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"Kleiner Wal" ein Baubericht
Illumina-Mitglied

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Ich hatte es - glaube ich - mal angedeutet, daß ich mir ein Kayak gebaut habe und hatte für Interessenten auch einen Baubericht in Aussicht gestellt.

hier nun, was die eule so an allen nervenden Mistigkeiten vorbeit neben etwas Heimchemie so treibt, auch wenn manchmal viel Zeit bis zur Fertigstellung ins Land geht, ich hoffe, es gefällt euch.

Der kleine Wal
ein Baubericht



Vorrede
Tja, wie fange ich an...
Ich hatte schon seit langem den Wunsch nach einem eigenen Boot, denn immer auf den örtlichen Bootsverleiher angewiesen zu sein war mir irgendwie zu teuer und die damit festgelegten Zeiten empfand ich auch immer als eher störend.

So begann ich zu überlegen, ein starres Boot entsprach erstmal meinen Vorstellungen, aber da wollte so Einiges bedacht werden.
- Welche Gewässer möchte ich befahren?
- Welche Größe wäre die richtige?
- Wo lagere ich es, wenn es gerade nicht in Benutzung ist?
- Wie transportiere ich es zur Einsetzstelle?

- Die erste Frage war am leichtesten zu beantworten: Teiche, Seen, Flüsse in der näheren und weiteren Umgebung.
- Die zweite Frage ist vielschichtig, denn sie beinhaltet Ziel und Zweck der Tour und damit auch die notwendige Ausrüstung (Essen, Zelt, Kamera, Probenbehälter...).
- Die dritte Frage war für mich eine der wichtigsten und damit entscheidenden. Ein Kayak, wie es vielfach im Handel zu finden ist hat eine Länge, Höhe und Breite, die irgendwo untergebracht werden müssen.
Eine Garage oder einen Schuppen habe ich nicht, also kam der Gedanke, es in den Keller oder auch die Wohnung zu bringen. Dabei stellten sich aber die engen Biegungen des Treppenhauses als absolutes Hindernis heraus, ein Boot wäre niemals dort herum zu bringen. Das Kellerfenster ist ebenfalls u eng und ein größeres einzubauen ist in diesem Gebäude nicht zu machen. Der Gedanke, Daviten am Balkon zu montieren und ein Boot daran aufzuhängen wäre mit den Mitbewohnern nicht zu bewerkstelligen.

Es blieb also nur ein Faltboot. Dieses ist platzsparend genug unterzubringen und klein zusammengefaltet auch ohne Spezialzubehör wie einem Dachgepäckträger mit dem Auto oder Fahrrad zu transportieren.

Nach dem Studium der Angebote in diversen Läden und im Internet ergab sich ein durchschnittlicher Preis, der mein schmales Budget weit überstieg. Da blieb nur der Selbstbau.
Nun trug es sich zu, daß mir sehr günstig einige Zelte im Ausverkauf in die Hände kamen.
Deren Zeltstangen aus karbonfaserverstärktem Kunststoff erwiesen sich bei gründlichem Nachdenken als gutes Material für die Senten. Beim Bastelmaterial fanden sich auch einige Holzplatten passender Größe für die Spanten.

Ein Plan

Nachdem ich also einige grundlegende Materialien beisammen hatte ging es an die Erstellung eines Bauplanes:
Ein Kayak sollte es werden, groß genug für mich und etwas Ausrüstung, dazu wendig bei gutem Geradeauslauf, vor Allem aber möglichst kippstabil.
Alles gleichzeitig ist wohl nicht so einfach und ich hatte keinerlei Erfahrung mit dem Bau von Booten oder Schiffen. Immerhin habe ich eine gute Vorstellung über die Form und Funktionsweise von Kayaks, sodaß ich auf dem Papier einige Grundformen entwickelte, die es danach zu testen galt. Als Testgewässer sollte die heimische Badewanne herhalten.


