SSL (?): an | aus

Bitte die Forenregeln und die Hinweise zu den Versuchen lesen!

Neue Antwort erstellen PDF (normal) (Druckversion)
Sichtbarmachen von Quecksilberdämpfen
NI2
Illumina-Moderator

Anmeldedatum: 19.08.2008
Beiträge: 4538
Artikel: 83
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Sichtbarmachen von Quecksilberdämpfen

Quecksilber ist - als einziges bei Raumtemperatur flüssiges Metall - für seinen, für Metalle ungewöhnlich hohen, Dampfdruck bekannt. Da es zu den giftigsten Schwermetallen gehört und in der Oxidationsstufe Null die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden kann, gelten Quecksilberdämpfe als äußerst gefährlich. In diesem Demonstrationsversuch werden durch Abschattung eines Fluoreszenzschirmes die Dämpfe über einer kleinen Mengen flüssigen Quecksilbers sichtbar gemacht. Die hier angewendete Methode ist derart sensitiv, dass äußerst geringe Mengen (Nanogramm bis Pikogramm) Quecksilber sichtbar gemacht werden können. Das Grundprinzip dieses Versuches wird auch in der intrumentellen Spurenanalytik, namentlich der Atomabsorptionsspektrometrie (AAS), genutzt, wobei mit elementspezifischen Hohlkathodenlampen ausgesprochen niedrige Nachweisgrenzen erreicht werden können.
Bei Raumtemperatur enthält 1 cm³ mit Quecksilberdampf gesättigte Luft ~13 ng Quecksilber, da es bei diesem Versuch aber nie zu einer vollständigen Sättigung der Luft kommt sind die verdampfenden Mengen an Quecksilber toxikologisch unbedenklich. Es geht bei diesem Versuch nicht darum, die vermeintlich großes Flüchtigkeit des Quecksilbers zu demonstrieren, sondern die Sensibilität dieser Nachweismethode deutlich zu machen. Die hierbei sichtbaren Dämpfe sind nicht vergleichbar mit denen farbiger Gase (z.B.: Stickoxide, Iod) oder den Schlieren leichtflüchtiger Lösungsmittel und Flüssgigase (z.B.: Diethylether, Dichlormethan oder Propan) sondern enthalten um mehrere Größenordnungen weniger Substanz.


Geräte:

UV-C-Lampe (254 nm), DC-Platte mit Fluoreszenzindikator (254 nm), Petrischale, Spritze mit Kanüle


Chemikalien:

Quecksilber (N, T+)


optional:
Mercurisorb (C, N)




Hinweis: Vorsicht beim Umgang mit Quecksilber, keine Pipetten sondern nur Spritzen verwenden! Verschüttetes Quecksilber mit Mercurisorb aufnehmen und gesondert entsorgen.


Durchführung:

Auf einer Heizplatte mit einer Oberflächentemperatur <50 °C wird ein Petrischale mit wenigen Millilitern Quecksilber vor einen fluoreszierenden Schirm (Absorption bei 254 nm) gestellt und mit einer UV-C-Lampe bestrahlt, bei starken Lichtquellen sollte eine Lochblende vor der Lampe angebracht werden. Auf dem Schirm sind nun dunkle Schatten zu sehen, die aus dem Quecksilber emporsteigen.


Entsorgung:

Das Quecksilber wird vorsichtig zurück in das Vorratsgefäß gefüllt. Restliche Tropfen können mit Merucisorb aufgenommen oder mit Salpetersäure gelöst und als Sulfid gefällt werden.


Erklärung:

UV-C-Lampen sind Quecksilber-Niederdruck-Dampflampen und emittieren praktisch ausschließlich Licht der Wellenlänge λ=253,65 nm. Im Gegensatz zu Molekülen besitzen isolierte Atome in der Gasphase lediglich elektronische Freiheitsgrade, das heißt rovibronische Übergänge existieren nicht, deswegen besitzen sie kein Banden- sondern ein Linienspektrum mit scharfen Signalen charakteristischer Wellenlänge. Da der untersuchte Quecksilberdampf ebenfalls bei exakt der selben Wellenlänge absorbiert bei der die Lampe emittiert, ist der Absorptionsprozess optimal, da kein Stoff das Licht der Quecksilberdampflampe so gut absorbieren kann wie Quecksilber selbst.
Das so absorbierte Licht trifft nicht mehr auf den Schirm und es entstehen schwarze Schatten an den Stellen an denen Quecksilberatome das Licht absorbiert haben. Da solche optimalen Absorptionsprozesse im Labor praktisch nie vorkommen wird der Schein erweckt, dass eine hohe Quecksilberkonzentration im Dampf vorliegen muss, da man aus der Erfahrung mit gefärbten Gasen oder Lösungsmitteln sichtbare Schlieren stets mit hohen Konzentrationen assoziiert und olfaktorisch wahrnehmen kann. In diesem Fall werden aber bereits Piko- und Nanogramme Quecksilber sichtbar gemacht, welche als toxikologisch unbedenklich einzuschätzen sind, sofern es sich um eine kurzzeitige Exposition handelt.

