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Über Heise: Sorry...REACH ist Scheiße...
IllumiNobel-Gewinner 2012

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da habe ich mich über REACH etwas ausgekotzt:

Zitat:

Sorry...REACH ist Scheiße...

zumindest zu einem grossen Teil....okay darüber lässt sich auch trefflich streiten....

Einerseits sind da durchaus auch sinnvolle Ansätze dabei, besonders bei fertig formulierten Produkten für allgemeine Verwendungen, wo sich dann auch wirklich das Schutzniveau des Endanwenders (Endverbrauchers) erhöht, weil der Hersteller eben nicht alles was er denn möchte machen kann.
Andererseits wird/wurde mit REACH meiner Meinung nach auch ganz gewaltig über das Ziel hinausgeschossen....nicht nur dass da eine Art von bürokratisches Monster geschaffen wurde (dazu später mehr), sondern das REACH einen ganz gewaltigen Impact gerade auf KMUs und die Endverbraucher hat.

a) KMUs und Selbstständige....die kommen in den vollen Genuss der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 aka REACH.
Nicht nur dass dieses Werk inzwischen so ziemlich unübersichtlich ist, was dann faktisch soweit geht, dass man da professionelle Hilfe braucht um das Ganze dann auch wasserdicht zu bekommen und den Überblick überhaupt zu behalten sondern gerade auch mal ganz zu schweigen von der inner- und ausserbetrieblichen Umsetzung, da eine Menge juristischer Fallstricke eingebaut sind und wo Zuwiderhandlungen dann durchaus schmerzvolle Konsequenzen nach sich ziehen können....z.B. siehe den Paragraphen § 27b ChemG https://www.gesetze-im-internet.de/chemg/__27b.html oder den Abschnitt 3 der ChemSanktionsV https://www.gesetze-im-internet.de/chemsanktionsv/index.html#BJNR094410013BJNE000603119 wobei die Crux in der Tatsache liegt, dass da auch explizit die Fahrlässigkeit erwähnt wird...was bedeutet, dass "Nicht wissen, nicht vor Strafe schützt."
Welche KMUs (Schreinerei, Schlosser usw.) kennen überhaupt REACH, kennen das ChemG oder die ChemSanktionsV, obwohl sie von diesem Regelwerk direkt betroffen sind?
Eine explizite und kommende Konsequenz daraus ist z.B. dass ab September 2017 eine Person die Photographie betreibt und ein Gewerbe hat in arge Bedrängnis kommt wenn sie sog. Gummidrucke vgl. http://illumina-chemie.de/gummidruck-bzw-gum-bichromate-t4096.html herstellt und diese verkauft. Grund dafür ist, dass ab September 2017 für die Subtanz Kaliumdichromat das "Sunset-Datum" abgelaufen ist und die Verwendung innerhalb der gesamten EU nur noch mit Autorisierung durch die ECH möglich ist und das unabhängig von der verwendeten Menge d.h. selbst 5 g Kaliumdichromat werden so behandelt wie 5000 kg. Fast unnötig zu erwähnen, dass eine Autorisierung von den Kosten her jenseits von Gut und Böse liegt. Eine Anfrage bei einem auf REACH spezialisiertem Anwaltsbüro wurde mit einem Arbeitsaufwand von mindestens 10 Stunden beschieden nur alleine um abzuklären ob eine Autorisierung überhaupt möglich ist. Sollten da noch Gutachten möglich sein, geht die Sache richtig ins Geld, zudem ist es fraglich ob das Verfahren positiv beschieden wird, da bei der Autorisierung (Zulassung) eine Menge Dinger nachgewiesen werden müssen vgl. http://www.baua.de/de/Publikationen/Broschueren/REACH-Info/REACH-Info-10.pdf?__blob=publicationFile d.h. selbst wenn ein positiver Bescheid zu 100% sicher wäre, würde sich das Ganze von den Kosten her nicht lohnen.

