Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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TroubadixRhenus
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Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von TroubadixRhenus »

Hallo allerseits,

ich denke ja, dass es eher selten der Fall ist, dass sich Privatpersonen als Hobby ein Chemielabor einrichten, bzw. „merkwürdige Apparaturen“ im Keller oder in der Küche aufbauen. Ich muss mir selber immer wieder Sachen anhören wie: Wenn Dir mal die 👮‍♂️ ins Haus kommt, ect... Bei vielen Menschen reicht es wohl auch schon, wenn sie ein paar „typisch chemische“ Glasapparaturen sehen, und spätestens bei der Kombination Heizpilz, Rundkolben und Liebigkühler im privaten Umfeld scheint für viele klar zu sein, dass da etwas „ganz schlimmes“ passiert: etwa die Herstellung von Sprengstoff, Drogen oder (im vergleichsweise noch harmlosen Fall) illegaler Schnapsbrennerei.

Die private Beschäftigung mit Chemie scheint für viele Menschen hoch-suspekt zu sein. Und spätestens wenn man bei offenem Fenster arbeitet, weil ab einer gewissen Konzentration sogar harmlose Gerüche irgendwann zu viel werden und man das Fenster öffnen möchte, schauen einem ggf. die Leute von draußen ins Labor und denken sich mitunter sicher sonst was. Eventuell klingelt dann tatsächlich auch mal ein Uniformierter, schlimmstenfalls einer von der Sorte, für die alles Chemische eh Teufelszeug ist, und wer sogar privat damit hantiert, der kann nur schlimme Dinge im Sinn haben...

Habt ihr da schonmal Erfahrungen mit gemacht? Wie geht ihr damit um?

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immi07
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von immi07 »

Hallo TroubadixRhenus,

das hängt, wie bei jedem Maschendrahtzaun/Knallebsenstrauch Problem vom Verhältnis zu den Nachbarn ab. Johanna bekommt von den Nachbarn Düngertüten für die Kristallexperimente und Glaswaren. Eine Gaswaschflasche, der Messzylinder und so komische Thermobehälter aus verspiegeltem Glas haben sie angeschleppt. Und über meinen Kumpel, 8 Häuser weiter, der uns auf die Kristallidee gebracht, wird geredet. Und Johanna sagt dann den Nachbarn, daß das alles ok ist und zeigt ihre Kristalle und dann ist erst mal wieder Ruhe. Auf die Leute zugehen hilft als einziges gegen Vorurteile.
Meine Meinung.
Gruß Thomas

Dem Postboten und dem Hermesfahrer haben wir auch gezeigt, was sie da rumschleppen und warum.
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und Holz zu schlagen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Dann bauen sie das Schiff von alleine. Antoine de Saint-Exupéry

Du hast eine Handvoll Brombeeren und wirfst sie zur Erde. Sie verbinden sich mit der Erde zu Erdbeeren. Und Brom wird frei.

BJ68
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von BJ68 »

Meine Wenigkeit hat sich da Photographie oder besser "Alternative Photographie" https://www.alternativephotography.com ausgesucht....wird besser verdaut als die private Beschäftigung mit Chemie.

bj68

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mgritsch
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von mgritsch »

Leider hat sich die Wahrnehmung von Wissenschaft und Technik in den letzten Jahren nicht sehr zum positiven gewandelt. War es früher überwiegend positiv besetzt, hat sich heute - wider alle Segnungen die wir täglich genießen - eine teils fast schon mittelalterliche Technikfeindlichkeit eingeschlichen. Wie anders sind 5G-Gegner zu erklären, alles wo "bio" oder sonst wie "alternativ" draufsteht ist mal prinzipiell besser egal was drin ist, "chemisch" ist schon fast ein Schimpfwort, alles löst mal prinzipiell Krebs aus, Verschwörungstheorien auf youtube sind glaubwürdiger als wissenschaftliche Versuche...

Ergänzt wird das ganze um ein gesellschaftliches Problem mit Wahrnehmung und dem Umgang mit Terrorismus und Drogen - zwei Themen wo die Chemie halt wie in allen Lebenslagen auch einen Beitrag leisten kann.

Und ergänzt wird das ganze um eine gewisse Erosion im Bildungssystem - bloß rasch Geld verdienen egal womit, Lehrpläne und Studienpläne verkürzen und alles raus was nicht unbedingt muss, Schulsysteme die aus dogmatischen Gründen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner statt Förderung von Exzellenz abzielen, Autoritätsverlust bei Lehrpersonal...

Medien tragen das Ihre dazu bei - nur schreckliche Nachrichten sorgen für Verkaufszahlen und Klicks. Ihr Geschäftsmodell ist das Schüren von Ängsten, das ausweiden der angeborenen Sensationsgier des Menschen.

