Penicillin von penicilliniumpilz

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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Shark
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Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Shark »

Hallo liebe Gemeinde ich steh noch ganz am Anfang vll kann mir hier jmd weiter helfen.
Ich hab vor einigen Wochen eine Zitrone in 2 Hälften geschnitten und in ein Becher Glas gelegt und mit frischhalte Folie abgedeckt jetzt hat sich überall der penicilium Pilz verbreitet.
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Es soll ja über 100 dieser pilzarten geben und das ist einer davon.
Jetzt will ich wieder Zitronen in Stücke schneiden und alles einmal aufkochen lassen und wieder abkühlen lassen sodas die Flüssigkeit (destilliert es Wasser + Zitronen) steril ist jetzt will ich ein paar Sporen nehmen und so dort weiter kultivieren.
Jetzt meine Frage wie kann man jetzt das Penicillin dort raus bekommen das man es als Medikament nehmen könnte und verträglich wird(hab nicht vor es einzunehmen nicht al wenn es rein genug sein könnte) will nur den Prozess durchführen und verstehen wie antibiotika hergestellt werden.

Glaskocher
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Glaskocher »

Vergiss zunächst mal die Idee, daraus ein Medikament zur Selbsttherapie herstellen zu können. Begnüge Dich zunächst damit, überhaupt die antibiotische Wirkung sicher nachweisen zu können.

Von den Natürlichen Arten Penicillium-Pilz haben nur ganz wenige die Fähigkeit, das Penicillin in erntewürdiger Menge herzustellen. Da müßtest Du zuerst mal viel Literatur (Fachmagazine der Mikrobiologie und Chemie, sowie Patente) wälzen, um die aktuell kultivierte Art zu bestimmen. Du brauchst "etwas" mehr, als nur ein mit Folie verschlossenes Becherglas, um die antibakterielle Wirkung der Kultur nachweisen zu können. Außerdem brauchst Du als Fundament das Wissen und die Ausrüstung, steril arbeiten zu können. Dazu kommt beim Umgang damit der Eigenschutz und die sichere Entsorgung der anfallenden Abfälle.

Das ist eine völlig andere Welt, als einen derivatisierten Benzoesäureethylester herzustellen! Beherrsche zunächst den sicheren Umgang mit Chemikalien, bevor Du einen Ausflug in die Mikrobiologie machst. Ein weißes Pilzgeflecht ist ungefähr so spezifisch wie ein zweibeiniger Mensch. Zur Bestimmung brauchst Du mikroskopische Färbetechniken, spezielle Nährböden und weitere Nachweisreagenzien.

Xyrofl
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Xyrofl »

Zu der Herstellungsweise der Penicilline kommst du ohnehin quasi von selbst wenn du dir die Grundlagen der laborüblichen Trennverfahren beibringst, denn es ist ja eigentlich nur ein Reinigungsverfahren. Erst einmal willst du nachweisen, dass darin ein antibiotischer Stoff ist, dann willst du den extrahieren und die Extrakte willst du aufreinigen, bis du den Reinstoff isoliert hast. Dafür gibt es viele Mittel und Wege, aber bei Schimmelpilzen ist das natürlich ungleich schwerer als bei unreinen Laborpräparaten oder von mir aus auch Pflanzenmaterial. Es gibt also tausende andere Versuche, die man vorher machen sollte - nicht weil an dem Penicillin-Versuch irgendetwas schlimm wäre, ganz im Gegenteil, das ist ein absolut sinniger Versuch, aber es macht einfach keinen Spaß wenn man nur scheitern kann, da die Anforderungen das Machbare übersteigen. Stell dir vor, ich nehme von deinem Benzocain-Präparat wenige Milligramm und koche das mit einem Pfund verdorbenen Essensresten zusammen und dann sollst du wieder reines, schönes Benzocain gewinnen. Das ist in etwa die Schwierigkeit dieses Versuchs.

Shark
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Shark »

Es ist aufjedenfall irgendein Pilz der Penicillin bildet, der Pilz auf der Zitrone sieht ganz verdächtig so aus. ich könnte ihn unter das microskop legen und erstmal schauen ob es dieser Pilz ist. Wenn er pinzel am obersten Ende hat ist er eine Art davon (Penicillin heißt Pinsel übersetzt) daher auch der Name.
Und die Merkmale hat er auch hab ihn beobachtet und bei Wikipedia steht erst bildet sich grüner schimmel der dann weiße Fäden ausbildet genau wie auf der Zitrone.
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lemmi
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von lemmi »

Hast du ein Mikroskop? Dann kannst du als ersten Schritt ja mal versuchen zu gucken, ob es überhaupt irgendeine Art von Penicillium ist . Das ist nicht so schwer. Dazu muss man ganz wenig (!) von dem Pilz auf einen Objektträger bringen, mit einem flüssigen Medium (kein Wasser! ), am besten eine Mischung aus gleichen Teilen Alkohol und Glycerin, versetzen und dann ein Deckglas auflegen. Zum Erkennen der typischen Sporenträger ("Pinsel) reicht eine niedrige Vergrößerung von etwa 100 Mal. Alternativ kannst du auch versuchen, ein wenig (!) von dem Schimmel mit Hilfe eines Tesafilm abzutupfen und dann den Tesafilm auf den Objektträger kleben.
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Shark
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Shark »