Kayak, Grundform


Spanten Grundform


Cockpit

Modelle
Unter Zurhilfenahme der Pläne machte ich mich nun an die Herstellung von Senten und Spanten im Maßstab 1:10. Da ich mehrere Rumpfgeometrien zu versuchen gedachte fertigte ich nur einen Satz Senten aus Bambusstäbchen und Messinghülsen, die ich mit mehreren Sätzen Spanten zu Booten zusammensetzte, um sie schließlich mit Kunststoffolie überzog und mit einem Gewichtsausgleich zur dritten Potenz des Volumens versehen mit einem "mutigen Testpiloten" zu Wasser ließ.




Einige der Bootchen lagen stets etwas zur Seite geneigt im Wasser, andere zeigten sich bereits auf der kurzen Strecke als wenig "spurstabil", wieder andere waren deutlich zu flach und faßten schon bei schwachem Wellengang Wasser. Die beste der Rumpfformen plante ich zur Grundlage eines Bootes in voller Größe zu verwenden.

Das Gerippe

Die Spanten an Probestücken aus Spanplatte anzeichnen und aussägen war schnell erledigt,
Gummibänder aus den Zeltstangen zu entfernen und diese nach Länge zu ordnen und für die gewählte Rumpfgeometrie passend zusammenzustellen, in einigen Fällen passend zu kürzen war ebenfalls schnell erledigt.
Die nächste eher komplexe Frage bestand darin, wie die nun haltlos ineinandergesteckten Karbonfaserstäbe mit ihren Hülsen an jeweils einem Ende an den Spanten zu befestigen wären. Provisorisch zog ich dünne Seile durch die Sentstränge, um erstmal einen losen Zusammenhalt in Längsrichtung zu bekommen.
Ursprünglich ging mein Gedanke zu einem System mit Splinten durch Hülsen und Stäbe. Dies scheiterte aber beim Versuch, sodaß ich auf andere Möglichkeiten sann.
Derweil erprobte ich eine Möglichkeit, die Senten an den Spanten festzumachen: Schrauben durch die Hülsen und den jeweiligen Spant, was brauchbar erschien.


Protospanten

Bei einem Spantabstand von jeweils ca. 50cm und damit 7 Spanten war die nun folgende Bohrerei zwar etwas langwierig, aber zielführend.
So entstand ein erster Rumpf, allerdings noch ohne Bug~ und Hecksegmente.
Zwischenzeitlich kam mir die Idee, meine Aufhängevorrichtung für Arbeiten am Fahrrad für den nun Gestalt annehmenden Bootsrohbau zu verwenden, um diesen in den Baupausen unter der Zimmerdecke zu lagern und im Raum somit etwas Bewegungsfreiheit zurückzugewinnen.



Zu dieser Zeit bekam, angesichts der Ähnlichkeit des hängenden Gerippes mit dem Skelett eines Wals im Naturkundemuseum, das Boot den Namen "kleiner Wal".

Das Cockpit

Ein Kayak ist oben geschlossen, so kann so leicht kein Wasser eindringen, aber es braucht natürlich einen Einstieg, ein Luk, eben das Cockpit, durch das man einsteigt und in dem man sitzt, während man das Boot fährt.
Dieses hat zumeist einen leicht erhöhten Rand, der zudem oft noch mit einer außen umlaufenden Einkerbung zur Befestigung einer Spritzdecke versehen ist.
Das Cockpit trägt bei meiner Konstruktion nicht wenig zur Stabilität des Ganzen bei und so habe ich es aus drei Lagen starken Holzes gefertigt, von denen die unterste etwas nach außen vorsteht, die mittlere etwas schmaler und die oberste breit nach außen ragt.
Befestigt hatte ich es ursprünglich mit Hilfe langer Schrauben, die von der Innenseite des Bootes her mittels Flügelschrauben stark festgezogen wurden. zwischen die unterste und die mittlere Lage wird die Bootshaut fest eingeklemmt und somit im Bereich des Cockpits fixiert.