Das alles summiert sich dann in einer Entwicklung wo immer uninformiertere Menschen von immer mehr Ängsten geplagt werden. Als "wissender" bist du prinzipiell suspekt, sei es weil du ein "Nerd" bist der sich mit so abstrusen Sachen beschäftigt oder du kommst gleich in den Generalverdacht dass das nur was illegales sein kann was du da treibst.

Mit unserer kleinen Insel hier (Gallisches Dorf?) versuchen wir dem ein klein wenig entgegenzuhalten - Wissen, Interesse, Diskurs, Fakten aber vor allem Spaß an der Materie zu transportieren.

Den Ansatz:
immi07 hat geschrieben:
Mittwoch 10. Februar 2021, 13:04
Auf die Leute zugehen hilft als einziges gegen Vorurteile.
kann ich nur zu 100% unterschreiben - wenngleich man leider aus den genannten Gründen damit sehr vorsichtig sein muss wenn man sich unnötigen Ärger durch "besorgte Bürger" oder Behörden ersparen will. Letztere finden leider immer irgend einen Strick den sie aus dem §§§-Dschungel stricken können, sei es der Besitz, die Verwahrung, die Gefährdungsmöglichkeit, die Umwelt, der Brandschutz...
Ganz ins Reich der Theorien und Ängste gehört das leider nicht - Ende der 00'er-Jahre gabs ja zB in Deutschland mal so eine Hysterie-Welle an Hausdurchsuchungen harmloser Hobbychemiker. Das hat tiefe Wunden hinterlassen. Und die Gesetzeslage wurde seit dem nicht günstiger für uns.

So gesehen ist "low profile" leider auch in gewissem Maße erforderlich.
Interessierte, vertrauenswürdige Nachbarn - super. Ob man wirklich jedem Postler auch alles auf die Nase binden muss? Wem man in der Schule was erzählt? Das Internet hat uns auch transparenter gemacht...
Selbst wenn du eine absolut weiße Weste hast - die Konsequenzen wenn du in einer Rasterfahndung halt "ins Profil" passt und dich dann den (uninformierten) Uniformierten gegenüber erst mal in einer Beweislast-Umkehr findest sind zumindest mühsam.

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immi07
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von immi07 »

Hallo mgritsch,

der Postmann kam mit nem aufgerissen Briefumschlag, wo man die Plastiktüte mit den blauen Kristallen sehen konnte. Da hat Johanna ihm ein paar Kristalle gezeigt und ihm eine Kochsalzpyramide in Schachtel geschenkt. Seitdem fragt er immer mal wieder obs schon was neues gibt...

Gruß Thomas
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mgritsch
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von mgritsch »

Ich glaube Kinder haben da vielleicht generell einen leichteren und direkteren und einfacheren Zugang :) Da ist der Anfangsverdacht nicht da und wenn sie sowas machen ist das charmant und bewundernswert...

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immi07
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von immi07 »

Ja, wir stellen auch zu Ostern ne kleine Flasche Schnaps und zu Weihnachten einen Weihnachtmann zwischen die Gelben Säcke. Ist noch nie ein Sack stehen geblieben.

Gruß Thomas

Edit: Hallo Thomas, hab gerade Deine Vorstellung gelesen. Mit Duftpröbchen bist Du doch zu Ostern ganz weit vorne.
Gruß Thomas
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Xyrofl
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von Xyrofl »

Also wir hatten noch nie Probleme mit Nachbarn, die wegen chemischer Experimente die Polizei rufen. Wieso sollten sie auch. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Leute so etwas tun, aber ich wäre mir nicht einmal sicher, ob das häufiger ist als ein Einbruch, Handgreiflichkeiten oder sonstige grundlos feindliche Handlungen. Natürlich hängt das auch von der Gegend ab, aber dass sofort die Polizei gerufen wird, ist meiner Erfahrung nach eigentlich nicht normal. Mir läge es fern, die Polizei zu rufen weil einer der Nachbarn ein komisches Hobby hat. Und ich glaube, die meisten Nachbarn werden das genauso sehen. Damit sie sofort die Polizei rufen, sobald sie sehen dass man etwas tut, das illegal sein könnte, müssten sie einen direkt hassen. Das kriegt man natürlich hin wenn man immer Lärm und Gestank macht, aber wenn man unauffällig und freundlich ist, sehe ich keinen Grund warum sie einem gleich etwas Böses wollen würden. Das fällt ja auch auf sie zurück, weil es einen Nachbarschaftsstreit heraufbeschwört. Man muss immer davon ausgehen, dass die Nachbarn auch ganz normale Leute sind und normalerweise ruft man nicht einfach so die Polizei und will auch keinen Streit mit dem Nachbarn - ich will das nicht und die Leute, die ich kenne eigentlich auch nicht.