Ich will mir demnächst ein microskop zulegen dann mach ich das. Ich will mir kein Medikament zur tatsächlichen Anwendung draus machen bin nur neugierig wie das geht mit der Antibiotika herstellung ich glaub auch nicht das es mit jeder Art vom Pinsel schimmel funktioniert. Hab mal eine Doku darüber gesehen von der enddeckung des schimmel penicilinium bis zur kommerziellen Vermarktung sind fast 8 Jahre vergangen. Ich geh mal davon aus das wenn man eine infektion bekommt die tödlich verlaufen würde und man den Pilz auf meiner Zitrone essen würde würde man sicher ganz schön magenschmerzen bekommen und die Überlebenschance steigt vll um 5 bis 10% wo hingegen eine Kultur wie in den heutigen Antibiotika enthalten ist dein Leben zu 95 % sichern würde.
Was ich damit sagen will selbst wenn es einer wäre glaub ich kaum das es signifikant zum überleben beitragen würde.
Aber trotzdem wäre es mal cool zu wissen wie es weiter verläuft vom Schimmelpilz bis hin zum Medikament die einzelnen Schritte.

Calciumcitrat
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Calciumcitrat »

In Antibiotika sind keine Kulturen erhalten, sondern der Reinstoff. "Normales" Penicillin (G?) ist auch säurelabil, wird also im Magen gespalten und muss dementsprechend i.v. gegeben werden. Die modernen Abkömmlinge sind entweder mit alternativen Substraten biosynthetisch hergestellt, durch komplett unbiologische Synthese oder durch Derivatisierung erzeugt...

(Und es gibt natürlich auch viele Antibiotikaklasse, die nichts mit Penicillin gemein haben...)

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lemmi
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von lemmi »

Das klassische Penicillin ist das Penicillin G (heutiger INN: Benzylpenicillin). Es war vor knapp 100 Jahren eine riesige Leistung der (bio)technischen Chemie (und hat Jahre intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit gebraucht) aus der Kulturbrühe von Penicillium notatum ein verwendbares Medikament zu gewinnen. Die Dosierung von Penicillin G wird heute noch in “Einheiten“ angegeben, weil man am Anfang nur unreine Präparate zur Verfügung hatte und die Wirksamkeit daher biologisch im Labor ermittelt hat ( so ähnlich wie die Froschdosen beim Digitalis). Je besser die Reinigungsverfahren wurden desto mehr "Einheiten" pro Milligramm Penicillin waren vorhanden.
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mgritsch
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben:
Freitag 19. Februar 2021, 15:20
Wirksamkeit daher biologisch im Labor ermittelt hat ( so ähnlich wie die Froschdosen beim Digitalis).
bitte um Aufklärung was "Froschdosen" sind :) Ich nehme mal an keine grünen Beine in Blechbüchse ;)

Glaskocher
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Glaskocher »

Bei diesen "Froschdosen" handelt(e) es sich tatsächlich um die LD(min)-Dosen, die bei vergleichbaren Tieren zum Tode führten.
Siehe jenes Paper...
Nur ein Suchergebnis für "Froschdosen beim Digitalis" kopiert, mehrere vorhanden.

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mgritsch
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von mgritsch »

Ich habe bisher nur LD50 Angaben für Rat, Mouse, Rabbit und so gesehen, Säugetiere halt. Dass man dafür justament Frösche nimmt finde ich sehr eigentümlich? Warum? Von Amphibien/Reptilien würde ich am wenigsten Übertragbarkeit auf den Menschen erwarten - macht für mich keinen Sinn :out:

Xyrofl
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von Xyrofl »

Ich glaube, es geht da auch nicht um Übertragbarkeit, sondern darum möglichst viele, billige Standardtiere zur Hand zu haben mit denen man die Menge abmessen kann. Solange man davon ausgehen kann, dass die tödliche Dosis pro Frosch relativ konstant ist, bekommt man so ein mehr oder weniger genaues Maß der Wirkdosis (solange keine unbekannten, störenden Froschgifte enthalten sind). Der Frosch übernimmt da wohl eher die Aufgabe einer Pipette oder Waage und dient nicht als möglichst menschenähnliches Tiermodell.

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lemmi
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Re: Penicillin von penicilliniumpilz

Beitrag von lemmi »

Genau genau so ist es . Das Tiermodell dient hier lediglich zur biologischen Standardisierung einer Wirkung ohne dass eine Übertragbarkeit auf den Menschen von Bedeutung wäre. Mit der Reindarstellung der Substanzen und der Möglichkeit , sie einfach nach Gewicht zu dosieren, ist diese Notwendigkeit entfallen.
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