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Mikroorganismen-Thread
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Hab keinen anderen Thread gefunden wo das reinpasst und unter Bio muss man in der Artikelschmiede erst eine Vorschrift erstellen.
Zum Mikroskopie-Thread passts das auch nicht,da es hier auch nicht nur um mikroskopische Präparate gehen soll,sondern um Mikroorganismen allgemein.
(Bestimmung,Betrachtung,Lebensraum,Verhalten,Züchtung etc.pp.)

Nichtsdestotrotz und aus aktuellen Anlass hier etwas,das ich aus einer nach Schwefelwasserstoff-riechenden Quelle (Brunnen) herausgefischt habe:

Besagte Quelle liegt auf einer Wiese neben einer Strasse und wurde durch eine Brunnenbohrung erschlossen .
Lage des Brunnens:

Es ist nur aus Gerüchten bekannt,dass an dieser Stelle wohl früher einmal Müll abgelagert worden sein soll (davon ist heute nichts zu erkennen).
Eine andere Geschichte besagt,dass jemand das ganze mal als Heilquelle vermarkten wollte.
Beide Theorien sind aber reine Spekulation und mir nur vom Hörensagen bekannt.

Das interessante ist,dass es in der Nähe des Brunnens und der ganzen Gegend nichts mir bekanntes vergleichbares gibt,das Schwefelverbindungen enthält.

An der Stelle,an der das Wasser aus einem kleinen Rohr entspringt und den ganzen darauffolgenden "Bachlauf" kann man
schleimige,weissliche Fäden herausfischen,die nach Schwefelwasserstoff riechen.


Hier eine Nahaufnahme des "Sedimentes":




Werden die weissen bestandteile genauer unter dem Mikroskop betrachtet ergibt sich folgendes Bild:


bei weiterer Vergrösserung erkennt man einen segmentierteren Aufbau,der evtl auf Bakterienkolonien schliessen lässt:


Die Quelle interessiert mich schon lange und ist wohl noch "unerforscht".
Vielleicht kann ja jemand aufklären um was es sich hier hier handelt (evtl sogenannte "Schwefelbakterien"?)
p.s.:
(muss noch ein wenig an der Qualität der Bilder feilen,aber ich denke man erkennt ein wenig um was es geht)

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Schwefelbakterien könnten gut passen, z.B. :

"Thiotrix nivea, weißer Schwefelfaden. Gegliederte unbewegliche, festsitzende Fäden. Gliederung in Einzelzellen normalerweise nicht erkennbar. Einzelzellen 4-15 µm lang, 1,4-3µm dick. Verschmutzte, flache Fließgewässer, Tümpel. Bildet dichte, weiße Filze und Rasen. Saprobienklasse IV."

zitiert aus: Streuble H, Krauter D: Das Leben im Wassertropfen, Kosmos Naturführer; 7. Auflage; Franckh´sche Verlagshandlung Keller & Co, Stuttgart 1985
Ein wunderbares Buch! Für alle Mikroskopiker sehr zu empfehlen.

Grüße

lemmi

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Passt wohl am besten hier hin: http://illumina-chemie.de/mikrobiologie-f59.html

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Klingt tatsächlich nach einem Vertreter der Thiotrichales.

edit: Habs mal verschoben.

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Zitat:
Passt wohl am besten hier hin: http://illumina-chemie.de/mikrobiologie-f59.html

Zitat:
edit: Habs mal verschoben.


..ummg,auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Embarassed
Danke fürs verschieben!

Bilder sind jetzt dazueditiert.

-edit:
Wie siehts eigentlich mit der Trinkbarkeit/Unbedenklichkeit von von dem Ganzen aus?
..hab in meiner Jugendzeit öfter geringe Mengen probiert,zum Glück ohne Folgen.. Mr. Green

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@lemmi war schneller! Wink

Hatte eben das gleiche Buch (4. Auflage von 1978) aus meiner "Biblio" geschnappt und komme zum selben Ergebnis.

Es müssen wohl in der Quelle "anaerobe" Bedingungen herrschen...