Für den einfacheren Zusammenbau vor Ort wurden die mittlere und obere Lage fest verleimt, sodaß sie nicht mehr verrutschen können.



Senten

Nachdem die grundsätzliche Form der Spanten feststand ging es zurück an die Senten.
Die Carbonfaserstäbe/Zeltstangen mit den Steckhülsen waren für sich schon ziemlich das Richtige, nur der Zusammenhalt der Segmente untereinander war mit dem dünnen Kunstfaserseil noch alles Andere als gut. Ich sann auf Alternativen und stieß beim Fahrradwerkeln auf die Lösung: Drahtseil, wie sie auch für die Brems- und Schaltzüge beim Fahrrad üblich sind. Drahtseil von 2mm Stärke in den nötigen Längen zu bekommen war leicht, sie paßten jedoch nicht ohne weiteres an den Schrauben vorbei, die zur Befestigung an den Spanten vorgesehen waren. Einige Versuche später fand sich auch dafür eine Lösung: Die Schrauben bekamen jeweils ein Loch von 2.5mm Durchmesser an der richtigen Stelle, sodaß die Drahtseile ohne Probleme hindurchgezogen und im Inneren der Stäbe auch beweglich waren.
Um sicherzugehen, daß jede Sente beim Zusammenbau auch ohne viel Suchen immer an der selben Stelle relativ zum Bootsrumpf montiert wird kennzeichnete ich sie mit Farben, genau wie die zugehörigen Bohrungen der Spanten. Idealerweise sollten die Senten bis auf Kiel- und Firstsente immer paarweise die selbe Länge haben, die Bohrlöcher waren jedoch nicht exakt genug, um paarige Austauschbarkeit zu gewährleisten, sodaß jeder Strang eine eigene Farbcodierung bekam.
Diese Drahtseile zu spannen und so dem Boot die nötige Stabilität zu verleihen würde noch etwas Tüftelei erfordern, aber das sollte eine Aufgabe für Bug und Heck werden.

Das Heck

Lange habe ich überlegt, wie Bug und Heck wohl am sinnvollsten zu formen wären.
Der Bug würde mich weit länger beschäftigen, aber das Heck sollte nach einigen schnellen Entwürfen einfach ein senkrechtes Holz mit abgerundetem unteren Ende werden. Daran befestigte ich links und rechts dünne Brettchen, gerade stark genug, um die Senten daran zu befestigen. Die Schrauben sollten die Bootshaut nicht beschädigen können, also mußte hier noch eine Art Manschette her, die nach der Montage der Senten darübergezogen wird. Das schien erstmal den grundlegendsten Erfordernissen zu entsprechen.



Die Aufgabe, an der Seilspannung für die Senten mitzuwirken sollten bis zur Idee für etwas sinnvolleres zwei Stellringe mit fest angezogener Madenschraube pro Drahtseil besorgen.



Ich hatte Glück und fand in der Bastelkiste noch passende Stellringe, deren innere Weite gerade zum Stahlseil und deren äußere Maße genau in die Metallhülsen der Zeltstangen passten.

Der Bug

Eine Form für den Bug zu finden, die mir gefiel war schwerer als gedacht.
Ursprünglich schwebte mit eine Art "Birne" oder "Nase" vor, wie sie vorn an großen Schiffen oder Ubooten zu beobachten ist. Diese Form gefiel mir aber nach der ersten Anfertigung nicht und so versuchte ich insgesamt 9 unterschiedliche Spitzen, von denen einige mehr nach oben, andere mehr nach unten gerade oder gekrümmt einigermaßen spitz zuliefen. Letztlich entschied ich mich für einen Kompromiss, der mir (vor Allem hinsichtlich der Optik) zum Rest des Rumpfes zu passen schien.

