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Unterschiedliche GHS-Kennzeichnungen
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Hallo,

ich bin in letzter Zeit mehrfach auf Differenzen zwischen den GHS-Kennzeichnungen bei Wikipedia, der Gestis-Datenbank und den Händlern gestoßen. Beispielsweise sind Trifluoressigsäure und Essigsäureanhydrid Anfang des Jahres bei Wikipedia noch nicht als giftig eingestuft gewesen, in der Gestis-Datenbank hingegen schon (okay, das war vielleicht einfach eine Verzögerung), dennoch konnte ich die beiden Stoffe problemlos erwerben (nicht als Giftstoff!).

Gibt es da irgendwelche Änderungen in der Einstufung? Oder gibt es da gewisse Spielräume?
Würde mich einfach mal interessieren.

LG,
Florian

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Ich muss hier noch mal anklinken.
Es sind immer mehr Stoffe, die das oben genannte Phänomen betrifft! Beim einen Händler sich sie nur als "reizend" (Achtung) eingestuft, bei anderen als giftig. In der Gestis ist es dann eigentlich immer giftig.

Dazu mal zwei Fragen:
1. Warum ist die Einstufung nicht einheitlich? Sollte sie doch eigentlich sein.

2. Wenn auf meinem Gebinde nur "reizend" steht, müsste ich das dann im Giftschrank lagern oder eben nicht?

Mir ist das Phänomen inzwischen bei folgenden Chemikalien aufgefallen: Triethylamin, Trifluoressigsäure, Ameisensäure, Essigsäureanhydrid.

LG,
Florian

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NI2
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Das scheint aktuell eine Kinderkrankheit des GHS zu sein, Chaoschemiker hatte da mal ein schönes Bild gepostet. Wenn ich mich nicht täusche zwei Chloroformflaschen von Alfa, wobei nur eine von beiden mit einem Totenkopf verziert war. Bei TEA habe ich glaube auch schon verschiedene Kennzeichnungen gesehen. Wie man damit umgehen sollte - keine Ahnung.

Zu deiner zweiten Frage: es kommt wohl einfach drauf an was es ist und welche Gefahr wirklich davon ausgeht. Nur weil jetzt alles mögliche als "giftig" deklariert ist, ist das kein Grund es wie ("wirkliche") Giftstoffe von denen eine reale Gefahr ausgeht zu lagern. Triethylamin hat nix im Giftschrank zu suchen.

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Okay, das mit der Lagerung sehe ich wie du.

Mir ist aufgefallen, das betrifft eigentlich nur Stoffe die mit "Giftig beim Einatmen" gekennzeichnet sind.

Wie ist denn deine Meinung speziell zu den genannten Stoffen bzgl. Lagerung? Ich denke, du hast da mehr Ahnung/Erfahrung als ich Wink
Also jetzt Trifluoressigsäure, Ameisensäure, Essigsäureanhydrid - und Chloroform (wobei bei letzterem glaub schon vor dem "giftig" die Lagerung unter Verschluss vorgeschrieben war?).

Meine Tendenz wäre, Ac2O und Ameisensäure draußen zu lassen und Chloroform und Trifluoressigsäure drin zu lassen.

Alles passt eh nicht in meinen Giftschrank ... max 1 L, je nach Flaschengröße, und davon auch nicht allzu viel Very Happy !

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NI2 hat Folgendes geschrieben:
Das scheint aktuell eine Kinderkrankheit des GHS zu sein, Chaoschemiker hatte da mal ein schönes Bild gepostet. Wenn ich mich nicht täusche zwei Chloroformflaschen von Alfa, wobei nur eine von beiden mit einem Totenkopf verziert war. Bei TEA habe ich glaube auch schon verschiedene Kennzeichnungen gesehen. Wie man damit umgehen sollte - keine Ahnung.



Zwar halb OT: Als Chemikalienabgebender: An welcher Einstufung soll ich mich orientieren? Schließlich macht es bei der Abgabe einen nicht unbedeutenden Unterschied ob da was als giftig eingestuft ist....

Rechtssicherheit ade....


Bj68
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NI2
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Zitat:
Wie ist denn deine Meinung speziell zu den genannten Stoffen bzgl. Lagerung? Ich denke, du hast da mehr Ahnung/Erfahrung als ich Wink
Also jetzt Trifluoressigsäure, Ameisensäure, Essigsäureanhydrid - und Chloroform (wobei bei letzterem glaub schon vor dem "giftig" die Lagerung unter Verschluss vorgeschrieben war?).


