Fundstück

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mgritsch
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Fundstück

Beitrag von mgritsch »

Ich habe heute bei einem Spaziergang ein seltsames Stück Mineral (?) gefunden.

Es lag am Waldboden an einer wenig frequentierten/zugänglichen Stelle in den Donauauen und war nur wenig mit Erde verschmutzt. Auf den ersten Blick war es ein Einzelstück, könnte ggfs dort noch mal suchen ob es mehr davon gibt.

Dass es der dortigen Geologie entstammt ist eher sehr unwahrscheinlich, die Frage ist eher ob es ein natürliches Mineral ist das irgendwie dort hin gelangt ist oder anthropogen.

Es ist fast ganz schwarz, die Oberfläche glatt ohne Verwitterung. Manche stellen sehen aus wie die Oberfläche einer erstarrten Schmelze, manche wie Bruchflächen, teils auch wie von Gasblasen. Es gibt einige Schlacken-artige Einschlüsse.

Es ist sehr hart und zerkratzt Glas problemlos. Chemische Reaktionen habe ich noch nicht getestet, mache mir da aber wenig Hoffnung.

Gefühlt könnte es sich dabei um SiC handeln, wüsste aber nicht dass man das schmelzen kann oder dass es irgendwo eine Produktion gäbe aus der so ein Abfallstück stammen könnte. Eine Raffinerie ist nicht weit, aber es ist sicher kein Kohlenstoff, viel zu hart.

Anbei mal Bilder davon, hat irgendwer Ideen was das sein oder woher so was stammen könnte?
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NI2
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Re: Fundstück

Beitrag von NI2 »

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mgritsch
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Re: Fundstück

Beitrag von mgritsch »

Auch denkbar, rein vom Aussehen her.
Aber wtf wie käme sowas in die Donauauen?
Ich hatte daher eher einen anthropogenen Ursprung (Industrie gibt’s in der Gegend...) und irgendwelche Schlacken-Abfälle in Verdacht...

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NI2
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Re: Fundstück

Beitrag von NI2 »

Findet sich überall, ist ja nicht erst seit gestern da. Bei uns in den Flüssen und auf den Feldern habe ich auch schon faustgroße (und größere) Stücke gefunden - auch wenn hier kein Vulkan in der Nähe ist.
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mgritsch
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Re: Fundstück

Beitrag von mgritsch »

Ist das demaßen verwitterungsbeständig dass es ich weiß nicht wie viel 100 (?) mio Jahre alt sein kann und immer noch glänzende Oberfläche hat?

Keine Ahnung wann das letzte mal in Wien ein Vulkan ausgebrochen ist :)

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NI2
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Re: Fundstück

Beitrag von NI2 »

Warum diskutiert man denn sonst radioaktiven Abfall in Glas einzuschmelzen? :D
Woher willst du außerdem wissen, dass die Bruchkanten von deinem Fund bereits vor 100 Mio Jahren entstanden sind? Obsidian ist zwar halbwegs hart, aber ziemlich spröde... Durch Bewegung kann sich die Oberfläche also ständig erneuern, noch dazu ist die chemisch recht inert, also ja, es wundert mich nicht dass es recht hübsch ausschaut. Schlag mal eine Ecke ab, dann solle man schön den muscheligen Bruch sehen (sieht man ja jetzt schon gut) und evtl glänzt die Bruchstelle :)
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PSE
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Re: Fundstück

Beitrag von PSE »

Ich tippe auf die Hinterlassenschaft einer Wanderglashütte.
Die wurden früher gerne in oder an Wäldern errichtet für möglichst kurze Wege der Brennholzbeschaffung.

Mein Onkel hat ebenfalls in einem Waldstück mal ein ~5kg schweres grünliches Stück Klarglas gefunden...
"Bei seinen Experimenten mit der gefährlichen Verbindung kam es zu einer Explosion, bei der Dulong drei Finger verlor, was ihn dazu anregte, den Stoff weiter zu untersuchen."

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mgritsch
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Re: Fundstück

Beitrag von mgritsch »

Für Obsidian spricht das ganze Aussehen und der muschelige Bruch.
Dagegen spricht die Härte (Obsidian hat lt Literatur 5 - 5,5) - das reicht nicht um Glas zu ritzen. Dagegen spricht auch der Fundort: da Obsidian beim sehr raschen Abkühlen wasserarmer Lava entsteht und binnen ca 20 mio Jahren kristallisiert, kommt er nur vor, wo jüngere vulkanische oberflächen-Aktivität war. Im Wiener Becken seit dem Neogen jedenfalls nicht. Allenfalls 200 km weiter südlich. (https://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/ww ... 64_071.pdf) Generell ist er nicht sehr verbreitet, in Deutschland soll er nur in der Gegend Baden-Baden vorkommen. (https://www.steine-und-minerale.de/atla ... eutschland) Bist du sicher dass das auf den Feldern Obsidian ist?

Ich dachte auch eher an Stahl- oder Glashütten-Abfall odgl. Am Fundort liegen noch ein paar alte moosüberwucherte Ziegel, aber das ist in der Gegend fast überall der Fall. Wien und Umgebung war eine Ziegel-Hochburg vor 150-100 Jahren und mit Bauschutt-Entsorgung war man nicht zimperlich, kann sein dass das in die Au gekippt wurde. Heute wühlen dort praktisch nur Wildschweine, ist ein Naturschutzgebiet. Aber so schwarz, undurchsichtig und mit Einschlüssen? Glas verwittert auch leicht, die Oberfläche wird rasch matt und rauh. Und eben die Härte, schon eher Quarz...

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NI2
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Re: Fundstück

Beitrag von NI2 »

mgritsch hat geschrieben:
Sonntag 4. Oktober 2020, 23:32
Bist du sicher dass das auf den Feldern Obsidian ist?
Jetzt nicht mehr :|
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PSE
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Re: Fundstück

Beitrag von PSE »

"Es ist ein unendliches Kreuz, Glas zu machen"
Es kann sich dabei um eine misslungene Schmelze handeln die im Wald verklappt wurde.

Wenn Obsidian Gasblasen enthält, scheinen diese meist gleichmäßig angeordnet zu sein.
Ich denke eine Schmelzpunktbestimmung oder ein HF-Aufschluss könnte zur eindeutigen Bestimmung hilfreich sein.
"Bei seinen Experimenten mit der gefährlichen Verbindung kam es zu einer Explosion, bei der Dulong drei Finger verlor, was ihn dazu anregte, den Stoff weiter zu untersuchen."

Glaskocher
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Re: Fundstück

Beitrag von Glaskocher »

Mein erster Gedanke war "Glasasche", also erstarrter Schlackenfluss aus einem Kohlekraftwerk, das auf minderwertige Kohle optimiert ist.

Ein anderer Ursprung könnte ein Meteoriteneinschlag gewesen sein, also Tektit. Das Nördlinger Rieß wäre ein möglicher Ursprungsort.

Ansonsten ist fast Alles möglich, weil so Zweibeiner Vieles durch die Gegend schleppen und dann achtlos liegen lassen.

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