zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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lemmi
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von lemmi »

Receptar hat geschrieben:
Sonntag 14. Juni 2020, 11:50
Genau das ist der "Springende Punkt": Mein Wissen ist richtig. Nur ich bin im Besitz des richtigen Wissens...
Andere Meinungen werden nicht akzeptiert.
Bitte unterscheide Wissen und Meinung!
Man kann zum gleichen Wissensstand verschiedene Meinungen haben, aber der Wissensstand bleibt unabhängig von der Meinung. Um Eckhart von Hirschhausen zu zitieren: jeder hat das Recht auf einen eigene Meinung - aber nicht auf eigene Fakten!

Beispiel: Wenn es Nachweise dafür gibt, dass Masken die Übertragung von Coronaviren rediuzieren, ist das der derzeitige Stand des Wissens. Er ist solange zu akzeptieren, bis neue Erkenntnisse ihn vielleicht widerlegen. Man kann dieses Wissen verschieden einordnen (Pok findet die Freiheit wichtiger als die Verpflichtung, zur Infektionsrteduktion Masken zu tregen), aber das tut dem Wissen keinen Abbruch.

Dass sich der Stand des Wissens immer ändern kann, hat die Geschichte reichlich gezeigt. Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass man jeden Befund ignorieren darf, weil er sich in Zukunft als falsch herausstellen könnte - genauso gut könnte er sich bestätigen!

Du könntest mich ja mal fragen, woher ich die Aussage, Masken würden zur Verminderung der Übertragung beitragen, habe. Du glaubst mir ja offenbar nicht, weil die von dir aufgeführten Zahlen (Virusgröße, Maschenweite etc.) das Gegenteil nahelegen.

Ah, noch der Vollständigkeit halber: ich bin nicht Stefan Immel von der TU Darmstadt, auch wenn dessen e-mail-adresse witzigerweise meinen Nick enthält!
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

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Pok
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von Pok »

@mgritsch: lemmi hat meine Position im Kern richtig wiedergegeben. Es geht mir nicht darum, "Revoluzzer" zu sein.
mgritsch hat geschrieben: Tut der mickrige Lappen für die 15 Minuten ab und zu wirklich so weh dass man daraus eine Staatsaffäre machen muss?
Du hast das Problem nicht erfasst. Es geht mir nicht um die Pflicht zum Tragen einer Maske. Damit hätte ich Null Problem. Im ÖPNV stört mich die Maskenpflicht kaum. Ich trage einfach keine. Denn hier bei mir gibts keine Strafen.

Nichts mehr Essen kaufen zu können, ist dagegen eine harte Strafe. Es geht mir nicht um einen zu tragenden Lappen, sondern exakt darum. Es geht um 20, 50, 150 Euro bzw. das extreme Erschweren der Nahrungsmittelbeschaffung, wenn man sich dieser Pflicht widersetzt. Da spielt es erstmal überhaupt keine Rolle, aus welchen Gründen ich keine Maske tragen kann/will.

Wenn das für dich Peanuts sind, schön. Für mich nicht.

Also mal ne Gegenfrage: ist der "mickrige Lappen" wirklich das so ultimativ geniale Mittel gegen eine absolut tödliche Krankheit, dass man Menschen zum Tragen desselben mit drakonischen Strafen zwingen muss?

@lemmi: ich hab nicht den Eindruck, dass es Receptar hier um Virusgrößen und Co. geht. Er fühlt sich m.E. wie ich und viele andere übergangen und gegängelt. Wenn es nicht so wäre, würden ihn Virengrößen und Co. doch überhaupt nicht kümern. Dann würde er es achselzuckend hinnehmen! Das Problem der Masken ist doch viel größer als "Maschenweite".

1. Leute nutzen die Masken falsch (ziehen sie z.B. nicht über die Nase, setzen sie alle 2 Minuten auf/ab, lassen sie verkeimen).
2. Masken haben Negativ-Effekte, z.B. verminderter Abstand oder häufigerer Auge-Hand-Hand-Auge-Kontakt.

Der Nutzen von Masken ist dadurch gering oder im schlimmsten Fall negativ.