Neben der Aufgabe, das Boot am vorderen Ende gefällig abzuschließen sollte der Bug aber eine weitere wichtige Aufgabe erfüllen, die Spannung der Drahtseile zu gewährleisten. Es brauchte einige Wochen des gründlichen Nachdenkens, bis ich der Grundform des Bugholzes diese wichtige Funktion hinzufügen konnte: Spannschlösser - eines pro Seil. So sägte ich also in die bisher noch einfache Holzplatte mittig eine Öffnung mit einem Steg, an dem die Spannschlösser paarweise befestigt und gut bedienbar wurden. Diese Lösung zeigte sich aber mechanisch als zu instabil, es brach, sodaß ich eine neue Version fertigte, diesmal mit seitlich aufgesetzten Halterungen für die Spannschlösser.



Zum Schutz der Hülle entschied ich ich auch hier zur Anfertigung eines "Überziehers".
Für diese dünnen Seile fand ich keine passenden Kauschen, sodaß ich kurzerhand selbst etwas passiges aus Messingrohr (hatte ich noch in der Bastelkiste) zurechtbog.

Bevor ich mich an die Bootshaut wagen wollte ersetzte ich als Nächstes die Prototypen der Teile aus Spanplatte durch Teile aus Birkensperrholz mit 19mm Stärke. Wie schön, Schablonen zu haben, die nur schnell angezeichnet und ausgesägt werden müssen.
die nun fertigen Holzteile (Immernoch aus Resten aus der Bastelkiste) überzog ich mit zwei schichten HDD-Bootslack, den ich auch mit einer Spritze bis durch die Bohrungen applizierte.

Eine erste Hülle

Ursprünglich hatte ich vor, eine dichte Hülle aus Teichfolie herzustellen, da leicht verfügbar und gut zuverarbeiten. Dieses Material ist jedoch recht anfällig für Durchstechen, darum sollte eine zweite "Panzerhülle" aus alten CDs und DVDs außen darumgelegt werden. Eine ausreichende Zahl der Polycarbonatscheiben zu bekommen wäre jedoch etwas zu teuer geworden und so verwarf ich die erste bereits fertige Hülle aus diesem nebenbei auch recht schweren Material. Abschnitte und Reste der Teichfolie kamen aber gerade passend, um streifenweise und mit Klettband versehen als "Polsterringe" zum Schutze der Hülle gegen die Schraubenköpfe zu dienen, ganz wie sie am Bug und Heck als "Überzieher" dienen sollten. außen um jeden Spant herum gehalten durch Stücke von Klettband am Spant schien das auch wirklich eine gute Idee. Ich kam später davon ab, das erläutere ich später.

Eine Bodenleiter

Viele Kayaker sitzen im Boot entweder mit seitlich in die Bordwand verkeilten Beinen auf einer Schaumgummimatte oder in einer passgenauen Sitzschale, die ihnen größtmöglichen Halt bietet. Damit sind sie natürlich bestens mit dem Boot verbonden und können so auch leicht ausgleichsbewegungen gegen z.B. Kentern ausführen, mehr Kraft in die Paddelschläge und Drehungen des Bootes legen. Auf solche Feinheiten wollte ich bei meinem Erstling keine große Energie verschwenden, zumal es nicht das Ziel war, ein wildwassertaugliches Gefährt zu bauen.
Ich entschied mich für eine einfache Bodenleiter, auch weil ein bequemes sitzen zwischen den dicken Wülsten der Spanten eher unbequem ist und ich etwas Angst hatte, beim Ein- oder Aussteigen durch die doch recht dünne Haut zu treten.
Die Bodenleiter sollte möglichst einfach gestaltet sein, das Sitzen im Boot trotz der schon recht massiven Spanten bequemer machen und den Po etwas über eingedrungenes Wasser emporheben.
Also mußte ein Stück Pappe passender Größe herhalten und eine erste Formgebung für festen Halt zwischen/um/auf den Spanten herauszufinden. Ein paar Bretter, in passende Form gebracht würden das gut erfüllen, die Befestigung im Boot sollte durch Schnüre und festbinden erfolgen. Dazu gesellte sich ein einfaches Brett für den Rücken, etwas anlehnen kann manchmal besser sein, als ständig hoch aufgerichtet zu sitzen.



