SSL (?): an | aus

Bitte die Forenregeln und die Hinweise zu den Versuchen lesen!

Neue Antwort erstellen
Überlegungen zur Entstehung von Erdöl
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 02.10.2010
Beiträge: 534
Artikel: 5
Wohnort: Hinterwald
Alter: 41
Hier wird versucht einen Schritt der Entstehung von Erdöl anhand Pyrolytischer Gewinnung von Rohöl aus Ölschiefer im Labor nachzuvollziehen.

In Süddeutschland treten kerogenhaltige Sedimentschichten von "Ölschiefer", ein sogenanntes "Erdölmuttergestein" zutage.
Entstanden sind diese Sedimente u.A. aus abgestorbenen Plankton in Sauerstoffarmen Meeresböden eines Urmeeres (Tethys),
das sich vor ca. 180 Millionen Jahren in dieser Gegend erstreckte. Durch die Auffaltung der Alpen und entsprechender Erosion kamen
diese Sedimente z.B. im Isarwinkel zwischen Vorderriss und Wallgau wieder an die Oberfläche.
In einem Geröllbach kann man Bruchstücke des Ölschiefers aufklauben. Dieser wurde früher hier auch abgebaut:


Hier ein kleineres Bruchstück mit gut erkennbarer Schichtung:


(Bei vorliegenden Ölschiefer ist (mir) unklar ob dieser den sogenannten "Bitumenbildungsprozess" schon in allen Stufen durchlaufen hat
und möglicherweise früher entstandenes Öl sich seit langem verflüchtigt hat, oder hier sozusagen "unreifes Erdölmuttergestein" vorliegt.)

Wird ein Stückchen mit einer Brennerflamme erhitzt, entzündet es sich nach einiger Zeit und hält die Flamme von selbst aufrecht:


Eine kleine Menge der gemörserten Probe im Reagenzglas:

Beim zerkleinern tritt schon ein "öliger" Geruch auf, im Reagenzglas war wohl noch ein Tropfen Wasser von der vorherigen Reinigung.

Zur trockenen Destillation erhitzt, stiegen bei entsprechender Temperatur zuerst flüchtige, durchsichtige und leichtenzündliche Dämpfe auf,
die unter anderem eine H2S Geruchsnote aufweisen, was auf enthaltenen Schwefel deutet. Je länger erhitzt wurde, desto dunkler und "schwerer" wurde das Destillat.
Ein weniger gelungenes Bild während des Erhitzens. Flamme kommt von unten:

Trotzdem zu erkennen: das "ausgeschwitzte" gelblichbraune Öl.

Das anfangs hellere und leichtflüssige Destillat wird mit zunehmender Hitze dunkler und dickflüssiger:


Das erhaltene "Steinöl". Wie man sieht ist die Ausbeute gar nicht so schlecht, jedoch habe ich die Mengen nicht genauer bestimmt:


Die Eigenschaften des erhaltenen Öls sind in etwa mit Erdöl vergleichbar.

Fazit: Würde das vorliegende Gestein unter Druck und Hitze durch darüberliegende Gesteinsschichten "bearbeitet",
kann man davon ausgehen dass hierbei Erdöl entstehen würde. Mit entsprechenden Gestein als "Deckschicht" würde sich auf diese Weise
wohl eine Erdöllagerstätte bilden.


In der Gegend der Fundstelle gibt es einen Betrieb, der das sogenannte "Tiroler Steinöl" und Kosmetikprodukte daraus herstellt.
Abgesehen davon dass die Gegend eine Reise wert ist, sei ein Besuch dort empfohlen. (ich war aber leider selbst noch nicht da)
Desweiteren wird u.A. aus dem enthaltenen Öl als Ausgangsprodukt Ichtyolsalbe, eine schwarze Wund und Heilsalbe hergestellt.
Interessanterweise riecht dieses Öl genauso wie diese Salbe.