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Zitat:
lemmi war schneller!
Jain...nicht schneller sondern vorschnell. Deshalb meine etwas einschränkende Aussage. Wink Eine Artbestimmung bei MO´s aus dem Stegreif ist nahezu unmöglich. Dazu müsste man einiges an Laborarbeit betreiben und selbst dann ist in vielen Fällen nur eine Eingrenzung des Taxons möglich.
Zitat:
Es müssen wohl in der Quelle "anaerobe" Bedingungen herrschen...
Thiotrichales sind in den meisten Fällen Aerobier. Dafür spricht auch die Tatsache, das die "Matten" in diesem Falle oberflächennah und in bewegtem Wasser zu finden sind.

@ Andi

Das ganze sieht aus wie ein Ablauf von einer Drainagen oder Rigolenentwässerung.

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Ja Lars, beim oberflächennahen und bewegtem Wasser habe ich nicht ganz "geschaltet".... So ist das, wenn man sich schon lange nicht mehr mit Materie beschäftigt hat...

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Zitat:
Das ganze sieht aus wie ein Ablauf von einer Drainagen oder Rigolenentwässerung.

Bei genauer Betrachtung der Umgebung könnte das tatsächlich in Frage kommen.
Das Feld im Hintergrund liegt wohl ziemlich nah am Grundwasser und würde ohne den Brunnen,
der das Wasser aus dem niedrigen Bereich abpumpt,wohl häufiger "im Wasser versinken"
Am Standort des ersten (Übrsichts)Bildes,läuft hinter mir (wo das Foto gemacht wurde) ein kleiner Bach,in dem auch das Brunnen-Rinnsal mündet.
Wenn man das Feld im Hintergrund genauer betrachtet,bemerkt man im bereich des Brunnens eine leichte Depression (Absenkung).
Das könnte tatsächlich der Grund für einen Brunnen mitten in der Pampa sein.

Trotzdem bleibt die Frage woher die Bakterien kommen und weshalb genau an diesen Ort.

Hier kann man ganz gut betrachten dass sie wohl Verfaulendes (also H 2S absonderndes) Material umsetzen.


Wär mal interessant wie man die Racker Anzüchten und für etwas sinnvolles verwenden kann. (Entschwefelung etc.)
Hab bis jetzt nur gefunden dass sich in diesen Milleu Sulfate bilden müssten,werd mal an einem Nachweis arbeiten.
(Mit BaCl war nix nachweisbar,evtl zu wenig konzentriert. Werd mal eindampfen)

Interessant war diese "Hundeknochenbildung" nach dem eindampfen des Brunnenwassers auf dem Objektträger. (evtl. Sulfatkristalle?)

-p.s.: weitere Tests laufen..

Zitat:
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@Uranylacetat: -meine Rede!

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Miss doch einfach mal den pH vor Ort. Das dürfte schon etwas aussagen. Vielleicht kennst Du ja wen der Dir ein Multimeter für Vor-Ort- Parameter leihen kann. Wichtig wären Redoxpotential, O2 Gehalt und pH. Temperatur und Leitfähigkeit wären auch ganz nützlich.
p.s.:
Die "Knochen" könnten Gipszwillingskristalle sein.

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pH des Wassers aus dem Mittelstrahl ( Mr. Green ) ist 6,5

Nach verdunstenlassen eines Tropfens auf dem Objektträger ergeben sich folgende,schon etwas differenziertere Bilder:



Der würfelförmige Kristall zweiten Bild könnte KCl sein,die skelettartigen Kristallformationen links davon und das obere Bild möglicherweise (Ammonium)nitrat.
Gesamtverhältnis einfach gesagt: viel skelettartige Kristalle und wenig Würfelförmige.
Die Konzentration im Brunnenwasser scheint übrigens ziemlich hoch zu sein,
spricht wahrscheinlich dafür,dass in der Nähe anständig gedüngt wurde. Twisted Evil
Kann das schon der Grund für die Schwefelbakterien sein?

Bemerkenswert ist,dass in dem Gewässer ausser den Schwefelfressern jede Menge Einzeller,Schneckenzeugs,Wasserasseln und Kleinkrebse leben.

