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Wenn allgemein Mikroorganismen interessant sind: hier Bilder von einem Pinselschimmel, den ich vor einer Weile aus einer gesättigten Alaunlösung (!) isoliert habe:





Details zu dem was da passiert war siehe hier: http://www.versuchschemie.de/topic,15988,-Leben+unter+widrigen+Bedingungen.html!

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Ich hatte vor Jahren einmal gesättigte Kupfersulfatlösung in der Schimmel wuchs. Die kleinen Biester sind manchmal gan schön zäh. Ein anderes krasses Beispiel war eine Silbersalzlösung mit organischem Anion in der sich munter irgendwelche Spirillen tummelten. Die organische Komponente ist natürlich ein willkommenes Substrat für die kleinen Racker aber das Silber hätte sie eigentlich beeindrucken müssen.

p.s.:
Ich kann gerne mal nen Blick in den Esser werfen um anhand der Mikrobilder ne Einordnung zu versuchen.

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Newclears hat Folgendes geschrieben:

Ich kann gerne mal nen Blick in den Esser werfen um anhand der Mikrobilder ne Einordnung zu versuchen.


Da wäre ich dir dankbar für. Und welches Buch ist der "Esser"?

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Ich denke Newclears meint folgendes Exemplar:

http://www.amazon.de/Kryptogamen-Cyanobakterien-Flechten-Praktikum-Lehrbuch/dp/3540664513/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1326571714&sr=1-1
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Karl Esser "Kryptogamen Praktikum und Lehrbuch Band 1 Cyanobakterien, Algen, Pilze, Flechten" 3. Auflage, Springer Verlag. Ein nützliches Buch, leider mit knapp 100,- Euronen ziemlich teuer.

Sieht aus wie P. expansum Abb. a .Sicher ist das natürlich nicht aber die Konidienträger haben schon eine sehr große Ähnlichkeit. Auch die Farbe der unteren Kolonie spricht dafür. Auch die Septierung ähnelt der auf dem Bild im Esser sehr stark.
Quelle: Karl Esser "Kryptogamen Praktikum und Lehrbuch Band 1 Cyanobakterien, Algen, Pilze, Flechten" 3. Auflage
p.s.:
@ CsOH
Genau den meinte ich. Hatte ich auc schon geschrieben, den Beitrag aber gelöscht und editiert, damit das Foto frisch ankommt.

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Zitat:
Genau den meinte ich. Hatte ich auc schon geschrieben, den Beitrag aber gelöscht und editiert, damit das Foto frisch ankommt.


Sry, hatte ich nicht mitbekommen.
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Danke, den werde ich mir mal vormerken!

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Gern geschehen.
Den Esser oder den Pilz? Wink

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Hübsche Bilder Lemmi!
Hatte auch schon eine verschimmelte Lösung,die eigentlich nicht verschimmeln dürfte.
Weiss leider nicht mehr so genau was es war,wollte jedenfalls Kristalle züchten.(evtl KDP)
Wovon ernährt sich ein Pilz eigentlich in Kupfersulfatlösung??
Kanns sein dass der Pilz auf der Oberfläche der Lösung eine Art "Kontaktschicht" bildet?
Wär mal interessant die Kontaktstelle zwischen Pilz und Lösung genau unter die Lupe zu nehmen.


Zitat:
Wenn allgemein Mikroorganismen interessant sind...

-unbedingt!

-edit: @Lemmi: ich hab dein Bild vom Schimmel nochmal nachgebessert,jetzt ist es komplett Very Happy

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bahmtec hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Wenn allgemein Mikroorganismen interessant sind...

-unbedingt!

-edit: @Lemmi: ich hab dein Bild vom Schimmel nochmal nachgebessert,jetzt ist es komplett Very Happy


Sehr kreativ! Mr. Green

Na gut - wenn euch Pilze gefallen: bitte sehr!

Fußpilz ist ja so selten nicht. Oder Nagelpilz. Da sollte sich im Freundes- Familien- oder Bekanntenkreis doch etwas Matreial finden lassen -oder?
Hier mal ein paar Hornspäne von der Unterseite eines verdächtigen Großzehennagels (mit einem Spatel abkratzen). Man kann auch Hautschuppen von einer befallenen Stelle der Fußsohle oder zwischen den Zehen nehmen:



Man gibt auf das Material 2-3 Tropfen 15%ige Kalilauge und legt ein Deckglas auf (genug KOH nehmen, damit alles umspült wird!). Dann kommt das Präparat in eine feuchte Kammer - hier eine Petrischale auf deren Boden ein kleines Filtrierpapier liegt, das mit Aqua dest angefeuchtet wird. Das Präparat auf Glasstäbchen oder Streichhölzer legen, damit es nicht direkt auf dem feuchten Filtreirpapier liegt:



