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Persönliche Bedeutung der Chemie
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Ich würde gern einmal von euch wissen, was euch persönlich die Chemie bedeutet. Was fasziniert euch daran, welche Gefühle empfindet ihr beim "Chemie machen"?

Ich habe mich beispielsweise schon früh für all das interessiert, was einem das "MacGyver-Gefühl" gibt, also mit Hausmitteln zu experimentieren, aber trotzdem Einblicke zu haben. Ein "Hinter-die-Dinge-schauen", wie wenn man durch einen Laden geht und z. B. Rohrreiniger sieht und sich denkt: "Hm. Da könnte ich Natronlauge draus gewinnen". Es ist also kein einfacher Rohrreiniger mehr, sondern erblicke die dahinterstehende Chemie: es ist nicht nur Rohrreiniger, sondern Natriumhydroxid, Natriumnitrat und Aluminiumgrieß. Und wie bekomme ich das jetzt getrennt? Also wie man aus Alltagsgegenständen heraus ein Verständnis der Chemie bekommen kann.

Auch ist es immer ein schönes Gefühl, etwas aus einem Verständnis heraus betrachten und "live mitdenken" zu können, was da passiert und wie und warum, beispielsweise, wenn Jemand einen Permanentmarker auf einem Whiteboard benutzt und alle sich denken: . Aber klar: es war mal gelöst heißt: es kann wieder gelöst werden. Man muss nur wissen, welches Lösungsmittel man braucht. Al(ltags)chemie sozusagen, die im Leben wirklich hilft.

Irgendwann kam noch eine Faszination für mehr oder weniger exotische Werkstoffe dazu: Quarzglas, Platin, Teflon, alles Dinge, deren Eigenschaften eine extreme Natur haben und ein Gefühl der Unendlichkeit vermittelt. So bestimmt die Chemie mein Leben.

Wie ist es bei euch?

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Bei mir wird die Chemie vom sprichwörtlichen "Forscherdrang" getragen. Ich hab mal mit einem Chemiekasten angefangen und dann immer mehr gemacht. Mehr gelesen, noch mehr gelesen, die Ausbildung gemacht (CTA), immer mehr gelernt und das was ich gelernt habe dann auch anwenden wollen. Auf andere Dinge anwenden, Dinge die mich persönlich sehr interessiert haben. Sich etwas neues Überlegen und das dann selbst umsetzen. In der Schule hat man immer nur ein Rezept nachgekocht. Was mir so in den Sinn kam. Ich wollte allermindestens mal das Rezept für einen bestimmten Stoff selbst heraussuchen. Oder habe meine eigenen Analysen gemacht. Auch die technische Seite finde ich sehr spannend (meine HPLC z.B. oder mein Vakuumsystem zu bauen oder einfach das ganze Labor einzurichten, aufzubauen, zusammenzufügen. Und auch mal für einen bestimmten Vorgang eine Apparatur (versuchen) zu bauen.
Außerdem beschäftige ich mich noch mit der Verarbeitung von Heilpflanzen - Tinkturen, Salben, Cremes usw. Da spielt auch wieder die Chemie mir hinein.

Für mich ist die Faszination also, immer neues zu probieren, neues zu lernen und immer neue Ideen in die Realität umzusetzen. Alles hat irgendwie mit Chemie zu tun, aber ich mache fast mehr, was nicht der "klassischen" Chemie entspricht. Zumindest zur Zeit. Für mich ist die Chemie ein Feld, meine Kreativität auszuüben Smile.

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Zitat:

Für mich ist die Faszination also, immer neues zu probieren, neues zu lernen und immer neue Ideen in die Realität umzusetzen.