virgil
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von virgil »

Die ganzen Probleme mit dem Hobby fingen so richtig 2005 an und sind nur noch schlimmer geworden :

https://www.heise.de/tp/features/Terror ... 04157.html

TroubadixRhenus
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von TroubadixRhenus »

Meine Nachbarn machen mir auch absolut keine Sorgen. Da ist alles wunderbar. Zu denken geben mir schon eher Freunde und Bekannte. Nicht dass mich da einer anzählen wollte, aber einfach die Reaktion, wenn ich mal etwas erzähle. Eben auch der schon genannte Spruch, "Wenn bei Dir mal die Polizei zu Besuch kommt..." Eingentlich sollte man sagen können: "Na und?" Aber man ist eben kein Briefmarkensammler, und wer ein wenig aus der Reihe tanzt und eher seltene Hobbys pflegt, ist erstmal suspekt. Zumindest bei dem Einen oder Anderen.

Und wie Gesetze hier oft ausgelegt werden, weis man auch nicht. Aus einer einfachen Destillationsanlage kann einem unter Umständen angeblich schon ein Strick gedreht werden, weil - ja weil man eben u.A. damit auch schwarz brennen KÖNNTE. Und ich sehe durchaus die Möglichkeit, dass "im Zweifel" eben erstmal die gesamte Laboreinrichtung beschlagnahmt wird, wobei dann der Grund eigentlich ist, dass jemand ohne Chemiewissen nicht beurteilen kann, was der Sinn und Zweck dieses Hobbys ist, und aus dieser Unwissenheit + vielleicht auch der Unwilligkeit, sich mit sowas mal vorbehaltslos auseinander zu setzen. Und bei Unwissen ist dann ganz schnell die Angst da, sowie die entsprechenden Situationen. Neulich ging ein Joke zur das Netz, wo jemand mit ernster Mine vor "Chemikalien" im Trinkwasser warnte. "Dihydrogenmonoxyd" hieß der Übeltäter. Es war klar als Satire erkennbar, aber unzählige Menschen haben das ernst genommen. :wink:

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mgritsch
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von mgritsch »

virgil hat geschrieben:
Mittwoch 10. Februar 2021, 18:03
https://www.heise.de/tp/features/Terror ... 04157.html
daraus:
In einem Fall akzeptierte ein Richter in der Begründung eines Durchsuchungsbeschlusses sogar die Behauptung, Kupfersulfat, wie es in Chemiekästen für Kinder vorkommt, und Natriumhydroxid, wie es in 0,5 kg-Packungen in Supermärkten als Beseitigungsmittel für Verstopfungen im Sanitärbereich angeboten wird, seien explosionsgefährlich und erlaubnispflichtig nach § 27 Sprengstoffgesetz und der bloße Erwerb deshalb bereits strafbar. Der Richter ordnete wegen des Kaufs dieser Stoffe eine Durchsuchung von Wohnung, Geschäftsräumen und Fahrzeugen des Käufers an. In Wirklichkeit sind diese Chemikalien nicht als explosionsgefährlich eingestuft, und erlaubnispflichtig sind sie schon gar nicht. Da kein Fachmann hinzugezogen wurde, blieben diese eklatanten Fehler unbemerkt.
Das ist es, was mir wirklich Sorge bereitet.
Diese eklatante Inkompetenz der Beteiligten.
Ob sie daraus gelernt haben?

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immi07
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von immi07 »

Hallo,

sie werden nichts lernen und so sind wir also wieder beim Anfangsverdacht.

Kundenlisten der Händler - nicht beeinflußbar
offene Postsendungen - nach der oben genannten Geschichte erhalten die Verkäufer von mir eine entsprechende Nachricht
Kontaktpersonen - muß man halt sortieren, wem man was erzählt. Bei Kinder- und sonstigen Geburtstagen ist der Hobbyraum abgeschlossen. Johanna hat verstanden, warum sie in der Schule nichts erzählen soll.

