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Wasserstoffperoxid Sprossenzucht Stabilisierungsmittel
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Nachdem ich in Youtube Videos gesehen habe, dass man mit sehr verdünntem H2O2 zu deutlich besseren Ergebnissen in der Sprossenzucht kommt ( schnelleres Wachstum + weniger Probleme mit Schimmel...) --will ich das jetzt auch mal ausprobieren.
Problem: H2O2 bekommt man im Handel (wenn man es überhaupt bekommt Laughing --ok so n 3% iges is ja kein Problem) ja nur mit Stabilisierungsmittel (meistens mit Phosphorsäure oder Phosphate).

1. Frage: Kann ich mir sicher sein dass da nur Phosphorsäure oder Phosphate als Stabilisierungsmittel drin sind (Hab eine 1 Jahre alte Flasche von Hedinger 30% Pharma qualität--ist schon spröde geworden Rolling Eyes )?

2. Wenn man beim "Sprossen(einweichen und vielleicht beim spülen)" der Samen dieses verdünnte H2O2 verwendet --nehmen die ja das Stabilisierungsmittel auf. Wird das Phosphat in der kurzen Keimzeit (ca. 7 Tage--bei Weizengras) bereits von der Pflanze biochemisch eingebunden bzw. irgendwie umgewandelt zu irgendwelchen organischen Phosphaten oder irgend sowas--keine Ahnung was da so biochemisch abgeht Rolling Eyes. Will möglichst keine freie Phosphorsäure/Phosphate aufnehmen ( ja --Cola/Backpulver...meide ich auch).

3. Wie bekomme ich die Phosphorsäure/Phosphate/Stabilisierungsmittel raus ? Fällung mit Calciumhydroxidlösung (das mag das H2O2 aber nicht so Confused ) und eventuelles organisches Stabilisierungsmittel mit Aktivkohle oder Zeolith (macht das H2O2 aber wahrscheinlich kaputt ) adsorbieren ?

4. Gibts eine Möglichkeit H2O2 in den minimalst benötigten Konzentrationen selbst zu erzeugen ? Entstehen bei der Elektrolyse von Wasser (ohne Salze) eventuell minimalste Spuren von H2O2 ? Vielleicht bringt es auch was die Keimlinge/Sprossen mit Ozonhaltigem Wasser zu spülen ( vielleicht sind es ja nur die reaktiven Sauerstoffspezies die den positivem Einfluss auf dem Keimungsprozess ( bzw. sprossen/den Samen aus der Dormanz rauslocken ) haben.

5. Haben die Keimlinge keine Katalase die das H2O2 kaputt macht ? Wundert mich dass die dass nicht gleich kaputt machen.

6. Im Betrieb wo ich arbeite komme ich an H2O2 30% (zur analyse) ran
(dieses wird bei der Aschebestimmung --und daraus Phosphatbestimmung --verwendet --wenn die Asche noch nicht ganz weis ist--kommen einpaar Tropfen von dem 30% H2O2 drauf und dann wird es wieder getrocknet und geglüht).
Meint ihr dass das H2O2 keine Stabilisierungsmittel enthält ?


Youtube Video wo auch biochemisch erklärt wird warum H2O2 beim keimen und sprossen hilft : https://www.youtube.com/watch?v=ww9tpUy7ayo
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Hallo,

ohne große Informationsrecherche im Netz will ich deine Fragen so gut ich weiß beantworten.

1. es gibt eine Vielzahl möglicher Stabilisierungsmittel (u.a. Dextrin, EDTA etc). Nach dem Arzneibuch sind Schwefelsäure, Phosphorsäure und Natriumdiphosphat zugelassen. Die Menge an nach Abdampfen der Lösung zurückbleibendem Feststoff ist bei 30%igem H2O2 auf 0,2 % begrenzt, liegt aber meist deutlich darunter.
Bei 3%iger Lösung ist laut Arzneibuch ein Zusatz von Phosphorsäure zur Stabilisierung vorgeschrieben, er liegt bei 0,05 %.

2. Ich vermute mal daß du die Samen/Sprossen nur abspülen wirst. Längeres Verweilen in der Wasserstoffperoxidlösung wäre für das Wachstum sicher schädlich. Bei den minimalen Mengen, kurzer Berührungszeit und niedrigen Konzentrationen ist nicht zu erwarten, daß relevante Mengen Stabilisator aufgenommen werden. Darüber hinaus sind Phosphate, Diphosphate und Sulfate nicht gesundheitsschädlich und es gibt keinen Grund ihre Aufnahme zu vermeiden.

N.B. daß H2O2 das Keinwachstum begünstigt ist bestimmt ein Märchen. Es kann die Keimlinge teilweise deinfizieren und vielleicht Schimmelwachtsum unterdrücken, jedenfalls kurzfristig. Aber auf das Wachstum selbst wird es sich - wenn überhaupt - eher hemmend auswirken. Nicht umsonst produzieren lebende Zellen Katalase um sich vor den Schadwirkungen von Wasserstoffperoxid zu schützen.