3. Es gibt nur noch extrem wenige Fälle bundesweit (ca. 300 pro Tag - und einige Regionen mit 0 Fällen seit vielen Wochen).
4. Masken bringen nur was beim Husten, Niesen, Sprechen. Wenn ich in den Ärmel oder ein Taschentuch niese/huste (was ich immer tue!), sind die 2 Hauptgefahren zu exakt 100 % genauso effektiv (wenn nicht effektiver) wie bei einer Maske gelöst.

Die Maskenpflicht ergibt deshalb in 99,99999 % aller Situationen im öffentlichen Leben kein Sinn, sondern nur in einem ultraseltenen Spezialfall, der folgende Bedingungen allesamt erfülle muss. Wenn man mit fremden Leuten in

kurzer Distanz
ohne jede Schutzbarriere
spricht,
tatsächlich mit Corona infiziert ist,
keine Symptome zeigt,
das Gegenüber noch nicht infiziert ist,
ohne Maske genügend infektiöse Tröpfchen übertragen werden
es keine Negativ-Effekte der Maske gibt

Jetzt rechne doch bitte mal aus, wie groß dieser Effekt ist. Wenn die Maske dazu führt, dass man auch nur einen Hauch unvorsichtiger wird, ist der Effekt Null.

Auch wenn Gesetze sagen, du musst eine Maske aufsetzen, heißt das nicht, dass das irgendwas bringt. Es kann der totale Humbug sein. Erst nachdem die Pflicht kam, haben viele Masken für sinnvoll erachtet. Die Leute passen ihre Meinung den Gesetzen an "wird schon richtig sein, muss ja was dran sein" und nicht geändertem Wissenstand. Man kann sich bei einer unklaren (!) Sachlage die Argumente so zurechtlegen, wie sie einem passen. Ich behaupte: die meisten akzeptieren Masken, weil es bequemer für sie ist. Es ist bequemer, diese Einschränkung hinzunehmen, als die Gefahr permanenter Konfrontation mit dem Gesetz und anderen Menschen in der Öffentlichkeit. Du hättest genauso toll gegen Masken argumentieren können, wenn die Maskenflicht vom Staat kategorisch augeschlossen wird. Die Mehrheit hat vor 2-3 Monaten exakt das getan!

Womöglich werden in der Summe ein paar 80-Jährige durch eine Maskenpflicht etwas länger leben, vielleicht aber auch mehr sterben durch den gegenteiligen Effekt! Fest steht: die Maskenpflicht ist nicht das Mittel, das die Kurve abgeflacht hat! Es ist, wenn überhaupt, ein minimalst wirksames Mittel gegen eine Krankheit, welche die Mehrheit völlig ohne jede Beschwerde befällt.

Die Strafen der Maskenpflicht (Geld/Essenbeschaffung) sind damit völlig unverhältnismäßig zum Nutzen.
Schweden!

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lemmi
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von lemmi »

Bitte entschuldigt, wenn ich bald nicht mehr so viel schreibe, meine Zeit ist leider knapp und das Wochenende neigt sich dem Ende entgegen...

Bei epidemiologischen wie überhaupt in medizinischen (und vermutlich auch vielen biologischen - aber das ist nicht so mein Fachgebiet) Fragestellungen sind real-world-Studien immer das Beste um die Effektivität einer Intervention zu beurteilen. Am besten doppelblinde, randomisiserte Studien. Dieses Ideal wird schon unter normalen Bedingungen häufig nicht erreicht, und viel weniger ist es jetzt zu erwarten, wo eilig Daten zusammengekalubt werden - aber es ist besser als (Zitat) "das mal ausrechnen". Ausrechnen ist noch viel schlechter als eine Studie auch wenn die ihre Limitierungen hat. Es gibt zwei Studien, die eine Schutzwirkung des Maskentragens nahelegen:

the lancet, 1 juni 2020. Das ist eine Metaanalyse von vielen kleinen Untersuchungen, die an anderen Cornonaviren (eine auch an SARS-CoV-2) gemacht wurde.
Bild

Das Ergebnis ist kurz gefasst: normale (chirurgische) Masken reduzieren das Infektionsrisiko von 1 auf 0,33 oder um 67% (95%-CI 0,17-0,66, dh. also 34-83%) und die superfiltrierenden FFP2-Masken auf 0,04 um 96% (0,004-0,30)

