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persönliche Motivation für die Chemie
IllumiNobel-Gewinner 2012

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Otto Krätz* hat Folgendes geschrieben:
Die Chemie war und ist eine Femme fatale, ihre Verehrer bedrohend, ja gar nicht so selten dahinraffend, und dabei doch von ewigem, geheimnisvollem Reiz. Eine schöne Frau, von der sich fernzuhalten schwer fällt, wenn es vielleicht auch vernünftig wäre!


Zwei schöne Artikel vom Altmeister der Chemiegeschichte, Otto Krätz, haben mich auf die Idee gebracht, mal darüber nachzudenken und nachzufragen, was eigentlich in Menschen vorgeht, die sich mit Chemie und speziell mit chemischen Experimenten beschäftigen (Otto Krätz nennt sie mit einem schönen Wort "Chemietreibende").

Also meine Fragen an euch: Was ist für euch das, was die Chemie als Hobby oder Beruf so interessant macht? Warum nicht eine andere Wissenschaft? Die sind natürlich auch interessant, aber was genau ist das Besondere an der Chemie. Mehr psychologisch gefragt: welches Bedürftnis wird mit dem Experimentieren befriedigt (davon abgesehen, daß man als Beruf damit Geld verdient natürich). Was ist eure persönliche Motivation?

Ich bin gespannt auf eure Antworten!

lemmi


*Krätz, Otto: Das chemische Laboratorium, Quelle des Fortschritts oder Kammer des Schreckens?; Angewandte Chemie 116 (2004): 1802-1813
Krätz, Otto: Die Einsamkeit des Amateurs, Hobby- und Dandy-Chemiker in Ihren Laboratorien; Chemkon 11 (2004): 175-183

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NI2
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Schönes Zitat, und leider ach so wahr. Ich finde selbst nicht genug Zeit um all die Experimente/Synthesen durchzuführen, die mir so in den Sinn kommen.

Der Reiz an der Chemie, insbesondere an der Organischen Chemie ist für mich die Beeinflussbarkeit und Veränderlichkeit der Materie, die Tatsache, dass man Moleküle und damit Stoffe herstellen kann, deren Molekülbau so aussieht wie man will - eigentlich nichts anderes als Minecraft oder Lego, nur mit dem Unterschied, dass man (gerade in der Hobbychemie) nicht sehen kann, WAS man wirklich verändert hat sondern der Stoff andere Eigenschaften hat, die man wiederum bestimmen kann. Damit ist nicht nur die Veränderlichkeit der Materie selbst, sondern ihrer Eigenschaften das, was mich an der Chemie und mir Spaß macht.

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Warum ich mich der Magie ergeben habe ? Nun:

Dass ich nicht mehr mit sauerm Schweiß,
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält.



mfg

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It is always better to have no ideas than false ones; to believe nothing, than to believe what is wrong.
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Ich schließe mich Hannes an. Viele Stoffe haben einfach faszinierende Eigenschaften, ob nun Farbe, Fluoreszenz, Reaktivität oder meinetwegen auch nur ein angenehmer Geruch und darüber hinaus finde ich die Strukturen insbesondere von komplizierten Naturstoffen etc. oft auch an sich ästhetisch. Ich finde es toll, solche Stoffe aus möglichst einfachen Ausgangsverbindungen aufbauen zu können. Nicht nur wegen des Endprodukts, insbesondere bei mehrstufigen Synthesen gibt es auch auf dem Weg manchmal so einiges Interessantes zu entdecken. Damit sind nicht nur Stoffeigenschaften gemeint, manchmal trifft man auch auf sehr unerwartete Reaktionen. Die Chemie überrascht einfach immer wieder, aber nicht einmal unbedingt auf spektakuläre Weise. Man muss sich mal vor Augen führen, wie viele teils sehr wichtige Entdeckungen in der Chemie dadurch zustande kamen, dass eben nicht eine neue Reaktion ausprobiert und nach klappt/klappt-nicht kategorisiert wurde oder etwas einfach nur synthetisiert und das erwünschte Produkt isoliert und aufgereinigt wurde, sondern dass man auch einfach mal geschaut hat, was im "Schlonz" so alles drin ist. Pedersen beispielsweise hat dadurch einen Nobelpreis bekommen.

