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Toxikologie von Phenol
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Ich arbeite häufig mit Phenol, dabei steht die Waage nicht im Abzug, sodass ich den Geruch vom Phenol immer ertragen muss. Mich interessiert, ob die Exposition über Lunge vom Phenol für ~3 min. bei 20 °C außerhalb vom Abzug wöchentlich gefährlich ist. Mir macht die mutagene Wirkung Sorgen...
Ebenso habe ich heute mit Phenol gearbeitet, hatte natürlich Handschuhe an, allerdings habe ich nach dem Händewaschen braune Flecken auf der Haut bemerkt, welche ich immer noch habe und die sich nicht entfernen lassen. Weder mit Wasser noch mit Ethanol. Sie rufen keinen Schmerz vor also sollte es keine Verätzung sein. Können diese vom Phenol kommen?

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Q.E.D.
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Nachweise für eine krebserregende Wirkung von Phenol sind extrem spärlich gesät, es gilt als nicht klassifizierbar und das obwohl es eine Bulk-Chemikalie ist, die derart massiv verwendet wird, dass es Berichte von einer krebserregenden Wirkung geben müsste wenn sie stark wäre. Man kann davon ausgehen, dass es wenn überhaupt ausgesprochen schwach wirksam ist, d.h. der normale Arbeitsschutz in einer gesicherten Laborumgebung reicht um Welten aus, denn die Bedingungen in der produzierenden Wirtschaft sind meistens um Größenordnungen schmutziger und anders als bei den ganzen anderen Bulk-Aromaten haben wir keine Daten, die sagen, dass Fabrikarbeiter von Phenol Krebs bekommen bei Benzol, Nitrobenzol und Anilin (vermutlich durch potenter wirksame aromatische Amine, die als Verunreinigungen auftreten) haben wir solche Belege, bei Phenol extrem wenig. Trotzdem solltest du die Wage in den Abzug stellen wenn dir der Geruch zu schaffen macht, denn es ist nichts desto trotz eine sehr scharfe und ätzende Verbindung. Dazu sind diese Geräte da und wenn dir jemand das verwehren will, dann setze dich zur Wehr, das kann doch nicht angehen... Rolling Eyes

Braune Flecken sind leider völlig unspezifisch und können alles sein. Meistens sind andere Chemikalien die Ursache, Kaliumpermanganat, Silbernitrat oder sowas und die sind fast immer harmlos. Das muss nicht aus deinem Experiment kommen, es reicht wenn das irgendwer irgendwann mal irgendwo hin verschmiert hat, das kommt sehr oft vor. Wenn sich das nicht bessert, dann kontaktiere einen Hautarzt und nicht diverse Fremde aus dem Internet, wir können dir damit nicht helfen, außer indem wir dir sagen, dass wir alle schon mal Flecken an den Fingern hatten und dass Phenol weitaus weniger karzinogen und mutagen ist als Benzol oder höhere Aromaten.
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Ich kann mir kaum vorstellen wie Phenol mutagen wirken soll. Es hat keine reaktiven Abgangsgruppen (Halogen) und wird so gut wie gar nicht oxidativ metabolisiert (wobei leicht hochreaktive Metaboliten entstehen, siehe Benzol etc.), sondern an Sulfat oder Glycin gekoppelt und als Phenolsulfonsäure/Hippursäure im Urin ausgeschieden.

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Im MSDS steht, dass er evtl. mutagen wirken könnte, deswegen habe ich die Sorgen...

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Q.E.D.
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Diesen einen Satz würde ich nicht auf die Goldwaage legen. Experimentell kann man Mutagenität für etwa die Hälfte aller Verbindungen nachweisen, inklusive typischer Naturstoffe, die auch Phenole sind und dennoch als gesund gelten wie Fisetin, Quercetin, usw. Nur weil ein Mutagenitätstest positiv ist, ist ein Stoff noch kein gefährliches Gift.
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Nail hat Folgendes geschrieben:
Im MSDS steht, dass er evtl. mutagen wirken könnte, deswegen habe ich die Sorgen...


Bitte nicht alles so wörtlich nehmen und die Kirche mal im Dorf lassen! Wink

lemmi und Xyrofl haben es schon richtig erklärt. Und: So wie man früher bei der Desinfektion in Krankenhäusern und Arztpraxen mit Karbolsäure oder Karbol (alte Bezeichnung für Phenol) umging, hätte es nach MSDS-Intention viele kranke Karbolmäuse = Krankenschwestern und Arzthelferinnen geben müssen... Und ja, ich kenne diesen Duft nach Karbol aus meiner Jugendzeit noch aus Arztpraxis und Krankenhaus! Wink

Da ich meine historischen Experimente dank der erschwerten Chemikalien-Beschaffung mittlerweile ad acta gelegt habe, ärgere ich mich über jeden doofen Angsthasen aus Politik und Gesellschaft... Rolling Eyes Embarassed

Nun habe ich ein "altes" Hobby wieder neu entdeckt: Hörtraining mal anders

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Re: Toxikologie von Phenol
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Nail hat Folgendes geschrieben:
... Ebenso habe ich heute mit Phenol gearbeitet, hatte natürlich Handschuhe an, ...

Da bleibt die Frage, welche Art von Handschuhen hattest Du an?
Waren die überhaupt für Phenol geeignet (Benennbare Durchbruchzeit für Phenol)?
Wie lange hattest Du sie vor/während/nach dem Einwiegen des Phenols an?
Wie lag das Phenol vor und wie sauber wurde gearbeitet (Mußte Streuverlust weggemacht werden)?
Mit welchen Substanzen wurde vor und nach dieser Arbeit mit den Handschuhen gearbeitet?
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Vor einem Jahr habe ich in Südamerika sogar ein Gurgelwasser entdeckt, dessen Wirkstoff 1% Phenol ist (ich habe von der Anwendung abgeraten 😎)

Uranylacetat hat Folgendes geschrieben:
Nun habe ich ein "altes" Hobby wieder neu entdeckt:

Du bist ja richtig vielseitig! Die Kosmos Radio-Experimentierkästen hatte ich auch mal, aber seither alles, was ich mal über Elektronik wusste wieder vergessen... 😏

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