Die Aussagekraft dieser Studie ist durch mehrere Faktoren begrenzt. Der wichtigste ist, dass die eingeschlossenen Daten überwiegend im Medizinischen Bereich erhoben wurden, wo wahrscheinlich viele der von dir genannten negativen Faktoren beim Ugang mit Masken besser kontrolliert sind. Aber es wurden auch ein paar Untersuchungen im nichtmedizinischen Beriech iengeschlossen und auch die zeigen: Maske tragen schützt, wenn gleich mit weniger Effektivität (44 % Risikoreduktion - CI 21-60%).
Die gleiche Metaanalyse belegt übrings auch den Effekt des Abstandhaltens. Er ist ähnlich hoch wie der des Maskentragnes und sogar besser belegt:
Bild

Die zweite Studie wurde von Wirtschaftswissenschaftlern aus Mainz gemacht und zwar amnhand der früh eingeführten Maskenpflicht in Jena (Kurze Zusammenfassung im Deutschen Ärzteblatt). Demnach hat die Maskenpflicht die Wachstumsrate der Infektionen erheblich reduziert, nämlich um 60%.

Auch diese Studie hat natürlich Schwachstellen, die ich (da ein wirtschaftswissenschaftliches Modell angwandt wurde) nicht so gut einschätzen kann. Eine ist sicher die Frage: nach welchen Kriterien wurde die Vergeliczhsgruppe gewählt? Aber der Effekt ist schon ziemlich deutlich.
Bild

Interessant: ähnlich wie beim Lockdown, wo die R0-Rate bei Einführung am 23.3. schon bereits auf fast 1 gesunken war, sank auch hier die Transmission sehr kurz (wenige Tage ) nach Einführung der Maskenpflicht, was biologisch nicht plausibel ist. Die Autoren erklären den Effekt damit, dass die Menschen in Jena schon auf die Ankündigung der Maskenpflicht (Pok, man könnte sagen in "vorauseilendem Gehorsam" 8) ) reagiert haben. Ob das tatsächlich am Maskentragen lag, oder ob durch die Ankündigung einfach das Bewusstsein nochmals geschärft wurde und z.B. noch mehr auf Distanz geachtet wurde (die Kontaktsperre bestand damals aber schon!) kann man - wie so oft bei komplexen Sachverhalten - nicht sicher sagen.

So viel zu den (mäßig gut fundierten) Daten. Wie man jetzt die Umsetzung der Maskenpflicht beurteilt (Strafbewehrung und alle deine Argumente) ist wieder Meinungssache. Meinen Standpunkt kennt du (oder?), den muss ich nicht nochmal darlegen.

zu Receptar: was ihn an mir stört, ist, dass ich seine ätzenden Kommentare, die Aggression schüren, nicht gutheiße und seinen Argumenten emotionslos widerspreche. Seine Meinung nicht teile und auf seine Aggression nicht mit Gegenaggression reagiere. Dann verteidigt er sich nicht mit Argumenten sondern mit Unterstellungen: ich wollte ihm den Mund verbieten, ich sei arrogant und ließe andere Meinungen nicht gelten, etc. Auf meine Freundlichkeit reagiert er mit Ironie. Meine Angebote zur Verständigung hat er nicht angenommen. Dadurch vergeht mir wirklich die Lust, mich mit ihm auseinanderzusetzen. Vermutlich legt er das dann wieder in seinem Sinne als Ablehnung und Arroganz aus. Aber das hat er sich selbst eingebrockt. Das ist sein Problem, nicht meines.
EDIT: Receptar hat übrigens auf seinem Post auf der vorigen Seite, in dem er mich mit "Stefan Immel" angeredet hatte, den Nachnamen herauseditiert (heute 15.27 Uhr) , nachdem ich ihn darauf hingewiesen habe, dass er sich geirrt hat (heute 14.36 Uhr) . Vielleicht bringt er jetzt irgendwann die Frage an, wieso ich meinen Nachnamen verleugne, wo er ihn doch nie genannt hatte ... (Na gut zugegeben, das ist eine böswillige Unterstellung) :twisted:
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Receptar
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von Receptar »

Jeder kann meine Beiträge lesen, jeder die Deinigen, jeder kann es selbst beurteilen.

