Zehntausend verlorene Sterne

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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Uranylacetat
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Zehntausend verlorene Sterne

Beitrag von Uranylacetat »

Hallo Leute,

als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener habe ich sehr gerne den Himmel besonders im Dunkeln beobachtet: Polarstern, Großer und kleiner Wagen und vieles mehr. Beigebracht hat mir es meine Mutter.... :wink:

Jetzt erschien in der SPEKTRUM ein Artikel, der mich aufschreckte und wehmütig gleichzeitig machte:

Freistetters Formelwelt: Zehntausend verlorene Sterne

Zitat daraus: "Einst zählte der Sternenhimmel zu den bedeutendsten Kulturgütern der Menschheit. Heute ist er zum großen Teil verloren – und viele Menschen merken es nicht einmal."

Wohl wahr. Und seit ich in Berlin lebe, kann ich das mit der "Lichtverschmutzung" bestätigen. Ich denke aber auch, dass das dem Desinteresse bedingt durch unsere schnelllebige Zeit geschuldet ist.

Wie habt ihr das früher erlebt und was meint ihr dazu?
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Wenn man es nur versucht, so geht´s; das heißt mitunter, doch nicht stets." (Wilhelm Busch 1832 -1908)

Glaskocher
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Re: Zehntausend verlorene Sterne

Beitrag von Glaskocher »

Es stimmt leider: Man sieht kaum noch Sterne. Die Milchstraße hatte ich zum ersten Mal in ihrer ganzen Schönheit sehen können, als ich bei meinem Onkel in Kanada auf dem Land war.

Hier gilt es als schick, wenn "Schrebergärtner" mit solarbetriebenen Leuchten die Nacht erhellt obwohl fast niemand es sehen kann. Es werden Bäume von unten illuminiert und Gebäudefassaden mit vertikalem Streiflicht erhellt.

Der "SuperGAU" ist ein mit Glas überdachter Weg im Innenhof eines Gebäudes von T-Systems. Hier wird das Glasdach mit zwei Reihen Halogenstrahlern von UNTEN angestrahlt. Bei sauberem Glas gehen über 95% des Lichtes verloren! Man sollte den Architekten auf einem Dynamoergometer den konstruktiv verschwendeten Strom strampeln lassen! Leider ist sich das Hauspersonal oft nicht bewußt, daß diese "Lichtskulptur" sogar mittags den blauem Himmel beleuchtet.


Würde man Rasensprenger ähnlich konstruieren wie Beleuchtung oft geplant wird, dann sähe man wenigstens die Verschwendung. Man jagt eine Riesenfontäne in die Gegend, um mit der Gischt ein Priemelpöttchen zu befeuchten!

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lemmi
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Re: Zehntausend verlorene Sterne

Beitrag von lemmi »

Das Phänomen "Lichtverschmutzung" hat eindeutig zugenommen. Ich muss aber sagen, dass ich es gar nicht so sehr bemerke. Ich habe halt mein ganzes Leben in der Stadt gelebt und da war der Blick auf den Sternenhimmel nie glasklar . Für mich war der Sternhimmel schon immer nur fernab der Stadt schön zu sehen.

Zur Zeit hat man übrigens am späten Abend einen exzellenten Blick auf Jupiter im Süden und Saturn etwas links davon ! Ich habe ein einfaches Spiegelteleskop , das ich mal für 20 € auf einen Flohmarkt gekauft habe. Damit kann man sogar von meinem Großstadt-Balkon aus den Saturnring sehen und die Monde des Jupiters!
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)

Glaskocher
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Re: Zehntausend verlorene Sterne

Beitrag von Glaskocher »

Ein interessanter Link

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Chaoschemiker
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Re: Zehntausend verlorene Sterne

Beitrag von Chaoschemiker »

Tatsächlich ein echtes Problem und die beschriebene Stimmung ist absolut nachvollziehbar. Es wirkt fern aber betrifft einen doch erstaunlich spürbar.

In etwa ähnlich interessant finde ich es, wie sich mit dem bloßen Auge sichtbare künstliche Objekte in den letzten Jahren vermehrt haben. Ich kann mich noch recht gut erinnern auf dem Land in den Himmel gestarrt zu haben, und da war es dann ein mittelprächtiges Spektakel wenn da etwas langhuschte, das langsamer als ne Sternschnuppe war, aber nicht wie ein Flugzeug blinkte.

Heute reicht es zur passenden Zeit gefühlt eine Minute hochzugucken um Iridium und Co. zu sichten (https://de.wikipedia.org/wiki/Iridium-Flare). Wird ja aber vielleicht mit noch mehr Lichtverschmutzung dann auch weniger :lol:
Anwesenheit sehr warscheinlich.

Don't throw anything away. There is no 'away'.

Abusus non tollit usum.

Wären Maulaffen giftige Gefahrstoffe im Sinne der GefStoffV, könnte man das Gaffen an Privatpersonen durch Personen ohne Sachkunde nach §5 ChemVerbotsV nach §382 StGB bestrafen.

Glaskocher
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Re: Zehntausend verlorene Sterne

Beitrag von Glaskocher »

Keine Sorge... 8--(
Elon Musk hat schon mit seinen Cluster-Satelliten für Nachschub gesorgt. Die erste Generastion "zerkratzt" den Nachthimmel auch kräftig und stört die astronomischen Teleskope mit Weitwinkelkameras. Jüngere Generationen werden jetzt dunkel angemalt und sind weniger stark sichtbar ... aber dafür noch viel mehr als "Iridium".

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frankie
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Re: Zehntausend verlorene Sterne

Beitrag von frankie »

... aber dafür noch viel mehr als "Iridium".
Da fühl ich mich fast etwas schlecht als Besitzer eines Satellitentelefons :P
It is always better to have no ideas than false ones; to believe nothing, than to believe what is wrong.
(Thomas Jefferson)

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