3. die Stabiliserungsmittel zu entfernen ist unnötig, da sie nicht gesundheitsschädlich sind (jedenfalls die nach Arzneibuch zugelassenen). Jedweglicher Zusatz um die Spuren von Phosphat zu entfernen wäre problematischer als das Phosphat selbst. Aktivkohle ist eine ganz schlechte Idee, weil sie H2O2 katalytisch zersetzt.

4. H2O2 kann man zwar selbst herstellen, aber der Aufwand rechtfertigt sich nicht. Du müsstest nicht nur mit gesundheitsschädlichen Chemikalien hantieren, sondern danach auch noch eine Konzentrationsbestimmung machen.

5. siehe unter 2.

6. bei H2O2 zur Analyse muss eigentlich das Stabilisierungsmittel auf dem Gebinde angegeben sein. Unstabilisierte lösungen kommen erst gar nicht in den Handel.

meine Empfehlungen:

- H2O2 nur zur Desinfektion der Keimlinge einsetzen, nicht mit der Zielsetzung das Wachstum zu beschleunigen (Begründung s.o.)
- wenn du es verwenden willst besorge dir 30 %iges H2O2 und verdünne es auf deine Endkonzentration herunter (vermutlich < 1%. Dadurch verdünnst du alle Stabilisatoren gleich noch weiter mit. Beim Waschen der Samen/Keimlinge entfernst du den Großteil der Lösung ohnehin wieder und die Stabilisatoren (wie gesagt) sind harmlos.

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"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

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Pok
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lemmi hat Folgendes geschrieben:
N.B. daß H2O2 das Keinwachstum begünstigt ist bestimmt ein Märchen.

Das ist es. Wenn man sich das Video ansieht, erkennt man auch schnell warum. Da wird der Zusatz von Wasserstoffperoxid mit der resultierenden zusätzlichen Sauerstoffverfügbarkeit begründet, was so unsinnig ist wie "Active O2", da der Sauerstoff aus der Luft 1000x mehr Einfluss hat, weil 1000x mehr davon verfügbar ist als der bisschen zugesetzte Sauerstoff bzw. hier das bisschen Wasserstoffperoxid.

Auch hat der Junge in den Video nicht kapiert, dass die Bildung von Wasserstoffperoxid in der Zelle nicht das Ziel ist, sondern ein Abfallprodukt, ein Zellgift, dass schnell entsorgt werden muss. Nicht alles was in Lebewesen so vorkommt, erfüllt einen Zweck, sonst wären Exkremente ebenfalls gesund.

Ich würde mich auch weniger mit youtube-Videos bilden, wo jeder Honk seinen Senf ablassen kann. Man wird genauso viele und genauso gut (von bestimmten Gruppen, die diese Videos gucken) bewertete Esoterik- und Verschwörungsvideos finden. Das sagt nichts über den Wahrheitsgehalt aus. Lieber Originalliteratur suchen, die einen positiven Einfluss von Wasserstoffperoxid auf die Keimung nachweist. Ich bezweifle, dass man da was finden wird (außer ggf. leichte fungizide Wirkung). Der Typ zitiert Quellen richtig, aber leitet falsche bzw. unbewiesene, eigene Schlüsse ab, Beispiel min 9:20 - 9:38.

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0,2 %Stabilisierungsmittel bei 30 % igem geht ja noch. Wird ja ziemlich verdünnt.
Werde es dann mal mit Mungbohnen versuchen (1 Tag einweichen in ca. 0,1 % H2O2 --mal schauen ob die das überhaupt überleben Twisted Evil --aber die Katalase macht da sicher ihren Job und das H2O2 is kaputt. Danach spül ich mit dest. Wasser...
Un zum Vergleich mach ich das simultan noch mit gleicher Menge Mungbohnen in gleicher Art von Glas (die beide zuvor mit kochendem Wasser desinfiziert werden) aber einweichen in dest. Wasser ohne H2O2. Vergleiche es dann nach 5 Tagen

PS (nur so nebenbei) :
Lebensmittelchemiker und Ökotrophologen sind meistens nicht so besonders einig. Lebensmittelchemiker verzweifeln manchmal an dem Stuss den Ökotrophologen so von sich geben. -->siehe Udo Pollmer. Ich kenn einen Lebensmittelchemiedozent der sich in den Vorlesungen auch immer wieder mal über die unwissenschaftlichen Aussagen von Ökotrophologen und Heilpraktiker... beschwert.
Lustig find ich ja auch dass manche "Esoteriker/Verschwörungstheroretiker" DMSO, Dimethylsulfon, Chlordioxidlösungen, Lugolsche Lösung, Borax/Borsäure ... und was weis ich noch was für Chemikalien futtern und sich dann über Chemie im Essen beschweren.
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