[edit: persönlichen Kommentar gelöscht]

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mgritsch
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von mgritsch »

Nachdem hier (bis auf lemmis fachlich sehr gutem Beitrag) weiterhin ausschließlich auf unterschiedlichem Niveau nur persönliche Standpunkte gegeneinander knallen ist hier einmal bis auf weiteres Pause. Sollten wieder neue relevante Fakten auftauchend die interessant zu diskutieren sind, kann gerne wieder geöffnet werden.

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NI2
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von NI2 »

Habe hier mal wieder entsperrt, zum einen haben wir im Eingangspost gesagt, dass wir hier nicht dicht machen, sondern User die sich nicht an die vereinbarten Kommunikationsregeln halten für eine Weile auf die Stille Treppe setzen und zum anderen gibt es durchaus neue Erkenntnisse in dem Bereich: Wie große Medien berichteten ist eine weitere Virus-Variante in China aufgetreten. Es liegen also neue Erkenntnisse vor die diskutiert werden können.

Von daher sehe ich es als berechtigt hier weiterhin offen zu lassen bzw wieder zu öffnen.

NI2
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Receptar
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von Receptar »

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nasowas aber auch.....

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Pok
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von Pok »

Naja, der Artikel wird hier aber deutlich kritisiert. Offenbar stimmt die Aussage im Titel so nicht.

Andererseits heißt das aber auch nicht, dass Schutzmasken etwas bringen. Da kein Schwein weiß, ob die (tatsächlich von der WHO beschriebenen) Negativ-Effekte die Schutzwirkung eventuell überkompensieren. Es ist wie mit dem Fahrradhelm. Ob ein Fahrradhelm schützt oder schadet (weil man im Durchschnitt riskanter fährt bzw. riskanter von Autos überholt wird), weiß auch kein Mensch. Deshalb macht eine Helmpflicht keinen Sinn. Und eine Maskenpflicht macht im analogen Fall eben auch keinen Sinn. Die dient wohl eher der Wirtschaft, dass die wieder unbegrenzt Läden öffnen kann.

Dass sich eine Menge dubioser Meldungen zu Corona finden, sieht man auch an einem ganz lustigen Beispiel, das ebenfalls von Correctiv unter die Lupe genommen wurde: die mit Corona infizierte Papaya.

Viele andere Dinge werden andererseits nicht unter die Lupe genommen. Zum Beispiel Meldungen der tagesschau, dass Proteste in Brasilien hauptsächlich wegen der laschen Corona-Politik des rechten Präsidenten dort passierten. Tatsächlich waren die Proteste wohl eher gegen Rassismus, Korruption usw. gerichtet, was im gesamten Artikel aber nur in einem Halbsatz (!) angesprochen wird. Ansonsten lässt man sich ausgiebig über die Corona-Politik aus. Sowas sind keine Fakenews, aber es ist dennoch eine Irreführung. Denn man hebt ganz bestimmte Ereignisse hervor, während man andere fast komplett ausblendet. Das ist keine Verschwörung der Medien, sondern m.E. ein massenpsychologischer Selbstläufer. Angst führt zu Aufmerksamkeit, Klicks usw. und das ganze verstärkt sich. Objektiv sind solche Nachrichten aber nicht. Sie verzerren die Wirklichkeit extrem und ich hab ja schon mehrfach gesagt, dass ich die weltweite Berichterstattung und Vernetzung (Twitter, Smartphone in fast jeder Hand!!!) für hauptursächlich für die Panik halte.
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von lemmi »

Die von mir weiter oben angesprochene Studie, in der die Unwirksamkeit von Hydroxy-/chloroquin bei Covid-19 belegt wurde, ist von den Autoren zurückgezogen worden, weil die Daten aus einer unzuverlässigen Quelle stammten und der Verdacht aufkam, dass da Daten frei erfunden worden sind (forschungsskandal surgisphere). An mehreren Stellen werden die Substanzen jetzt weiter erprobt. Ob was positives dabei herauskommt bleibt abzuwarten....

Bei schwer erkrankten (beatmungs- oder mindestens sauerstoffpflichtigen) Covid-19-Patienten hat das Kortikoid Dexamethason anscheinend einen positiven Effekt (university of Oxford).
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von Pok »

Das ist nicht mehr Deutschland. Das ist China: Massen-Inhaftierung der Bewohner eines Wohnblocks in Göttingen.