b) Endverbraucher (Endanwender):
Wie an dem Link von Illumina zu sehen ist, betreibe ich Gummidruck hobbymäßig und daher nicht gewerblich, so dass ich von REACH nicht direkt tangiert werde. Behufs der Handhabungssicherheit und da mit Dichromatsalzen nicht zu spassen ist, steht mit Ascorbinsäure ein vorzügliches Mittel zur Verfügung um aus toxischem Cr(VI) das um einiges weniger bedenkliche Cr(III) zu machen vgl. http://illumina-chemie.de/dichromatvernichtung-t4201.html z.B. verwende ich eine Sprühflasche mit 5% Vitamin C Lösung zur Dekontamination von allem was eventuell mit Cr(VI) kontaminiert sein könnte. Selbst fertige Gummidrucke werden da besprüht um sicher zu gehen, dass alles Cr(VI) reduziert wurde. Zudem bewegt sich mein Jahresverbrauch bei ca. 60g Kaliumdichromat d.h. die Mengen sind da sehr gering...allerdings dank REACH bin ich davon abgekommen da noch einen Gedanken an die Anmeldung eines Gewerbes zu verschwenden.....da ich ansonsten unter REACH komplett falle...

Was ist also der private Impact den REACH und seine diversen Anhängsel auf den Endverbraucher (Endanwender) hat?

Da wären z.b. die Punkte 28 bis 30 im Anhang XVII der REACH-Verordnung vgl. http://www.reach-clp-biozid-helpdesk.de/de/REACH/Zulassung-Beschraenkung/Beschraenkung/Anhang-XVII/Anhang17.html die kurz gefasst folgendes sagen: CMR.Stoffe http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/Einstufung-und-Kennzeichnung/CMR-Gesamtliste.html dürfen nicht in den Verkehr gebracht oder verwendet werden wenn sie zum Verkauf an die breite Öffentlichkeit bestimmt sind, was dann bedeutet, dass damit ein Abgabeverbot an Privatpersonen etabliert worden ist und solche Stoffe/Zubereitungen nur noch an berufliche Verwender abgegeben werden dürfen.
Sorry ich tue mich da etwas schwer einen Unterschied zwischen einer Privatperson und einer gewerbetreibenden Person zu sehen, denn nur weil jemand ein Gewerbe hat, heisst das noch lange nicht, dass er sich über die Risiken, Gefahren und die richtige Handhabung informiert hat bzw. dieses auch bei der Verwendung/Anwendung berücksichtigt.
Dieses Abgabeverbot an Privat hat einige unschöne Konsequenzen....da die Chemie sehr, sehr flexibel ist...so ist es z.B. durchaus möglich sich sein Dichromat selber herzustellen: https://erowid.org/archive/rhodium/chemistry/potassium.dichromate.html und das ist nur eine von vielen Methoden d.h. sollten da auch wieder Chemikalien mit Abgabeverboten belegt werden z.B. beim Wasserstoffperoxid ist das Dank der EU-Verordnung 98/2013 der Fall, die noch weitere Auswirkungen hat vgl. https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Von-Dr-Honigtau-Bunsenbrenner-zu-Walter-White-die-Chemie-und-der-Terrorismus/Oesterreicher-und-Durchreisende-aufgepasst/posting-28721203/show/ dann stehen da eine Menge anderer Wege offen, die zu kontrollieren oder gar zu blocken ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Allerdings hat das Ganze einen Nachteil, es produziert eine Menge Abfall und diverse Schritte in der Anleitung sind vom Risiko her auch nicht ohne z.B. die Konzentrierung auf das halbe Volumen durch kochen, was zu einer Menge an Aerosol führen dürfte, was die Umgebung kontaminiert und beim einatmen überhaupt nicht gut kommen dürfte. Da wäre es doch viel einfacher wenn ich mir 250 g Kaliumdichromat p.a. beim Chemikalienhändler kaufen könnte. Ich weiss dann, dass die Substanz rein ist, dass sie funktioniert und bin der Synthesesorgen ledig.....
Das war jetzt nur ein Beispiel...ein anderes ist, dass um Cobalt(II)salze zu bekommen Leute anfangen Cobalterz oder Hartmetall (wo metallisches Cobalt ein Bindemittel ist) in Säure aufzulösen und diese Lösung dann aufzuarbeiten. Dass da richtige Mengen an Abfall anfallen und die Ansätze dann auch dementsprechend gross werden d.h. mehrere Liter an Lösung sorgt dafür, dass vom Risiko/Umweltschutzgedanken her so etwas richtig kontraproduktiv ist....