Es gibt da auch ein schönes Zitat zu:

"The most exciting phrase to hear in science, the only one that heralds new discoveries, is not 'Eureka!', but rather, 'Hmm...that’s funny...'."
- Isaac Asimov

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"It is arguably true that the tetrapyrrole system is Nature's most remarkable creation."
- Claude Rimington
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Ich kann mich nur Hannes und Jan anschließen. Es ist einfach wunderbar, dass man Sachen so verändern kann. Auch wenn es nur eine kleine Gruppe ist die man an einem solch riesig anmutenden Molekül verändert, kann sich dabei alles ändern. Ob es Farbe, reaktivität oder etwas anders ist. Für mich zählt zu 90% der weg. Für mich muss das Ausgangsprodukt nicht mal wirklich einen besonderen Zweck habe . Mich begeistert das experimentieren selbst und dabei immer etwas zu lernen. Manche basteln halt an Elektronik oder an Mopeds und ich eben an Molekülen. Das ist auch das warum viele hobbychemie komisch finden. Denn sie sehen nur was am Ende raus kommt und das begeistert sie außer bei flourophoren nicht wirklich. Sie sehen aber nicht den weg und die Leiden schafft die man darein investiert. Bei eigentlich den meisten Hobbys ist es so. Was hat ein puppensammler vom puppensammeln? Den weg und das sammeln selbst ist sein Antrieb und so ist unser Antrieb der Spaß etwas neues zu lernen zu enddecken oder auszuproberen.

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Danke für eure Antworten! Ganz überwiegende Motivation bisher: das schaffen, die poiesis oder eben Synthese. Das Gestalten steht im Vordergrund. Und die Herausforderung das Ziel zu erreichen - wobei Boxah fast buddhistisch sagt "der Weg ist das Ziel". Darf ich da noch etwas weiter fragen: was ist das Schöne am Kochen von Präparaten, am Weg eben?

Cyanwasserstoff hat das Entdecken, insbesondere das überraschende Entdecken, als schön beschrieben. Das ist ja was anderes als das planvolle Forschen, das bisher noch niemand erwähnt hat. Frankie hat das Verstehen betont - jedenfalls wenn ich sein Zitat des Faust richtig interpretiere. Interessanterweise ist das scheinbar mit dem Erleben von Magie verbunden ("... drum hab´ ich mich der Magie ergeben!").

Für mich selbst - ich gestehe es offen und oute mich - sind Synthesen und das Basteln an Molekülen eher zweitrangig. Meine Gründe warum ich die Chemie faszinierend finde sind andere. Und sie sind dreierlei.

Erstens ist Chemie für mich (fast) Zauberei. Als kleiner Junge wollte ich immer Zauberer werden. Die Chemie ist die Wissenschaft, die der Zauberei am nächsten kommt, denn in ihr werden Stoffe "verwandelt". Und zwar so, daß man dabei ununterbrochen zuschauen kann und doch nicht richtig sieht wie die Verwandlung geschieht. In der Physik braucht man Maschinen, deren Funktionsweise allzu evident ist. Die Effekte von physikalischen Kunststücken, oder auch den Zaubertrickes der Bühnenmagier sind eben Tricks. Sie arbeiten mit doppletem Boden, was sie vormachen ist nicht echt. In der Chemie ändert sich die Farbe einer Lösung wirklich, es blitzt und leuchtet oder knallt tatsächlich. Die Stoffe wandeln sich, ohne dass wir sie heimlich gegen andere austauschen. Daher war die Figur des Zauberers fast immer mit einem Labor, mit Zaubertränken und brodelnden Kesseln, aber nicht mit Zahnrädern, Spiegeln, Federn und Motoren assoziiert.

Die Magier waren ja auch die Wissenden und damit verbunden ist das Zweite was mich fasziniert: das Verstehen und Erkennen - chemisch gesprochen: die Analytik. Das Verborgene sichtbar machen (vielleicht - das fällt mir jetzt gerade erst auf - mikroskopiere ich deswegen auch so gerne). Ich finde es faszinierend unsichtbare Stoffmengen nachweisen zu können. Und staune jedesmal wenn es wirklich gelingt. Es ist ja nichtso, daß ich den Büchern nicht glaube. Aber es selbst zu erleben, daß der Nachweis klappt, ist immer wieder faszinierend. Platt gesaagt bin ich Analytiker, nicht Synthetiker. Wenn ich eine Synthese mache, muss das Endprodukt für was gut sein, z.B als Ausgangsstoff für einen nächsten Versuch. Oder der Versuch selbst hat eine Aura des Verstehens, die es mir angetan hat - meistens eine historische oder philosophische Aura. Wissen ist Macht! (vielen Dank frankie, daß du mich auf die Verbindung von Magie und Erkenntnis aufmerksam gemacht hast!)