Das trifft auf mich ebenfalls zu.
Manches bleibt dann länger (als Kind mit Lupe rumkokeln) bzw. für immer hängen (Schweißgerät als Weiterentwicklung - praktische Anwendung hoher Temperaturen), anderes ist schnell uninteressant (etwa "Mikrobiologie" bzw. mit Agar rumspielen oder versuchen Kunststoffe zu gießen).
Dabei muss es auch nicht immer neu sein, etwas zu vertiefen kann auch interessant werden.
Generell habe ich den Anspruch "alles", was um mich herum passiert, möglichst detailliert erklären zu können.
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im Prinzip alles was die Vorredner schongeschrieben haben.
Hinzufügen würde ich noch: Hey, ein Chemiker kann Atomen befehlen zu tun was er will! Wie geil ist das denn!?
Wie können Substanzen machen, die es vorher vielleicht noch nirgends au der Erde oder sogar im Universum gab!
Wir können alles analysieren und physisch oder logisch in seine Bestandteile zerlegen!
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mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Hey, ein Chemiker kann Atomen befehlen zu tun was er will!


Benötigt der Befehlsempfänger nicht ein Bewusstsein? Very Happy

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Physiko-Chemiker hat Folgendes geschrieben:
mgritsch hat Folgendes geschrieben:
Hey, ein Chemiker kann Atomen befehlen zu tun was er will!


Benötigt der Befehlsempfänger nicht ein Bewusstsein? Very Happy


jetzt wirds filosofisch Smile

Ich sehe das eher pragamatisch, die erforderlichen Kommunikationsmittel sind simpel und klar, die Befehle werden in Form von Temperatur oder Reagens übermittelt. Wenn ich zB möchte dass sich alle Ba in der Lösung am Boden des Glases ansammeln sollen, dann kippe ich einfach ewtas Sulfat dazu und "schwupps" schon tun sie das was ich will! Geil, oder? Die organischen Moleküle sind da immer etwas renitent - die brauchen oft stundenlang bis sie meine Befehle umsetzen. Undiszipliniertes Pack!
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Das mit dem "Befehlen" finde ich, passt nicht so gut. Meiner Meinung nach passt es besser, wenn man eine Murmel auf den Teppich legt und dann den richtigen Zipfel hoch heben muß, um die Murmel in die gewünschte Richtung zu bewegen. Gelegentlich muß man aber zuerst noch einige Falten in den Teppich machen, damit die Murmel nicht zu weit läuft oder herunterfällt.

Es gibt in der Organik auch viele Reaktionen, die relativ geradeaus laufen und kaum Nebenprodukte bilden. Andere Reaktionen machen naturgegeben verschiedene Produkte und Folgeprodukte. Dort ist dann die Kunst, das Gewünschte zu bevorzugen, soweit möglich. Ansonsten hilft manchmal der "nächste Umweg".


Die Faszination für mich ist, mit den gegebenen Möglichkeiten so lange zu variieren, bis das Optimale aus einer Reaktion herauskommt, reproduzierbar und möglichst skaleninvariant.
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Ich verweise mal auf den vor doch schon vier Jahren von mir aufgemachten Thread zu diesem Thema - mit fast identischem Titel. Vielleicht sollten wir die beiden zusammenlegen - wenn ihr einverstanden seid?

Was ich damals geschrieben habe trifft für mich immer noch zu. In der letzten Zeit hat die historische Dimension an Gewicht gewonnen. Ich finde es faszinierend nachzumachen, was andere früher gemacht haben und dazu die gedanklichen Wege, Irwege, Geistenblitze und Legengenden- und Theoriebildungen nachzuvollziehen, wie sie damals waren. Ich finde darin immer etwas von der Conditio humana wieder und denke, viele Probleme sind heute nicht anders als damals. Man kann aus der Geschichte der wissenschaft über unseren Umgang mit Wissen, Unwissen, unser Bedürftnis zu verstehen, einen sinn finden zu wollen und den Wusnch, die welt beeinflussen zu können lernen.

Ausserdem "köchele" ich gerne. Ich hantiere gerne mit Glasgeräten. Dabei kann ich die Zeit und die Welt vergessen.

