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Seignette- / Rochelle-Salz / K N Tartrat "Emulsion"
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Hallo,

(Setze sofort den Anfänger-Hut auf, bitte gernstens um dienliche Hinweise)

Ich habe mir ein, so denke ich, etwas ambitioniertes Ziel gesetzt. K N Tartrat soll neben piezo- & pyroelektrisch auch noch 1) photorefraktiv und 2) photoelektrisch sein. In der Literatur ist recht wenig darüber zu finden. Ich suche nun nach einem einfachen (und erschwinglichen) Weg, diese Eigenschaften zu testen und, im Fall des Falles, auch demonstrativ sichtbar zu machen.

Mit Müh & Not konnte ich mir 30g Rochelle-Salz aus dem Labor einer Apotheke abwiegen lassen, Kostenpunkt: acht Euro. Mit dieser Menge bei der Löslichkeit kann man recht wenig anfangen, so habe ich gelernt. Bestellbar ist nichts (bis auf anderswo das für den fotografischen Kallitypie-Prozess notwendige Material, zwar sehr gut, aber auch sehr teuer & es sollte so gehen).

Natürlich bin ich auch im Supermarkt auf das Weinstein-Backpulver gestossen, und auf diesen Thread: http://illumina-chemie.de/gewinnung-von-kaliumhydrogentartrat-aus-weinstein-backpulver-t2447.html.
"Gut" Weinstein-Backpulver kostet €0,65.- / 45g, das Preis-Leistungs-Verhältnis hätte sich zwar etwas verbessert, damit aber sicher nicht das Ergebnis. Zudem soll es nicht ganz leicht sein, einen guten Einkristall in genügender Größe zu züchten bzw. zu bearbeiten (Könnte man natürlich auch fertig in optischer Qualität kaufen, aber das ist nicht das Ziel). Außerdem fehlte mir eine klare Idee für einen Versuchsaufbau zu 1) (Polare Betrachtungsmöglichkeit ist vorhanden), der Refraktions-Index des Kristalles entlang der Z-Achse soll sich ändern, wenn ein elektrisches Feld angelegt wird, daher erwarte ich mir ein spontane Farb-Änderung der Probe, wie wenn ich eine zusätzliche Lambda-Platte in den Strahlengang setzen würde (Vielleicht habe ich aber auch die Beschreibung des Effektes nicht richtig verstanden).

Beim Betrachten der Inhaltsangabe des Weinstein-Backpulvers dachte ich nun an eine Foto-"Emulsion", also Suspension von Makro-Kristallen in einem Gel. Folgende Überlegung: Das "Natron" soll ab 50° zu Soda zerfallen. Würde dann nicht eine Lösung entstehen, die die Kristallisation ermöglicht? Die Maisstärke beginnt bei 48° auszufällen, anstatt sie also durch Umkristallisation auszufiltern, müsste ich bei richtiger Mischung & Handhabung nicht in der Lage sein, ein "Rochelle-Gel" herzustellen? Ich weiß, das trifft nicht unbedingt das Thema Kristall-Züchtung in Gelen, das ohnehin in Richtung "Heiliger Gral" geht.

Weiters hätte ich gedacht, das Rochelle-haltige Gel auf einen Streifen unbelichteten, aber entwickelten Kleinbild-SW-Fotomaterials (Foto-Emulsion ist abgewaschen, Material ist optisch neutral) aufzubringen. Etwas Glycerin würde die "Emulsion" elastisch halten. Dann könnte ich längsseitig Elektroden aus Aluminium-Folie anbringen, und den Streifen so in Stücke schneiden, daß sie in Dia-Positiv-Rahmen (mit Anschluß nach aussen) passen. Das würde die Handhabung erleichtern, soweit die Theorie.

Das Hühnchen ist nun aber, verdampft nochmal, keineswegs annähernd sphärisch:

    - Bleibt das Gel leitend? Könnte ich den Effekt so überhaupt "betrachten"?
    - Mondamin macht scheinbar nicht immer ein weißliches Gel, könnte ich das irgendwie transparent halten (Mischverhältnisse, Bearbeitungsdauer & -Reihenfolge)?
    - Das Mondamin gilt auch als Emulgator in Gelen, dann sollte es aber nicht ausgefällt sein, denke ich => doch "kalt" in Gelatine einbringen? Dann bräuchte ich aber wieder..


