chlorid
Die nun weitesgehend eisenfreie Mangan(II)-lösung
Trockenes Mangan(II)-chlorid
Die Reaktionslösung für die Mangan(IV)-Salze in der Kälte
Bei Beginn des Erwärmens beginnt sich die Lösung zu verfärben
Wenige Minuten später hat sich bereits ein roter Niederschlag gebildet, der sich im Verlauf der folgenden Stunden noch vermehrt
Das noch leicht feuchte, abgenutschte Kaliumsalz KMnIO6 · 1/2 H2O
Das Natriumsalz NaMnIO6 · 1/2 H2O mit freundlicher Erlaubnis von Cobalt
Quellen:
[1] - Periodate salts made accessible for many home chemists, Woelen, https://woelen.homescience.net/science/ ... index.html
[2] - Qualitative Anorganische Analyse - Begleitbuch für das Arbeiten mit Trennungsgang, Marcus Herbig, Jörg Wagler, Springer Spektrum 2018, ISBN: 978-3-662-57850-6, https://doi.org/10.1007/978-3-662-57850-6
[3] - Kinetics of the Periodate Oxidation of Manganese to Permanganate, Glenn R. Waterbury, Anson Mack Hayes, and Don S. Martin Jr., J. Am. Chem. Soc. 1952, 74, 1, 15–20 https://doi.org/10.1021/ja01121a004
[4] - Complex Manganese Periodates, M. W. Lister and Y. Yoshino, Canadian Journal of Chemistry, Vol. 38, S. 1291f., 1960, https://doi.org/10.1139/v60-182
[5] - Gmelin-Krauts Handbuch der anorganischen Chemie, Herausgeber C. Friedheim, 7. Auflage Heidelberg 1908, Band III Abteilung 2, Seite 300, 310 und 356, Digitalisiert unter https://archive.org/details/gmelinkrautshand33gmel
[6] - On some manganic periodates, W. B. Prince, American Chemical Journal, Vol. 30, 1903, Seite 182, Digitalisiert unter https://archive.org/details/americanche ... t/page/182
[7] - The Compounds KMnIO6 and NaMnIO6, Ilse Reimer and M. W. Lister, Canadian Journal of Chemistry, Vol. 39, S. 2431f., 1961, https://doi.org/10.1139/v61-322
[8] - Colorful precipitates of metal periodates, Woelen, https://woelen.homescience.net/science/ ... dates.html
[9] - Getting Manganese Dioxide, Zinc and Carbon from Batteries, NileRed https://youtu.be/XC5q9mDKUCo