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John Emsley: mörderische Elemente, prominente Todesfälle
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Kriminalgeschichte und Toxikologie

Der englische Chemiker und Wissenschaftsautor John Emsley (* 1938) hat eine erkleckliche Zahl populärwissenschaftlicher Bücher über Chemie geschrieben. Dieses hier, dessen englischer Titel Elements of Murder wie immer besser klingt als seine zwar wortgetreue, aber hölzerne deutsche Übersetzung, erschien 2005 in Großbritannien und wurde schon ein Jahr später bei Wiley-VCH auf Deutsch veröffentlicht. Das Buch beschränkt sich, nach einem einleitenden Kapitel über “giftige Elemente in der Alchemie“ im wesentlichen auf fünf Metalle und ihre Verbindungen: Quecksilber, Arsen, Antimon, Blei und Thallium. Weitere giftige Elemente werden in einem Anhang kurz resümiert. Ein Glossar erklärt einzelne, im Text verwendete Fachausdrücke.

Zu jedem der besprochenen Elemente wird zunächst sein Vorkommen, seine Gewinnung und die technische, medizinische oder kulturelle Verwendung besprochen. Dann folgen Kapitel, die sich mit der Toxikologie befassen und zwar sowohl historisch als auch zeitgeschichtlich, etwa bis zum Jahre 2003. Wobei auffällt, dass zwischen England und Deutschland doch auch Unterschiede bestehen, die man als toxikologie-soziologische oder toxikologie-kulturelle bezeichnen könnte. So widmet Emsley der Diskussion über Antimon in Babymatrazen (es wurde den Kunststoffüberzügen als Flammschutzmittel zugefügt), wo es in dem 70er und 80er Jahren für den plötzlichen Säuglingstod verantwortlich gemacht wurde, ein ausführliches Kapitel. Dieses Thema war in Deutschland (zumindest soweit sich der Rezensent erinnert) nie von Bedeutung. Umgekehrt nimmt der Artikel über die Verwendung von Amalgam in der Zahnmedizin - ein hierzulande für lange Zeit äußerst virulentes Thema - nur drei Seiten ein, und die berichteten Beispiele zur Toxizitätsdiskussion stammen überwiegend aus den USA.

Das Buch ist für eine populärwissenschaftliche Veröffentlichung außerordentlich umfangreich recherchiert, besitzt einen großem Literaturanhang und man staunt beim Lesen über die Fülle der historischen Informationen, die der Autor zusammengetragen hat. Berühmte Kriminalfälle, meist aus der englischen Geschichte, werden detailliert geschildert. Auch die Angaben zur Verbreitung, Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung der toxischen Elemente sind mit einer Exaktheit berichtet, die den gelernten Naturwissenschaftler zeigt. Bedauerlicherwiese geht dies doch etwas auf Kosten des Lesevergnügens. Verglichen mit dem spannenden, journalistisch anmutenden Stil von Jürgen Thorwalds “Handbuch für Giftmörder“ (1968) – übrigens ebenfalls sehr gut recherchiert - wirkt Emsleys Werk oft trocken, obwohl Einschübe von dezent makabrem, “britischem“ Humor den Text immer wieder auflockern. Es ist eben schwierig, viele Detailinformationen mit einem gut leserlichen Stil zu verknüpfen. Hier ist der Autor manchmal gescheitert. Bei der Schilderung, wie es zu den im Titel versprochenen „prominenten Todesfällen“ kam, verliert man ob der Vielzahl der erwähnten Personen und Orte leicht mal den Faden. Dagegen werden medizinisch-physiologische Vorgänge gelegentlich so grob dargestellt, dass eine Fehlinformation resultiert („Barium kann den Stoffwechsel so sehr beschleunigen, dass das Herz völlig aus dem Rhythmus … gerät“). Ob dies einer lückenhaften Sachkenntnis oder dem Wunsch nach möglichst einfacher Darstellung entspringt, vermag ich nicht zu beurteilen. Unter Berücksichtigung von Emsleys Exaktheit in allen anderen Aussagen bin ich aber geneigt, die zweite Möglichkeit anzunehmen.

Dennoch fand ich das Buch lesenswert, denn ich habe eine Unmenge neuer Geschichten, Anekdoten und Kuriositäten über Quecksilber, Arsen, Antimon, Blei und Thallium gelernt. Wie große Probleme bleihaltige Keramikglasuren in der Geschichte schon bereitet haben zum Beispiel. Oder wie ausgedehnt arsenhaltige Pigmente vor ca. 200 Jahren verwendet wurden. Napoleon soll sich auf St. Helena durch Trimethylarsin, das von Schimmelpilzen aus arsenhaltigen Tapeten freigesetzt wird, langsam vergiftet haben. Auch die Minimata-Katastrophe (eine Massenvergiftung durch mit Methylquecksilber verseuchte Meeresfische Ende der 50er Jahre) wird genau referiert und mehrere Vergiftungen von Wissenschaftlern durch Quecksilberdämpfe im Labor beschrieben. Die Medizinhistorie des Antimons ist umfassend dargestellt. Im ganzen staunt man doch darüber, wie sorglos in früheren Zeiten mit uns heute als hochproblematisch bekannten Stoffen umgegangen wurde. Und dass Saddam Hussein seine politischen Gegner bevorzugt mit Thallium beseitigte, war mir neu.

Im ganzen also ein lohnendes Buch für den, der die Toxikologie dieser Elemente verständlich und auf noch immer ziemlich aktuellem Niveau dargestellt haben möchte und sich für Kuriosa und Anekdoten interessiert. Wer sich eine spannende toxikologiehistorische Gutenachtlektüre wünscht, dem würde ich aber immer noch eher Thorwald empfehlen.


John Emsley: Mörderische Elemente – prominente Todesfälle;
2006 Wiley VCH Verlag GmbH & Co KGaA, ISBN-10: 3-527-31500-4. 444 Seiten. Preis (Hardcover): 24,90 €

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Das Buch habe ich schon länger und bereits zweimal gelesen!

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Ich weiß! Daher hattest du die Info, daß (angeblich! Wink) das Natriumantimonyltratrat dem Kaliumsalz vorgezogen wurde.

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