Der Komplex geht auch noch weiter...

z.B. wurde Borax und Borsalze als CMR-Stoff eingestuft was zu einem Abgabeverbot vgl. https://www.abda.de/themen/arzneimittelsicherheit/amk/amk-nachrichten/archiv/abgabe-von-borax/ geführt hat....nun ist aber Borax nicht so bedenklich vgl. lesenswert: http://www.auro.de/de/ueber-AURO/sanfte-chemie/fachbeitraege/FB_stellungnahme_zur_reproduktionstoxizitaet_von_boraten.pdf
Sehr böse Zungen behaupten auch, dass bei Borax das Verbot oder besser die Einstufung von skandinavischen Ländern mit grün/ökologisch angehauchter Regierung priorisiert und durchgedrückt wurde....d.h. da spielt dann auch die liebe Politik so ziemlich losgelöst von der Praxis (niemand wird Borax als Pulver täglich futtern, Kaviar mal ausgenommen da ist es als Konservierungsmittel immer noch erlaubt) eine Rolle. Ein interessantes PDF ist auch folgendes:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/borsaeure_in_huepfknete.pdf wobei diese Einschätzung nur eine Gefahr beim Verschlucken der Hüpfknete sieht....
Ein anderes Opfer ist Phenolphthalein was (der ECHA sei Dank) als cancerogen eingestuft wurde:
http://safelabs.groupsite.com/uploads/files/x/000/0a4/38e/ECHA_Report_Phenolphthalein.pdf
Der Witz ist, dass diese Substanz jahrelang als Laxans (Abführmittel) verwendet wurde....und früher auch in Chemikästen vorhanden war....

Btw. was viele nicht wissen Hartholzstäube sind als möglicherweise cancerogen für den Menschen eingestuft....und zu den "Harthölzern" gehören eine Menge Hölzer wo man das nicht erwartet: http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/pdf/TRGS-906.pdf?__blob=publicationFile
Eichen- und Buchenholzstaub sind sogar eine Kategorie höher vgl. [...]Buchen- und Eichenholzstaub sind als krebserzeugend eingestuft (Nasenschleimhautkrebs). Das krebserzeugende Prinzip ist noch unbekannt. DieStäube anderer Hölzer stehen im Verdacht, krebserzeugende Wirkung zu besitzen.[...] aus http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/pdf/TRGS-553.pdf?__blob=publicationFile D.h. die Abgabe von Buchenholzstaub wäre nach den Punkt 28 des Anhang XVII der REACH-Verordnung an Privatpersonen verboten.
Nun frage ich mal welcher Heimwerker wechselt seine Klamotten, wenn er im Hobbykeller Rohlinge aus Buchenholz mit Schleifpapier bearbeitet hat?
Warum reite ich darauf so herum? Weil ein Hauptargument für das Abgabeverbot das Gefährdungspotential von CMR-Stoffen ist z.B. gegenüber Kindern.
Aufklärung, Information über die Thematik...nothing, nada, niente....

c) Ausblik oder warum ich es gut finde, dass die Sache immer seltener umgesetzt wird...z.B. die Zulassungspflicht....okay es mag da durchaus aus Fälle geben wo es sinnvoll wäre, nur wenn ich mir die "SVHC Roadmap to 2020 implementation" vgl.
http://echa.europa.eu/addressing-chemicals-of-concern/substances-of-potential-concern/svhc-roadmap-to-2020-implementation und das dort enthalte "PACT – RMOA and hazard assessment activities" https://echa.europa.eu/addressing-chemicals-of-concern/substances-of-potential-concern/pact so ansehe, dann wird mir ein wenig bang was alles da als gefährlich eingestuft werden soll. Da werde ich das Gefühl nicht los, dass da munter über das Ziel hinausgeschossen wird.....

Noch offensichtlicher meiner Meinung nach wird das Ganze wenn man sich CoRAP mit The List ansieht: https://echa.europa.eu/information-on-chemicals/evaluation/community-rolling-action-plan/corap-table hier können besorgte Staaten sich quasi austoben...z.B. Methylsalicylat (kennt man vom Nasenstift her) ist laut der Liste verdächtig eine CMR-Substanz zu sein, was dann bedeutet, dass alle Stoffe dort drauf Kandidaten für die PACT – RMOA and hazard assessment activities-Liste sind, wobei sich ein Teil von diesen später z.B. im Annex XIV von REACH ("Authorisation List") oder Annex XVII (Restriction List) wieder finden wird.

Und diese Listen sollen wachsen.....