Diese Methode wird häufig genutzt um absichtlich den Schein zu erwecken, dass diverse Alltagsgegenstände wie Amalgamfüllungen, Leuchtstoffröhren oder Quecksilberthermometer (nach Freisetzung) große Mengen Quecksilber an die Luft abgeben, auch nachdem das Quecksilber augenscheinlich vollständig entfernt wurde.


Bilder:


Aufbau unter Normallicht


Aufbau unter UV-Licht (254 nm)


Video:



Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Xyrofl entstanden.

_________________
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]

But just because we live does not mean that we’re alive. [E. Autumn]

The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von NI2 anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 2197
Artikel: 52
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 52
Sehr beeindruckend! Ich wusste nicht, daß man Quecksilberdampf mit so einfachen Mitteln sichtbar machen kann. Muss ich gleich mal ausprobieren!

Die schwarzen Wolken vor dem "giftgrünen" Hintergrund sehen in der Tat ziemlich gefährlich aus. Da kann man sich gut vorstellen, dass dieser Effekt zu "Propagandazwecken" genutzt wird. Wird denn aus gewöhnlichem Zahnamalgam bei Raum/Körpertemperatur auch so viel Quecksilber frei, dass es auf diese Weise sichtbar zu machen ist?

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Wissenschaft ist das organisierte Töten von Vorurteilen." (Joachim Kügler)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Admin

Anmeldedatum: 07.05.2006
Beiträge: 6177
Artikel: 266
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 25
Absolut genial! Very Happy Einfach und dennoch ungewöhnlich, lehrreich und überraschend - alles was ein hervorragender Artikel braucht!

_________________
"It is arguably true that the tetrapyrrole system is Nature's most remarkable creation."
- Claude Rimington
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Cyanwasserstoff anzeigenPrivate Nachricht sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
NI2
Illumina-Moderator

Anmeldedatum: 19.08.2008
Beiträge: 4538
Artikel: 83
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
@lemmi: Ja tut es, wie auf Youtube schön demonstriert wird. Und es sieht wirklich gruselig aus, wenn man den Hintergrund nicht kennt. Vergleicht man aber die "Dichte" der Rauchschwaden, sollten dabei pg-Mengen Hg ausgasen, welche in Anbetracht der Aufnahme von Quecksilber über die Nahrung verschwindend gering ist.

_________________
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]

But just because we live does not mean that we’re alive. [E. Autumn]

The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von NI2 anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 08.07.2013
Beiträge: 175
Artikel: 2
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 19
Wunderschöner Versuch, aber wie erklärt man sich, dass so ein großer Bereich dunkel bleibt? Dass sieht so aus, als ob durch den Dampf kaum Strahlung mehr durchkommt.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Stepfan anzeigenPrivate Nachricht senden
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1044
Artikel: 30
Der Satz erklärt es eigentlich: "Da der untersuchte Quecksilberdampf ebenfalls bei exakt der selben Wellenlänge absorbiert bei der die Lampe emittiert"

Aber warum er das tut, steht nicht da. Ich finds leichter verständlich, wenn man das ausführlicher erklärt, nämlich indem man "absorbieren" und "emittieren" nochmal auf Elektronensprache übersetzt (emittieren = von hohem E-Niveau runterfallen, absorbieren = auf hohes Nivau gehoben werden). Weil beides Quecksilber ist (Emissionsquelle "Hg-UV-Lampe" und Absorptionsmedium "bestrahlter Hg-Dampf"), ist die Energie eines jeden von der UV-Lampe abgestrahlten Photons genau so groß, dass die Elektronen im bestrahlten Hg-Dampf wieder diese Energie komplett aufnehmen, also absorbieren können. Eigentlich müsste schon eine Schicht von nur einer Atomdicke Hg ausreichen, um einen totalen Schatten zu erzeugen. Aber was passiert mit der vom bestrahlten Dampf aufgenommenen Energie? Entweder wird die auch wieder als UV-Strahlung abgegeben (in alle Richtungen, also nicht nur zum Schirm hin, deshalb ist es dort dunkler) oder als energieärmere Strahlung (Wärme oder so)...