Dabei kam mir eine, wie ich finde, wirklich gute Idee.

Raus mit den Schrauben

Der Zusammenbau des Gerüstes mit über 60 Flügelschrauben wurde mir mit den zahlreichen Auf- und Abbauten im Laufe der Konstruktion immer lästiger, zumal es auch wirklich nerven kann, wenn eine Schraube nicht fassen will und die Belastung irgendwann um die Hälfte herum die Finger schmerzen läßt.
Ich ersetzte sie alle durch kurze Seile, die von der Innenseite der Spanten mittels einer kleinen Klemmvorrichtung, einer sog. "Hebelschnalle"am Herausrutschen gehindert werden.



Diese Version funktionierte zwar genau wie gewünscht, diese mistigen kleinen Hebelschnallen hatten allerdings die unschöne Art, verloren zu gehen, wenn ich nicht sehr genau acht gab. Ergo suchte ich eine noch bessere Lösung und fand sie auch recht schnell: Seilklampen.



Die Schrauben hatten ohnehin wenig anderen Zweck, als die Spanten an den vorbezeichneten Stellen zwischen den Senten quasi als "Abstandhalter" gegen ein Wegrutschen zu sichern, es lag also keine große Last darauf.
Der Zusammenbau geht seither deutlich schneller und die Finger sind dann auch nicht mehr so wund.

Einige Schrauben bleiben zwar, aber diese sind auch in dieser Konstruktion so gut wie unersetzlich.

Eine neue Hülle

Die bis dahin erstmal finale Bootshaut habe ich dann aus Material der alten Zelte zusammengenäht. Die (entsprechend ihrem ursprünglichen Zweck recht robusten) Bodenplanen umhüllen den Rumpf, sind etwa auf dem First entlang mit Reißverschlüssen aus den Zelteingängen verschlossen und mittels kleiner Abnäher links und rechts der Reißverschlüsse etwas vorgespannt.
Als Unterhaut habe ich aus Rettungsfolie eine fast absolut wasserdichte innere Haut zusammengeklebt (dieses dünne silberne Klebeband für die Dampfsperre unter Parkett und Laminat eignet sich hervorragend dafür), die mittels Klettband verschlossen zwar mechanisch wenig aushält, aber dafür ist ja die äußere Haut da.




Zusätzliche Spannung kann ich auf die äußere Hülle legen, indem ich durch Ösen in den Abnähern Spannseile ziehe, die dann kreuzweise
wie Schnürbänder bei hohen Stiefeln zum festziehen verwendet werden können. Die Nähte habe ich mit einer Schicht Neopren (in Lösung als Kontaktkleber im Malerbedarf zu finden) gründlich abgedichtet. Ein Verdeck habe ich mittels Klettband (sollte ich nochmal überdenken) zu befestigen aus dem Obermaterial der Zelte zurechtgewerkelt.



Erste Testfahrt

Die erste vorsichtige Testfahrt fand auf einem See - unter "Ententümpelbedingungen" - in der Lüneburger Heide statt.
Das Verdeck hatte ich nicht dabei und es war kurz nach Sonnenuntergang im Spätsommer.