..langsam wirds interessant

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@Andi,

ich denke, dass in der Umgebung mäßig bis stark gedüngt wurde oder wird. Von der Wassergüte her würde ich am Entnahmeort des Fundwassers anhand der vorhandenen Schwefelfresser einen Übergang von einer polysaproben (stark verschmutzt) zu einer alplha-meosaproben (weniger verschmutzten) Zone vermuten, wo die oxidativen Prozesse im Sinne einer Selbstreinigung des Gewässers sich mit den reduktiven Prozessen in etwa die Waage hält...

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Danke! Was mich einfach wundert ist der starke "schwefelmetallische" Geruch und die starke Bakterienaktivität,
so eng begrenzt auf diesen Brunnen.
Drumherum gibt es auch nichts ersichtliches dass für starke Gewässerverschmutzung in Frage kommt.

Ich kenn die grössere Gegend drumherum auch recht gut,da ich u.A. Mineralien Sammle. Da fällt sowas auf Wink .
Das ist wie gesagt die mir einzige bekannte Stelle mit diesen "Phänomen".

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Newclears hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
lemmi war schneller!
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Natürlich ist eine sichere Artbestimmung nur mit Kultur, Substratmetabolismus etc. möglich - dehalb auch das "z.B." in meinem Post Wink Ich habe eben aus dem Buuch rausgesucht was am ehesten passte um eine erste Hypothese zu generieren. Man müsste jetzt weiter Informationen zu Thiotrix suchen und gucken ob man mit einfachen Mitteln die Diagnose festigen kann.

Zu den knochen-förmigen Kristallen: mir kommen die Dinger auch bekannt vor - nach dem Motto: hab´ich auch schon mal wo gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Calciumsulfat passt finde ich nicht (kenne ich aus der Urinmikroskopie), das bildet Nadeln.

Wie wäre es mal mit einer qualitativen oder halbquantitativen chemischen Analyse des Wassers? Trockenrückstand? Chloridgehalt nach Mohr? Erdalkaliionen mit EDTA? CSB oder Kaliumpermanganatverbrauch? Phosphatnachweis, Nitratnachweis, Nitritnachweis, Sulfatnachweis? Schmermetalle im Schlamm (dort müssten sie als Sulfide vorliegen)?

Auch die Beschreibung weiterer Mikroorganismen zur Einstufung in das Saprobiensystem wäre interessant.

lemmi

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Zitat:
Man müsste jetzt weiter Informationen zu Thiotrix suchen und gucken ob man mit einfachen Mitteln die Diagnose festigen kann.
...oder diese widerlegen. Wink
Zitat:
Zu den knochen-förmigen Kristallen: mir kommen die Dinger auch bekannt vor - nach dem Motto: hab´ich auch schon mal wo gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Calciumsulfat passt finde ich nicht (kenne ich aus der Urinmikroskopie), das bildet Nadeln.
Du meinst die typische "Gipsnadel". Allerdings ist "Gips" auch für die Bildung von sogenannten "Schwalbenschwanz" Zwillingen bekannt. Phosphat würde ich allerdings auch nicht ausschliessen, da es sich allem Anschein nach um eine bestellte Fläche handelt.
Zitat:
Wie wäre es mal mit einer qualitativen oder halbquantitativen chemischen Analyse des Wassers? Trockenrückstand? Chloridgehalt nach Mohr? Erdalkaliionen mit EDTA? CSB oder Kaliumpermanganatverbrauch? Phosphatnachweis, Nitratnachweis, Nitritnachweis, Sulfatnachweis? Schmermetalle im Schlamm (dort müssten sie als Sulfide vorliegen)?
Soweit so gut aber leider vermutlich "out of range".
Ziemlich nützlich wäre es wenn ND von den Kristallisaten noch ein paar Bilder machen könnte. Ein PolMik wäre da gut. Allerdings lässt sich schon auf dem ersten Bild erkennen, dass es sich dort nicht um ein Alkalimetallchlorid handeln kann. (die Winkel passen nicht)

Zitat:
Auch die Beschreibung weiterer Mikroorganismen zur Einstufung in das Saprobiensystem wäre interessant.

sic.
Allerdings ist die Beschreibung der Kleinfauna recht aufschlussreich.
Schnecken und Kleinkrebse, besonders erstere, sind recht empfindlich und benötigen viel Sauerstoff. Wenn sich in dem Habitat sogar Wasserasseln rumtreiben spricht das für absolut aerobe Verhältnisse.

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