@NI2: Das Ganze passt doch besser zur Physik-Abteilung der Artikelschmiede als in die Spielwiese. Wink
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 24.07.2008
Beiträge: 907
Artikel: 5
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 25
Pok, deine Annahme klingt plausibel, ich würde auch vermuten, dass die Energie, egal in welcher Form, in alle Richtungen abgegeben wird.
Zu folgendem Satz möchte ich aber zwei weitere Anregungen hinzufügen:
Pok hat Folgendes geschrieben:
Eigentlich müsste schon eine Schicht von nur einer Atomdicke Hg ausreichen, um einen totalen Schatten zu erzeugen.

Zum Einen sind die Atome keine Quader, die in einer 1-atomigen Schicht eine geschlossene Fläche bilden können. Die meiste Strahlung wird durch das "Nichts" zwischen Kern und Elektronen transmittieren.
Zum Anderen muss, nimmt man die 1-atomige Schicht doch als geschlossene Fläche an, die Lampe hinreichend schwach sein. Die Atome sind eine gewisse kurze Zeit angeregt (10-xxs), in der sie kein weites UV-Quant/Licht absorbieren können. Kommt in dieser Zeit weitere Strahlung an, wird diese vermutlich auch transmittieren.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Timmopheus anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 08.07.2013
Beiträge: 175
Artikel: 2
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 19
Darum ging es mir eigentlich, dass das Quecksilber genau die Wellenlänge der UV-Lampe absorbiert ist mir klar. Ich kann mir eher nicht vorstellen, dass solch geringe Mengen auf der Fläche schon einen so starken Schatten werfen, unter anderem aus den von Timmopheus genannten Gründen.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Stepfan anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 24.07.2008
Beiträge: 907
Artikel: 5
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 25
Ich musste bei der Absorption zuerst an den Streuversuch von Alphateilchen an einer Blattgoldfolie denken. Da transmittieren ja die meisten Alphateilchen, da die Atomkerne so verschwindend klein sind. Ich könnte mir vorstellen, dass die Elektronen durch ihre Anzahl und Geschwindigkeit eine größere Wahrscheinlichkeit haben ein Photon zu absorbieren, als im Gold der Atomkern ein Alphateilchen streut/absorbiert
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Timmopheus anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 08.08.2010
Beiträge: 882
Artikel: 4
Wohnort: Berlin-Pankow
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 56
Bin echt schwer begeistert vom Effekt und der Einfachheit dieses tollen Versuches!

_________________
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Member of IVNT e. V." http://ivntforum.phoerauf.de/
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Uranylacetat anzeigenPrivate Nachricht senden
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1044
Artikel: 30
In 1 cm³ Hg-gesättigter Atmosphäre sind schon 39 Billionen Hg-Atome. Angenommen, die Lampe hatte 100 Watt und 10 % Effizienz. Ein Photon mit 250 nm Wellelänge hat 8 * 10-19Joule. Also emittiert die Lampe 12,5 Trillionen Photonen pro Sekunde in alle Richtungen. Auf die 1 cm² "Frontfläche" des 1 cm³ Würfels gefüllt mit Hg-Dampf treffen dann vielleicht 1/10000 dieser Menge, also 1 Billiarde Photonen pro Sekunde. Dann hat jedes Hg-Atom immer noch ewig (im Durchschnitt 39 Millisekunden) Zeit, um das angeregte Elektron wieder in den Grundzustand fallen zu lassen. Selbst wenn die Hg-Atmosphäre nur 10 oder 1 % der Sättigungskonzentration hat, ist noch genug Zeit vorhanden.

Den Rutherford-Versuch halte ich auch nicht für einen passenden Vergleich und glaube auch, dass die Elektronen viel leichter Photonen "einfangen". Nämlich wirklich schon dann, wenn das Photon irgendwo innerhalb des Hg-Atomdurchmessers auftrifft.