Das ganze stellt man dann für ca. 30 Minuten auf eine Heizung, bei Zimmmertemperatur sollte man besser 1 Stunde warten.
Danach wischt man das Kondenswassser von der Unterseite des Präparates ab, legt es auf den Tisch, klopft ein wenig auf das Deckglas und saugt mit einem Fließpapier die am Rand austretende überschüssige Kalilauge ab. Die Hautschuppen sind zu einer breiigen Masse zerfallen:



Dann mikroskopiert man. Die Blenden müssen geöffnet und der Kondensor muß gut abgesenkt werden, damit man ausreichend Kontrast erhält, denn das Präparat ist ungefärbt. Bei 100-facher Vergrößerung fallen die Hyphen der Hautpilze als verzweigte, lichtbrechende Fäden vor einen feinwabigen Hintergrund (den angelösten Hautzellen) auf:



Mit der 400-fachen Vergrößerung kann man die Pilzhyphen klar von den im Hintergrund überall liegenden Keratinozyten (Hornzellen) unterscheiden:




In der Ölimmersion sieht man dann auch Septierungen innerhalb der Hyphen. Man muß ständig an der Mikrometerschraube spielen, da man nie die ganze Hyphe in einer Ebene scharf im Bild hat:



Die Hyphen sind ziemlich gleichmäßig breit, haben eine irreguläre, mal gestreckte, mal wie geknickte Form, sind verzweigt oder haben kurze Seitensprossen und halten sich nicht an die Grenzen zwischen den Hautzellen. Das unterscheidet sie von Artefakten, die an der Grenze zwischen den Hautzellen auftreten können und dem Unerfahrenen Pilzelemente vorgaukeln könnten:




Diese sogenannten "Mosaikfungi" finden sich entlang der Zellgrenzen und haben - wie der Name sagt - oft ein regelmäßig mosaikartiges Aussehen (oben bei 400-facher Vergörßerung, unten 1000x/Öl).

Eine Artdiagnose ist aufgrund dieser Bilder nicht möglich. Nur die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß es sich um einen Dermatophyten des Genus
Trichophyton handelt. Wenn man´s genau wissen will, muß man eine Kultur anlegen und die Makromorphologie der Kolonien sowie die Mikromorphologie der Konidien beurteilen.

Erklärung:
Die Zellwand der Pilze enthält im Gegensatz zu derjenigen der Säugetiere Chitin. Chitin ist gegen Laugen längere Zeit beständig, während die Proteine und Lipide der Kerantinozyten rasch zersetzt werden. Dadurch werden die Hautzellen durchscheinend und die Pilzfäden heben sich gut ab. Wenn man zu lange wartet (mehrere Stunden in der Wärme), lösen sich auch die Pilzfäden langsam auf.

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@lemmi,

das ist ein ein interessanter Beitrag!

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Gärung
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Mal ein wenig Lebensmittelchemie,oder besser Biologie. -Die Zubereitung von Zurek unter die Lupe genommen.

Zurek ist eine in Polen traditionelle und beliebte "Sauermehlsuppe" aus vergorenen Roggenschrot.
Das Wort Zurek bedeutet soweit ich mich entsinne "Saueres",man möge mich verbessern wenn ich falsch liege.

Bei diesen Versuch habe ich statt Roggenschrot Weizengrütze verwendet,was im Prinzip genauso funktioniert.

Weizengrütze wird mit lauwarmen Wasser angesetzt und ca. 3-4 Tage bei Zimmertemperatur stehengelassen:


-bei genaueren Betrachten kann man nach drei Tagen Kohlendioxidbläschen und Wassertrübung beobachten,was auf den Gärungsprozess hindeutet. (oberer Bereich)


Etwas von dem "trüben Wasser" hab ich auf Milchagar ausgestrichen. (Agar+Milch,ohne weitere Zusätze)
und die Petrischale mit Deckel ca. 3 Tage bei Zimmertemperatur stehengelassen.
Der Nährboden und Ausstrich wurde übrigens ohne steriles Arbeiten hergestellt..
Man erkennt nach ca. drei Tagen dass eine Kolonie,der aus dem Zurek gewonnenen Bakterien gewachsen ist:


Vergleicht man im Mikroskop die Bakterien vom Ausstrich mit denen im Suppenansatz kann man feststellen dass die Isolation wohl geglückt ist.
Hier ein Ausstrich von den auf Milchagar gewachsenen Bak´s (Methylenblaufärbung noch frisch,hatte keine Geduld Wink ) :


Wär interessant welche Bakterien das genau sind,sollte jedoch eine Milchsäurebakterienart sein.