Okay....das mag zum Teil durchaus sinnvoll sein....und könnte auch noch verschmerzt werden, wenn da nicht der Pferdefuss wäre dass die Aufnahme in die diversen Anhänge einen nicht gerade kleinen Einfluss auf die Verwendung, den Besitz und den Erwerb egal ob gewerblich oder privat von solchen Substanzen hat und zwar egal in welcher Menge und wie sie verwendet wird.

Der User "Woelen" fast das Ganze recht schön zusammen:
http://www.sciencemadness.org/talk/viewthread.php?tid=23212&page=7#pid444800
http://www.sciencemadness.org/talk/viewthread.php?tid=23212&page=8#pid447042
http://www.sciencemadness.org/talk/viewthread.php?tid=23212&page=8#pid447046

Reine Chemikalien sollen aus dem Leben der (breiten) Allgemeinheit verschwinden und selbst die Anwendung in geringen Mengen verboten sein....d.h. von REACH wir der letzte Teil mit "Restriction of Chemicals" zu fast 100% ausgeführt....

Wobei REACH nur eine Baustelle ist vgl.
[...]Mit anderen Worten je mehr Chemikalien reguliert werden um so eher schneiden wir uns als Gesellschaft ins eigene Fleisch.....und was solle ich bitte interessierten Eltern sagen, die mit ihren Kindern Cyanotypie machen wollen und mich fragen wo sie die Chemikalien bekommen? Probiert es in einer Apotheke oder über das Internet, nur kann es sein, dass dann Leute vom LKA mit einem HD-Befehl bei ihnen zu Hause aufschlagen? Es wäre ja noch zu verschmerzen, wenn nach einer Verdachtsmeldung oder eine Überprüfung des Abgabebuches die ermittelnden Behörden bei dem Besteller einfach mal nachfragen würden (sofern der Besteller einer rein "weiße Weste" hat). Uns liegen Fälle vor, wo Verstöße gegen den "§310 Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens" StgB angenommen wurde, nur weil Chemikalien bestellt wurden.
[...]
aus https://ivntforum.phoerauf.de/viewtopic.php?f=6&t=271

und weitergehend:
https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/USA-Waffenverkaeufe-an-Golfstaaten-fuer-33-Milliarden-Dollar/Tja-Gretchenfrage/posting-26299134/show/
Und da wird auf der anderen Seite geklagt, dass wir mehr Nachwuchs in den naturwissenschaftlichen Fächern brauchen.....

d) Bürokratisches Monster:
Wenn ich mir diesen ganzen Komplex so ansehe mit ECHA und Co. so hängen da eine Menge Arbeitsplätze dran....ich werde da das Gefühl nicht los, dass sich die Sache da etwas verselbstständigt hat d.h. dass sich die Administration immer mehr aufbläht, sich immer Kompetenzen verschafft und immer mehr regulieren, verbieten und einschränken möchte, einfach aus dem Grund, dass sich die dortige Bürokratie ihre Arbeitsplätze sichern will und meiner Meinung nach noch schwerwiegender eine Art Politisierung des Ganzen eintritt. Sprich Regierungen als auch u.U. die ECHA und andere EU-Behörden entscheiden nicht mehr aus wissenschaftlicher Basis sondern probieren da eine grün/ökologische Agenda umzusetzen.
Z.B. wenn man sich CLEEN (Chemicals Legislation European Enforcement Network) so ansieht und da mal die Projekte http://www.cleen-europe.eu/projects/ wobei das Meiste da schon gelaufen ist.
D.h. eine Lockerung wird man da wohl nicht erwarten können...ausser der Bürokratie gerät gehörig Sand ins Getriebe bzw. sie erstickt an ihren eigenen Vorgaben.....

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Umwelthormone-Nur-ein-moderner-Mythos/Sorry-REACH-ist-Scheisse/posting-29846774/show/


Btw.
Maßnahmen damit REACH okay wäre:
a) https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Umwelthormone-Nur-ein-moderner-Mythos/Re-Was-waere-die-bessere-Alternative/posting-29847335/show/
und aus dem der Report:
http://www.auro.de/de/ueber-AURO/sanfte-chemie/fachbeitraege/FB_stellungnahme_zur_reproduktionstoxizitaet_von_boraten.pdf

Paar Gedanken zu CMR:
b) https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Umwelthormone-Nur-ein-moderner-Mythos/Re-Also-Ich-finde-REACH-nicht-schlecht/posting-29850148/show/

BJ68
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