Das Rochelle-Salz aus der Apotheke liegt in relativ groben Kristallen bis 0,5mm diag. vor, im Weinstein-Backpulver kann man mit der Lupe sehr, sehr kleine Kristalle sehen.

Bevor ich anfange zu "Patzen", würde ich ganz gerne eure Kritiken, Ideen & Anregungen hören. Auch ein "Das geht gar nicht, weil.." würde mir z.B. sehr helfen. Das "elektrische" bliebe ohnehin auszuprobieren, ich denke, je dicker die Schicht der Emulsion, desto mehr Volt..

Eine (etwas ärmliche) Demonstration der Refraktion von Rochelle-/Seigentte-Salz:

http://www.youtube.com/watch?v=iyQJhbcgbqM

Und hier eine kurze Demonstration des Kalligraphie-Prozesses (mit Überraschungseffekt):

http://www.youtube.com/watch?v=eQZZYDT-4dw

Sehr viel schöner & etwas länger kann man die Kalligraphie hier sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=Cof_cfC3jss


Viele Grüße


P.s.: Zu 2) habe ich noch gar keine Idee.
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Bevor du mit irgendwelchem Backpulver rumpanschst um dann frustriert festzustellen, dass das nix wird kuck doch nochmal bei Google. Hab da nach 30 Sekunden 500g Kaliumnatriumtartrat für € 10,80 bzw 25 Kilo für € 285,- gefunden. Wink

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So, habe jetzt Wochenende und ein wenig mehr Zeit. Wenn du die Effekte welche das Seignettesalz aufweist beobachten möchtest wirst du da mit entsprechend großen Kristallen arbeiten müssen. Die Idee das ganze in einer Art Fotoemulsion unterzubringen macht keinen Sinn. Die Löslichkeit des Salzes in Wasser ist dafür viel zu hoch und du hättest eine rein zufällige Anordnung der Kristalle in der Emulsionsschicht. Letztlich also nicht zielführend, da die Anordnung in der Gelatineschicht dazu führen würde, dass messbare Effekte jeglicher Art dadurch kompensiert würden, dass anders ausgerichtete Kristalle genau das Gegenteil oder einen einen entsprechen Bruchteil verursachen würden.
Dazu kommt noch die Sache mit der Abgreifbarkeit. Bei so einer Gelatineschicht wirst du nicht vernünftig messen können, da immer ein Restanteil Wasser vorhanden ist welcher als Elektrolyt wirkt und dir das ganze System intrinsich kurzschliesst.

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Danke für deinen ersten Rat, 500g zu €8.- , was nützt das Panschen (=>Einkristall).

Die 25kg lege ich mir zu, sobald ich mein "Verfahren" zum Patent anmelde Wink

Als ich den Beitrag abschickte dachte ich noch, hätte ich das mit dem Backpulver lieber weg gelassen.

Habe inzwischen auch bemerkt, daß ich die Gel-Idee knicken kann. Seignette-Salz will seine tollen Eigenschaften wohl nur im Einkristall zeigen. Vielen Dank auch für die Erläuterung! Was ist wohl der Grund dafür, warum z.B. Bariumtitanat auch in polykristalliner Form "geordnet" wirkt?

Es gibt einige Piezo-Beispiele von Seignette-Einkristallen, mit Alufolie & Messgerät, drücken oder in eine Zwinge spannen, bei manchen reicht auch pusten. Aber bisher habe ich (außer Papieren..) nichts gefunden, wo umgekehrt eine Spannung angelegt wird. Vielleicht weil man ein geregeltes Netzteil und Hochspannung benötigt, und es in einem Polarisationsmikroskop betrachtet? Die "Einfachheit" geht mir auch von dannen..

Vielleicht dient es der Unterhaltung, habe hier noch einen sehr schönen Artikel zu Seignette-Salz, seiner Geschichte, Herstellung & Vermarktung gefunden: http://www.extremenxt.com/blog/?page_id=77 (EN). Sehr nett das Bild einer "Kinderstube" für Kristalle mit Wiegen. Und Nannies.

Schönes Wochenende!
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