Praktisch gesehen gehört nichts davon in einen "Giftschrank" (so etwas gibt es sowieso nicht überall, da es an chemischen Instituten nicht unbedingt unüblich ist, alles nur wegen eines Totenkopfes extra zu lagern, meist stehen die Sachen halt alphabetisch oder thematisch sortiert oder auf dem shelf. Nur die etwas "krasseren" Sachen sind meist etwas aufmerksamer gelagert, stehen dann zum Beispiel in den Schränken gaaaanz hinten, da man sie selten braucht oder verhindern will, dass sie beim Entnehmen anderer Gebinde unter Umständen umfallen könnten. Das Betrifft dabei überwiegend flüssige Gefahstoffe wie Dimethylsulfat, Organophosphate, HMPA etc. Zumindest war es bei uns mal so geregelt. Feststoffe standen ungeachtet der Toxizität mit den anderen zusammen. Die hauptsächliche Trennung erfolgt praktisch nur nach der Brandgefahr). Die ersten 3 zu den Säuren, Chloroform zu den Lösungsmitteln.

Zitat:
Zwar halb OT: Als Chemikalienabgebender: An welcher Einstufung soll ich mich orientieren? Schließlich macht es bei der Abgabe einen nicht unbedeutenden Unterschied ob da was als giftig eingestuft ist....


Das ist richtig, aber das war nicht seine Frage. Rechtlich sieht es vermutlich so aus, dass man sich aus rechtlichen SIcherheitsgründen an der höchsten Einstufung orientieren sollte, aber du hast natürlich voll damit recht, dass es im Rechtssystem nicht bescheuerteres als unsaubere Definitionen gibt, was ja hier auf die Symbole zutreffend ist. Aber Flo fragte ja nur nach er Lagerung.

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Also ich habe jetzt halt hauptsächlich Feststoffe im Giftschrank, auch aus Platzgründen.
Also ein paar Alkaloide, Bleiacetat, Borsäure und Borax, p-Benzochinon, Quecksilber (okay, kein Feststoff Wink ) und eine kleinere Menge Methanol.

Alle größeren Mengen ab 1 L (Merck-Flasche) passen eh nicht rein, von dem her stehen die wirklich giftigen Flüssigkeiten (Formalin, Benzylchlorid, größere Mengen MeOH) aus Platzgründen eh nicht im Giftschrank.

LG,
Florian

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Borsäure, Borax und Methanol würde ich auch nicht in den Giftschrank stellen, allgemein aber sollten keine unbefugten an die Chemikalien ran kommen, weshalb ich einfach den gesamten Chemikalienschrank abschliesse. Die giftigen oder heiklen Chemikalien (Quecksilber, dessen Salze, Chromschwefelsäure, Dochromat, Cromsäure...) stelle ich auch einfach nach hinten, da man diese meist nicht so oft braucht, und so auch weniger häuffig in die Hand nehmen muss.

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Naja, meinen Schrank kann man blöderweise nicht abschließen, der hat nämlich keine Türe Mr. Green

Aber zuhause ist die Gefahr ja nicht zu groß ... meine Familie weiß, dass sie da nix anfassen darf und Gäste kommen normal net von alleine in den Keller Wink

LG,
Florian

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Ich hab grade festgestellt, dass 1-Iodbutan und 1-Iodpropan inzischen auch "giftig beim Einatmen" sind.
Die Liste wird länger ...


LG,
Florian

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Coffein hat es auch erwischt vgl. Seite 3 und 43 http://www.konstanz.ihk.de/blob/knihk24/innovation/umweltberatung/downloads/1659886/3f6606e780e004e7e82f97799d86200f/GHS_Votrag_Stoeffler-data.pdf ist nun als Giftig zu kennzeichnen.


Bj68
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Das PDF ist nicht mehr aktuell, Coffein wird nur mit einem "!" gekennzeichnet.