(Anmerkung: dieses ist eines der ganz wenigen Fotos mit mir drauf, ich gehe solchen Gelegenheiten normalerweise nach Kräften aus dem Weg, aber ich brauchte ein Beweisfoto)

Dabei zeigten sich ein paar Problemchen, die durch einige kleine Änderungen leicht zu beheben sind:
- Die Sitzposition im Boot ist bei meiner Körpermasse mit knapp 2 cm über dem Wasserspiegel eine Spur zu hoch. Dadurch wird das Gefährt etwas kipplig, was aber mit mehr Übung wohl auch leicht zu kompensieren wäre.
- Damit zusammenhängend sollte der Kiel zumindest um das Cockpit herum stärker abgeflacht werden, was ebenfalls die Lagestabilität noch etwas verbessert.
- Das Boot ist mit knapp unter 30 kg zwar auch im Alleingang problemlos einige Meter weit zu tragen, aber ein kleiner Bootswagen (bereits in Planung) sollte den Transport über Land noch um Einiges erleichtern.



- Griffe vorn und hinten oder vllt. Leinen an Bug und Heck sollten ebenfalls angebracht werden, da sie ein Handling in verschiedenen Situationen erleichtern würden.
- Das Cockpit erscheint mir noch etwas wuchtig, die mittlere Lage werde ich nochmal etwa auf die halbe Stärke reduzieren und dafür eine Schicht Neopren-Schaumgummi (aus einer alten Yogamatte) aufkleben. Das dichtet auch besser als das Holz und braucht damit weniger fest aufgeklemmt zu werden (die dafür immernoch eingesetzten Flügelschrauben sind einfach Gift für meine Finger)
- Die Spanten sind mir etwas zu massiv, ich werde zumindest an einigen Stellen sehen, ob das nicht auch mit weniger breiten Holzstegen zu machen ist.
- In jedem Falle werde ich seitlich unter dem Rand innen Schwimmkörper mit ins Konzept aufnehmen, evtl sogar einige mit Wasser befüllbare Ballastschläuche, um einerseits auch im Falle des Kenterns das Boot nicht vom Grund holen zu müssen, andererseits die Kippligkeit durch tiefliegende Last etwas weiter zu vermindern.

Schlußbetrachtung

Nachdem ich nun also ein erstes Faltboot in Kayakform überwiegend aus Resten aus dem Bastelfach gefertigt habe, das an reinem Finanzaufwand unter € 300.- verschlang bin ich der Meinung: "Es hat sich gelohnt!"

Die Konstruktion eines Wasserfahrzeugs von der ersten Idee bis zur nutzbaren Umsetzung hat mich vor Fragen gestellt, die vorher nicht absehbar waren. Zwischendrin kamen auch immer einige Ideen für deutlich anders aufgebaute Konzepte auf, die ich aber nicht sofort zur Umsetzung bringen konnte und wollte, wie z.B. ein Bootsrumpf ohne große Spanten, nur mit einem Gestänge aus den Zeltstangen sowie kreuzförmig verbundenen Metallhülsen. Sogar eine Variante, die nur aus Dreiecken und Sechsecken nach Art des Kohlenstoffgerüstes in Buckyballs kam mir in den Sinn. Vielleicht baue ich das auch eines Tages. Auf jeden Fall aber war es ein tolles Erlebnis, sich eines solchen Projektes anzunehmen, obwohl es doch fertige Lösungen für nur wenig mehr Geld zu kaufen gibt.

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Ja eule, was soll ich sagen... Einfach super umgesetzt!

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Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

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Vielen Dank.

Also mir ist schon absolut bewußt, daß dieses ein Forum mit Thema Chemie ist, keine über Bootsbau oder dergleichen.

Ich habe den Bericht nur deshalb hier gepostet, weil ich das irgendwann mal jemandem verspochen hatte.
Keine Sorge, ich habe nicht vor, dergleichen mehr hier zu veröffentlichen Smile

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eule hat Folgendes geschrieben:

Keine Sorge, ich habe nicht vor, dergleichen mehr hier zu veröffentlichen Smile



Warum?

In der Foren-Übersicht steht: "Hier kann wirklich alles besprochen werden." d.h. von meiner Seite her passt das....und wenn es andere stört...es zwingt sie keiner den Thread zu lesen und dort zu kommentieren....und Festplattenplatz ist inzwischen kein Problem mehr....

Bj68
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