Wissenschaftliche Alltagsfragen

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Ich finde leider meinen Vortrag vom Forentreffen (zu genau diesem Thema) nicht wieder, aber dabei handelte es sich um Natrium-Ammonium-Tartrat. Dieses sollte man sicherlich durch KNa-Tartrat ersetzen können, muss aber natürlich mit chiraler Weinsäure oder zumindest der DL-Säure reingehen (D-Weinsäure ist recht teuer). Alternativ funktioniert das auch bei Quarz-Kristallen. Tartrate sind aber vermutlich wesentlich anschaulicher und zumindest von einem von beiden sollte man ohne Probleme einen entsprechend großen züchten können.
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Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Die Weinsäure hatte ich auch im Hinterkopf, wußte aber nicht mehr welches Derivat es war. Ich lese mich mal "durch"...

Bei Quarzkristallen ist es wie beim Natriumchlorat: Die Substanzen in Lösung sind achiral. Man braucht immer einen chiralen Impfkristall, wenn man eine bestimmte Sorte züchten will. Ich will es mal mit NaClO3 versuchen, ob ich schöne Kristalle bekomme.

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Ja, die Tartrate bringen die Chiralität bereits mit... Bin gespannt und würde mich über schöne Fotos freuen :)
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Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Streng genommen sind Weinsäuremoleküle ja Diastereomere, da sie zwei asymmetrische C-Atome haben. Aber sie scheinen schön groß zu kristallisieren...

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NI2
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Beitrag von NI2 »

Meines Wissens nach ist es nur möglich die Unterscheidung zwischen Enantiomeren und Diastereomeren zu treffen wenn man spezifische Moleküle miteinander vergleicht. Anhand eines Moleküls (mit gegebener Konfiguration) kann man lediglich einen Rückschluss darauf ziehen, dass es Enantiomere und Diastereomere geben kann (im Falle des entsprechenden Diastereomers zur D- und L-Weinsäure gibt es aufgrund der Symmetrie nur ein und das selbe, die meso-Weinsäure). Daher würde ich die Formulierung
Streng genommen sind Weinsäuremoleküle ja Diastereomere
als ungenau ansehen. Denn Diastereomere gibt es prinzipiell bei jedem Molekül mit mehr als einem chiralen Zentrum.
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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Die Chiralität hat Pasteur, wie NI2 schon schrieb, am Natrium-Ammonium-Tartrat entdeckt. Hier eine Briefmarke, die von der französischen Post zum 100 Todestag Pasteurs 1995 herausgegeben wurde. Darauf (und witzigerweise auch auf dem Jubiläums-Poststempel der Erstemission) sind die Kristalle abgebildet.

Bild

Wenn du das Bild für deine Vorlesung haben möchtest, kann ich dir einen Scan in besserer Auflösung machen.

(Das ist aber eher keine "Alltagsfrage" ... :wink: )
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

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lemmi
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Beitrag von lemmi »

Nochmal so eine Frage aus der Kategorie "stimmt's?"

Immer wieder wird behauptet, Halogenbirnchen gingen schneller kaputt, wenn man sie beim Einsetzen in die Lampe mit den bloßen Fingern anfasst. Ich glaube das nicht wirklich! Kennt jemand dazu belastbare Daten bzw. gibt es dazu eine ernst zu nehmende Begründung?
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Glaskocher
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Beitrag von Glaskocher »

Bei einem Halogen-Leuchtstab (Deckenfluter, 500W) habe ich auf der Außenseite die Spuren pyrolysierter Insekten ins Glas eingebrannt gesehen. Deren Asche hatte die Oberfläche des Quarzglases richtig matt gemacht und dabei Inseln der Entglasung und Kristallisation erzeugt. Durch den raschen Temperaturwechsel beim Ein-/Ausschalten wandeln sich die Kristallbereiche nur teilweise in die Niedertemperaturformen um und die vorherrschenden Formen sollten Tridymit oder Cristobalit in ihrer Hochtemperaturmodifikation sein. Ich vermute mal, daß dies der Hauptgrund ist, warum man (salzige) Fingerabdrücke auf Halogenbirnen vermeiden soll.

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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

Salz diffundiert in das Quarzglas ein, damit hat es eine niedrigere Erweichung und einen anderen Ausdehnungskoeffizienten, eine Schwachstelle somit.
Wie viel die Spuren die so ein Finger hinterlässt tatsächlich an Schaden anrichten können dürfte sich aber in Grenzen halten.

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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

Andere, etwas speziellere Frage:
Gibt es eigentlich einen „fundamentalen“ Zusammenhang zwischen molarem Extinktionskoeffizienten und der „Quantenausbeute“ bei der Absorption?
Wieso gibt es keine EK >10^5? Weil das schon 100% angeregter Moleküle entspricht?

CD-ROM-LAUFWERK
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Beitrag von CD-ROM-LAUFWERK »

Gehen die Halogenbirnen denn durch mechanisches Versagen kaputt... oder weil der Wolframfaden durchbrennt? Bei letzterem dürfte sich der Einfluss arg in Grenzen halten.

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mgritsch
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Beitrag von mgritsch »

Die größte Schwachstelle ist die stromdurchführung (normalerweise Mo Band). Wird dieser Bereich angegriffen oder war er schon bei der Fertigung kontaminiert dann diffundiert Luft ein und die Tage des Glühfadens sind gezählt.
Aber wer braucht angesichts der verfügbaren LED Technologie heute noch Halogen ;)

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Lithiumoxalat
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Beitrag von Lithiumoxalat »

Dazu kann ich nur sagen, dass ich Halogenbirnchen (und Stäbe) bis jetzt immer ohne Handschuhe gehandhabt habe und mir noch nie eine durch Versagen des Quarzkolbens (bruch) kaputtgegangen ist. Jedoch habe ich viele durch mechanische erschütterung zerstört (Glühwendelbruch).

Xyrofl
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Beitrag von Xyrofl »

Ich möchte sogar sagen, dass ich trotz dessen dass wir extrem viele Halogenlampen in Gebrauch hatten, niemals einen Kolbenbruch aus irgendeinem Grund gesehen haben. Selbst wenn ein Baustrahler umgefallen ist, war meistens die Wendel kaputt oder die Kontaktierung defekt und nicht der ganze Kolben zerbrochen.
Es ist plausibel, dass Salz aus dem Schweiß und verkohlendes Fett zu Schäden am Kolben führen könnten, aber ich halte das für irrelevante und praxisferne Wichtigtuerei, da die meisten Halogenbirnen aus Erfahrung viel schneller kaputt gehen als dass so etwas eine Rolle spielen würde. Bei welchen für 1000€ vielleicht, militärische Suchscheinwerfer und Flutlichter oder Beleuchtung von einem Stadion.

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