Schnittmenge aus Kunst und den Naturwissenschaften

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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Glaskocher
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Re: Schnittmenge aus Kunst und den Naturwissenschaften

Beitrag von Glaskocher »

Diese Glasuren sind einfsch phantastisch. Man weiß allerdings erst, wenn der Ofen kalt ist, ob der Brand gut geworden ist, weil die Keimbildung sehr verschieden sein kann. In den USA gibt es ein Buch zu dieser Technik. Da ist die Grenze zwischen Kunst, Wissenschaft und Magie erreicht.

In der Tat braucht man da mehrere zusätzliche Segmente im Ofenprogramm, die im normalen Glasurprogramm nicht enthalten sind. Das Vortrocknen, Aufwärmen und Schmelzen der Glasur ist dem normalen Ofenprogramm ähnlich. Dann wird die Temperatur gesenkt, um in den optimalen Bereich der Keimbildung zu kommen. Es ist Erfahrungssache, wie lange man dort verweilt oder ob man dort gar Wellen fährt. Danach begibt man sich in den (wärmeren) Bereich optimalen Kristallwachstums und läßt die Kristalle zur vollen Schönheit wachsen. Je nach färbenden Oxiden kann auch noch ein reduzierendes Brennsegment eingefügt werden, das bei Kupferfarben zu tollen Rottönen führen kann. Zuletzt kommt dann das Abkühlprogramm, das auf die Bedürfnisse von Ofen und Werkstück Rücksicht nimmt. Nur hochbrennendes Hartporzellan ist geeignet, die benötigten Spitzentemperaturen zu überstehen.



Bei Glaskeramik wird ein zweiteiligers Temperaturprogramm gefahren. Aus der Primärschmelze kommend läßt sich das Material im Abkühlen plastisch formen. Nach dem Erkalten kann man mechanisch bearbeiten und sägen, schleifen, bohren. Danach wird wieder aufgeheizt, um das Glas in ein weitgehend kristallines Material umzuwandeln. Zuerst bringt man das Werkstück auf eine Temperatur, die für die Keimbildung optimal ist. Danach wird es auf die optimale Wachstumstemperatur aufgeheizt und dort bis zum optimalen Kristallanteil gehalten.

Die inneren Vorgänge im Glas (der entstehenden Keramik) sind sehr interssant, da das Material nur in dünnflüssiger Schmelze ein molekular disperses System ist. Beim Abkühlen kommt es zu Entmischungsprozessen, die das Material in unterschiedliche nano- bis mikrodisperse Phasen trennen. Je nach Kühlbedingungen können sich die Tröpfchen- und die Matrixphase noch weiteren Entmischungen unterziehen. Dabei reichern sich bestimmte Elemente bevorzugt in der Tröpfchenphase an und erzeugen dort die chemische Umgebung zur Kristallbildung. Wenn erst ein Kristallkeim mit einer ungefähr passenden Gitterkonstante erzeugt ist, dann können sich darauf heteroepitaktisch auch andere Kristallphasen abscheiden. Durch das Kristallisieren von bestimmten Phasen verändert sich die Zusammensetzung der Matrix und es bilden sich weitere Kristallphasen von anderer Struktur.

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