SSL (?): an | aus

Bitte die Forenregeln und die Hinweise zu den Versuchen lesen!

Neue Antwort erstellen PDF (normal) (Druckversion)
Nachweis von Harnsäure im Urin
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 2238
Artikel: 52
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 52
Nachweis von Harnsäure im Urin

Harnsäure ist ein Stoffwechselprodukt des Purinabbaus im Organismus. Hier wird sie im Urin nachgewiesen.


Material/Geräte:

500 ml Kolben mit Stopfen, Zentrifuge (alternativ: Spitzglas), Mikroskop, Abdampfschälchen, Spiritusbrenner, Dreifuß mit Drahtnetz


Chemikalien:

Salzsäure 32% (C)


Ammoniaklösung 10% (N, Xi)


Wasserstoffperoxid 3%

Urin



Versuchsdurchführung:

400-500 ml Urin werden mit 1/10 des Volumens an Salzsäure versetzt und in einem verschlossenen Kolben (das "Aroma" ist ziemlich durchdringend!) in den Kühlschrank gestellt. Nach 24 Stunden ist die Mischung dunkel und trübe geworden. Am Boden des Kolbens haben sich gelbbraune Kristalle abgesetzt, die mit einem Spatel abgekratzt werden. Man suspendiert sie in den letzten ml Urin und zentrifugiert (alternativ kann man in einem kleinen Spitzglas oder Reagenzglas absetzen lassen). Man gießt ab, schlämmt mit 10 ml dest. Wasser auf und zentrifugiert erneut. Im Bodensatz finden sich bei mikroskopischer Betrachtung Rosetten von typischen, "Wetzstein-förmigen" Kristallen.

Die Harnsäure wird mit Hilfe der Murexid-Reaktion identifiziert. Dazu wird der Niederschlag in einer kleinen Porzellanschalöe mit 100 µl konzentrierter Salzsäure und 500 µl Wasserstoffperoxidlösung 3% übergossen und über einer Spiritusflamme zur Trockene verdampft, bis ein violettroter Rückstand hinterbleibt. Dieser gibt, mit einigen Tropfen Ammoniaklösung befeuchtet, eine violette Lösung.


Entsorgung:

Die Reste werden über das Abwasser entsorgt.


Erklärungen:

Harnsäure liegt im Urin je nach pH-Wert z.T. als Anion gelöst vor. Bei niedrigem pH (durch Salzsäurezusatz) kristallisiert sie aus und kann im Bodensatz anhand der charakteristischen Kristallform erkannt werden, die klinische Chemiker auch von der Urin-Mikroskopie kennen. Bei der Murexidprobe entsteht das tief violett gefärbte purpursaure Ammonium, wodurch das Vorliegen eines Purinderivates nachgewiesen wird. Auffällig war bei meinem Versuch, dass es einer ziemlich intensiven Wärmebehandlung und zweimaligen Abrauchens bedurfte, bis sich die charakteristische Färbung ausbildete - und selbst dann war sie ziemlich blass. Mit Purinalkaloiden (Coffein u.ä.) geht die Reaktion nach meinen Erfahrungen viel besser!


Bilder:


Urin mit Salzsäure gemischt




Harnsäurekristalle im Mikroskop (oben100-fache, unten 400-fache Vergrößerung)


positive Murexidprobe mit Harnsäure

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Wissenschaft ist das organisierte Töten von Vorurteilen." (Joachim Kügler)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
NI2
Illumina-Moderator

Anmeldedatum: 19.08.2008
Beiträge: 4559
Artikel: 83
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Schick! Weißt du, ob/inwiefern der Urin-Harnsäure-Spiegel tageszeitabhängig ist?
Eventuell ließe sich die aufwändigere Wärmebehandlung und das zuerst schlechtere Ergebnis mit der Verwendung des 3%igen H2O2 erklären... Wie wir im Purin-thread ja schon festgestellt haben hat man die Murexid-Probe ja ursprünglich für Harnsäure entwickelt und dabei HNO3 verwendet. Warum bist du hier auf H2O2 ausgewichen?