Anbei erwähnt sei hier noch die Sage von Thyrsus (Quelle Wikipedia) :
Der Legende nach handelt es sich bei dem Öl um das Blut des böswilligen Riesen Thyrsus, der von dem Riesen Haymon im Kampf bei Zirl getötet wurde. Haymon verletzte Thyrsus an der Ferse. Das in das Erdreich versickernde Blut des Riesen, das sogenannte Tyrsenblut, wurde im Stein eingeschlossen und als sogenanntes Tyrschenöl konserviert.
Die Ursache des Streits zwischen den beiden Riesen Haymon und Thyrsus wird unterschiedlich wiedergegeben:
Eine Überlieferung erzählt davon, dass Thyrsus sich vom neuzugereisten Haymon ("Rheinländer") provoziert fühlte, da er bereits seit Ewigkeiten im Oberinntal lebte.
Eine andere Überlieferung spricht von einer plötzlichen Zerstörung von Haymons Schloss. Eine Variante dieser Überlieferung berichtet, dass Thyrsus das Schloss zerstört habe, während Haymon schlief. Eine andere Form der Überlieferung spricht davon, dass Haymons menschliche Nachbarn die Tat begangen hätten, und dass Haymon durch die Anschuldigung eines Bauern gegen Thyrsus aufgebracht wurde, da der Bauer wissend den unschuldigen Thyrsus als den Täter nannte.
Der Kampf zwischen den beiden Riesen fand der Überlieferung nach beim Weiler Thyrschenbach – heute: Dirschenbach – statt.
Im Verlauf des Kampfes stach Haymon mit seinem Schwert dem Thyrsus eine tiefe Wunde in die Ferse, sodass ein Strahl hellen Blutes heraussprang. Thyrsus nahm einen Wasen, stopfte sich damit die Wunde zu und flüchtete ins 
Karwendel. Das 
viele
 Blut, 
welches 
er
 verloren hatte,
 sickerte 
ins 
Gestein. Haymon aber holte ihn in der Nähe des Leitnerkogel ein und erschlug ihn. Die letzten Worte des Riesen Thyrsus sollen gelautet haben: „Spritz Bluet! Sei für Viech und Menschen gut!“

Das Isartal:

_________________
Hopfen und Malz-Gott erhalt´s
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von bahmtec anzeigenPrivate Nachricht senden
NI2
Illumina-Moderator

Anmeldedatum: 19.08.2008
Beiträge: 5458
Artikel: 85
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Sehr schön! ist halt schade, dass wir auf der Tour den Special-Schiefer nicht gefunden haben, aber man sieht schon deutlich Unterschiede Very Happy

_________________
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]

But just because we live does not mean that we’re alive. [E. Autumn]

The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von NI2 anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 08.08.2010
Beiträge: 1084
Artikel: 4
Wohnort: Berlin-Pankow
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 58
Sehr interessant! Ichthyolsalbe enthält nichts andres als Schieferölsulfonate, weswegen ich mir den Geruch des Steinöls vorstellen kann... Wink

_________________
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Wenn man es nur versucht, so geht´s; das heißt mitunter, doch nicht stets." (Wilhelm Busch 1832 -1908)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Uranylacetat anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 3212
Artikel: 62
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 54


Kannste ja mal probieren!

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 02.10.2010
Beiträge: 534
Artikel: 5
Wohnort: Hinterwald
Alter: 41
Sehr gut! Wird auf jeden Fall ausprobiert wenn ich Zeit habe, vielen Dank für den Scan Lemmi!

Hier nochmal ein Vergleich zwischen Schwarzschiefer aus Ronneburg bei Gera und dem Ölschiefer aus dem Isartal:

Rechts im Bild, das grössere Stück ist der Ölschiefer. Auf dem ersten Blick nicht viel Unterschied.
(den Unterschied erkennt man jedoch sehr gut vor Ort im Gelände anhand der Formationen)

Beim Erhitzen des Schwarzschiefers lässt sich jedoch selbst bei starker Gluthitze weder brenzliger Geruch, noch
eine Entflammbarkeit feststellen:

_________________
Hopfen und Malz-Gott erhalt´s
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von bahmtec anzeigenPrivate Nachricht senden
Überlegungen zur Entstehung von Erdöl
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 1  



Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
  
   
  Neue Antwort erstellen