Gut, dass es Ausschreitungen gab. Diese Maßnahmen sind einfach nur völlig irre.

Korrektur zu dieser Aussage:
Ich trage einfach keine. Denn hier bei mir gibts keine Strafen.
Selbstverständlich trage ich nicht deshalb keine Maske, aber es erleichtert es. Auch mit baldigen Strafen werden ich niemals im ÖPNV eine Maske tragen.
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von lemmi »

Es gibt ein gutes, öffentlich zugängliches covid-19 Referenzhandbuch das alle paar Wochen revidiert wird (aktuell ist die 4. Auflage) und das ein umfangreiches Literaturregister enthält. Es ist für einen Überblick über den aktuellen Stand des Wissens gut geeignet.
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von lemmi »

Die RECOVERY-Sudie, der Universität von Oxford ist eine der größten Studien weltweit in der verschiedene Medikamente bei Covid-19-Erkrankungen geprüft werden. Einer der Studienarme, der mit Dexamethason, hat ein positives Ergebnis gebracht (siehe meinen post vom 17.6.20 ).

Nun kommt die Meldung dass die Kombination der Proteaseinhibitoren Lopinavir/Ritonavir bei Covid-19 keinen Effekt hat (Vorveröffentlichung). Eine chinesische Stuide hatte schon vor 2 Monaten das selbe Ergebnis gezeitigt. Damit dürften diese (HIV)-Medikamente aus dem Rennen sein.

Noch am Laufen ist in Oxford anscheinend die Testung von Hydroxychloroquin. Die WHO hat dagegen ihre entsprechende Studie, die aufgrund einer Veröffentlichung (die auf unsauberen Daten basierte) zunächst gestoppt und dann - nachdem das Problem mit den Daten publik wurde - wieder aufgenommen worden war (siehe oben 17.6.20), jetzt doch endgültig gestoppt.

In Oxford ebenfalls noch in der Testung sind: das Antibiotikum Azithromycin, der monoklonale IL6-Rezeptor-Antikörper Tocilizumab und Rekonvaleszentenplasma (sozusagen eine passive Immunisierung durch Übertragung von Antikörpern von Menschen, die eine SARS-CoV-2-Infektion überstanden haben).

Und schon vor 4 Woochen wurde eine Modellierung zur Beurteilung der Effektivität der Anti-Corona-Massnahmen in Nature veröffentlicht. Die Autoren Schätzen, dass europaweit 3,1 Millionen Todefälle durch die Massnahmen vermeiden worden sind. Darin findet sich auch folgende Tabelle, in der die Durchseuchung der Bevölkerung in verschiedenen europäischen Staaten (modelliert) angegeben wird:

Zwischenablage02.jpg
Zwischenablage02.jpg (93.42 KiB) 178 mal betrachtet

Sämtliche Länder sind von der oft genannten (und in Schweden anfangs auch angstrebten) Herdenimmunität noch weit entfernt. Weiter kann man aus diesen Zahlen auch die Infektionssterblichkeit von Covid-19 abschätzen. Sie läge dann bei ca. 1,2-1,3%. Wie die aktuellen Ausbrüche Zeigen (in den Schlachtbetrieben) kann die Fallzahl bei passenden Umgebungsbedingungen jederzeit wieder rapid ansteigen und eine neue exponentielle Phase eintreten. Frühzeitige Identifizierung und Massnahmen zur Begrenzung von Ausbrüchen sind daher weiter wichtig.