Gruß Thomas

Edit meint, hier würde ein ziemlich flacher alter DDR - Witz zu den sozialistischen Bruderstaaten passen.
Kurzfassung: Geschwister kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon!
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Xyrofl
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von Xyrofl »

Eben auch der schon genannte Spruch, "Wenn bei Dir mal die Polizei zu Besuch kommt..." Eingentlich sollte man sagen können: "Na und?"
Nicht nur eigentlich. Wenn irgend jemand dir mit Schnapsbrennerei in Laborgeräten kommt, dann kannst du den herzhaft auslachen und das wars. Die sind viel zu teuer, zu klein und zu inert dafür. Für eine richtige Destillation verwendet man Geräte aus Kupfer, weil der Brand sonst nach Schwefel schmeckt. Sicher, du kannst Füllkörper aus Kupfer basteln und einsetzen, aber meine Güte, was bleibt dann noch über, wenn die teuren Spezialgeräte letzten Endes nicht besser sind als Kupferrohre aus dem Baumarkt? Jeder Heimwerker kann sich eine Brennanlage zusammenlöten, die alles in den Schatten stellt, was man sich aus Laborgeräten machen kann und es gibt ne Serie auf dmax wo man sieht, wie Leute das tun, weil das witzig ist und heutzutage in Deutschland keine ernsthafte Rolle spielt.
Wenn du dir einen ganzen Liter reinen Alkohol brennst, dann sind das etwa 10€ Steuervergehen. Dazu brauchst du Laborausrüstung, die weit mehr als das zehnfache kostet und vermutlich einen ganzen Tag. Das ist ein Verbrechen auf dem Level eines Klingelstreichs.

Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo jemand in Deutschland wegen Laborgeräten alleine Probleme bekommen hat, aber ich war selbst in die HD-Wellen vor zehn Jahren verwickelt. Es ging und geht immer nur um Chemikalien und zwar nur solche aus denen man Betäubungsmittel oder Sprengstoffe machen kann und nicht Stoffe wie Ethylacetat die sich zu steuerfreiem Alkohol umsetzen lassen. Wir sind nicht in den USA wo einige Bundestaaten angefangen haben Glasgeräte zu verbieten.

Wenn wirklich einmal die Polizei kommen sollte und dich wegen Laborgeräten alleine, nicht wegen verdächtiger Chemikalien angeht, dann ist das in etwas so eine sinnlose Repression als wenn der Onkel Polizist dich auf offener Straße wegen Drogen filzt und dir dabei aus bloßer Vorsicht ein Bein bricht, weil du ihm zu ausländisch oder zu alternativ aussiehst. Soll vorgekommen sein, ist aber sehr selten und absolut nicht zu vermeiden, wenn man bleiben will wie man ist.

TroubadixRhenus
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von TroubadixRhenus »

Danke für die kleine „Entwarnung“.

Im Zuge meiner „Schlaumachphase“, was Wasserdampfdestillation zur Herstellung ätherischer Öle angeht, habe ich gelesen, dass die „Brennblase“ einer Destillationsanlage in Deutschland max. 2Liter Inhalt haben darf. Zum Brennen von Ethanol darf so etwas allerdings nie ohne entsprechende Lizenz genutzt werden. Bis vor ein paar Jahren war dies noch für Kleinstmengen erlaubt - Größe der Brennblase max. 0,5 Liter. Gibts aber nicht mehr.

Klar wäre ein Steuerschaden bei solchen Kleinstmengen winzig, aber das Vergehen bleibt ja trotzdem bestehen. Man kann ja auch verknackt werden, wenn man im Supermarkt nur eine Dose Zahnstocher klaut. Gibt keine Freibeträge bis zu dem man straflos klauen kann. Im Steuerrecht wird das ähnlich sein.

Warum sollen Brantweinerzeugnisse aus Glasgeräten nach Schwefel schmecken? Borsillicatglas ist doch nicht schwefelhaltig. Habs aber noch nicht probiert. :mrgreen:

Was die Kollegen sonst so geschrieben haben: Auch dafür nochmal vielen Dank! Obwohl die Konsequenz sein könnte, sich besser wieder von dem Hobby zu verabschieden wenn man sicher sein möchte, von HDgen verschont zu bleiben. Allerdings wenn man ein wenig nach solchen Fällen sucht, dann sind fast alle Fälle, wo Leute wirklich mit zweifelhaften Begründungen durchsucht worden sind, alle min. 10 Jahre her! Hat sich das in den letzten Jahren vielleicht wieder etwas beruhigt?

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immi07
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Re: Probleme mit Nachbarn, Behörden ect. weil „verdächtiges Hobby“?

Beitrag von immi07 »

Hallo TroubadixRhenus,

Bevor Du ...
TroubadixRhenus hat geschrieben:
Donnerstag 11. Februar 2021, 10:23
Obwohl die Konsequenz sein könnte, sich besser wieder von dem Hobby zu verabschieden wenn man sicher...
zieh dir mein Lieblingslied rein!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



Gruß Johanna

eingebaut mit Papas hilfe
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