Edit: in gesättigter Hg-Atmosphäre wäre die durchschnittliche Schichtdicke der Hg-Atome nur ca. 0,1 Atome bei 1 cm dicken Dampfschwaden. Also nur 10 % der Fläche wäre eigentlich für Photonen "empfänglich". Aber da die Wellenlänge 254 nm beträgt und der Hg-Atomdurchmesser nur 150 pm, trifft praktisch jedes Photon auch auf ein Hg-Atom. Wie bei Mikrowellen, die durch 1 mm Gitter effektiv abgehalten werden können, müsste das auch mit den UV-Photonen locker klappen. Also wären sogar theoretische Schichtdicken weit unter 1 Atomdicke ausreichend, um einen totalen Schatten zu erzeugen.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 2197
Artikel: 52
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 52
[EDIT: in die Artikelschmiede verschoben]

N.B. der Begriff "Visualisierung" passt nicht wirklich, da man darunter eigentlich die bildhafte, anschauliche Darstellung von abstrakten Konzepten und nicht einfach nur das Sichtbarmachen von für das bloße Auge nicht sichtbaren, realen Gegenständen versteht (Wikipedia). Wenn man sich Bakterien im Mikroskop ansieht, spricht man auch nicht von der Visualisierung der Bakterien. Es handelt sich hier um eine falsche - wenngleich sicher übliche und sogar verständliche - Verwendung eines Fremdwortes. Grund ist, dass sich das Fremdwort im wissenschaftlichen Zusammenhang scheinbar besser anhört, als das hier eigentlich anzuwendende deutsche Wort "Sichtbarmachen".

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Wissenschaft ist das organisierte Töten von Vorurteilen." (Joachim Kügler)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 25.09.2010
Beiträge: 538
Artikel: 0
Das anregende Licht in diesem Experiment ist optimal, also sollte man davon ausgehen, dass in diesem Fall die Hg-Atome das Licht ähnlich schnell aufnehmen können, wie angeregte Hg-Atome es aussenden können.
Für angeregte Atome beträgt die Lebensdauer in etwa 10-9 sekunden. Das bedeutet innerhalb dieser Zeit geht ein angeregtes Hg-Atom unter Aussendung eines Photons in den Grundzustand über. Die Emission ist also nicht unendlich schnell. Das gleiche muss für die Absorption gelten. Das sind ähnliche Fälle, in beiden werden zwei orthogonale Zustände durch ein Feld miteinander gekoppelt.

Wir dürfen also nicht vermuten, dass die Absorption unendlich effektiv ist, denn die Emission ist es auch nicht. Aber wir können uns aber sicher sein, dass sie sehr effektiv und optimal ist, denn immerhin stehen emittierende und absorbierende Atome in Resonanz.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Xyrofl anzeigenPrivate Nachricht senden
Pok
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1044
Artikel: 30
Xyrofl hat Folgendes geschrieben:
Das anregende Licht in diesem Experiment ist optimal, also sollte man davon ausgehen, dass in diesem Fall die Hg-Atome das Licht ähnlich schnell aufnehmen können, wie angeregte Hg-Atome es aussenden können.

Warum? Laut diesem Buch hier ist es nicht so. Da liegt die Absorptionszeit im Bereich von 10-15 s ("photon absorption time") und die Emission ("electron cooling time") läuft ungefähr 1000 mal schneller ab. Allerdings weiß ich nicht, ob das Buch auch von demselben spricht, worum es hier geht. In jedem Fall hat das Quecksilber in dem Versuch kein Zeitproblem mit den anfliegenden Photonen. Wink

Stimmt denn der Vergleich von großen Photonen/kleinen Hg-Atomen mit Mikrowellen/Gitter? Und wird das absorbierte Licht dann auch als UV-Strahlung oder schrittweise in E-schwächerer Strahlung abgegeben?
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Pok anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 25.09.2010
Beiträge: 538
Artikel: 0
Die 10-9 Sekunden sind die mittlere Lebensdauer, die man aus der Spektroskopie typischerweise für die angeregten Atome kennt. Kann sicher um wenige Größenordnungen nach oben oder unten abweichen. Das Buch redet von Polymeren, die man sicher nicht mit einzelnen Atomen vergleichen kann. Habe ich mit einem Atom eine Absorption pro Nanosekunde, dann habe ich mit 106 Atomen im Mittel eine Absorption pro femtosekunde. Wie viele Atome braucht das Polymer? Wir wissen es nicht.

Für die "electron cooling time" stehen da Picosekunden, das ist 1000 mal langsamer als Femtosekunden. Aber das ist nicht das, was wir suchen, denn Polymere sind so ziemlich das Gegenteil von freien Atome, die elektronische Anregung relaxiert völlig anders.

Zitat:
Und wird das absorbierte Licht dann auch als UV-Strahlung oder schrittweise in E-schwächerer Strahlung abgegeben?