Drittens ist für Chemie für mich eine faszinierende Schnittstelle zwischen Alltag und Wissenschaft. Ich stelle gern Verknüpfungen her. Ich finde es toll, zu wissen warum im Kochkessel Kalk ausfällt (und bin immer wieder verblüfft, daß es Menschen gibt, die das nicht wissen, so banal kommt mir das vor) und was das mit Tropfsteinhöhlen zu tun hat und damit, daß in manchem Wasser die Seife nicht schäumt während man sie mit anderem kaum von der Haut abkriegt. Ausserdem kann man sie ohne großen Aufwand überall betreiben und sei es im Urwald wenn man in einer Blechdose auf einem Holzfeuer aus Asche und Fett Seife kocht. Ich fände die Chemie, glaube ich, ziemlich öde, wenn ich mich nur auf die Chemie beziehen würde. Die Beziehungen zur Welt machen sie erst richtig spannend.

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Ich kann mich Hannes und Jan nur anschliessen, das ist ziemlich gut auf den Punkt gebracht.
Eigentlich zur Chemie gekommen bin ich, da mich als Kind einfach Reagenzglässer mit farbigen Flüssigkeiten fasziniert haben.
Das hatte damals und heute immer noch etwas ästhetisches.
Irgendwann öffnete in der Nähe von unseren Spielplatz ein "Chemieladen" bei dem es Reagenzglässer zu 30Pfennigen das Stück zu kaufen gab.
Ab da wars dann geschehen. Wir haben damals alle erdenklichen Flüssigkeiten, angefangen vom Spülmittel über Gewürzen,
Farben und weissichwas "zusammengemischt", um zu sehen was passiert.
Passiert ist damals nicht viel, irgendwann kam dann der erste Chemiekasten und diverse Bücher dazu.
Seitdem gehts dahin; -wobei mein Interesse nicht nur der Chemie, sondern allen Bereichen der Wissenschaft gilt.
Angefangen hats aber auf jeden Fall mit Reagenzgläsern und Chemie.
Vor kurzen hab ich ein kleines Fläschchen Erdöl bekommen, seit langen ein Traum und ich hab mich gefreut wie damals als Kind.
-erstmal einen Tropfen im Reagenzglas mit Wasser vermischen und sehen was passiert Very Happy
Passiert ist erwartungsgemäss nicht allzuviel, aber "der Versuch war zufriedenstellend".

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Zitat:
-erstmal einen Tropfen im Reagenzglas mit Wasser vermischen und sehen was passiert Very Happy
Passiert ist erwartungsgemäss nicht allzuviel, aber "der Versuch war zufriedenstellend".
...tja, "mischen impossible" Wink

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"...wie ein Sprecher betont,hat für die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden."
"...mittlerweile rostet das Miststück..." E.v. Däniken
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Also bei mir ist es eher so, dass mich Chemie (besonders bevor ich es als Schulfach hatte) immer interessiert hat, weil es mir gut praktizierbar (spannende Versuche) vorkam. Und dabei war es gar nicht das Periodensystem, sondern zuerst der Gasbrenner, der mich inspiriert hat. Naja, vielleicht hätte ich ohne meinen alten Lehrer den wir in der achten Klasse hatten mich auch nie so ausgiebig dafür interessiert (ich hatte auch besonders in der neunten und zehnten Klasse ziemliches Glück mit meinem anderen Lehrer).
Und naja, ich fand wie gesagt das praktische interessant, aber auch, dass so viele eben mit Chemie nix zu tun haben wollten und ich der best informierteste sein wollte/will. Und mein Lehrer den wir in der achten Klasse hatten hat mich da wesentlich zu inspirieren können (älterer Mann mit Bart und Brille). Ich fand es zusätzlich geheimnisvoll, was hinter Chemie genau steckt und bin auch immer noch begeistert hinter bestimmten Fragestellungen her.

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...the question is not, Can they reason? nor, Can they talk? but, Can they suffer? (Jeremy Bentham)


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