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Wenn man sich z.B. Cellulose-Platten anschaut, hat man nahezu ausschließlich Verteilungschromatographie. Da bringt einem das Modell mit der Elutionskraft noch viel weniger.

Ich habe in meiner Formelsammlung eine ähnliche Tabelle, sie enthält teilweise etwas andere Lösemittel, aber die Werte von den LM, die ebenfalls enthalten sind, sind identisch. Dort ist folgende Erläuterung angeführt:
"Die Elutionskraft E0 gibt die Adsorptionsenergie des Fließmittels (mobile Phase) pro Flächeneinheit des Sorbens (stationäre Phase) an. Je größer die Elutionskraft, desto weniger stark wird der Analyt am Sorbens absorbiert [anm.: das sollte vmtl. adsorbiert heißen], desto stärker wird der Analyt mit dem Lösemittel transportiert, desto größer ist der Rf-Wert. E0 (Al2O3) [anm.: das ist bei mir die Spaltenüberschrift in der Tabelle] ist die Elutionskraft an Aluminiumoxid relativ zu Pentan mit E0=0. Am Sorbens Kieselgel ist die Elutionskraft geringer, die Reihenfolge der Lösemittel bleibt aber gleich."
Quelle: Tabellen zur Chemie und zur Analytik, Hübschmann, Links, Hitzel, Verlag Handwerk und Technik, 12. Auflage, 2011

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Zitat:
Am Sorbens Kieselgel ist die Elutionskraft geringer, die Reihenfolge der Lösemittel bleibt aber gleich."

Das sollte man aber nicht wörtlich nehmen. Selbst auf reverser Phase können sich Reihenfolgen umkehren. Ich habe dazu eine Grafik herausgesucht, die zeigt, dass formal gleicht starke Laufmittelgemische (Die Lösemittel wurden mit Wasser auf die entsprechende Elutions-Kraft abgemischt) völlig unterschiedliche Selektivitäten haben. Das bedeutet, sie sind für die entsprechenden einzelnen Stoffe eben nicht gleich stark, sondern nur gemittelt über "alle" Stoffe.


Quelle: http://quimica.udea.edu.co/~carlopez/cromatohplc/desarrollo-metodos.html


Bezogen auf Benzoin (7) ist Methanol ein eher schwaches Laufmittel, Acetonitril ist stärker und Tetrahydrofuran sehr stark.
Bezogen auf p-Dinitrobenzol (5) ist Tetrahydrofuran sehr schwach, Acetonitril schwach und Methanol sehr stark.

Man kann so einfach keine eindeutige Reihe angeben. Bei formal gleicher Elutionskraft tanzen die Peaks Polka. Und was für die mobilen Phasen gilt, gilt für die stationären Phase in erhöhtem Maße, schließlich gibt es da sogar reverse Phasen und Spezialphasen wie Graphitphasen, die sich völlig anders verhalten, weder normal noch reverse, sondern orthogonal. Wenn auf ein und der selben Phase (und RP sind noch besonders gutmütige Phasen) schon keine klare Reihenfolge mehr gilt, dann wird es bei Betrachtung verschiedener Normalphasen noch viel schlimmer, da haben wir ja auch immer Probleme mit Wassergehalt und Acidität.
Dass die Reihenfolge die gleiche bleibt, muss man also cum grano salis verstehen. Die Aussage ist grob und nach vielen Mittelungen richtig, aber nichts daran ist exakt.

Man muss also immer wieder bedenken, dass diese Trennungen sehr komplex sind und es geht eben nicht einfach nur um "Polarität" wobei auch schon Hansen zeigt, dass Polarität sich mindestens in drei Dimensionen aufspalten lässt.
So wie es aussieht, hilft uns Hansen hier aber auch nur bedingt weiter. Wir können mit seinen Parametern verstehen wieso Cyclohexan stäker ist als n-Hexan und ähnliche Dinge, aber die richtigen Feinheiten kann er uns auch nicht verraten.
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Naja, einen Sinn haben die Mischungen schon. Wenn man sich mal den "Standard-Eluenten" Hexan/EtAc auf Kieselgel anschaut, kann man da durch das Mischungsverhältnis die Polarität und damit die Trennung beeinflussen. Wenn man für eine andere Polarität gleich ein anderes LM wählt, hat man möglicherweise eine völlig andere Selektivität und anstatt die Trennung in einem gegebenen System zu verbessern, fängt man jedes Mal von vorne an.

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Zitat:
- Die Liste ist relativ beliebig und wertarm da sie (zumindest ind er vorgegaukelten Genauigkeit) allenfalls für ein spezielles Referenzmodell aus Platte und Analyt gilt. Immerhin weiß ich jetzt eine Definition

Du weißt sogar zwei (widersprüchliche) Definitionen. Denn wenn du kritisch liest, dann siehst du, dass die von Coumarinderivat gepostete Definition dem widerspricht, was ich gelernt und wiedergegeben habe. Die von Coumarinderivat gepostete Definition ist aber die bessere und sie ist unabhängig vom untersuchten Analyten und beschreibt nur wie stark das Laufmittel an die Phase adsorbiert. Dabei wird unterstellt, dass es auch ähnlich stark den Analyten verdrängen kann. Das muss aber wie wir gesehen haben nicht stimmen. Je nachdem welchen Analyten wir haben, kann es den mal besser mal schlechter verdrängen und lösen. Wir wissen ja aus dem Parameter alleine nicht, wie gut es den Analyten lösen kann.
Der verwirrende Punkt dabei ist, dass aufgrund des geschilderten Selektivitätsproblemes die Elutionskraft nicht angibt, wie stark das Laufmittel deinen Analyten eluiert. Sie gibt nur an, wie stark es selber an die stationäre Phase bindet, was irgendwo eine Aussage darüber ist wie stark es grob gemittelt insgesamt eluieren kann. Das ist ziemlich verwirrend, aber das ist die formale Definition für den Parameter ε0

Eine weitere Definition für die Stärke von Laufmitteln geht von einem Modell mit drei Referenzsubstanzen aus und definiert neben dem Polaritätsfaktor noch drei Selektivitätsfaktoren, wobei die letzteren in der Summe 1 ergeben. Dieses Modell ähnelt sehr dem Hansen-Löslichkeitsmodell und enthält Informationen über die Interaktion vom Lösungsmittel mit Analyten. Solange du aber die Parameter deines Analyten nicht weißt, kannst du damit auch wenig anfangen.



Hier haben wir dann also eine Definition für die "Polarität" und dazu noch eine Information, welche Größen es sind, die das Lösemittel polar wirken lassen. Die chromatografische "Polarität" ist aber streng genommen nicht mit der Elutionskraft gleich zu setzen, auch wenn deine Grafik das unterstellt.
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Tutorial Dünnschichtchromatographie (DC)
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