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Heute auf der Arbeit im Lösemittellager Fotografiert:



Wer den Fehler findet bekommt nen Keks...
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Das eine ist als Gesundheitsschädlich, das andere als giftig gekennzeichnet. Sind die beiden Flaschen gleichalt? Vielleicht wurd die Einstufung auch irgendwann mal geändert?


mfG
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Am aktuellen Artikel von Vanadium sieht man das Problem unterschiedlicher Einstufungen wieder mal. Der Aldehyd und das Produkt werden von Wikipedia als gefahrlos dargestellt, man beruft sich auf Gestis. Bei Gestis beruft man sich auf 2 Sicherheitsdatenblätter, aber die MSDS anderer Hersteller kennzeichnen beide Stoffe mit einem Ausrufezeichen ("Achtung"). Ich hab Gestis mal angeschrieben. Hier die Antwort:

Gestis hat Folgendes geschrieben:
Das GHS- Einstufungs- und Kennzeichnungssystem der Vereinten Nationen wurde mit dem Ziel entwickelt, einerseits nationale und regionale Unterschiede in den Einstufungen der Stoffe und andererseits die Unterschiede zu den Gefahrguttransporteinstufungen zu beseitigen. In Europa wurde dieses System durch die sogenannte CLP-Verordnung umgesetzt.

Leider hat nun die EU ein sehr unübersichtliches Gesamtsystem geschaffen, welches auch in sich nicht konsistent ist. Einstufungen für chemische Stoffe können Sie in folgenden Quellen finden:

· CLP-Verordnung, Anhang VI, Tabelle 3.1 (link)

· Datenbank „Registrierte Stoffe“ der Europäischen Chemikalienagentur ECHA (link)

· Datenbank des C&L-Verzeichnisses der ECHA (link) (auf CL-Inventory klicken)

· Sicherheitsdatenblätter der Hersteller, insbesondere die großen Hersteller von Feinchemikalien, die ihre Sicherheitsdatenblätter frei zugänglich im Internet haben.

Die in diesen Quellen genannten Einstufungen stimmen in vielen Fällen nicht überein. Schauen Sie sich mal beispielhaft an, welche Einstufungen von Dimethylamin von den Herstellern an die ECHA gemeldet wurden: link

Mit GHS wurde also leider nicht das gewünschte Ziel einer Vereinheitlichung der Einstufungen erreicht, eher das Gegenteil.

In dieser Situation versuchen wir in der GESTIS-Stoffdatenbank, aus den mitunter zahlreich existierenden Einstufungen für denselben Stoff diejenige herauszufinden, die mit den zugrunde liegenden Daten am besten übereinstimmen. Die Registrierungsdatensätze haben den Vorteil, dass sie nicht nur die Einstufungen, sondern auch die für die Einstufung maßgeblichen physikalisch-chemischen und toxikologischen Daten enthalten. Deshalb werden von uns bevorzugt (aber nicht immer) Herstellereinstufungen zitiert, die mit den Einstufungen im Registrierungsdatensatz übereinstimmen. In Ihrem Beispiel 4-Methoxybenzaldehyd ist das der Fall. Es gibt einen Registrierungsdatensatz (link)

Dieser wurde von einem Konsortium aus 4 Firmen erstellt:


In diesem Registrierungsdatensatz wird der Stoff als „nicht eingestuft“ bewertet (link)

Dasselbe können Sie in Sicherheitsdatenblättern verschiedener Hersteller nachlesen:

Merck: (link)

Sigma-Aldrich: (link)

Das heißt aber nicht, dass alle Hersteller diese Einstufung angeben. Speziell toxikologische Daten schwanken manchmal über mehrere Größenordnungen und so lassen sich ggf. auch Daten finden, die zu einer Einstufung als „Gesundheitsschädlich beim Verschlucken führen würden“. Sie können aber davon ausgehen, dass in dem oben genannten Herstellerkonsortium, in dem z.B. die BASF vertreten ist, Leute mit toxikologischer Fachkompetenz die Bewertung der verschiedenen Studien vorgenommen haben und zu dem Ergebnis „kennzeichnungsfrei“ gekommen sind.

Die Angaben zu dem Stoff in der GESTIS-Stoffdatenbank zu 4-Methoxybenzaldehyd sind eindeutig. Wir zitieren die Herstellereinstufung der Firma Sigma-Aldrich:


Im Literaturverzeichnis werden auch Sicherheitsdatenblätter weiterer Hersteller aufgeführt, weil wir aus diesen bestimmte andere Angaben zitiert haben.

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Removing barriers in the way of science: Sci-Hub.
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