Nochmal das Grundrezept: http://polnischkochen.de/zurek-grundrezept

-edit: wie sieht eigentl aus mit der Verträglichkeit von Milchsäurebakterien?
..eigentlich sollte der Inhalt der Petrischale doch geniessbar sein? (ich werd mich hüten das zu essen)
Gezielt hergestellt wär das aber doch bestimmt eine Leckerei: Milky Agarbac´s ..mal was neues,würd mich fast reizen..
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..noch ein Nachtrag zu den Rückständen des "Schwefelbakterienwassers" von Seite 2 :
Zitat:
Ziemlich nützlich wäre es wenn ND von den Kristallisaten noch ein paar Bilder machen könnte.


Der kristallisierte Rückstand von ca. 5ml Schwefelquellwasser (Lupe):

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Naja, Isoliert ist bei dem Ausstrich so ziemlich garnix ... Wink In der Spur kann alles Mögliche an "Untermietern wohnen".
Da müsstest Du mit ner Verdünnungsreihe und nem Spatelausstrich arbeiten und dann die Kolonien einzeln beproben und anzüchten.
Wie auch immer, interessant auf jeden Fall.
@ Andi
Kannst Du mir, bei Gelegenheit, mal ne Probe von dem Wasser schicken? Alles weitere dann via PN.

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Ein Abklatsch von vergorenen Sojabohnen,sogenannten "Natto" (angefärbt mit Methylenblau) :

Die blauen Stäbchen dürften Bacillus subtilis sein. (die kleinen ovalen Pünktchen möglicherweise Sporen ?)
Die Fokusebene haut leider bei dem Bild nicht ganz hin. Schief von links oben nach rechts unten.. zu erkennen an den Pünktchen.

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Ein eher seltener Befund: "säurefeste Stäbchen". Damit werden im medizinischen Laborjargon Bakterien bezeichnet, die im Gegensatz zu allem anderen biologischen Material ihre Farbe auch bei Behandlung mit verdünnter Säure behalten:





Man erkennt kleine, schlanke, gruppiert liegende, tiefrot gefärbte Bazillen, die oft wie abgeknickt oder fragmentiert aussehen. Drumherum liegen zahlreiche Zellkerne von abgestorbenen Leukozyten, denn die Probe war eitrig. Die Bazillen sind etwa 2 µm lang

Für die Färbung nach Ziehl-Neelsen bedeckt man den luftgetrockneten und hitzefixierten Ausstrich auf dem Objektträger mit Karbolfuchsinlösung (1 g basisches Fuchsin in 10 ml Ethanol lösen, etwa 70 ml Wasser und 5 g Phenol zufügen und mit Wasser auf 100 ml auffüllen), legt ihn auf eine Färbebank und erwärmt von unten vorsichtig mit einem Spiritusbrenner bis zur Dampfbildung (nicht bis zur Blasenbildung!). Nach 5 Minuten wird nochmal etwas erwärmt und nach 10 Minuten die Farblösung mit Wasser abgespült. Dann übergießt man mit Salzsäure-Alkohol (3 ml Salzsäure 25% mit 70% Ethanol auf 100 ml auffüllen), kippt ab, und widerholt dies bis keine roten Farbwolken mehr vom Präparat abgehen. Zuletzt wird mit destilliertem Wasser gespült und mit einer verdünnten Lösung von Löfflers Methylenblau (Original-Farblösung 1 ml + 3 ml Wasser) für etwa eine halbe bis eine Minute gegengefärbt. Vor allem dicke Ausstriche nicht zu lange färben, sonst sieht man nur noch blau!

Es gibt mehrere Modifikationen der Färbung. z.B wird von manchen Autoren zum Entfärben 5%ige Schwefelsäure empfohlen (vor allem in heißen Ländern, wo der HCl-Alkohol rascher verdunstet) und als Gegenfärbung kann man Malachitgrün nehmen. Nur das Fuchsin ist in allen mir bekannten Vorschriften gleich. Die "Säurefestigkeit" beruht auf dem Vorhandensein von Mykolsäuren (verzweigtkettigen Fettsäuren mit elend viel C-Atomen) in der Zellwand der Bakterien.

Die medizinisch interessanten "säurefesten Stäbchen" gehören zum Genus Mycobacterium. M tuberculosis ist der Erreger der Tuberkulose, der berühmte Koch´sche Bazillus. Auch der Erreger der Lepra, der Bazillus Hansen, ist ein Mycobacterium und heißt folgerichtig M.leprae. Daneben kann man auch Kryptosporidien (Sporentierchen, die Durchfälle bei immunkompromittierten Menschen verursachen) im Stuhl mit einer modifizierten Ziehl-Neelsen-Färbung erkennen, dabei verwendet man zur Entfärbung aber schwächere Säuren (z.B. 1%HCl -Alkohol).

Die obigen Fotos zeigen Mycobacterium tuberculosis des Stammes BCG (Bacille Calmette-Guerin). Das ist ein apathogener Stamm, der zu Impfungen oder als adyuvante "Chemo"(eigentlich Immuno-)therapie nach chirugischer Entfernung von Harnblasenkrebs genutzt wird. [/i]

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