_________________
I OC

There is no sadder sight in the world than to see a beautiful theory killed by a brutal fact. [T. Huxley]

But just because we live does not mean that we’re alive. [E. Autumn]

The pursuit of knowledge is hopeless and eternal. Hooray! [Prof. H. J. Farnsworth]
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von NI2 anzeigenPrivate Nachricht senden
Illumina-Mitglied

Anmeldedatum: 08.08.2010
Beiträge: 887
Artikel: 4
Wohnort: Berlin-Pankow
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 56
Ich finde die "Spielereien" von lemmi immer sehr interessant!

Wenig bekannt ist, dass Harnsäure auch für Blasensteine verantwortlich sein kann: Harnsteine

_________________
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

"Member of IVNT e. V." http://ivntforum.phoerauf.de/
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von Uranylacetat anzeigenPrivate Nachricht senden
IllumiNobel-Gewinner 2012

Anmeldedatum: 06.01.2012
Beiträge: 2238
Artikel: 52
Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Alter: 52
@NI2: ich habe die Murexidprobe nach dem DAB7 gemacht. Im Purin-Thread habe ich das schon mal geschildert und auch Bilder eingestellt. Man braucht, jedenfalls für die Methylxanthine, keineswegs konzentriertes H2O2. Allerdings habe ich mit Harnsäure nicht systematisch probiert, ob das mit konzentrierten Lösungen besser geht. Dazu habe ich zu wenig Material gehabt (ich müsste meine Quelle nochmal anzapfen für einen weiteren Versuch... Very Happy ).

Die Harnsäureausscheidung ist meines Wissens nach nicht tageszeitabhängig, aber durchaus ernährungsabhängig. Über Nacht wird der Urin aber meist konzentrierter, so daß vermutlich der Harnsäuregehalt im ersten Morgenurin höher sein wird, vor allem wenn man abends gut gegessen hat. Im tierischen Organismus wird Harnsäure nur als Endprodukt des Purinstoffwechsels gebildet, also beim Abbau der DNA-Bausteine Adenosin und Guanin. Daher ist die die Harnsäurebildung bei Purinreicher Ernährung (Fleisch, besonders Innereien) erhöht. Die Ausscheidung in den Urin ist von vielen Faktoren beeinflusst. Harnsäure wird nicht nur glomerulär filtriert, sondern auch teilweise wieder in der Niere rückresorbiert (im proximalen Tubulus). Die Ausscheidung ist z.T. ebenfalls ernährungsabhängig, z.T. genetisch mitbestimmt, was die individuell verschieden hohen Harnsäurespiegel im Blut mit erklärt (Normalwert etwa bis 7,5 mg/dl). Eine verminderte Urinausscheidung ist die Ursache für Gicht, eine erhöhte die für Harnsäuresteine (die eher nicht so häufig sind, die meisten Nierensteine bestehen aus Calciumoxalat). Hemmend auf die Harnsäureausscheidung wirkt sich z.B. Alkohol aus, weshalb - bei entsprechender Veranlagung - eine Schweinshaxe und Bier zum Abendbrot einen nächtlichen Gichtanfall auslösen können. Wink

Es gibt Medikamente, die die Harnsäureausscheidung erhöhen, sogenannte "Urikosurika. Am meisten verwendet wird Benzbromaron. Es hemmt die Rückresorption, die über ein spezifisches Transportmolekül in den Tubuluszellen erfolgt. Also gut essen, 100 mg Benzbromaron einwerfen und dann sammeln.... Mr. Green

_________________
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher."(A. Einstein 1871-1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Wissenschaft ist das organisierte Töten von Vorurteilen." (Joachim Kügler)
Benutzer-Profile anzeigenAlle Beiträge von lemmi anzeigenPrivate Nachricht senden
Nachweis von Harnsäure im Urin
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 1  



Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
  
   
  Neue Antwort erstellen