Edukte = Produkte

Hier kann wirklich alles besprochen werden.

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Nail
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Edukte = Produkte

Beitrag von Nail »

Hallo,

mal ganz banal, muss man eigentlich alle Stoffe die bei den Edukten bei einer Reaktionsgleichung stehen auch rechts bei den Produkte hinschreiben, wenn das Edukt nicht an der Reaktion beteiligt ist. Z.B. CH4 + Br2 + Ar --> CH3Br + HBr + Ar oder kann kann man auch das machen: CH4 + Br2 + Ar --> CH3Br + HBr?
Hoffe ihr versteht die Frage.
Q.E.D.

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Es heißt "Reaktionsgleichung" und nicht "Reaktionsungleichung". Also ja, Links wie Rechts müssen/sollten die gleichen Atome stehen (in der Normalen Chemie, Kernphysik sieht das ein wenig anders, Reak längeren Reaktionshemen beispielsweise oder wenn Lösungsmittel an ein Metall kooordinieren etc).
Liegen Stoffe nach der Reaktion unverändert vor oder sind ein Lösungsmittel bzw werden unstöchiometrisch oder in einer nicht näher bestimmten Spezies zugesetzt werden sie einfach über oder unter den Pfeil geschrieben.
I OC

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Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Mal ganz allgemein zur Gleichung: Du sollst Gleichungen so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher... (Ein abgewandeltes Einstein-Zitat) Das heißt, daß man gleiche Teilchen, die durch Addition von Teilgleichungen auf beiden Seiten des Reaktionspfeiles stehen, subtrahiert, bis jede Sorte Teilchen nur noch auf einer Seite vertreten ist. Das ist wie das Kürzen in der Bruchrechnung oder das Vereinfachen von mathematischen Gleichungen.


Auch in der Kernchemie muß die ReaktionsGLEICHUNG auf beiden Seiten ausgeglichen sein; man muß Nukleonen, Ladungen und Energien bilanzieren und erwähnt masselose Teilchen, die Energie zu/abführen.

Wenn Du zum Beispiel Methylmagnesiumiodid aus Iodmethan und Magnesium darstellst, dann wird das Lösemittel (Ether) und das Schutzgas meistens nur im Begleittext erwähnt. Führt man diese Reaktion in THF durch, dann fällt das Produkt als THF-Komplex aus, wobei THF dann zum Reakionspartner wird. In diesem Fall würde ich den Fällungsvorgang in einer Folgereaktion verdeutlichen.

Wenn Du Anilin mit einem Aldehyd umsetzt und katalytische Mengen Toluolsulfonsäure zugibst, sowie das Reaktionswasser mit Magnesiumsulfat abfängst, dann kannst Du den Kat und das Trockenmittel auf den Reaktionspfeil schreiben.


Bei manchen Reaktionen braucht man einen "Stoßpartner", um die Reaktionsenergie abzuführen, weil sonst die Bindung sofort wieder zerbricht.
H. + Cl. +X ---> H-Cl + X* (- delta H)
Hier soll der Energiezuwachs des Stoßpartners "X" durch den Stern symbolisiert werden.

Xyrofl
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Beitrag von Xyrofl »

wenn das Edukt nicht an der Reaktion beteiligt ist.
Wenn das Edukt nicht an der Reaktion beteiligt ist, dann ist es keines. Edukt ist ein alter, zwar noch gebräuchlicher, aber anscheinend verwirrender Begriff. Der aktuell empfohlene Begriff für Edukt lautet Reaktant und da wird klar, dass sie immer an der Reaktion beteiligt sind, sonst währen sie wohl keine Reaktanden, aka Edukte. :wink: Ist ein rein sprachlicher Einwand, aber daran sollte man denken. Nicht alles was in den Kolben kommt, nennen wir Edukt.

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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

Ist ein Glasgerät das bei einer Reaktion kaputt geht auch ein Reaktant? Müsste man dann auch auf der linken Seite "Glasgerät" und rechts "Scherben" schreiben? :mrgreen: :angel:

Xyrofl
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Beitrag von Xyrofl »

Und wenn du dich an den Scherben schneidest, ist das eine Folgereaktion, die schreibst du auch auf :P

Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Xyrofl hat geschrieben:Und wenn du dich an den Scherben schneidest, ist das eine Folgereaktion, die schreibst du auch auf :P
... ins Verbandbuch ...

Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Wenn man den Titel "Edukte = Produkte" mal etwas anders interpretiert und mehrere Reaktionsschritte dazwischen erlaubt, dann kommt plötzlich Sinn in das Ganze. Bei einigen Reinigungsoperationen verändert man gezielt die Eigenschaften der Zielsubstanz, um sie von Verunreinigungen oder Begleitsubstanzen zu trennen. Bei der Isolierung von Alkaloiden wird alkalisch oder neutral mit einem recht polaren organischen Lösemittel extrahiert. Dann wird mit saurer Lösung extrahiert und der Extrakt möglichst unpolar gewaschen. Zuletzt wird die saure Lösung neutralisiert oder alkalisch gestellt und das gereinigte Produkt gefällt oder unpolar extrahiert. Der Umweg über das gut wasserlösliche saure Derivat (meist Hydrochlorid) ermöglicht die Abtrennung von unpolaren Anteilen, wie Fetten und Wachsen. Die alkalische Vor- oder Nachbehandlung ermöglicht die Abtrennung von Carbonsäuren und Vergleichbarem.

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