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lemmi hat Folgendes geschrieben:
In der letzten Zeit hat die historische Dimension an Gewicht gewonnen. Ich finde es faszinierend nachzumachen, was andere früher gemacht haben und dazu die gedanklichen Wege, Irwege, Geistenblitze und Legengenden- und Theoriebildungen nachzuvollziehen, wie sie damals waren.


oh ja, die Zeit so zwischen 1910 und 1940 war wenn man die Bücher aus dieser Zeit liest wohl eine goldene Blütezeit - faszinierend zu sehen was da in kürzester Zeit alles an Wissen und Methoden dazu kam, und das meiste auf (für unser heutiges Verständnis) recht einfachem Niveau = auch ohne teure und aufwendige Gerätschaften nachmachbar!

Zitat:
Ausserdem "köchele" ich gerne. Ich hantiere gerne mit Glasgeräten. Dabei kann ich die Zeit und die Welt vergessen.


*seufz* wem sagst du das. Alleine eine schöne Apparatur zusammenzubauen ist schon eine Freude! Naja, dem einen seine Modelleisenbahn, und für uns eben eine chemische Apparatur Smile
Die Zeit ist da wirklich gnadenlos. Mit wie wenig Schlaf kann man eigentlich auskommen? Cool
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Hmm,
für mich fühlt sich das ganz ähnlich an, wie es die Vorredner schon schilderten. Ein bunter Mix aus grenzenloser Neugier auf "wie funktioniert 'das'" (das macht wirklich vor nahezu garnichts halt), einem daraus entsprungenen "Werkzeugkasten" für so allerley Verrichtungen und tiefer Demut und unendichem Staunen angesichts der Betrachtung der natürlichen Dinge und ihrer Verhältnisse zueinander - ich denke das beschreibt es wohl irgendwie am besten.

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Unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination.

Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.
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mgritsch hat Folgendes geschrieben:

oh ja, die Zeit so zwischen 1910 und 1940 war wenn man die Bücher aus dieser Zeit liest wohl eine goldene Blütezeit - faszinierend zu sehen was da in kürzester Zeit alles an Wissen und Methoden dazu kam, und das meiste auf (für unser heutiges Verständnis) recht einfachem Niveau = auch ohne teure und aufwendige Gerätschaften nachmachbar!


Das ging sogar noch bis Mitte der 1990er noch relativ gut. 1995 wurde unter dem Titel "Was enthält was?" von Hermann Raaf die von Hermann Römpp begründete "Chemie des Alltags" zum letzen Mal aufgelegt, von der ich sogar eine gut erhaltene 12. Auflage von 1936 besitze...

eule umschreibt die Intention auch in meinem Sinne sehr gut! Wink Ich bin auch als Erwachsener sehr neugierig geblieben und fühle mich als "Kosmopolit der Naturwissenschaften"; der sehr gerne auch über viele Tellerränder hinweg guckt und experimentiert. Derzeit ist es die Programmierung eines Mikrocontrollers....

Siehe auch EXPERIMENTIERKÄSTEN - Wer erinnert sich?

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"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Wenn man es nur versucht, so geht´s; das heißt mitunter, doch nicht stets." (Wilhelm Busch 1832 -1908)
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Abgesehen davon, dass man die Möglichekeit hat, bekannte oder auch noch völlig unbekannte Substanzen mit interessanten Eigenschaften (Farbe, Fluoreszenz, Geruch, Kristallform, Pharmakologie, spezielle Historie etc.) herzustellen, empfinde ich auch das Arbeiten im Labor (meistens) als sehr beruhigend. Bei mir läuft immer gute Musik im Hintergrund und der Abzug brummt leise. Wenn dann am Schluss noch was schönes rauskommt, ist alles bestens! Very Happy Außerdem hab ich großen Gefallen daran, im Labor oder sonstwo gelernte Tatsachen auf den Alltag zu übertragen.
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