Die Abgabe erfolgt über exakt den gleichen Mechanismus wie in der Lampe selbst (Angeregter Zustand und Grundzustand koppeln über das QE-Feld und wandeln sich über Entsenden eines Photons ineinander um) und da wir wissen, dass dieser Übergang sehr sauber ist, wissen wir, dass ziemlich sicher auch wieder ein Photon der Wellenlänge 254 nm abgegeben wird. Ob die Anregung von einem Photon stammt wie bei dem Dampf vor dem Schirm, oder von der Elektrode kommt, wie in der Lampe, das ist ja egal.
Andere Energieumwandlungsformen existieren für isolierte Atome praktisch nicht, da sie keine Rotationsschwingungsspektren haben. Durch Kollision mit Stickstoff o.ä. kann aber die Anregung gequencht werden. Welche Rolle das hier spielen kann, ist wilde Spekulation, denn ob das Licht "reflektiert" oder geschluckt wird, ist völlig egal. Weißer Rauch schirmt genauso gut ab wie schwarzer und wirft genauso gute Schatten.

Zitat:
Stimmt denn der Vergleich von großen Photonen/kleinen Hg-Atomen mit Mikrowellen/Gitter?

Auf jeden Fall. UV-Licht kann keine Strukturen unter dem Beugungslimit auflösen, die Hg-Atome sind auf jeden Fall klein gegenüber der Wellenlänge, da gibt es kein "hindurchschlüpfen zwischen den Elektronen". Das Feld in Photonen zu zerlegen, die sich durch irgendwelche Näherungen und Interpretationen wie Punkte verhalten sollen, macht alles nur kompliziert. Man muss sich eher vorstellen, wie die Elektronenhülle im Wechselfeld in Schwingung versetzt wird und dadurch die Elektronenhülle in einen angeregten Zustand übergeht. Das braucht auf jeden Fall seine Zeit, aber da das Feld der eingestrahlten Photonen die optimale Frequenz hat, geht das schnell, bzw. zumindest schneller und besser als auf allen anderen Frequenzen.
Stellt man sich das Hg-Atom also als eine Antenne vor, die u.a. auf 254nm abgestimmt ist, dann muss man sehen, dass es dort sowohl am besten Senden, als auch am besten empfangen kann. Die Kopplung ans Feld ist aber auch auf der Frequenz nicht unendlich gut, dann wäre es ein unphysikalische Antenne. Es gibt sicher auch Übergänge, die kann man per Photon-Einstrahlung gar nicht richtig anregen, z.B. weil ihr Übergangsdipolmoment verschwindet, das sind z.B. die symmetrieverbotenen Schwingungs-Banden, die man im IR nicht sehen kann, selbst auf ihrer Resonanzfrequenz nicht.
Es gibt also zusätzlich zur Resonanzfrequenz und der Bandenbreite noch eine weitere Größe. Diese kann man sich vorstellen wie die "Qualität" der Antenne. Nur weil man auf der gleichen Wellenlänge funkt, kann man sich nicht über unendliche Distanzen hören, man braucht auch hochwertige Geräte, d.h. welche die empfindlich auf das Feld reagieren und im Umkehrschluss auch gut auf das Feld einwirken können. Die Antennen sollen gut ans Feld koppeln.

Man muss sehen, dass dieser Einflussfaktor gerade bei der Hg-UVC-Linie extrem hoch sein muss, denn das ist eine der stärksten Atomemissionslinien, die man kennt.

Wir haben in diesem Versuch also alles was wir für eine hohe Empfindlichkeit brauchen, wir senden und empfangen schmalbandig auf perfekt abgestimmter Frequenz mit sehr gut ans Feld ankoppelnden Systemen.

Nachtrag: Als Vergleich, wie viel Quecksilber unser Organismus vertragen kann, bzw. wie viel wir über die Nahrung aufnehmen.

Zitat:
Seefisch enthält durchschnittlich etwa 0,1ppm Quecksilber (entspricht 0,1 mg/kg). Die deutsche Verordnung über Höchstmengen an Schadstoffen in Lebensmitteln erlaubt bei Aal, Stör, Lachs, Blauleng, Eis-
hai, Heringshai, Rotbarsch, Thunfisch, Schwertfisch und weißem Heilbutt bis zu 1 ppm.
http://www.uni-duesseldorf.de/kojda-pharmalehrbuch/apothekenmagazin/Editorials/2003-03.pdf

Hierbei muss man beachten, dass Quecksilber in den Dämpfen elementar vorliegt und im Fisch nicht, wo es allerdings als zu einem großen Anteil als Methylquecksilber vorliegt und somit anscheinend eher gefährlicher ist als das elementare Quecksilber aus den Dämpfen.
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Xyrofl anzeigenPrivate Nachricht senden
Sichtbarmachen von Quecksilberdämpfen
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 2  



Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
  
   
  Neue Antwort erstellen