Eine andere einfache Massnahme hat Trump kürzlich vorgeschlagen: weniger testen. Das hat das Potenziel, die Fallzahlen erheblich zu senken. Wäre auch zur Behandlung von Bluthochdruck empfehlenswert: einfach den Blutdruck nicht mehr messen ... :wall:
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von Pok »

lemmi hat geschrieben:
Mittwoch 1. Juli 2020, 00:25
Eine andere einfache Massnahme hat Trump kürzlich vorgeschlagen: weniger testen.
Traurig, dass ich sowas sagen muss, aber Trumps Vorschlag ist vernünftig. Jedenfalls vernünftiger als das, was wir aktuell erleben.
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von lemmi »

Nanu, du warst doch bisher immer dafür, viel zu testen? Wieso auf einmal nicht mehr?
I disagree and I am not amused
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Re: zu SARS-CoV-2 und Covid-19

Beitrag von Pok »

Ich war vor allem für Random-Tests (genauer gesagt repräsentative Tests), um die Entscheidung über schwerste Grundrechtseingriffe nicht von Willkür (z.B. Testzahlen) und Zufall, sondern von der Realität abhängig zu machen. Und ich war für Antikörper-Tests, da ich hoffte, dass die tatsächlichen Zahlen viel höher sind als in deiner Tabelle. Diese ganzen Schätzungen sind komplett lächerlich. Auch die Tabelle beruht auf Schätzungen. Da einfach mal dreist ein "95 % credible interval" hinzuknallen, grenzt an Irreführung.

Für Massentests war ich kurzzeitig auch, aber sie haben keinen Vorteil ggü. repräsentativen Tests. Außerdem kostet das Unsummen, wie jetzt langsam jedem klar werden sollte, wenn gewisse Politiker sowas fordern. Ich habe keine Lust, 100 Euro auszugeben für sowas. Das wäre über langfristig gesteigerte Krankenkassenbeiträge aber der Fall.

Gar nicht zu testen, kam mir bisher überhaupt nicht in den Sinn. Es wäre vielleicht ein bisschen radikal, aber ich hab ja auch nur gesagt, dass es besser ist, als die aktuelle Situation, die ich noch radikaler (nur in die andere Richtung) finde.
Sämtliche Länder sind von der oft genannten (und in Schweden anfangs auch angstrebten) Herdenimmunität noch weit entfernt.
Man kann nicht im Nachhinein die Tabelle so interpretieren, wie es einem am besten passt. Das Ziel von Schweden war eben nicht primär die Herdenimmunität, sondern eine Höherbewertung der Schäden der Maßnahmen ggü. den Schäden von Corona, als das in anderen Ländern der Fall war. Jetzt mal ganz ehrlich: ich glaub, das mit der "Herdenimmunität" war nur ein Vorwand. Man dachte, es müsste zwangsläufig (!) soweit kommen. Es würden zwangsläufig innerhalb weniger Wochen 2/3 der Menschen infiziert werden. Deshalb sprach man beschönigend von Herdenimmunität. Wichtiger, als Menschenleben um jeden Preis zu retten, war Schweden, seine freiheitliche Gesellschaft zu verteidigen. Das Ziel der restlichen Welt war auch nicht, möglichst viele Tote zu verhindern, sondern eine Überlastung des Krankenhaussystems zu verhindern. Das war es doch, was Xyrofl, du und alle anderen hier behauptet haben. Denn nur so kann man begründen, warum man nun bei Corona anders vorgehen soll als bei allen bisherigen Alltagsrisiken (Alkohol, Grippe, Autos, sonstwas). Solange in Schweden die Krankenhäuser nicht zusammenbrechen, kann man Schwedens Weg als den klügeren betrachten. Und die Krankenhäuser dort sind leer, die Todeszahlen sinken weiter!

Wer solche Tabellen zückt, muss auch zugeben:
- das expontentielle Chaos ist nicht eingetreten
- Schwedens Weg hat nicht zu italienischen Verhältnissen geführt.

In den USA lässt man Corona jetzt praktisch laufen. Trump macht Wahlkampf in Hallen ohne jede Schutzvorkehrung. Die deutschen Medien können rumheulen wie sie wollen. Trump, Putin, Bolsonaro und Co. werden diese "Krise" überstehen und womöglich noch als Sieger daraus hervorgehen.

Denn Corona wird langsam aber sicher zu einer neuen Normalität. Die Nachrichten drehen sich immer mehr um andere Themen. Die Menschen gewöhnen sich daran. Auch an hohe Todeszahlen in anderen Ländern. Nur wer mit dem Thema "Corona" einen neuen Lebensinhalt und -sinn gefunden hat, wird noch als Mahner übrig bleiben. Corona ist nicht dann weg, wenn es keine Fälle mehr gibt, sondern dann, wenn nicht mehr darüber geredet wird.
Schweden!

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